MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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MrNightsky
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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Gast hat geschrieben: Freitag, 23. Januar 2026, 21:55:55 Dann hätte aber der Täter über den Waldarbeiter und dessen tägliche Arbeit sehr genau informiert sein müssen, um zu wissen, wann er was tut. Also selbst meine engeren Freunde unterrichte ich nicht wöchentlich über meine beruflichen Einsätze. Wieso hätte er denn sein Einsatzgebiet an einen Bekannte herantragen sollen? Sowas interessiert dcoch niemanden.
Also mir leuchtet nicht so richtig ein, wieso der Täter das hätte wissen sollen, wo der Waldarbeiter wann tätig ist.
Der Anonyme Hinweisgeber hat ja gesagt er ist ein Freund des Waldarbeiters, und sie waren gemeinsam auf Windschadensbegutachtung in dem Waldstück. Was aber, wenn der Hinweisgeber der Freund ist?
Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

MrNightsky hat geschrieben: Freitag, 23. Januar 2026, 21:52:00 Das würde ja dann bedeuten - vorausgesetzt es hat sich so zugetragen - dass der Anonyme Hinweisgeber mit der amerikanischen Handynummer (war der nicht auch Gast hier?) der Täter ist, oder? Aber wieso sollte er nach 9 Jahren jemand anderen beschuldigen und damit riskieren, dass er am Ende dadurch doch noch gefasst wird, wenn er nie im Fokus stand?
Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage, aber man muss bedenken, dass dieser Täter äußerst unkonventionell gehandelt hat. Er fuhr mit dem Opfer seiner eigenen Entführung durch die Gegend und zwang sie, fast eine Woche lang Kontakt mit ihrer Familie zu halten. Allein das ist bereits ein sehr ungewöhnlicher Umstand und zeugt von einer unkonventionellen Denkweise. Möglicherweise hatte er das Gefühl, dass die Ermittlungen ihm näherkamen, und entschloss sich deshalb nach neun Jahren, die Waffe zu benutzen, die er beim Mord an dem Förster verwendet hatte, um die Spur von sich wegzulenken. Das ist ein sehr ungewöhnlicher und merkwürdiger Schritt, passt aber zu einem solchen Täter – schließlich war schon die Idee, Frauke ihre Familie anrufen zu lassen, so außergewöhnlich, dass sie in der internationalen Kriminalgeschichte praktisch beispiellos ist.
*****

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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Genauso gut könnte ja der ... Mann auch ein Mitwisser sein, der sich aber aus welchen Gründen auch immer nicht traut etwas zu sagen und stattdessen hier im Forum schreibt um Hinweise zu geben.
Im Prinzip alles möglich.
Hamburger
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Hamburger »

@DetectiveBartek


Ich stimme in vielem mit Dir überein, habe aber ein paar Einwände.
Detective Bartek hat geschrieben: Freitag, 23. Januar 2026, 20:21:48
[...]
Er könnte sie an diesem Abend irgendwohin eingeladen haben, deshalb fragte sie beim Abendessen, wo Nieheim liegt. Möglicherweise schrieb sie ihm auch, dass sie sich doch nicht mit ihm treffen würde, und nannte dabei versehentlich die Bar, in die sie zum Spiel ging. Sie sagte das Treffen mit ihm ab, weil sie auch N treffen wollte. [...]
Wenn Frauke ihm geschrieben hätte (noch dazu so kurz vor ihrem Verschwinden), hätte er zu dem Kreis derjenigen gehört, die die Polizei überprüfte. Ich nehme eher an, dass der Täter Frauke zwar bekannt war, es aber keinen Handykontakt zwischen ihnen gab und er deshalb bisher nicht in den Fokus der Ermittler geriet.
Detective Bartek hat geschrieben: Freitag, 23. Januar 2026, 20:21:48 [...]
Ich verstehe auch das Argument, dass es nicht unbedingt Nieheim sein musste, da die Funkzellen ein großes Gebiet abdecken. Aber dennoch liegt es außerhalb von Paderborn, näher als weiter entfernt, und genau dort, wo sie noch am selben Abend beim Abendessen gefragt hatte, wo Nieheim liegt. Um 0:49 Uhr befand sie sich plötzlich in der Nähe dieses Ortes. Das ist einfach ein zu großer Zufall.
Es ist ein Zufall, der zunächst irritiert, aber nach meiner Ansicht hätte der Täter (ohne Kenntnis von Fraukes früherer Erwähnung Nieheims) einen guten Grund gehabt haben können, in den Bereich der Nieheimer Funkzelle zu fahren. Zur Erklärung muss ich etwas weiter ausholen:

Ich halte es wie Du (aus Gründen, die Du ausgeführt hast) für wahrscheinlich, dass die Tat geplant war.

Der Täter muss Frauke in der Nähe des Pubs oder auf dem weiteren Nachhauseweg begegnet sein, und im Fall einer geplanten Tat wird er sich vermutlich nur so kurz wie möglich mit Frauke gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt haben. Deshalb gehe ich davon aus, dass es ihm ziemlich schnell gelang, Frauke unter einem Vorwand (z. B. mit dem Angebot, sie nach Hause zu fahren) in sein Auto zu locken und er sie dann bei nächster Gelegenheit überwältigte.

