MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

ÖFFENTLICHE DISKUSSION
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTL

Punkt 12
Video mit Katja Burkhard und Carsten Kulawik 3:02 min

https://www.rtl.de/news/liveticker-zum- ... 24931.html
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTL

Vor 4 Minuten
Svenja Hoffmann
Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter und Nebenklagevertreterin, beginnt ihr Plädoyer
Sie lenkt den Blick auf das Wort Indizienprozess. Ein Indizienbeweis sei gleichwertig einem tatsächlichen Beweis. „Was ist ein tatsächlicher Beweis? Ein Geständnis. War hier während des Verfahrens irgendwann ein Geständnis zu erwarten?", stellt Habetha als rhetorische Frage in den Raum.

Vor Beginn des heutigen Prozesstages hat Habetha im RTL-Interview erklärt: „Die Mutter sagt, sie will ihrem Kind ein Gesicht geben. Ich will dem Kind eine Stimme geben.“
Im Prozess werde ein Opfer häufig „auf ein Aktenzeichen, auf einen Befund, auf ein Obduktionsergebnis, auf eine Spurenlage“ reduziert. „Aber dahinter steht ja ein Mensch“, betonte Habetha.
Für ihre Mandantin sei das Verfahren „eine außerordentlich belastende Zeit“ gewesen. Dorina Lange habe nach außen stets versucht, die Fassung zu bewahren. „Aber wie es in ihr aussah, ich glaube, das können wir alle gar nicht einschätzen.“
In ihrem Plädoyer will Habetha auf die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld hinwirken. Dabei verweist sie unter anderem auf das Tatgeschehen, die mögliche Motivlage und das Verhalten nach der Tat.
Auch das Auftreten der Angeklagten kritisiert die Anwältin im RTL-Interview deutlich: Diese scheine „wie eine unbeteiligte Dritte“ aufzutreten, „freundlich scherzend“. Ob das Gericht der Forderung nach Feststellung der besonderen Schwere der Schuld folgt, bleibt abzuwarten.
Sronson
Moderatorin
Beiträge: 4261
Registriert: Sonntag, 07. April 2024, 14:22:56
Kronen: Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
(ausgezeichnet mit zwei Goldenen Kronen für 2000 Beiträge)
Sterne:

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Sronson »

Wir haben es mit einer sehr besonderen, grausamen Tat zu tun, mit einer ganz besonderen Motivationslage, zu der man nur sehr schwer Zugang findet
Christine Habetha, Anwältin von Fabians Mutter

#Stern
Wann passierte was? Zeitstrahl unter:
https://het-forum.de/viewtopic.php?t=8778
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Ostseewelle

13:22 Uhr: Plädoyer der Nebenklage Rechtsanwältin Christine Habetha

die Anwältin spricht von Lügen die im Leben der Angeklagten eine Rolle spielten
eine mutmaßliche Vergewaltigung wurde vor Jahren von der Angeklagten angezeigt, das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt
die Angeklagte beschrieb dieses damals als das Schlimmste was sie erlebt hat
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

bamberg24

13:32
29.10.2026
NEUESTES UPDATE
Nebenklage richtet den Blick auf Fabian

Nun beginnt Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter und Vertreterin der Nebenklage, mit ihrem Schlussvortrag.

Zu Beginn greift sie den Begriff Indizienprozess auf. Ein Indizienbeweis sei einem unmittelbaren Beweis nicht grundsätzlich unterlegen. Habetha fragt rhetorisch: „Was ist ein tatsächlicher Beweis? Ein Geständnis. War hier während des Verfahrens irgendwann ein Geständnis zu erwarten?“

Dabei macht sie deutlich, dass ihr Plädoyer nicht nur die Beweislage betreffen soll. Bereits vor Beginn des heutigen Prozesstags hatte sie erklärt: „Die Mutter sagt, sie will ihrem Kind ein Gesicht geben. Ich will dem Kind eine Stimme geben.“

Habetha kritisiert, dass Opfer in einem Strafverfahren schnell auf Aktenzeichen, Befunde, Obduktionsergebnisse und Spurenlagen reduziert würden. Dahinter stehe aber immer ein Mensch.

