Detective Bartek hat geschrieben: ↑Mittwoch, 21. Januar 2026, 00:38:38
In diesem Fall beschäftigt mich außerordentlich und erstaunt mich, wie der Täter während dieser Telefonate mit Frauke umgegangen ist. Wie wir wissen, wechselte er die Standorte innerhalb von Paderborn, die Leiche wurde außerhalb der Stadt gefunden, und auch die Gegend um Nieheim spielte zu Beginn eine Rolle. Es ist also sicher, dass sich der Täter mit ihr fortbewegte.
Aber wie? Das erscheint kaum glaubwürdig. Eine Woche lang mit ihr unterwegs zu sein und dabei nicht gefasst zu werden.
Natürlich ließe sich das damit erklären, dass es sich um einen Lieferwagen, einen Transporter oder einen Van gehandelt hat. Aber wenn der Täter allein war – wie hätte er das bewerkstelligen sollen? Das Fahrzeug anhalten, nach hinten zu Frauke gehen und sie anweisen zu telefonieren? War sie zu diesem Zeitpunkt gefesselt? Ist es überhaupt möglich, dass es sich um einen normalen Pkw handelte und Frauke gefesselt auf der Rückbank saß?
Das hätte ein enormes Risiko und extreme Kaltblütigkeit erfordert. Wenn der Täter allein war, musste er während der Telefonate die vollständige Kontrolle über seine Umgebung aufgeben. Es hätte nur das Interesse eines einzigen Passanten gebraucht, und der Täter wäre in ernste Schwierigkeiten geraten. Besonders wichtig ist dabei auch, dass er am Samstag bei hellem Tageslicht aus Paderborn anrief.
All das lässt vermuten, dass er möglicherweise nicht allein gehandelt hat. Einen vergleichbaren Fall hat es in der weltweiten Kriminalgeschichte meines Wissens noch nie gegeben – warum sollte ein einzelner Täter auf die Idee kommen, ein solches Risiko einzugehen?
Vielleicht sollte man daher ein Szenario in Betracht ziehen, in dem mindestens zwei Personen beteiligt waren. Dann erscheint vieles weniger riskant. Angenommen, es handelte sich um einen Van: Eine Person im hinteren Bereich hätte Frauke überwacht und jedes ihrer Worte sowie jede Bewegung während des Telefonats kontrolliert, während der Fahrer vorne das Geschehen auf der Straße im Blick behielt und mögliche Gefahren einschätzte. Auch das wäre riskant gewesen – aber allein gehandelt wäre es reiner Wahnsinn.
Ja, Frauke müsste unter erheblicher Bewachung und Kontrolle gestanden haben. Der oder die Täter müssten mit Gewalt gedroht oder sie mit einer Waffe bedroht haben. Sie müsste die meiste Zeit gefesselt und geknebelt gewesen sein. Das passt eher zu professionellen Tätern, die sowas schon öfter gemacht haben. Aber mal ehrlich, warum sollten diese eine Frau wie Frauke entführen, ohne das etwas für sie dabei herausspringt wie Geld etc. Dieses Szenario passt meiner Meinung auch nicht zu Fraukes Verhalten bei den Anrufen. Frauke klingt anders laut Chris, aber nicht so, als wäre sie panisch vor Angst oder kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Und, was ich auch erstaunlich finde: Frauke war überzeugt, dass sie nach Hause kommt!
Siehe Anruf von Frank am Freitag:
Frank: „Frauke, was machst Du, wann kommst Du nach Hause?"
Frauke: „Ich komme heute nach Hause, auch nicht zu spät. Ich bin in Paderborn, frag nicht, ich komme nach Hause."
Und das ist bemerkenswert für jemanden, der bereits tagelang festgehalten wird und das Gesicht des Täter gesehen haben dürfte und ihn deshalb gegenüber der Polizei identifizieren kann.
Ich glaube, sie war deshalb so überzeugt weil
1. der Täter objektiv gesehen alles andere als bedrohlich oder gefährlich war
2. weil der Grund, warum der Täter sie nicht gehen lassen wollte bzw. konnte, nichts war, was nicht geklärt oder beseitigt werden konnte
und 3. weil Frauke kein Problem damit gehabt hätte, Stillschweigen zu bewahren und den Täter nicht bei der Polizei anzuzeigen.
Ich glaube, das gab ihr Selbstvertrauen die Situation meistern zu können, auf den Täter positiv einzuwirken.
Ich glaube, der Plan von beiden war, dass Frauke freigelassen wird, unter der Bedingung, dass Frauke auf eine Anzeige verzichtet, keine Polizei einschaltet, Stillschweigen über Identität des Täters und Festhalteort bewahrt und alles wieder wie vorher ist, als wäre nichts gewesen.
Aber der Täter konnte sich nicht sicher sein, u.a, weil er davon ausgehen musste, dass die Familie von Frauke erheblich Druck machen würde und auf eine Anzeige bestehen könnte. Er hatte keine Sicherheit. Dazu kam, dass die Polizei wusste, dass die erste SMS rund um Nieheim Entrup abgeschickt worden war. Ich könnte mir vorstellen, dass es Fraukes Idee war, von verschiedenen Orten in Paderborn anzurufen und so falsche Fährten zu legen. Als zusätzliche Absicherung für den Täter, falls die Polizei doch weiter ermittelt, obwohl Frauke wieder wohlbehalten zuhause ist.
Ich glaube, Frauke war sich sicher, dass sie und der Täter, auf diese Weise alles zu einem guten Ende bringen könnten- ein gutes Ende für sie beide. Deshalb machte sie mit bei den Anrufen, und verhielt sich ruhig im Fahrzeug, auch ohne massiv bedroht zu werden, natürlich mit der Aussicht vielleicht freigelassen zu werden.
Der Täter zeigte seinen guten Willen, aber ich glaube, spätestens mit dem Anruf von Frank merkte er, dass die Angehörigen absolut ahnungslos waren (im Sinne, dass sich keine Zeugen der Entführung, des Einstiegs in sein Auto bei ihnen gemeldet hatten, niemand wusste was passiert war), die Sache sogar falsch einschätzen (siehe Frank, der dachte, Frauke hätte irgendeinen Blödsinn gemacht und traute sich nicht nach Hause).
Da reifte im Kopf des Täters der Gedanke heran, dass er noch eine andere Möglichkeit hatte: nämlich Frauke nicht freizulassen und mit der Angst zu leben vielleicht doch angezeigt, von der Polizei gefunden und die Konsequenzen ertragen zu müssen (Gefängnis, Geldstrafe, gesellschaftliche Ächtung, Jobverlust, Stress und Sorgen für seine Familie - was weiß ich, was ihm gedroht hätte) sondern Frauke als einzige Zeugin für sein Verbrechen verschwinden zu lassen bzw zu töten.