MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

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Re: MORDFALL FABIAN L. -- Videos/Podcasts

von Gastleser » Samstag, 07. November 2026, 23:02:10

Turmfalke23 hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 19:56:45 […..] bei den Ermittlungen im Fall von Fabian aus Güstrow ?
Und welche Auiswirkungen könnte dies auf die Urteilsfindung haben? […..]
Frank […..]
Ergänzend daraus „eine Aussage“ der Staatsanwaltschaft:
14min55

Kommen wir noch mal zu diesen digitalen Ermittlung.

Es hat, sage und schreibe, gute 9(!) Monate gedauert, bis das Handy von Gina H. vollständig ausgewertet wurde und der Gutachter dann endlich ein fertiges Gutachten hatte und er dies präsentieren konnte.

Das war dann schon mitten im Prozess. Dazu hieß es dann in einem Artikel von der Zeit im September 2026:

Im Prozess um den gewaltsam Tod des achtjährigen Fabian hat eine erneute Auswertung von Handydaten wohl nicht die erhoffte Klarheit gebracht.

Dies räumte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft ein, nachdem ein Landeskriminalbeamter die Ergebnisse vor dem Landgericht Rostock vorgestellt hatte.

Womöglich bringt auch eine erneute Auswertung keine größeren Aufschlüsse, auch weil die Standorddaten ausgeschaltet gewesen sein, so der Sprecher. […..]
https://youtu.be/JfHv3-wq2yQ?t=895
^^^^^^

Die Nk hingegen ist der Meinung, dass die Einlassung der Pesudologia Phantastica Angeklagten hinreichend für die richterliche Überzeugung sei:
14min30

Die Angeklagte hat sich doch als Täterin präsentiert, indem sie 95 Seiten erklärt hat.

Das war's doch.

Mehr braucht doch kein Gericht mehr. […..]
https://youtu.be/RwzkLlsvQGE?t=870

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Samstag, 07. November 2026, 21:23:13

Interview mit der Mutter, Tag 34
Spoiler

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Videos/Podcasts

von Turmfalke23 » Samstag, 07. November 2026, 19:56:45

Welche Versäumnisse gab es bei den Ermittlungen im Fall von Fabian aus Güstrow ?
Und welche Auiswirkungen könnte dies auf die Urteilsfindung haben ? Es steht Lebenslänglich, mit oder ohne besondere Schwere der Schuld im Raum, oder Freispruch.
Unbekannt ist mir das der Vater von Fabian am 30.10. zusammengeschlagen wurde. Bestätigt wurde dies behördlich nicht.
Auch die Großeltern wurden bedroht berichtet Gina in ihrer Einlassung vor der Kammer.
Frank berichtet in seinem Video hier darüber:

https://www.youtube.com/watch?v=JfHv3-wq2yQ&t=3s

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von lindenstein » Samstag, 07. November 2026, 19:49:51

Gastikus hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 20:54:25 Ein wohlgewählter Vergleichsfall und Denkzettel
Hallo,

da möchte ich mich bedanken und hoffentlich wird da in dem ganzen Sumpf und den Vernetzungen im Fall das richtige Urteil gesprochen.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastikus » Samstag, 07. November 2026, 16:19:13

Komisar_Rex_ hat geschrieben: ↑Freitag, 30. Oktober 2026, 17:30:11 Gina H.'s letzte Worte:
„Fakt ist: Ich werde kämpfen für meine Unschuld. Und ich lasse mich nicht mein ganzes Leben wegsperren. Und wenn ich bis zum höchsten Gericht gehen muss, das es gibt. Ich werde so lange kämpfen, bis ich wieder auf freiem Fuß bin.“
Der BGH ist so ziemlich Endstation
https://www.gesetze-im-internet.de/gvg/__12.html
Was bleibt dann noch an höheren Instanzen?
- Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Prüfung ob Grundgesetze nach Art 1 - 19 verletzt wurden. Es geht also nicht um die Prüfung der Revision.
- Individualbeschwerde zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Der EGMR prüft, ob die Bundesrepublik Deutschland durch das BGH-Urteil gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstoßen hat.
- Wiederaufnahmeverfahren (unwahrscheinlich. Der monatelange Spam, also die kristallisierte Form des fantastischen Gedankenguts von unzähligen Pseudo-Ermittlern, Pferdemädchen etc. hat bereits nichts bewirkt)

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Sronson » Samstag, 07. November 2026, 15:59:58

