MORDFALL LIEBS -- Diskussion

ÖFFENTLICHE DISKUSSION
Mister Mason

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Mister Mason »

Miss_Erfolg hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 17:50:43 Das wusste die Familie zu diesem Zeitpunkt doch nicht.
Frau Liebs suchte bereits am Mi. 21.06. zur Mittagszeit die Polizeiwache in Bad Driburg auf um Fra6ke als vermisst zu melden.
Man verfährt doch nicht auf diese Weise wenn keine Gefahr im Verzug ist.
Fraukes vermeintliche Blessuren gehören wahrscheinlich ins Reich der Fantasie und wurden durch die Erzählungen eines anonymen Schreibers befeuert.
Gast

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Gast »

Was man hätte anders machen können (am Telefon den Täter im Hintergrund ansprechen) oder ob man in der damaligen Situation zum Abiball gegangen wäre oder nicht, das ist doch müßig zu diskutieren. Hocuspocus, evereybody focus...

Telefonzellen gab es 2006 schon noch vereinzelt ein paar. Aber soweit ich mich erinnere, praktisch nur noch welche für so Telefonkarten mit Guthaben, die man bei der Post kaufen konnte. Münztelefone gab es schon zum Ende der D-Mark nur noch vereinzelt, mit der Umstellung auf Euro im Bargeldverkehr (1.1.2002) sind da praktisch keine auf die neue Währung umgebaut worden. Da wurde vielmehr viel abgebaut, weil eh längst die allermeisten ein Handy hatten und nutzten. Die Telefonkarten hatten übrigens lange ein Verfallsdatum von ich glaube drei Jahren, gab da Gerichtsentscheidungen meine ich, ob Restguthaben ausbezahlt werden müssen, müsste vor 2006 gewesen sein.
MMn sehr unwahrscheinlich, dass Frauke eine funktionierende Telefon-Guthabenkarte dabei hatte, das war 2006 längst durch.

Ja, das Capitol lag auf einer möglichen Heimwegroute von Frauke, und zwar der, die sie vermutlich am ehesten eingeschlagen hatte/hätte (Widukindstraße).
Aber wenn sie da noch vorbeigeschaut hätte, auf der Suche nach einem bekannten Gesicht, gar ihr bekannte Türsteher oder Barkeeper angequatscht und einen Drink geschnorrt hätte - da hätte es doch auch Zeugenmeldungen dieser Kontakte bzw. Sichtungen vor Ort gegeben. Gesucht wurde in der Stadt mit Flyern mit ihrem Foto bereits am übernächsten Tag - und bestimmt auch beim Capitol, das an einem möglichen Heimweg liegt und wo viele Leute unterwegs sind, von denen nicht wenige sie auch vom Sehen kannten. Dass sich da keiner erinnern oder den Tag nicht mehr hätte zuordnen können, nach so kurzer Zeit kein Argument.

Aber grundsätzlich, dass Frauke statt dem direkten Heimweg noch initiativ einen Abstecher gemacht und irgendwo oder bei jemandem vorbeigeschaut hätte, ist natürlich grundsätzlich denkbar - ob nun spontan, lose oder fest verabredet. Es muss nicht zwangsläufig so gewesen sein, dass sie tatsächlich zufällig auf jemanden getroffen, jemand ihr scheinbar zufällig aufgelauert oder sie einfach von der Straße abgegriffen worden sein muss.
Eberhoferin hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 10:02:16
Wenn es so war: Was glaubst du, könnte einer Freilassung/Heimkehr in diesem Fall im Weg gestanden haben? Von den Funzellen her war das ja der Anruf, der am nächsten an ihrer Wohnung war. Was könnte sie oder sen Täter gehindert haben, dass sie wirklich kommt?
Die Wohnortnähe ist da ja nicht nur die Luftlinie, sondern auch die Route: Wann man (plausibel) über die B64 anfährt, fährt man da raus und biegt dann nicht nach links auf die Borchener Richtung Stadtmitte ab (wo nach wenigen hundert Metern Fraukes Zuhause lag), sondern nach rechts, wo man dann praktisch unmittelbar in besagtem Industriegebiet ist, nach hundert Metern der Abzweig links, wo Samstag Nachmittag "Tote Hose" ist. Natürlich rein spekulativ, aber das würde sich doch damit decken, sie nach Hause fahren zu wollen und kurz vorher (eine Minute...) nochmal wo ungestört anhalten zu wollen. Würde ich ja ohne weiteres als geografischen Zufall einordnen, wenn da nicht auch die ungewöhnliche Zeit und die Ankündigung explizit zeitnaher Heimkehr Freitagnacht und eben bei jenem Samstagtelefonat wäre. Wie gesagt, Frauke erscheint mir bei den Telefonaten bis Sonntag nicht wie jemand, der eh sicher ist, nicht freigelassen zu werden, im Gegenteil. Und auch aus Täterperspektive macht die Ankündigung sehr zeitnaher Heimkehr ohne jede entsprechende Absicht keinerlei Sinn, sofern man das nicht als provokantes Kasperletheater fürs Publikum ansieht (was ich für recht absurd halte).

