Gast hat geschrieben: ↑Montag, 26. Januar 2026, 20:10:47
(...)
Ich glaube aber, dass das nicht der Grund war, weshalb sie danach starb. Ich glaube, jemand wollte all das Chris anhängen, von Anfang an hat es jemand auf ihn abgesehen, wollte er ihm diese Entführung und den späteren Mord anhängen. Doch - es gab plötzlich mit Karen im Raum noch eine Zeugin für die Telefonate. Plötzlich lief das so gar nicht mehr, denn Karen konnte bezeugen, dass sie dieses Telefonat auch führte, dass es Frauke war und sie war mit Chris in einem Raum. Das Risiko hatte der Täter nicht als der Bruder anrief - hätte dennoch Chris sein können. Aber es wurde so gedreht, dass die Anrufe folgten, wenn er alleine war. Dass Karen da war, wusste der Täter nicht, sein Plan war dahin und Frauke musste sterben.
Chris war ab Donnerstag in Lübbecke (bei Vater/Freundin). Jemand, der es "so gedreht hätte", dass Chris bei den Anrufen alleine war, der hätte das doch jedenfalls gewusst. Der hätte das auch gewusst, wenn er nur so halbwegs was von Chris aktuellem Lebensalltag gewusst hätte, ganz ohne so genaue Einblicke, dass er was hätte "drehen können".
Und dass Chris nicht gleichzeitig in Lübbecke (er wird ja zeitnah vor und/oder nach den Anrufen mit jemandem dort Kontakt gehabt haben) und zum Telefonieren mit Fraukes Handy in PB sein konnte, müsste dem klar gewesen sein.
Auch, dass die Anruforte wohl jedenfalls ermittelt werden würden, war klar nach der öffentlichen Info, die nächtliche SMS sei aus dem Raum Nieheim gekommen - noch vor dem ersten Anruf.
Kurz, so ein Bohei, um Chris was anzuhängen und gleichzeitig schon vor dem ersten Anruf offensichtlich, dass es auf diese Weise und mit dieser zeitlichen Abfolge der Anrufe nicht funktionieren wird? Eher nicht.
Trodat5203 hat geschrieben: ↑Montag, 26. Januar 2026, 19:55:42
Ja aber moment mal .. du schreibst, eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus beispielsweise wäre nicht gegangen ...geb ich dir Recht! Aber siehst du, da sind wir doch wieder bei den Möglichkeiten.
Nimm einen planenden Täter, lass ihn einen Spitzenplan entwerfen und dann lebt er aber nun Mal leider mitten in der Stadt in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Kann er seinen Plan dann einfach umsetzen? Nein. Dann benötigt er andere Optionen die er sich beschaffen muss. Er muss also ein Wohnmobil mieten (falls er keins besitzt) oder er muss eine Halle anmieten (falls er keine hat). Macht das jemand extra für eine Woche, für ein einziges Opfer??? Halte ich für eher unwahrscheinlich.
Und jetzt kommen wir zum Punkt der Opferbeschaffung: wenn er das genauso für diese Woche geplant hatte, dann muss er an dem Abend auf Beutezug gewesen sein. Dann dürfte Frauke eher ein Zufallsopfer gewesen sein oder? Denn für sie lief der Abend nicht nach Plan. Woher konnte denn der Täter wissen wann Frauke wo sein wird und dass sich eine Gelegenheit für ihn ergibt?
Ich bleibe dabei: WENN der Täter die Möglichkeiten dazu hat jemanden zu transportieren, jemanden gesichert irgendwo festzuhalten und Ortskenntnis besitzt, dann kann er diese Tat durchführen und dann ist es auch ohne Plan möglich.
Ja, das ist das Ding mit den Wahrscheinlichkeiten, da lauern Milchmädchen hinter jeder Ecke, um einem was vorzurechnen. Ich meine, wir beide hatten es auch schonmal davon, hier im ÖF oder PN.
Richtig, um das Opfer ohne Vorplanung aus einer Situation heraus eine Woche festhalten und zudem an andere Orte transportieren zu können, müssen Voraussetzungen gegeben sein.
Klar ist das für sich genommen unwahrscheinlich, dass das bei einem gegebenen Spontantäter so gegeben ist.
Man muss dabei aber auch nicht päpstlicher sein als der Papst - ein Transporter oder WoMo wäre natürlich ideal, ein planender Täter hätte vielleicht sowas besorgt, aber für den Spontantäter hätte es genauso auch ein Kombi getan. Opfer fesseln, knebeln, in den Kofferraum und Decke drüber, Fahrt bei Dunkelheit und nicht durch Wohngebiet, Ampelkreuzungen... passt doch. Wäre so sogar mit einer Limousine und Frauke so auf der Rückbank machbar. Und wenn ich überlege, ob ich selbst jemanden eine Woche unbemerkt wo unterbringen und holen/zurückbringen könnte, da fällt mir auch was ein. Nicht ideal, wohne in MFH/Wohngebiet und mein Ferienhaus ist 1500km weit weg, aber nach kurzem Überlegen hab ich da schon zwei machbare Optionen am Start.