Maria hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 15:26:56 Müsste nicht in jedem Fall weiterermittelt werden. Mord verjährt schließlich nicht.
Nein, denn wenn die bisherigen Ermittlungsansätze ausgeschöpft sind und die Staatsanwaltschaft davon überzeugt ist, mit Gina die Täterin ermittelt zu haben, diese jedoch freigesprochen wird, bleibt der Mordfall mglw. ungeklärt, wie im Fall des kleinen Leon aus Tirol.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastikus » Samstag, 07. November 2026, 15:46:13

Maria hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 15:26:56 Müsste nicht in jedem Fall weiterermittelt werden. Mord verjährt schließlich nicht.
Dieses muss ist subjektiv und trifft nur auf Privatleute zu, die Gina H. da raus ermitteln wollen. Also der Rattenschwanz der sich von MR bis nach Südamerika zieht. Es trifft nicht auf offizielle Justizbehörden bzw. allgemein die Judikative und Exekutive zu.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastikus » Samstag, 07. November 2026, 15:36:47

Gar nichts wird ohne Anlass weiterermittelt. Seit 09.03.2026
Fall Fabian: Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen abgeschlossen
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenb ... e-198.html
Außer dass die Behörden seit Monaten mit Müll aus dem Netz vollgespamt werden (bestätigt durch Anne Kruse) passiert hier nichts außer:
Revision Frist 1 Woche -> Urteil nicht rechtskräftig -> Revisionsbegründung Frist 1 Monat -> Stellungnahme der Gegenseite zur Revisionsschrift -> alles geht an den BGH, dieser entscheidet zu ~90% ohne mündliche Hauptverhandlung

Revision
Gastikus hat geschrieben: ↑Montag, 02. November 2026, 19:06:00
Sachrügen/Verfahrensrügen
Gastikus hat geschrieben: ↑Montag, 02. November 2026, 21:13:51
Bitte nicht Revision / Berufung und Wiederaufnahmeverfahren verwechseln.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Maria » Samstag, 07. November 2026, 15:26:56

Leser hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 14:24:19 Wie würde es weitergehen, falls es einen Freispruch gibt? Würde dann weitervermittelt?
Müsste nicht in jedem Fall weiterermittelt werden. Mord verjährt schließlich nicht.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastikus » Samstag, 07. November 2026, 15:19:57

Sronson hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 10:48:23 Gesetzt den Fall, das Gericht bestätigt nur eines der beiden Mordmerkmale, so könnte doch die Staatsanwaltschaft versuchen, die Anerkennung des 2. Merkmals per Revision zu erreichen. Wäre dies auch der Nebenklage mgl.?
Soweit ich das rechtlich richtig verstehe nein. Am besten einmal komplett lesen, ist nicht viel und interessant
https://revision-bundesweit.de/revision-der-nebenklage/
In der Regel werden Revisionen der Nebenklage anhängig gemacht, wenn der Beschuldigte von dem Tatvorwurf freigesprochen wird und der Nebenkläger bzw. die Nebenklägerin eine Verurteilung erreichen möchte.
Der entsprechende Paragraf sagt einem Nichtjuristen ohne Beispiele aus der Praxis natürlich total viel
https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__400.html

Wenn es entgegen aller Wahrscheinlichkeit einen Freispruch gibt, sollte jedem klar sein dass die StA direkt Revision einlegen wird.
Die Nebenklage kann sich anschließen. Die Verteidigung ist raus weil Freispruch.
Wenn innerhalb 1 Woche das Rechtsmittel eingelegt wird, ist das Urteil nicht rechtskräftig. Wie bereits vor kurzer Zeit beschrieben geht alles an den BGH.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Turmfalke23 » Samstag, 07. November 2026, 15:09:07

Leser hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 14:24:19 Wie würde es weitergehen, falls es einen Freispruch gibt? Würde dann weitervermittelt?
Sofern der Freispruch möglicherweise rechtskräftig wird, darf man in Deutschland grundsätzlich nicht erneut wegen derselben Tat angeklagt werden.

Ich denke, dass die StA. gegen einen Freispruch von Gina was dagegen hat und den Freispruch über ein Revisionverfahren am BGH anfechten wird.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass im Fall des Mordes an der damals 17-jährigen Frederike von M. aufgrund mangelnder Beweise ein Freispruch erfolgte.
Hier konnten selbst spätere neueste Erkenntnisse der DNA-Forschung nicht helfen, wenn es der 2. Senats des BVerfG. anders sieht.