Auch die Belastung für Fabians Mutter spricht sie an. Dorina L. habe nach außen oft versucht, gefasst zu bleiben. Wie es tatsächlich in ihr ausgesehen habe, könne man kaum ermessen.

Für die Nebenklage geht es am Ende auch um die Frage der besonderen Schwere der Schuld. Habetha will dabei unter anderem Tatgeschehen, Motivlage und Verhalten nach der Tat in den Mittelpunkt stellen.

Sascha Kunhart
13:27
29.10.2026
Nowack: Indizien ergeben für ihn kein zufälliges Bild

Harald Nowack stellt zum Ende seiner Ausführungen noch einmal die Frage, wie viele einzelne Umstände tatsächlich nur Zufall sein könnten.

„Alles Zufälle?“, fragt der Oberstaatsanwalt und richtet den Blick anschließend auf den möglichen Täterkreis. Aus seiner Sicht kommt nur eine sehr begrenzte Zahl von Personen überhaupt infrage.

Nowack sagt: „Es kommt nur ein ganz kleiner Täterkreis in Betracht. Alle anderen haben ein Alibi oder kein Motiv.“

Zugleich weist er die Vorstellung zurück, dass eine Verurteilung nur auf unmittelbaren Beweisen beruhen könne. Seine klare Aussage: „Indizien sind auch Beweismittel.“

Für die Staatsanwaltschaft liegt die Bedeutung genau darin, dass sich viele einzelne Hinweise zu einem Gesamtbild verbinden. Nowack betont, ohne Indizien ließe sich ein großer Teil der Tötungsdelikte überhaupt nicht aufklären.
Sronson
Moderatorin
Beiträge: 4261
Registriert: Sonntag, 07. April 2024, 14:22:56
Kronen: Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
(ausgezeichnet mit zwei Goldenen Kronen für 2000 Beiträge)
Sterne:

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Sronson »

„Die Grenze des Ertragbaren ist bei meiner Mandantin erreicht“, sagt Habetha. „Sie hat sich immer bemüht, Haltung nach außen zu bewahren. Wir haben aber alle keine Ahnung, wie schwer das für sie ist. Im Ergebnis der umfangreichen Beweisaufnahme ist auch meine Mandantin zur Überzeugung gelangt: Ja, sie sitzt der Täterin gegenüber.“

#Stern
Wann passierte was? Zeitstrahl unter:
https://het-forum.de/viewtopic.php?t=8778
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 13:38 Uhr
Nowack: Nur kleiner Täterkreis kommt infrage

Fabian sei am Tattag freiwillig mitgegangen, sagt Oberstaatsanwalt Nowack. Da der Junge laut Zeugen nicht mit Fremden mitgegangen sei, komme nur ein „ganz kleiner Personenkreis“ als Täter infrage. Doch alle anderen Personen, die infrage kämen, hätten ein Alibi und kein Motiv. „So viel zum Thema Zufälle“, sagt Nowack.
29.10.2026 - 13:32 Uhr
„Alles Zufall. Gut, alles Zufälle.“

Oberstaatsanwalt Nowack greift die aus seiner Sicht vielen angeblichen Zufälle auf: Gina H.s Fahrt nach Güstrow, die deaktivierte Handyverbindung, der Spaziergang nahe des Tatorts, die Autoreinigung sowie Fuß- und Faserspuren. Ironisch fasst er zusammen: „Alles Zufall. Gut, alles Zufälle.“ Dann stellt er die entscheidende Frage: „Wer kommt denn eigentlich als Täter in Betracht?“
29.10.2026 - 13:29 Uhr
Nowack kritisiert „Empathielosigkeit“

Harald Nowack geht auf Gina H.s Verhalten während der Suche nach Fabian ein. Die Initiative zur Fahrt am 13. Oktober sei von ihr ausgegangen. Während die Ermittler am Inselsee nach Fabian suchten, habe Gina H. hingegen erklärt, sie könne „zu 100 Prozent“ sagen, dass die Hunde dort nicht Fabians Spur aufgenommen hätten. Nowacks Fazit: „Es war für alle erschreckend, welche Empathielosigkeit die Angeklagte gezeigt hat.“
29.10.2026 - 13:23 Uhr
Die Kernbeweistücke

