Aus Gründen jetzt erst ein Lebenszeichen von mir.
Hier eine - wie von mir gewohnt kurze - Zusammenfassung der Lage gestern. (ohne nochmal alles Korrektur zu lesen, es seien mir Fehler verziehen):
StA Schley, um es vorneweg zu nehmen, hat seine Sache so gemacht, dass ich früher in der Schule oder in einem Vertriebsseminar allenfalls eine 3- oder 4+ bekommen hätte. Rhetorisch so spannend wie die 95-seitige Einlassung von Gina, sprachlich allenfalls durchschnittsniveau. Inhaltlich jedoch war das eher enttäuschend. Nüschd. Ich hatte den gesamten Vortrag lang das Gefühl, hier trägt einer die Anklageschrift nochmal exakt genaus vor, hier und da eine Prise Sachverständigen-Ermittlungen, ansonsten kaum was neues.
Das schlimme an der Sache war, dass er dafür 2:45h brauchte und, im Gegensatz bei der Einlassung von Gina, Schütt keine einzige Pause machte. Ob er damit nochmal irgendwen so richtig abstrafen wollte, bleibt sein Geheimnis, jedenfalls wurden die Leute nach den allseits anerkannten, auf ultradianen Rhythmen basierenden Aufmerksamkeitsspanne von 90 Minuten sichtbar unrhig, müde, husteten, zum Ende hin knallte ganz plötzlich die Sonne durch die breite Fensterfront, was es nicht besser macht. Schley hingegen zog sein Ding beinhart durch, lediglich von einem regelmäßigen Hub aus seiner Plastik-Mehrweg-Mineralwasserflasche unterbrochen. Das Lauschvieh saß und wartete auf das Ende.
Zu Beginn kam das alles rüber wie eine Mischung aus Anklageschrift und Einlassung, Matthias und Gina lernten sich kennen.....zogen zusammen...usw usf. bis hin zu "gegen 10:43Uhr begab sich die Angeklagte ...". Wirklich wie copy paste aus der Anklageschrift, nur deutlich länger.
Dabei machte er sehr häufig Gebrauch von Annahmen, Behauptungen. Beispielsweise dass Gina nicht vermutlich klingelte und zu Fabian hoch ging, dass sie später nach kurzem Halt am Waldweg direkt am Tümpel parkte und unter dem Vorwand, Tiere zu beobachten, mit ihm zum Tümpel ging, das Messer bereits in der Hand und dann unvermittelt zustach. Ähm, hab ich irgendwas verpasst?? Woher wusste der das alles?? Später kam dann so ein dahin gehauchtes ja manches wird sich nicht rekonstruieren lassen, aber das war an einigen Stellen drüber. Nichtmal Wörter wie "vermutlich" benutzt.
Weiterhin fiel auf, neben der erwartbaren schweren Schlagseite durch den einäugien Kapitän, dass Dinge immergenauso erklärt wie gerade gebraucht wurden. An einer Stelle heißt es Gina hat notorisch gelogen, diese und jene Aussage ist gelogen. Weiter an anderer Stelle wo es nicht passte, ja die lügt eh immer, dies und das ist nur eine Schutzbahuptung. An weiterer Stelle, ja hier hat sie gesagt, dass......(achso, das war also dann nicht gelogen weil es gerade passte).
Fand ich sehr auffällig, muss vielleicht bei einem Plädoyer so sein, im realen Leben hätte man zu demjenigen sicher gesagt jetzt bleib mal realisitisch, oder fair. Mag auch meinem subjektiven Empfinden geschuldet sein, ich bin weder ein Freund von Staatsmacht, noch von Anwälten, hust.
Behauptungen zogen sich ebenfalls durch den Vortrag.
Bei der Behauptung, Gina WOLLTE dass Wildschweine den Leichnam auffressen, guckt Gina Ohm entsetzt an und hebt die Hand nach dem Motto was soll das? Solche Unterhaltungen nahmen im Verlauf des Tages immer mehr zu, später bei dem Plädoyer von Habetha auch, und waren deutlich zu vernehmen, wenn auch nicht inhaltlich.