Meines Erachtens eine Zumutung für die Angehörigen v. Frederike. :cry:

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Leser » Samstag, 07. November 2026, 14:24:19

Wie würde es weitergehen, falls es einen Freispruch gibt? Würde dann weitervermittelt?

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Sronson » Samstag, 07. November 2026, 11:28:52

Gastleser hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 11:02:38Sollte Schütt Gina H. freisprechen, kann er kein Motiv anbieten. Fabians Mutter wird dann weiter mit der quälenden Frage nach dem Warum leben müssen.
Das Schlimmste bei einem Freispruch wäre doch, dass die bisherigen Ermittlungen keine weiteren Tatverdächtigen hervorgebracht haben. Wenn sich also keine neuen Spuren ergeben, wird der Mord ungeklärt & ungesühnt bleiben - Wie im Fall Leon aus Tirol.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Samstag, 07. November 2026, 11:02:38

NDR
Der Fall Fabian: Wut und Empörung, Unbehagen und Mitleid

NDR, von Andreas Frost, Stand: 07.11.2026 10:48 Uhr

Seit April wird jedes Detail im Rostocker Mordprozess bundesweit beobachtet und kommentiert. Der Prozess hat weit über die juristischen Fragen hinaus Anteilnahme, Empörung und Diskussionen ausgelöst.

[…..] Am dritten Prozesstag sorgte Fabians Vater vor Gericht für eine Überraschung. Als er aussagte, er sei wieder mit Gina H. zusammen und halte sie für unschuldig, sorgte das für Unverständnis zum Beispiel in Netzwerken. Dort brachte ihm diese von manchen als falsch empfundene Loyalität den hämischen Vorwurf ein, er sei ein Verräter.

Dialoge einer toxischen Beziehung […..]

Die Social-Media-Posts und die Podcast-Folgen des NDR zum Fall Fabian wurden zahlreich kommentiert. Die User schrieben aus ganz Deutschland und selbst aus Österreich und der Schweiz. Eine kleine Auswahl:
"Das Ganze war ein monatelanger Höllentrip für die Mutter."
"Es ist so furchbar und kaum zu ertragen, was dieser kleine Mensch erlitten haben muss."
"Sie hat Fabian und seiner Mami jede Würde genommen."
"Es ist nicht in Worte zu fassen. Es ist unbegreiflich."
"Egal was da gewesen sein mag, es ist Mord und dafür muss die volle Strafe durchgesetzt werden."
"Am Ende kommt sie damit durch, unfassbar."
"Zu dünn die Indizien."
"Ich halte sie auch für unschuldig. Sie soll wohl der Sündenbock sein."
"In diesem Fall will ich nicht Richterin sein." […..]

Die Staatsanwaltschaft vermutet als Motiv, dass Fabian sterben musste, weil sich Gina H. an Fabians Vater für das Ende der Beziehung rächen wollte. Auch habe sie Fabian als Störfaktor gesehen, der einer erneuten Liaison im Wege gestanden habe.

Sollte der Vorsitzende Richter Holger Schütt am kommenden Dienstag Gina H. wegen heimtückischen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilen, wird auch er darlegen, welches Motiv er aus all den Äußerungen der Angeklagten herausgelesen hat. Sollte Schütt Gina H. freisprechen, kann er kein Motiv anbieten. Fabians Mutter wird dann weiter mit der quälenden Frage nach dem Warum leben müssen.

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenb ... n-276.html

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Sronson » Samstag, 07. November 2026, 10:48:23

HE_Gffnkkd hat geschrieben: ↑Samstag, 07. November 2026, 10:12:39
Mit großen Schritten an der Realität vorbeigeschrammt, würde ich sagen. Wie stellt sich ein Jurist denn konkret vor, dass Fabian in seiner Situation Hilfe hätte herbeirufen, die [mutmaßliche] Täterin umstimmen oder die Durchführung des Anschlags auf sein Leben auf irgendeine andere Weise hätte erschweren können?

Ich wage mal die Prognose, dass das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen und beide genannten Mordmerkmale als erfüllt ansehen wird. Dass überhaupt kein Mordmerkmal anerkannt wird, kann ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen.

Gesetzt den Fall, das Gericht bestätigt nur eines der beiden Mordmerkmale, so könnte doch die Staatsanwaltschaft versuchen, die Anerkennung des 2. Merkmals per Revision zu erreichen. Wäre dies auch der Nebenklage mgl.?

