Blanka hat geschrieben: ↑Montag, 19. Oktober 2026, 18:50:27
Das logischste Szenario für die SMS, sofern von FL noch selbst versendet, wäre, dass es eben bereits vorher eskaliert ist, sie einen Schlag in die Fresse oder dergleichen kassiert hat, und nicht klar war, wie diese Situation gelöst wird. Dann wäre sie zu purem Zeitgewinn versendet worden, und diesen Eindruck machen auch die nachfolgenden Kontakte mit Ausnahme des letzten.
Der Gesamteindruck der Kontakte, 100%.
Da spricht eine Frauke, die sich zwar in einer ausgesprochen unguten, fremdbestimmten Lage befindet (quasi erwiesenermaßen, im Nachhinein) und darüber nichts verlauten lässt. Die aber von ihrer baldigen Heimkehr ausgeht, in der Situation keinesfalls den gut möglichen bis sicheren eigenen Tod vor Augen hat. Die am Freitag wohl so zuversichtlich ist, dass sie (spät abends, nach 23 Uhr) von "heute" redet und wohl den Folgetag Samstag meint, dabei ihrem Bruder Frank gegenüber am Telefon unauffällig, normal erscheint. Die am Samstag konkret von "heute Abend" und "nicht zu spät" (für den Abi-Abschlussball ihrer Schwester Karen an jenem Abend?) redet. Die am Sonntag mit "Erkläre ich dir, wenn ich zu Hause bin." zwar Chris´ Fragen ausweicht, dabei aber auf eine konkrete zukünftige Situation verweist,
wenn ich zu Hause bin. Das ist mMn keine Formulierung, die sie so verwendet hätte, ohne auch tatsächlich von einer Heimkehr auszugehen. In dem Fall viel unbestimmter "erkläre ich dir dann", oder eine ganz andere Antwort zum Ausweichen, ohne Bezug zu ihrer Heimkehr.
Es ist mir kaum vorstellbar, dass eine Frauke in durchgängiger Todesangst über Tage hätte so auftreten können. Die hätte doch weit früher völlig die Nerven verloren, mental blockiert und wäre, wenn sie überhaupt in der Lage gewesen wäre zu telefonieren, beim Kontakt zu ihrem verlorenen Leben, das sie nie wieder sehen soll, doch völlig aus der Fassung geraten. Da tut dann auch unmittelbare Gewaltandrohung nichts mehr, irgendwann ist da die Contenance und koordinierte Handlungsfähigkeit doch völlig hinüber. Und das wohl kaum erst nach fünf Tagen, meine ich, sondern im Zweifelsfall nach ein bis zwei Tagen, wenn nicht gar sofort.
In diesem Fall, dass ihr Tod von Beginn an klar gewesen wäre, muss man auch motivabhängig aufs sonstige Tatgeschehen schauen. Warum lässt man jemanden eine Woche am Leben wenn klar ist, dass die Person dann sterben soll? Sofern wir nicht von einer Erpressung Dritter reden, kommt man da um das Szenario massiver psychischer und/oder körperlicher Gewalt gegen Frauke in dieser Woche kaum herum. Nicht unbedingt das, was ihr tagelanges "Funktionieren" am Telefon begünstigt hätte, oder?
Und erzählt an der Stelle nichts von Medis/Drogen. Will man einen Menschen in Todesangst und maximal bedrohlicher/gewalttätiger Fremdkontrolle so weit wirksam runterbringen, dann ist da nur noch wenig koordinierte, assoziative Hirntätigkeit übrig. Völlig unzuverlässig am Telefon, selbst mit vorgehaltener Waffe - eben weil Bedrohungsempfinden und Einordnung der Situation weitgehend ausgeschaltet wären.
Und gleichzeitig frage ich mich beim kaltblütig planenden Täter, der die Anrufe unter völligem Zwang und Vorgabe des Textes inszeniert, warum zum Geier der sie immer wieder die baldige/heutige Heimkehr ankündigen lässt, nur um dann am nächsten Tag wieder mit ihr losfahren zu müssen, weil die Heimkehr eben nicht stattfand? Stattdessen einmal "brauch ne Auszeit, melde mich nächste Woche" und der Drops wäre gelutscht.
Höchstens der Täter, der die Anrufe um ihrer selbst Willen inszeniert, wäre da denkbar. Ein besonderes Maß an Machtdemonstration gegenüber Frauke? Passt nicht wirklich zu Art und Inhalt ihrer Anrufe, meine ich. Das wäre doch "inspirierter" gewesen, spektakulärer. Oder um einen Dritten (in dem Fall höchstwahrscheinlich Chris) leiden zu lassen? Ich sag mal so, in beiden Fällen hätte der Täter sie doch eher erzählen lassen, dass sie gefangen gehalten würde und was er ihr antäte. Wäre noch weit wirksamer, sie ihre Machtlosigkeit spüren zu lassen bzw. Chris leiden zu lassen. Und würde ihn selbst unerkannterweise als beherrschende Größe präsentieren, bei so einem Tätertyp wohl ein mehr als erwartbares Bedürfnis. Um ihrer selbst Willen in diesem Sinne inszenierte Anrufe halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich.
Soweit jedenfalls bis Sonntag.
Dass dann nach vier aufeinander folgenden Tagen am Montag kein Anruf kommt und ihre "Stimmung" (Wahrnehmung der Situation, Perspektive) am Dienstag ins Verzweifelte mit Todesangst gekippt ist, spricht in Sachen Zeitablauf/Dynamik Bände.