„Ich möchte die Kernbeweisstücke noch einmal ganz kurz darstellen“, sagt Nowack. Er führt die Videoaufnahmen von Gina H.s Auto in Güstrow auf, die letzte Handyaktivität von Fabian, den Spaziergang von Gina H. nur 1,6 Kilometer vom Tatort entfernt, das Ausschalten des Handys, die Beobachtungen von Feldarbeitern, das Foto des Feuers, die Autoreinigung, die Faserspuren im Auto, die „Schuheindruckspuren der Lieblingsmarke der Angeklagten und Schuhe wie sie Fabian an diesem Tag getragen hat“.
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 13:42 Uhr
„Noch mal ein harter Schlag“

Auch auf die Aussage von Gina H.s bester Freundin Heike M. geht Oberstaatsanwalt Harald Nowack ein. Gina H. habe selbst ihr vorgeworfen, vor Gericht die Unwahrheit gesagt zu haben. „So eine gute Freundin auch noch darzustellen, als ob sie die Unwahrheit gesagt hat, das war noch mal ein harter Schlag“, sagt Nowack.
29.10.2026 - 13:40 Uhr
Warum Gina H. den Leichnam selbst gefunden haben soll

Warum sollte Gina H. den Leichnam selbst finden, wenn sie Fabian getötet hätte? Nowack greift diese erwartete Frage der Verteidigung auf. Gina H. habe wieder Zugang zu Matthias R. gesucht. Doch der habe sich intensiv auf die Suche nach seinem Sohn konzentriert. Als auch am 13. Oktober nichts gefunden wurde, sei für Gina H. klar gewesen: „Jetzt muss das Opfer gefunden werden.“
Pitahaya11

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Pitahaya11 »

Heckengäu hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 13:42:15 Bild

29.10.2026 - 13:38 Uhr
Nowack: Nur kleiner Täterkreis kommt infrage

Fabian sei am Tattag freiwillig mitgegangen, sagt Oberstaatsanwalt Nowack. Da der Junge laut Zeugen nicht mit Fremden mitgegangen sei, komme nur ein „ganz kleiner Personenkreis“ als Täter infrage.
Was ist ein kleiner Täterkreis? Wer war dem Jungen in einer Kleinstadt, in der sich so gut wie jeder kennt und so gut wie jeder Fabian kannte (und viceversa), für Fabian ein Fremder?

Soweit wir mitbekommen haben, hielt sich Fabian oft auf der Straße auf und ging vielen Tätigkeiten nach (Jugendclub ... Fussball ...).
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTL

Jetzt gerade
Svenja Hoffmann
„Gut gelaunt, fröhlich und entspannt"
„Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da sitzt eine Frau in Untersuchungshaft mit so einem Vorwurf", sagt Christine Habetha. Aus den JVA-Unterlagen zitiert sie: „Die Angeklagte ist gut gelaunt, fröhlich und entspannt."

Sie sei auch in Haft manipulativ und stelle sich als Opfer dar.

Zur einer beschriebenen Situation, sie habe den psychiatrischen Gutachter mit einer halb-durchsichtigen Leggins empfangen sagt die Anwältin: „Schauen Sie sich an, wie sie hier auftritt. Da ist doch nichts geblieben von den Belohnungsbildern, die sie den Männern geschickt hat. Da ist nur noch ein kindliches Pony. Welchen Eindruck will sie hier vermitteln?"
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 13:45 Uhr
Staatsanwaltschaft: Indizien sind „erdrückend“

Für Oberstaatsanwalt Harald Nowack ergibt sich eine klare Beweislage. „Indizien sind auch Beweismittel“, betont er. Ohne Indizien könnten wohl „80 Prozent der Mordfälle“ nicht aufgeklärt werden. In diesem Fall seien sie „so erdrückend und so stichhaltig“. Nowacks Fazit: „Es ist einfach unverrückbar.“
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 13:51 Uhr
Jetzt plädiert die Nebenklage