Im Mühlhäuser Fall hatte die Mutter als Nebenklägerin Revision eingelegt. Dort ging es aber darum, eine Verurteilung wegen Totschlags in eine wegen Mordes zu ändern. Wie tragisch & absurd, dass es letzten Endes beim Totschlag am kleinen Sohn blieb, während der Vater wegen Mordes an seiner Tochter verurteilt wurde.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Samstag, 07. November 2026, 10:35:30

dpa
Fall Fabian: Verurteilung oder Freispruch? Und was danach?

Quelle: dpa
dpa-infocom, dpa:261107-930-958831/1
7. November 2026, 5:30 Uhr


[…..] Die Urteilsverkündung am Dienstag stellt zumindest einen vorläufigen Abschluss in dem Mammutverfahren dar. […..]

Der Angeklagten könne man zugutehalten, dass sie bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, hatte Schley gesagt. Eine Wiederholung einer solchen Tat in Zukunft sei zudem unwahrscheinlich.[…..]

Schley warf der Beschuldigten zudem planvolles Vorgehen vor. Außerdem sei es ihr herabwürdigendes Ansinnen gewesen, dass Wildtiere die Leiche an dem auch als Schweinesuhle bezeichneten Ort auffressen. […..]

Die Verteidigung sei zum Ergebnis gekommen, «dass viele Fragen offenbleiben müssen und deshalb keine geschlossene Beweiskette am Ende vorliegt», hatte Anwalt Thomas Löcker gesagt. […..]

«Theoretisch kommt auch eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht», erklärt Gerichtssprecherin Anne Kruse. Dies könne der Fall sein, wenn die Kammer zwar von der Täterschaft der Angeklagten überzeugt ist, aber keine Mordmerkmale erfüllt sieht. Kruse hält das aber im Falle einer Verurteilung nur für eine theoretische Möglichkeit. «Im Grunde gibt es aus meiner Sicht neben Verurteilung und Freispruch keine relevanten Optionen.» […..]

[…..] Urteilsgründe. Kruse schätzt, dass die zusammenfassende mündliche Begründung wegen des Umfangs der Beweisaufnahme zwei bis drei Stunden dauern wird. […..]

https://www.zeit.de/news/2026-11/07/fal ... was-danach

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von HE_Gffnkkd » Samstag, 07. November 2026, 10:12:39

Kalle hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 16:59:22 In meinem Rechtsverständnis 100% Nein. Wenn Strafmündigkeit erst ab 14 bejaht wird, ist m. E. der Umkehrschluss zwingend: Er kann nicht für eine Vertrauensperson strafmildernd wirken, weil man dem Schutzbefohlenen eine Ausweichmöglichkeit oder ein “sehenden Auges” zuschreibt. Das sähe ich als Unrecht, der besondere rechtliche Schutz sei unantastbar jeglicher Interpretation.
Sronson hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 16:36:35 Ich frage mich, bei welchem 8-jährigen Kind man ernsthaft davon ausgehen kann, dass es damit rechnet, gleich niedergestochen zu werden, nur weil eine Vertrauensperson ein Messer aus der Tasche zieht. Das dürfte wohl auf die wenigsten zutreffen. Die Arglosigkeit eines so kleinen Kindes lässt sich doch nicht an dem messen, was ein Erwachsener in derselben Situation erwartet hätte.
Das habe ich intuitiv a priori auch so angenommen, bevor ich das das erste Mal vor ein paar Wochen genauer recherchiert habe.
Sronson hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 18:22:12 Der BGH sieht es offenbar anders.
Du hast ja jetzt die entsprechende Rechtsprechung schon selbst gefunden. 😀

Ich muss ehrlich sagen, der entsprechende und von dir ja auch zitierte Leitsatz des BGH
4. Die Tötung eines sehr kleinen Kindes, das infolge seiner natürlichen Arg- und Wehrlosigkeit gegen einen Angriff auf sein Leben nichts unternehmen kann, ist nicht als heimtückisch anzusehen, weil seine Wahrnehmungsfähigkeit noch nicht ausgebildet ist. Anders liegt es jedoch bei einem Kind, das einen auf sein Leben zielenden Angriff erkennen und versuchen kann, Hilfe herbeizurufen, den Täter umzustimmen oder in sonstiger Weise dem Anschlag zu begegnen bzw. die Durchführung zu erschweren.
wirkte damals schon sehr weltfremd für mich. Jetzt, wo ich ihn nochmal lese, verstärkt sich dieses Gefühl.