Gina habe gesagt sie wolle ein Leben ohne Kinder - dass Matthias das vorgeschlagen hatte wird geflissentlich unterschlagen.
Gina spricht von "Fabian WAR", was lt. Staatsanwaltschaft darauf hindeutet dass sie etwas weiß. Dass Matthias während der Vermisstenzeit ebenfalls von "war" sprach, wird unterschlagen.
Weiteres Beispiel: da Sohn J. wohl lt. Verteidigung den gleichen Pullover hatte, hätten sich ja viel mehr dieser Faserspuren im Auto befinden müssen. Was für eine Unlogik, als ob er wochenlang den gleichen Pullover trägt???? So ging es etliche male.
Sehr sehr viele Annahmen.
Ich wär überwältigt von einer Mischung aus Kaffeeverlangen und Ungläubigkeit.
Ansonsten hat er halt alles so vorgetragen wie erwartet, keine Überraschungen zu den Indizien. Das geben ja die Ticker wieder.
An mehreren Stellen die Behauptung, dass die Verteidigung in ihrem Plädoyer dies oder das sagen werden, wo die Verteidigungsbank verständlicherweise unmissverständliche Reaktionen zeigte. Keine Ahnung was das sollte. Wenn man von seinem Ding überzeugt ist, trägt man sein Ding vor, und beschäftigt sich nicht mit anderen. Aber das raffen auch viele Profi-Politiker schon nicht, dies am Rande....
Dann kam das lang ersehnte Ende, Schütt schlug eine Pause von 15(!) Minuten vor. Allgemeines Entsetzen. Da hatte er dann wohl selber gemerkt die Daumenschrauebn sind jetzt etwas zu fest, fragte Nowak und Habetha wie lange sie etwa brauchen und gewährte dem Volke eine ganze Dreiviertelstunde! Doch ein gerechter Herrscher im Saale!
Nowak konzentrierte sich auf zwei Themen, einmal die Ermittlungsarbeit und auf die Kernindizien. Er trug dies in einer Asudrucksweise und Rheotorik vor, wie es im Lehrbuch steht, Lautstärke, Pausen, inhaltlich auf den Punkt, eine Wohltat. Hinzu kam, dass er bestimmte Worte so betonte, dass ich das nach Thüringen, verortete und mich direkt heimisch fühlte

Wer weiß das schon, aber ich dachte so, das ist mein Mann!

Obiwan und der junge wilde Anakin dachte ich da immer nur.......Meister und Schüler.
Nowak begann also mit einem Votrag über den grundsätzlichen Ablauf von Ermittlungsarbeit und das Zusaenspiel Polizei-StA-Presse, wobei es einen deutlichen Seitenhieb auf die Presse gab, sich vorab so intensiv mit Zeugen zu beschäftigen, ohne dass dafür eine entsprechend Ausbildung/Befähigung zur Befragung vorliege. Als Beispiel nannte er, dass Matthias den Tod seines sohnes nicht von der Polizei erfuhr, weil diese nicht so schnell war an der Stlle wie andere. Wir wissen allle wen er mit diesen Ausführungen meinte.
Weiterhin hat er die Ermittlungsabriet als suuuuuuper gelobt. Naja, wenn er kein StA geworden wäre, hätte er auch im Vertrieb Karriere machen können.
Schwer überrascht hat mich die Aussage, dass die Alibis der sonstigen Beteiligten alle vorhanden sind. Na gut, ich denke dazu kommt heute was
Den abschließenden Verzicht der Sicherungsverwahrung kann ich absolut nachvollziehen.