Gut, wenn es so war...
In dem Szenario, wo man Frauke festhielt, weil sie ansonsten etwas mit erheblichen Folgen für den/die Täter berichten/anzeigen könnte, geht es nicht darum Frauke festzuhalten, um an ihr Straftaten zu begehen (sexuelles Motiv, Sadismus, Rache...) sondern um die Vermeidung von juristischen/sozialen/beruflichen Folgen, wenn sie "plaudert". Ihr Tod ist da als weit schwerwiegendere Tat zunächst(!) keine "Lösung", die irgendwie im Raum stehen würde, weder für Täter noch für Frauke selbst. Es ist zunächst klar, dass es irgendwie mit ihrer Freilassung enden muss.
Das heißt, Frauke und Täter wollen im Grunde dasselbe, sie wird soweit ordentlich behandelt (keine sexuelle/körperliche oder über das Festhalten als solches hinaus psychische Gewalt) und hat allen Grund, mit kooperativem Verhalten auf eine möglichst baldige und (zunächst alternativlos/selbstverständlich erscheinende) Freilassung mit hinzuwirken. Was es braucht, ist eine Vereinbarung ihres Stillschweigens, welcher der Täter vertrauen kann. Natürlich will sie ihn davon überzeugen, ist deshalb kooperativ. Aber auch er will ja so eine Lösung, hat kein Interesse, Frauke unnötig weiter gegen sich aufzubringen und ihr Grund zu geben, ihn nach einer Freilassung verraten zu wollen. Deshalb glaube ich da an "gute Behandlung". Art und Inhalt der Anrufe sowie Fraukes Auftreten bei den Anrufen passen weit besser zu so einem Rahmen als zu irgendwelchen Szenarien mit wunder weiß wie durchdachtem Täterhandeln in bösartiger Absicht im Rahmen eines Verbrechens, bei dem ihr Tod von vornherein feststeht.
Nur, es kommt zu keiner solchen Vereinbarung, die für ihn hinreichend vertrauenswürdig wäre, sein könnte. Vielleicht ist das Misstrauen gegenüber Frauke zu groß, wahrscheinlich aber vor allem die Ängste vor den Folgen, falls sie doch "plaudert".
Erschwerend kommt hinzu, dass ihr Verschwinden ab Donnerstag öffentlich und polizeilich als mögliche Entführung kommuniziert wird. Aus (auch unserer) Umfeld-Sicht und im Nachgang ist das zwar folgerichtig und erscheint selbstverständlich, aber aus damaliger situativer Sicht von Täter und Frauke nicht unbedingt die Eskalation, die man auf dem Schirm gehabt hatte, wenn eine Erwachsene mal zwei Tage nicht Zuhause ist. Der Fokus war da zunächst klar auf Frauke/Täter/Anlass, nicht auf dem Gesamtbild von außen. Auf einmal ist er also mutmaßlicher Entführer, es geht plötzlich nicht mehr nur darum, dass Frauke über den Anlass der Situation Stillschweigen bewahren soll, sie würde sich nach einer Heimkehr erklären müssen, ohne dass es dabei einen "Entführer" gibt. In dem Sinne kommt es zu den Anrufen, um den Entführungsverdacht zu entkräften und einer Heimkehr den Boden zu bereiten, die ohne Offenlegung der tatsächlichen Umstände auskommen kann.
Der Täter will sie freilassen können, Frauke (obwohl von ihm festgehalten, am Gehen gehindert) da vielleicht sogar diejenige von ihnen, die sortierter ist, während er zunehmend verzweifelt, sich nicht auf das Risiko einlassen kann, sie gehen zu lassen. Aber so genau will ich das gar nicht modellieren, kann man nicht wissen und ist an der Stelle auch nicht von Bedeutung.
Jedenfalls realisiert man, dass es so nicht geht, dass Fraukes tagelanges Fernbleiben die Situation weit größer gemacht hat, als sie anfangs war, dass eine Heimkehr ohne Folgen für ihn utopisch ist, gar zusätzliche Folgen für die Freiheitsberaubung im Grunde unvermeidbar sind - weil Frauke bei allem möglicherweise von ihr vorgebrachten Verständnis nicht wirklich Grund hat, nichts zu erzählen, dem Wissen-Wollen des Umfelds (und der Polizei?) standzuhalten.
Ob Frauke zu der Erkenntnis kommt, dass ohne Freilassung nur ihr Tod am Ende stehen kann, oder ob der Täter drauf kommt und es ausspricht - spielt keine Rolle. Jedenfalls passiert genau das nach dem Sonntag-Anruf, vielleicht erst am Montag, ist aber wohl der Grund, warum am Montag keine Frauke anruft und ihr Sprüchlein von der Heimkehr aufsagt.