Jetzt ist die Nebenklage-Anwältin Christine Habetha mit ihrem Plädoyer an der Reihe. Sie berichtet von Gina H.s Aussage als Beschuldigte bei einem Satteldiebstahl damals vor dem Amtsgericht Güstrow. „Auch damals hat sie noch bei Gericht bis ins kleinste Detail versucht zu schildern, wie unschuldig sie ist“, sagt Habetha.
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTL

Vor 2 Minuten
Svenja Hoffmann
„Ich möchte, dass in diesem Saal noch einmal laut gesagt und gehört wird, wer Fabian war"
Christine Habetha hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fabian am heutigen Tag eine Stimme zu geben: „Für Frau L., die Mutter von Fabian, ist dieses Verfahren kein prozessualer Vorgang, der mit einem Urteil endet. Es ist Teil ihres Lebens geworden, was sie sich nicht ausgesucht hat. Ich möchte, dass in diesem Saal noch einmal laut gesagt und gehört wird, wer Fabian war."

„Fabian war ein Kind mit einem Charakter, mit Träumen, mit Wünschen, mit einer Familie. Fabian aus Sicht seiner Mutter: Sie beschrieb ihn als einen anhänglichen, verschmusten Jungen."

Dorina Lange muss während dieser Rede schlucken. Sie wischt sich Tränen aus dem Gesicht.

Habetha weiter: „Konflikte waren ihm zuwider. Sie war davon überzeugt, dass ihr Sohn ihr mitgeteilt hätte, wenn ihn etwas belastet hätte.“
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Ostseewelle

die Grenze des Ertragbaren ist für Fabians Mutter Dorina erreicht, sie sitzt an jedem Verhandlungstag der möglichen Täterin gegenüber
es können andere Tötungsvarianten ausgeschlossen werden
das Verfahren hat vor allem Fabian´s Mutter alles abverlangt, es ist Teil ihres Lebens geworden, das sie sich niemals ausgesucht hat
Fabian war ein Kind mit Charakter, Freundschaften und einer Familie, seine Mutter beschrieb ihn als feinen, verschmusten Jungen mit einer Antenne
ein Kind das sofort spürte, wenn es der Mutter nicht gut ging, er strebte nach Frieden und Zufriedenheit
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

bamberg24

13:55
29.10.2026
NEUESTES UPDATE
Nebenklage gibt Fabian noch einmal eine Stimme

Für einige Momente rückt der eigentliche Kern des Verfahrens in den Vordergrund: Fabian selbst.

Christine Habetha sagt: „Für Frau Lange, die Mutter von Fabian, ist dieses Verfahren kein prozessualer Vorgang, der mit einem Urteil endet. Es ist Teil ihres Lebens geworden, was sie sich nicht ausgesucht hat. Ich möchte, dass in diesem Saal noch einmal laut gesagt und gehört wird, wer Fabian war.“

Dann beschreibt sie den Achtjährigen so, wie seine Mutter ihn erlebt hat: „Fabian war ein Kind mit einem Charakter, mit Träumen, mit Wünschen, mit einer Familie. Fabian aus Sicht seiner Mutter: Sie beschrieb ihn als einen anhänglichen, verschmusten Jungen.“

Währenddessen wird Dorina L. sichtbar emotional. Sie schluckt mehrfach und wischt sich Tränen aus dem Gesicht.

Habetha ergänzt: „Konflikte waren ihm zuwider. Sie war davon überzeugt, dass ihr Sohn ihr mitgeteilt hätte, wenn ihn etwas belastet hätte.“

Sascha Kunhart
Bearbeitet 29.10. 13:58

13:49
29.10.2026
Habetha kritisiert das Auftreten der Angeklagten

Christine Habetha richtet den Blick nun auf das Verhalten von Gina H. während der Untersuchungshaft.

Sie zitiert aus Unterlagen der JVA: „Die Angeklagte ist gut gelaunt, fröhlich und entspannt.“ Dazu sagt die Nebenklagevertreterin: „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da sitzt eine Frau in Untersuchungshaft mit so einem Vorwurf.“

Habetha wirft Gina H. zudem vor, auch in Haft manipulativ aufzutreten und sich selbst als Opfer darzustellen.

Auch eine Situation aus der Begutachtung greift sie auf, bei der Gina H. den psychiatrischen Gutachter in einer halbtransparenten Leggings empfangen haben soll.