Dass sie da keinen vorgegebenen Text spricht und zumindest stellenweise verzweifelt-aufgelöst ist, offensichtlich. Der mit Sicherheit anwesende Täter hindert sie nicht, unterbricht sie nicht, lässt sie gewähren, minutenlang. Ist das, weil er absolut nichts zu befürchten hat, weil Frauke absolut nichts mitteilen könnte, was für ihn ein Risiko darstellen könnte? Glaube ich nicht, aus zwei Gründen:
Erstens erscheint es mir unwahrscheinlich, dass Frauke den Täter oder seinen Namen nicht kennt, auch keinerlei Bezüge, nichts Signifikantes über seine Person, ihren Festhalteort, das verwendete Fahrzeug weiß und dass er sich sicher sein kann das es so ist.
Zweitens hatte Frauke in so aufgelöstem Zustand mit Sicherheit ein übergroßes Mitteilungsbedürfnis über ihre tatsächliche Lage. Ich bin mir sicher, sie wäre damit auch ohne hinreichende Infos zum Täter herausgeplatzt, wenn ihr naher Tod erklärtermaßen als alternativlos festgestanden hätte.
Ich meine, an manchen Stellen hat sie direkt und indirekt "Ausrutscher", hält sich nicht zuverlässig daran, nichts über ihre Situation verlauten zu lassen. Aber dass sie dann dennoch versucht, das Gespräch ohne Preisgabe weiterzuführen, würde ich im Sinne des bisher Geschriebenen so sehen:
Es bestand von Anfang an die zunächst einzige Perspektive, dass die Situation mit Fraukes Freilassung enden würde. Bei den Anrufen durfte sie jedoch nichts über ihre tatsächliche Situation preisgeben. Am Dienstag war ihre Zuversicht dahin, ihr möglicher Tod als Ende der Situation stand im Raum - ob vom Täter ausgesprochen oder von ihr selbst, spielt keine Rolle. Jedenfalls beim Telefonat am Dienstag hat sie Todesangst, ist verzweifelt, folgt aber nach wie vor der Vorgabe nichts preiszugeben, um diese notwendige Bedingung für eine Freilassung zu erfüllen. Ob sie sich da an einen letzten Strohhalm klammert, obwohl sie eigentlich schon weiß, wie es kommen wird, oder ob die Freilassung da tatsächlich zumindest "auf dem Papier" noch eine valide Option ist, lässt sich nicht einschätzen.
Und der Sinn der Anrufe? Ja, "das Umfeld beruhigen". Vielleicht weniger im Sinne, den aktuellen Ermittlungstätigkeiten etwas entgegenzusetzen, sondern (zumindest auch) um beim Umfeld eine Wahrnehmung für ihr Fernbleiben zu erzeugen, das ihre möglichst "unaufgeregte" Heimkehr ohne zwingenden Bedarf, über die tatsächlichen Umstände zu berichten, ermöglichen sollte.
Der Täter mit der (letztlich wohl nicht umsetzbaren) Perspektive, dass die Situation mit ihrer mehr oder weniger recht zeitnahen Freilassung dann für ihn folgenlos enden könnte, hätte doch viel weniger Hemmschwellen für die Durchführung der Anruffahrten gehabt als einer mit klarer Identität als Schwerverbrecher und (zukünftiger) Mörder Fraukes.
Ein Täter, der selbst in Fraukes Freilassung tatsächlich die (zunächst einzige) Lösung sah, wäre auch nötig, damit Frauke selbst tagelang von diesem Verlauf ausgehen konnte. Wäre das von Beginn an nur vorgetäuscht gewesen, wären doch Rahmenbedingungen und wie oben benannt das sonstige motivseitige Tathandeln völlig ungeeignet gewesen, um ihr eine Freilassung glaubhaft sein zu lassen.
Und aus Fraukes Perspektive mit der Erwartung, zeitnah gehen gelassen zu werden, relativ heil aus der Nummer rauszukommen, wären die Anrufe doch erstens nicht so unerfreulich gewesen und zweitens hätte alles dafür gesprochen, hier kooperativ zu sein - wenn es nicht gar Fraukes Idee und Wunsch war, anzurufen.
Und die erste SMS? Die war laut Chris "frauketypisch", unauffällig. Passend bis auf die späte Uhrzeit. Hat Frauke verfasst, als sie den Typen getroffen hat und noch auf ein Bier oder einen schnellen Mecces-Besuch in BD mit ist. Ging dann nicht raus, schwacher Akku oder kurz nach dem Spiel überlastetes Handynetz in der Stadt. Ging dafür 0:49 raus, unter welchen genauen Umständen auch immer.
Oder Frauke hat die nicht zuvor verfasst. Trifft den Typen, irgendwas lief wohl nicht wie gewollt, sonst wäre sie wohl nicht 0:49 irgendwo in der Pampa östlich von PB. Sie schreibt und schickt die SMS an Chris, weil der ja auf sie wartet. Die Situation vor Ort oder das vorherige Geschehen nimmt sie dabei so in Beschlag, dass sie die mittlerweile späte Uhrzeit (und dass da ein "Komme später" nicht mehr passt) beim Schreiben gar nicht richtig realisiert. Aber dass sie an jenem Abend/in jener Nacht noch nach Hause kommen würde, ist ihr in dem Moment (noch) so selbstverständlich, dass sie es gar nicht hinterfragt.