Habetha ist anschließend gar nicht mal so auf das rechtliche und die Indizien eingegangen, sondern nur auf das menschliche. Sie hat quasi eine zweite Trauerrede gehalten. Es flossen einige Tränen, Dorina hatte schwer zu kämpfen. Der zweite Teil ihrer Rede beschäftigte sich damit, wie Fabian einerseits wie vorher herausgearbeitet als Kind war und von den vielen anderen (Lehrer, Freunde...) gesehen wurde, und wie ihn jedoch andererseits die TV sah und beschrieb. Das genaue Gegenteil eben. Das war menschlich eine sehr gute Rede, zielte prozessual unterm Strich einzig und alleine aufs Motiv. Natürlich sehr geschickt aufgebaut, denn das Lausch-Vieh emotional erst so komplett und intensiv einsammeln, um dann den Schwenk zu machen auf seht her, "da sitzt die einzige Person auf dieser Erdkugel, die das nicht so sah!", war schon wirklich gut gemacht. Ein Fähe! (Scheiß Genderei).
Dass das ebenfalls mega einseitig war, war auch hier zu erwarten. Dass wie z.B. ALLE berichteten Gina sehr gut mit Fabian klar kam, dass sie Dorina nach der Trennung sogar fragte, ob Fabian nochmal kommen könne, Schwamm drüber, wurde weggelassen.
Wörter der Erregung (Scheiß Anhängsel) wurden mit ihrem Charakter und dem tollen Kind vermischt.
Ich fragte mich dann am Ende, wenn man jetzt seine Schwiermutter z.B. überhaupt nicht leiden kann, zu dieser aber, wenn man zu Besuch ist und sich sagt 'komm, die 3h kriegen wir gut rum', sehr nett ist, dass die sogar denkt was ein netter Schwiegersohn, man hintenrum aber viel ablästert über die Alte......ist das dann gut oder schlecht?
Mag jeder selber entscheiden.
Ich fand die Rede von Habetha insgesamt aber sehr gut, das hatte Hand und Fuß.
Soviel dazu.
Sway hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 21:20:53
Höre grad das Q&A und JS sagt da was spannendes für die Timeline.
Wortwörtlich: „13:37 - gibt es dann eine Registrierung an einer
anderen Funkzelle als am Bolzsee und es ist naheliegend dass in dem Zeitraum ein Standortwechsel stattgefunden hat“
Das heisst das Treffen am Bolzsee war vorbei uns sie ist um kurz vor halb ca. dort weg, nech?
D.h. Ca. 8 Minuten reine Fahrt danach, Liebesbekundungen. Vermeintlich kurz bevor sie zündeln geht.
Das hatte ich irgendwo schonmal mühsam auseinander genommen. Sie fuhr 13:26-13:34 offenbar mit dem Auto. Vom Bolzsee aus schaffst du es in 8 Minuten bis Reimershagen. Maximal bis kurz hinter Lohmen da wo sie um 11:10Uhr mit dem Auto rein fuhr. Jedoch auf keinen Fall bis zum Tümpel. Als entweder ist sie nach Hause oder nochmal in den Wald und die gute Stunde 13:34-14:50 ist sie nochmal im Wald umhergelaufen inklusive anzünden. Dazu passen aber die stationary/walk-Zeiträume schlecht. Für die Gegend Klein Upahl spricht hingegen der dann doch lange Anfahrtsweg von 28 Minuten nach Krakow (von Reimershagen normalerweise ca.15min)
13.34-14.06 h: Bewegungsdaten von Gs Handy zeigt stationary an, also Verbleib an einem Ort
13.41-14.06 h: G nutzt ihr (aktives) Handy nicht
14.06-14.23 h: Bewegungsdaten von Gs Handy zeichnen Wechsel zwischen stationary und walk auf
14.32-14.47 h: Bewegungsdaten von Gs Handy zeichnen stationary auf
14.50 h: Nachbarin sieht Fzg. von G von Reimershagen kommend in Richtung Krakow fahrend (G kam "aus Wald von Reimershagen")
14.51-15.19 h: Bewegungsdaten von Gs Handy zeichnen Autofahrt auf (wohl Sohn abholen)
Es wird sich nicht aufklären lassen. Bietet allenfalls Spielraum zum (alternativen) Szenarien ausdenken

"„Wenn man ein bisschen logisch denken tut und eins und eins alles so zusammenzählt, dann kommen nur Fragezeichen raus“