Mit Blick auf ihr heutiges Auftreten im Gerichtssaal fragt Habetha: „Schauen Sie sich an, wie sie hier auftritt. Da ist doch nichts geblieben von den Belohnungsbildern, die sie den Männern geschickt hat. Da ist nur noch ein kindliches Pony. Welchen Eindruck will sie hier vermitteln?“

Sascha Kunhart
13:32
29.10.2026
Nebenklage richtet den Blick auf Fabian

Nun beginnt Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter und Vertreterin der Nebenklage, mit ihrem Schlussvortrag.

Zu Beginn greift sie den Begriff Indizienprozess auf. Ein Indizienbeweis sei einem unmittelbaren Beweis nicht grundsätzlich unterlegen. Habetha fragt rhetorisch: „Was ist ein tatsächlicher Beweis? Ein Geständnis. War hier während des Verfahrens irgendwann ein Geständnis zu erwarten?“

Dabei macht sie deutlich, dass ihr Plädoyer nicht nur die Beweislage betreffen soll. Bereits vor Beginn des heutigen Prozesstags hatte sie erklärt: „Die Mutter sagt, sie will ihrem Kind ein Gesicht geben. Ich will dem Kind eine Stimme geben.“

Habetha kritisiert, dass Opfer in einem Strafverfahren schnell auf Aktenzeichen, Befunde, Obduktionsergebnisse und Spurenlagen reduziert würden. Dahinter stehe aber immer ein Mensch.

Auch die Belastung für Fabians Mutter spricht sie an. Dorina L. habe nach außen oft versucht, gefasst zu bleiben. Wie es tatsächlich in ihr ausgesehen habe, könne man kaum ermessen.

Für die Nebenklage geht es am Ende auch um die Frage der besonderen Schwere der Schuld. Habetha will dabei unter anderem Tatgeschehen, Motivlage und Verhalten nach der Tat in den Mittelpunkt stellen.
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 13:58 Uhr
Fabians Mutter: „Ich sitze der Täterin gegenüber“

Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter: „Die Grenze des Ertragbaren ist bei meiner Mandantin erreicht“, sagt sie. Dorina L. habe während des Prozesses versucht, nach außen Haltung zu bewahren. Nach der umfangreichen Beweisaufnahme sei für sie klar: „Ja, sie sitzt der Täterin gegenüber.“

29.10.2026 - 13:56 Uhr
Gina H. reagiert aufgebracht

Nun blickt Nebenklage-Anwältin Christine Habetha auf eine Anzeige von Gina H. aus dem Jahr 2013. Damals hatte Gina H. einen Übergriff durch einen Mann angezeigt, den Vorgang später jedoch als Vergewaltigung bezeichnet. „Ich will dieses Geschehen überhaupt nicht bewerten. Fakt ist: Um eine Vergewaltigung handelt es sich keinesfalls“, sagt Habetha. Gina H. reagiert aufgebracht und spricht immer wieder mit ihrem Anwalt Andreas Ohm. „Es war kein Geständnis zu erwarten“, so Habetha.
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 14:03 Uhr
„Fabian musste früh selbstständig werden“

Als es eine Anzeige wegen einer Kindeswohlgefährdung gegen Gina H. gab, habe sie beim Jugendamt nicht von sich und ihrem leiblichen Sohn gesprochen, sondern stattdessen von Fabians Mutter. Diese würde arbeiten gehen und ihren Sohn acht Stunden allein lassen. „Sie zeigt mit gespitztem Finger auf meine Mandantin die – horch horch – arbeitet!“, sagt die Anwältin. Für alleinerziehende Mütter sei es in Deutschland nicht leicht. „Ja, Fabian hat früh selbstständig werden müssen und er hat es auch gekonnt.“
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTl

Habetha weiter: „Konflikte waren ihm zuwider. Sie war davon überzeugt, dass ihr Sohn ihr mitgeteilt hätte, wenn ihn etwas belastet hätte.“

Matthias R., Fabians Vater, habe der Angeklagten deutlich gemacht, dass „Fabian zu seinem Leben gehört". Er habe Gina H. gesagt: „Stell dir vor, wärst du in meiner Situation. Dein Kind aufgeben?" Matthias R. habe seinen Sohn als „einen aufgeweckten, lebendigen Jungen" beschrieben, der gern Trecker und Fahrrad gefahren sei.