Aber darum gehts an der Stelle bzgl. Wahrscheinlichkeiten gar nicht.
Es ist das Gesetz der großen Zahlen - wenn etwas ausreichend häufig vorkommt, ist das Auftreten eines unwahrscheinlichen Details keine Frage des Ob, sondern des Wann.
Heißt in dem Fall: Es passieren tagtäglich ungeplante Situationen aus spontanen Übergriffen, wo der Täter das lieber verheimlichen, Folgen für sich vermeiden und das vielleicht mit dem Opfer "klären" will. Ich gehe davon aus, dass in vielen(!) dieser Situationen erstmal so ein spontanes Folgeverhalten auftritt, das Opfer (aufgebracht, evtl. sichtbar verletzt) am sofortigen Gehen zu hindern, nach einer Lösung suchen zu wollen ohne Plan, wie das denn aussehen soll.
Nun hätte in den meisten Fällen der Täter nicht die Möglichkeit, das Opfer längerfristig unentdeckt festzuhalten - schon weil irgendwer weiß, dass sich das Opfer bei ihm befindet/befinden könnte, weil im Kontext klar wäre, dass er als wahrscheinlicher Täter identifizierbar im Falle ihres Verschwindens wäre, weil ein Festhalten genau da ebenso wie ein unbemerkter Abgang mit dem Opfer nicht möglich wäre usw.
In all diesen Fällen kommt es zu keinem Fall, den wir hier besprechen würden. Das Opfer geht, der Täter kriegt ne Anzeige oder zumindest soziale Konsequenzen, oder das Opfer hält dicht, aus welchen Beweggründen auch immer. Alltag in Deutschland.
Nun ist es unwahrscheinlich, aber eben möglich, dass es eben doch passt - Situation geeignet für unauffälliges Verschwinden, der Täter keine Person, auf die man (mangels Kenntnis?) sofort (oder überhaupt) als Verdächtigen kommen würde, und er hat zufällig die Möglichkeiten für Unterbringung und Transport.
Gesetz der großen Zehlen - wenn viele solche Tatanlässe stattfinden und mit einer geringen Wahrscheinlichkeit alles für einen derartigen Tatvollzug "passt", dann wird es irgendwann passieren. Wenn nicht bei Frauke, dann würden wir hier halt nicht über einen Frauke-Fall diskutieren, sondern über eine Mandy aus Cottbus oder so. Und würden uns da fragen, ob denn diese ach so unwahrscheinlichen Voraussetzungen tatsächlich zutreffen könnten.
Ich weiß aus Erfahrung, das ist nicht jedem nachvollziehbar, weil nicht gut intuitiv erfassbar. Aber die konkrete Zufallstat mit passenden Voraussetzungen ist nur eine unter vielen anderen, in dieser Hinsicht gleichberechtigten anderen Anlässen, bei denen die Voraussetzungen ebenfalls so hätten sein können und die ggf. zum Tatvollzug geführt hätten.
Und ich bin auch ganz dabei beim zweiten Teil: Aufgrund des kurzfristig und spontan entstandenen Bewegungsprofils von Frauke an jenem Abend (zudem nur sehr wenigen überhaupt "live" bekannt), wäre eine geplante/vorbereitete Tat eigentlich nur mit Frauke als Zufallsopfer eines (oder mehrerer) ihr unbekannten Täters plausibel. Und da wäre jedes Gezappel mit nächtlichen SMS aus der Pampa und wiederholten Anruffahrten noch sinnloser.
Außer natürlich, Frauke ging selbstbestimmt nicht direkt nach Hause, sondern noch wohin, wo jemand auf sie wartete der wusste, dass sie kommen würde. Und der hinreichend sicher sein konnte, dass niemand sonst von ihrem Umweg wusste. Und wo er hinreichend sicher sein konnte, dass es keine Zeugen für das Zusammentreffen geben würde. Ach ja, und da er nicht wissen konnte, dass Fraukes Handy aus sein würde, sollte der Ort/die nähere Gegend nicht groß mit ihm (oder einer PErsonengruppe, der er zugehört) in Verbindung stehen - innerstädtisch sind die FZ relativ klein, man hätte etwa Fraukes gewählten Heimweg ohne Weiteres rekonstruieren und bestätigen können, wenn ihr Handy an gewesen wäre.
Ziemlich viel, was so einer hätte wissen müssen, nicht wahr?