Korkplatte hat geschrieben: ↑Donnerstag, 08. Oktober 2026, 14:06:02Jeder der eine Krankheitseinsicht hat, wird auch Medikamente nicht komplett ausschlagen.
Hier gehe ich nicht mit. Ich habe vor vielen Jahren lebensgeschichtliche Interviews mit psychisch kranken Menschen geführt, die sich allesamt ihrer Erkrankung bewusst waren. Die Hälfte von ihnen hat bewusst & gezielt auf eine Medikation verzichtet und stattdessen bspw. mithilfe von Psychoedukation, einem Stimmungstagebuch, kognitiver Verhaltenstherapie, einem geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus, sozialer Unterstützung, Entspannungsübungen, Sport u.a. Copingstrategien versucht, weitere Episoden zu verhindern.
Selbstverständlich ist das nicht bei allen Störungsbildern oder in akuten Phasen immer ausreichend. Es stimmt aber einfach nicht, dass
jeder, der Krankheitseinsicht hat, einer medikamentösen Behandlung zustimmt. Einige, wenn nicht sogar viele klinische Psychotherapeuten verfolgen ebenfalls einen anderen Ansatz. Es gibt sogar Psychiater, die einen solchen Patientenwunsch [also den Verzicht auf eine medikamentöse Behandlung] aktiv unterstützen. Mit guter Unterstützung können manche in akuten Phasen sogar auf eine stationäre Unterbringung verzichten.
Es wäre schön, wenn die medikamentöse Behandlung psychischer Erkrankungen etwas kritischer betrachtet werden könnte.
^^^
Im Gegensatz zu den o.g. Betroffenen war bei Gina sicherlich ein anderer Grund ausschlaggebend, um auf Medikamente zu verzichten, die mglw. zu einer Besserung/Stabilisierung beigetragen hätten: Der
sekundäre Krankheitsgewinn.
Dieser ist bei ihr nämlich besonders stark ausgeprägt:
> Aufgrund ihrer Erkrankung wurde sie von unangenehmen Pflichten, Arbeiten, Verantwortung befreit.
> Die finanziellen Vorteile ihrer Erkrankung waren bisher erheblich.
> Infolge ihrer Suizidversuche erhielt sie vermehrte Aufmerksamkeit. usw.
—> Wenn die Vorteile überwiegen, können Patienten dazu neigen, den Heilungsprozess aktiv auszubremsen.