Die Motivation hinter dem Dienstag-Anruf ist fraglich. Man könnte ein zugestandenes Abschieds-Telefonat annehmen, aber da stellt sich natürlich die Frage, warum Frauke da nichts Zielführendes "ausgeplaudert" hat. Sie konnte da lange und augenscheinlich ungehindert reden und war ja durchaus in der Verfassung für Spontanäußerungen, brüchige Selbstkontrolle.
Ich würde da im Kontext doch eher einen "letzten verzweifelten Versuch" annehmen. Frauke ist zwar völlig hinüber, rechnet mit ihrem Tod, bemüht sich aber dennoch, sich an die "Regeln" zu halten, nichts über ihre Situation verlauten zu lassen. Das verzweifelte Festhalten am Narrativ der möglichen (und eigentlich von beiden gewünschten) Freilassung als letzter Strohhalm der Hoffnung, so etwa. Was genau da vorher zwischen den beiden wie kommuniziert worden war, weiß man natürlich nicht. Aber ich sehe da eine Situation, in der der Täter viel eher ebenfalls maximal aufgewühlt, überfordert war - nur dass der den Schlüssel zu ihrem Käfig hatte (bildhaft) und in ihrem Tod nicht das Ende, sondern die Lösung für seine Verzweiflung erkannt hatte.

In meinen Augen passt die oben umrissene Dynamik der Situation auch im zeitlichen Rahmen sehr gut.
Ein Anlass, weswegen er Frauke nicht gehen lässt. Zunächst ist er vielleicht sehr dominant, übt viel Druck aus, lässt seinen Stress mit der Situation ihr gegenüber aus. Hält sie fest, ohne dass weiter viel passiert. In dem Sinne auch beim ersten Anruf Frauke vom Stress erschöpft, übernächtigt, verängstigt, vielleicht auch mit involvierten Substanzen. Ihr Text da augenscheinlich vorgegeben, von ihr vorgetragen, "ich wollte sagen, dass...".
Man erkennt, so kommt man nicht weiter. Frauke erkennt, dass sein Vertrauen in sie der Schlüssel ist und kooperiert, er erkennt, dass eine (im Rahmen des möglichen) ihm möglichst wohlgesonnene, zumindest verständnisbereite Frauke nötig ist. Man kooperiert auf ein gemeinsames Ziel hin, drei Tage bis Sonntag, es scheitert immer wieder an seiner Angst und vielleicht Misstrauen, jeden Tag.
Es geht in die nächste Kalenderwoche, kein Fortschritt in Sicht, vielleicht geht es Frauke gesundheitlich nicht gut (Hygiene, Versorgung, Stress...), vielleicht bringt die neue Woche ihm berufsbedingt Schwierigkeiten, die Festhaltesituation weiter aufrecht erhalten zu können.
Wie gesagt, die Zeiträume/Abstände von jeweils 2-3 Tagen bis zu einem "Paradigmenwechsel" erscheinen mir für so ein Szenario passend, erwartbar.
Dem gegenüber steht natürlich die Frage, bei welchen völlig anderen Tatumständen/Motiven wäre denn ein Überleben von etwa einer Woche und Anrufe mit so in "Schritten" erkennbarer Entwicklungsdynamik plausibel?

