Gast hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Oktober 2026, 10:19:07
Das ist soweit sehr richtig, die Ermittlungen in den bekannten Konstellationen haben keine Durchbruch gebracht. Das wiederum kann Gründe haben und die Informationen und dadurch entstandenen Diskussionen der letzten Monate lassen hier mehr als genug Spekulationsradius zu.
Ich würde es einfach mal abkürzen: in den seit Jahren vorhandenen Konstellationen gibt es mehr als ausreichend Grund für Spekulationen und auch tragfähige Gedankengänge. In einer "wildfremden" Theorie, ohne irgendwelchen Nährboden oder auch den Hauch von Informationen hingegen ist es wie mit dem Schlüsselbund, der auf dem Tresen liegen gelassen wurde. Da kann der betrunkene Kneipengast noch so sehr auf Suche gehen.
Ihr kennt doch alle das Kasperletheater.
Da gibt es den Kasper, den Seppel, die Oma, Wachtmeister Dimpfelmoser, den Räuber Hotzenplotz, Zauberer Petrosilius Zwackelmann, die gute Fee Amaryllis, und in manchen Versionen noch das Krokodil. In den Geschichten passiert Aufregendes, bei Licht betrachtet sind es größtenteils Kriminalfälle. Was das ganze so kindgerecht macht ist die Tatsache, dass es keine weiteren Protagonisten, keine weitere Allgemeinheit/Öffentlichkeit und keine veränderlichen Rahmenbedingungen gibt. Alles basiert auf zugeschriebenen und damit erwartbaren Handlungsmustern der Handvoll Figuren. Verschwindet der Apfelkuchen von Omas Fensterbank, dann ist dem versierten vierjährigen Hobbydetektiv sofort klar, das war der Räuber Hotzenplotz. Und auch wenn der Kuchen am Ende wohl nicht mehr gerettet werden kann, bekommt der Dieb doch am Schluss eins auf den Deckel und die Oma backt einen neuen Kuchen.
Und hier?
Frauke lebte mit ihrem Ex in einer WG zusammen. Was für eine toxische Konstellation, der muss es gewesen sein. Zumal sie vom Pub ja nach Hause wollte, wo er war. Die meisten Anrufe gingen an ihn, da könnte er ja wunder weiß was erzählen, was Frauke da gesagt haben soll.
Frauke hatte einen neuen Bekannten, der in Videointerviews ziemlich knarzelig rüberkommt, damals psychisch hoch belastet war und dem Vernehmen nach nie zuvor eine Freundin hatte. Der muss es doch gewesen sein, schon bei "neuer Bekannter" müssen doch alle Alarmglocken schrillen.
Frauke fragte just an dem Abend, wo Nieheim liege, sie kenne da einen "Schrauber". Und dann kommt vier Stunden später die nächtliche SMS, über deren Umstände bis heute gestritten wird, just aus dem Raum Nieheim. Dieser Schrauber, der meines Wissens auch identifiziert werden konnte, muss es doch gewesen sein.
Dann haben wir noch den Freund von Fraukes Jugendliebe, der ganz woanders wohnt. Aber der ist "Kunstschaffender" im Bereich Horrorfilme und hört Metal, läuft auch entsprechend gekleidet rum. Und der hat sogar auf seiner Homepage einen Nachruf auf Frauke veröffentlicht, nachdem ihre Überreste gefunden worden waren. Und eine Schwester von ihm lebt tatsächlich im Raum Paderborn. Wer wenn nicht der sollte es gewesen sein?
Und Bella und ihr Mann waren die letzten bekannten Personen, die Frauke gesehen haben. Per se verdächtig. Bellas Videointerview im Pub erschien manchen verdächtig, meiner Ansicht nach genau denjenigen, die etwas finden wollten(!). Und ihr Mann war damals bei der britischen Militärpolizei, wer wenn nicht der wüsste, wie man ein solches Verbrechen begeht? Kein Zweifel, die waren es.
Die Anrufe durchzuführen war sowas von dreist und hart, das muss ein kaltherziger Sadist gewesen sein. Und weil Frauke ja jederzeit etwas ausplaudern hätte können ist völlig klar, dass sie den Täter nicht kannte, keinerlei hinreichende Information hätte preisgeben können, die für ihn ein Risiko dargestellt hätte. Ganz klar, es war ein ihr völlig unbekannter, eiskalter Täter.
Dann gab es da noch den Typen, der laut einem anonymen Zeugen die Ablagestelle vor dem Auffinden aufgesucht haben soll. Der wohnt da um die Ecke, war dem Vernehmen des anonymen Zeugen nach wohl an jenem Abend im Pub und hat zeitnah nach dem Tatgeschehen sein Auto verkauft. Also, DER muss es jetzt aber doch wirklich gewesen sein. Ich würde ja vermuten, der ist ein dem anonymen Zeugen unangenehmer Typ, der mal geäußert hat, an jenem Abend im Pub gewesen zu sein. Das verkaufte Auto ein Zufall, und die Geschichte mit dem Aufsuchen der Ablagestelle hat der Zeuge hinzuerfunden, um seinem Verdacht Nachdruck zu verleihen im guten Glauben, der wars tatsächlich. Dass der Zeuge hier stellenweise über den Verdächtigten, stellenweise über dessen Bruder berichtet, tut nichts zur Sache. Natürlich waren die es zu zweit!
Interessant: Wer eigentlich auch völlig nahe liegend wäre, hier aber mangels Informationen noch überhaupt nicht verwurstet wurde, sind einerseits Fraukes damals frischester Ex, von dem sie erst seit kurzem getrennt war, und andererseits Chris´ damalige Freundin, die möglicherweise mit dem Zusammenleben von Chris und Frauke nicht klarkam. Also die beiden müssen doch unbedingt auch noch Gegenstand schwerwiegender Verdächtigungen werden, oder meint ihr nicht?
Der Punkt ist doch der:
Ohne die Anrufe/SMS hätte man nichts. Junge Frau verschwindet spurlos auf dem abendlichen Heimweg, ihre Überreste werden Monate später irgendwo im Wald gefunden, dort lassen sich keine Hinweise auf Todesursache oder Tathergang feststellen, zumindest entsprechend den soweit öffentlich bekannten Informationen.
Der zentrale Ansatzpunkt sind die Anrufe.
Aber viel wichtiger ist erstens die Feststellung, dass Frauke nach ihrem Verschwinden noch mindestens eine Woche gelebt hat. Die Forensik gab bei den Überresten eine anzunehmende Liegedauer an, die klar für ein baldiges Ableben Fraukes nach dieser Woche spricht. Unter welchen Tatumständen (vor allem Motiv) ist das nahe liegend, unter welchen nicht?
Und zweitens ist die Frage von zentraler Bedeutung, warum die Anrufe stattgefunden haben. Um hier die Möglichkeiten auszuloten, kann man auf Zeit- und Bewegungsmuster schauen, auch im Abgleich mit dem äußeren Geschehen (sichtbare Suchbemühungen), insbesondere aber auf Inhalt und Verlauf/Dynamik der Anrufe im Verlauf der Woche. Ich meine, dies ist als zentraler Ansatzpunkt weit sinnvoller als öffentlich bekannten Personen aus ihrem Umfeld irgendwas ans Bein zu stricken und wunder weiß was für Geschichten zu Motiv und den stattgefundenen Anrufen zu konstruieren um zu motivieren, warum gerade der es gewesen sein muss.