Dass Juristen kleinen Kindern nicht automaisch Arglosigkeit gegenüber Personen, denen sie stark vertrauen, zuschreiben, ist doch von gesunden Menschenverstand her vollkommen unlogisch. Von dem Quatsch, der für sehr kleine Kinder gelten soll, gar nicht erst zu reden.
Meiner Meinung nach werden hier Täter völlig zu Unrecht durch unser Justizsytem vor häteren Strafen geschützt.

Aber so ist es nunmal leider und darum vertrete ich wie zuvor dargelegt die Auffassung, juristisch korrekt wäre es, Heimtücke im Sinne von "In dubio pro reo" zu verneinen.

Gastleser hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 19:04:23 Ergänzend Affekt, psychische Ausnahmesituation, Fehlen von Abwehrverletzungen:
Danke für die Ergänzungen, finde ich sehr interessant, und bestärken mich in meiner juristischen Sicht.

Es ist ja meiner Meinung nach nicht mal zweifelsfrei klar, ob Gina, ihre Täterschaft vorausgesetzt, bereits in dem Moment, wo sie Fabian aus der Wohnung abgeholt hatte, schon eine eindeutige Tötungsabsicht hatte oder ob sie da noch in einer Art "Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein?"-Modus war.


----------
Sronson hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 16:21:23 Also ich sage es noch einmal ganz deutlich: Wer ein Kind tötet, um eigene Ziele zu erreichen, handelt mMn immer & ohne Ausnahme besonders verachtenswert.
Das entspricht auch meinem ethisch und moralischem Verständnis.
Wie man jedoch bei der Heimtücke sieht, spinnen die Juristen manchmal, was ihre juristischen Interpretationen angeht 😂

Meinen bisherigen Erfahrungen aus allen Fällen, die ich kenne, sagen hier:
Alles, was juristisch, als niedrige Beweggründe eingestuft wird, empfinde ich auch immer als moralisch und ethisch besonders verachtenswert, aber nicht alles, was ich moralisch und ethisch besonders verachtenswert empfinde, wird juristisch auch als niedrige Beweggründe eingestuft.

Soweit ich mich erinnere, fluchen Juristen auch auf das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe, weil das so ein Gummipargraph ist, der wenig klar definiert ist.

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Freitag, 06. November 2026, 22:30:58

Interview mit Ehrenwerter Spitzen Gerichtssprecherin und Richterin, nach den Plädoyers, Tag 33
Spoiler

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Freitag, 06. November 2026, 22:21:36

Interview mit Ra Ohm, Tag 33
Spoiler

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

von Gastleser » Freitag, 06. November 2026, 21:48:02

lindenstein hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 19:41:30[…..]
Vielleicht erinnert sich noch einer daran und denkt nach.
Wenn sich jetzt mal Leute die Mühe gemacht haben die Reportage zu dem Fall Horst Arnold aus Aschbach sich anzusehen, wird doch auch dem letzten Hinterbänkler klar, da läuft was falsch. […..]
Lese Empfehlung, das Thema hatte @SonntagsGast auch angesprochen, aber dass ist natürlich aufgrund „CSI Wählscheibe“, „DEKRANCIS Engine Control Unit“ und 360° Ermittlungen in diesem Fall unwahrscheinlich, oder:
Justizirrtümer
Blind vor der Wahrheit

Horst Arnold und Harry Wörz - zwei Namen, die für fatale Justizirrtümer stehen: Fehlurteile zerstörten ihr Leben. Im Mordfall Peggy könnte ein Skandal bevorstehen, das Schicksal von Gustl Mollath empört seit langem. Glaubt man einem hohen Richter, ist die Zahl falscher Schuldsprüche riesig.
SPON, Von Thomas Darnstädt, 26.04.2013, 15.11 Uhr

[…..] Dabei warnen selbst hohe Richter vor der Irrtumsanfälligkeit des Apparates: Es sei die "Lebenslüge" der Justiz, so der BGH-Richter Ralf Eschelbach, dass es "kaum falsche Strafurteile" gebe. Nach Eschelbachs Schätzung ist jedes vierte Strafurteil ein Fehlurteil.

Wenn der erfahrene Richter recht hat, werden jeden Tag in Deutschland 650 Menschen in Deutschland zu Unrecht wegen einer Straftat verurteilt. Statistiken, an denen Eschelbachs Behauptung zu überprüfen wäre, gibt es keine - wie auch: Das Justizsystem, moniert der kritische Richter, "deckt Entscheidungen, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit falsch sind". […..]

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ ... 96583.html

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