Ja, und zu deiner ursprünglichen Frage: Falls die Samstags-Fahrt auch den Sinn einer möglichen Freilassung ebenda gehabt haben sollte, könnte das ganz im obigen Sinne sehr kurzfristig, quasi unmittelbar daran gescheitert sein, dass der Täter sich doch nicht dazu durchringen konnte, "noch etwas Zeit brauchte" - weswegen Frauke dann am Telefon von "heute, nicht so spät" sprach.
Miss_Erfolg
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Miss_Erfolg »

Mister Mason hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 21:26:35 Frau Liebs suchte bereits am Mi. 21.06. zur Mittagszeit die Polizeiwache in Bad Driburg auf um Fra6ke als vermisst zu melden.
Man verfährt doch nicht auf diese Weise wenn keine Gefahr im Verzug ist.
Fraukes vermeintliche Blessuren gehören wahrscheinlich ins Reich der Fantasie und wurden durch die Erzählungen eines anonymen Schreibers befeuert.
Hast du den Beitrag gelesen, auf den ich mich bezog?
Mister Mason

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Mister Mason »

Miss_Erfolg hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 22:37:10 Hast du den Beitrag gelesen, auf den ich mich bezog?
Ja.
Was verstehst du an meiner Antwort nicht? präzisiere bitte deine Anmerkung.
Isabella, Christos und Mutter Liebs wussten schon am Mittwoch daß Frauke sich in Gefahr befindet.
Gaston

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Gaston »

Gast hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 22:29:39 Wie gesagt, Frauke erscheint mir bei den Telefonaten bis Sonntag nicht wie jemand, der eh sicher ist, nicht freigelassen zu werden, im Gegenteil. Und auch aus Täterperspektive macht die Ankündigung sehr zeitnaher Heimkehr ohne jede entsprechende Absicht keinerlei Sinn, sofern man das nicht als provokantes Kasperletheater fürs Publikum ansieht (was ich für recht absurd halte).
Naja aus Tätersicht kann das alles nur Scheisse labern lassen gewesen sein. Aufs Stillhalten abzielend..
Gast hat geschrieben: ↑Freitag, 06. November 2026, 22:29:39 Gut, wenn es so war...
In dem Szenario, wo man Frauke festhielt, weil sie ansonsten etwas mit erheblichen Folgen für den/die Täter berichten/anzeigen könnte, geht es nicht darum Frauke festzuhalten, um an ihr Straftaten zu begehen (sexuelles Motiv, Sadismus, Rache...) sondern um die Vermeidung von juristischen/sozialen/beruflichen Folgen, wenn sie "plaudert". Ihr Tod ist da als weit schwerwiegendere Tat zunächst(!) keine "Lösung", die irgendwie im Raum stehen würde, weder für Täter noch für Frauke selbst. Es ist zunächst klar, dass es irgendwie mit ihrer Freilassung enden muss.
Das heißt, Frauke und Täter wollen im Grunde dasselbe, sie wird soweit ordentlich behandelt (keine sexuelle/körperliche oder über das Festhalten als solches hinaus psychische Gewalt) und hat allen Grund, mit kooperativem Verhalten auf eine möglichst baldige und (zunächst alternativlos/selbstverständlich erscheinende) Freilassung mit hinzuwirken. Was es braucht, ist eine Vereinbarung ihres Stillschweigens, welcher der Täter vertrauen kann. Natürlich will sie ihn davon überzeugen, ist deshalb kooperativ.
Ich tu mich schwer damit zu sagen, der Täter war da in etwas hinein gestolpert, aus dem er nicht mehr unbescholten raus kam, im Grunde war ja alles nur ein großes Versehen. Da es sich in diesem Fall um eine klassische Entführung handelte, ohne Erpressungsversuch, fällt kleinkriminelle Gier schon mal weg.
Dass die aber dasselbe wollten, auch ab einem gewissen Punkt, halte ich für gewagt gesprochen, in Anbetracht der groben Freiheitsberaubung. Wie gesagt, wenn man sich den Kerl als Lebensmüden vorstellen mag, kann er Frauke mit seinem Suizid und ihrem sicheren Tod bedroht haben. Spieltheoretisch hätte sie so immer mehr zu verlieren gehabt, und er wäre am längeren Hebel gesessen, hätte ihr die Freiheit in Aussicht stellen können.

Der Täter stellt ja auch erst die Situation her und hört dann still mit.
Für mich ist es eher so dass da schon ein Engel aus dem Jenseits anruft, der ohne jede echte Chance auf ein Happy-End blieb.
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