Während Dorina Lange sehr ergriffen ist, stützt Gina H. ihr Gesicht mit ihrer rechten Hand ab und wirkt teilnahmslos.

„Er war ein besonderer Teil unserer Klasse", habe eine Lehrerin Fabian beschrieben. „Er war ein guter Freund", sagten Schüler. Ein Freund sagte, Fabian sei „klein, dick und ein bisschen frech".

„Das sind die Eltern, das ist die Lehrerin, das sind die Freunde. Das Zerrbild der Angeklagten ist eine Projektion statt Realität. Dem Bild, das Fabians Mutter, seine Lehrerin und seine Freunde von ihm zeichneten, steht das Bild der Angeklagten gegenüber. Was musste ein Achtjähriger in den Augen der Angeklagten eigentlich sein, damit er in ihrem Leben einen Platz haben durfte? Die Verachtung in der Sprache. Die Angeklagte fand über Fabian Worte, die man als Erwachsene über ein Kind nicht finden sollte. Sie beschrieb ihn als 'schwierig, sonderbar, übergewichtig'. Und in einer Sprachnachricht: 'Fabian war wirklich fett'. Hier sprach eine erwachsene Frau über einen Jungen. Noch schwerer wiegt die von ihr angeführte Erklärung, sie habe solche Bezeichnungen nicht verwendet, um Fabian, sondern um seine Mutter zu treffen."
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

Bild

29.10.2026 - 14:05 Uhr
„Angeklagte ist gut gelaunt“

„Die Anstaltspsychologin – meint sie was sie sagt? Dass die Manipulationsversuche der Angeklagten so der Durchschnitt sind, was man in der Untersuchungshaft erwarten kann?“, fragt Habetha. Dann liest sie weitere Vermerke aus der JVA über Gina H. vor. „Die inhaftierte Angeklagte ist gut gelaunt und fröhlich und sie ist entspannt.“ Der Richter mustert Gina H.
Heckengäu
Beiträge: 4485
Registriert: Dienstag, 28. Februar 2023, 08:21:50
Kronen:
Sterne:
Wohnort: 71XXX

Re: MORDFALL FABIAN L. -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Heckengäu »

RTL

Vor 2 Minuten
Svenja Hoffmann
„Scheiß-Anhängsel“
Die Angeklagte sprach über Fabian und dessen Mutter als „Scheiß-Anhängsel". Habetha dazu: „Ein Kind ist kein Anhängsel, ein Kind ist kein störender Rest aus einer früheren Beziehung."

Unglaublich: Gina H. schmunzelt währenddessen und flüstert ihrem Verteidiger Ohm etwas zu.

Über Gina H.s Sprachnachrichten mit Fokus darauf, wenn Fabian nicht bei seinem Vater gewesen sei: „Es habe himmlische Ruhe zu Hause geherrscht." Habetha stellt dazu fest: „Als ein Kind keinen Kontakt zu seinem Vater hatte, vielleicht irritiert war deswegen. Für sie war es eine Entspannung. Nicht seine Anwesenheit wurde als Bereicherung beschrieben, seine Abwesenheit wurde als Entlastung beschrieben."

Gegenüber Jugendamtsmitarbeitern hatte Gina H. auch den Satz fallen lassen, dass sie den großen Trauergottesdienst für Fabian nicht verstehe: „Täglich sterben Kinder oder werden vermisst."

Habetha sagt nun laut und mit Fassungslosigkeit in der Stimme: „Für eine Mutter ist ein Kind nicht austauschbar. Fabian war ein Mensch, ein achtjähriger Junge, dessen Leben gewaltsam beendet wurde. Ich sehe die erschütterndste Passage in ihrer Einlassung: 'So habe ich mehr oder weniger Fabian dafür verantwortlich gemacht für meine Situation und die meines Umfelds'. Durch den Tod des Jungen habe sie Nachteile in ihrem eigenen Leben erfahren. Eine Mutter hat einen Sohn verloren. Und das Opfer wurde zum Schuldigen gemacht."
Antworten