Frauke verließ den Pub gegen 23 h, die SMS wurde um 0:49 h aus Nieheim versandt. Angesichts dieser Zeitspanne vermute ich, dass der Täter nicht mit Frauke, sondern nur mit ihrem Handy nach Nieheim fuhr und Frauke vorher an einen vorbereiteten Ort brachte, an dem er sie gefangen halten konnte.

Wenn die Tat geplant war, diente die SMS aus Nieheim der Absicht des Täters, eine falsche Fährte zu legen – also der Vortäuschung, Frauke habe freiwillig Paderborn verlassen.
Ich vermute, dass Frauke östlich von Paderborn festgehalten wurde. Wenn der Täter Frauke an einen Ort östlich von Paderborn gebracht hätte (und er diese Gegend nicht verraten, aber auch relativ schnell zu dem Versteck zurückkehren wollte): Welche Gegend hätte sich dann für den Versand der SMS angeboten?
Nach meiner Ansicht wäre der Bereich der Nieheimer Funkzelle (der, wie @HP1 dankenswerterweise darlegte, sehr groß ist und eine Reihe von Orten umfasst) durchaus naheliegend gewesen.
Zane
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Zane »

Detective Bartek hat geschrieben: Donnerstag, 22. Januar 2026, 23:44:15 Ich erinnere mich an einen Thread, in dem Iven (viele Grüße an dich) schrieb, dass Frau Liebs ihm in einem Gespräch bestätigt habe, dass Frauke tatsächlich gefragt habe, wo Nieheim liegt, weil sie dort einen Mechaniker kennengelernt hatte – während eines abendlichen Essens mit ihm und Chris am Tag ihres Verschwindens. Man kann das also als Tatsache ansehen.

Später in derselben Nacht schickt Frauke eine SMS aus Nieheim. Ehrlich gesagt fällt es mir sehr schwer, das als reinen Zufall zu betrachten.

Ich habe zwei Theorien zu diesem Thema, unter der Annahme, dass es sich hierbei nicht um einen Zufall handelt.

Erste Theorie:
Frauke stand bereits seit dem Morgen oder seit einigen Tagen mit einer Person in Kontakt (wie sie sich kennengelernt haben könnten, wäre ein eigenes Thema), die sich als Mechaniker aus Nieheim ausgab. Und hier wird es interessant: Wie wir wissen, wurde der sehr verdächtige Mechaniker aufgrund eines wasserdichten Alibis ausgeschlossen. Aber was, wenn dieser Mann schon früher plante, Frauke etwas anzutun, und lediglich log, indem er behauptete, Mechaniker zu sein – in dem Wissen, dass es in Nieheim tatsächlich einen Mechaniker gibt, der im Ernstfall sehr verdächtig wirken würde? Nach dieser Logik wurde niemals ein anderer „Mechaniker aus Nieheim“ gefunden. Denn warum sollte der Täter Frauke sagen, womit er sich wirklich beschäftigt, wenn er eine Entführung plante?

Zweite Theorie:
Frauke lernte ihren späteren Mörder auf ähnliche Weise kennen wie in der ersten Theorie beschrieben, jedoch mit einer kleinen Abwandlung: Der Täter stammte aus Paderborn oder der Umgebung, und die Fahrt nach Nieheim ging von Frauke aus. Etwa nach dem Motto: „Das Gespräch läuft gut, lass uns eine kleine Fahrt machen – ich habe kürzlich jemanden aus Nieheim kennengelernt, willst du sehen, wo das liegt und wie es dort aussieht?“
Ein solcher Vorschlag wäre für den späteren Täter ein Geschenk des Himmels gewesen. Er hätte Frauke mitten in der Nacht aufs Land bringen und dort überwältigen oder sogar versuchen können, sie zu vergewaltigen.
War es wirklich so, dass Frauke an dem Tag mit Chris und Frau Liebs über einen Typen aus Nieheim sprach? @Iven kannst du das nochmal bestätigen.

Ein großes Problem an der ersten Theorie ist für mich aber die Tatsache, dass es zwischen diesem "Mechaniker" und Frauke ja Kontakt gegeben haben muss. Dieser wird ja nicht zufällig immer Persönlich gewesen sein. Die werden ja beide nicht zufällig immer einmal Wöchentlich am selben Ort gewesen sein um sich zu Unterhalten. Somit hätten Sie irgendeine Kommunikationsplattform gebraucht. 2 Variante:

1. Gängig Austausch der Handynummern. Damit hätte man auch 2006 schon den Anschlussinhaber ermitteln können, somit wäre kein "falscher" Mechaniker verdächtigt worden sein können.
2. Chatplattformen wie z. B. Yooliety wo Frauke aktiv war. Vielleicht hatte Sie ihn über eine Chatplattform kennengelernt, dort sind meist IP Daten hinterlegt und somit auch Anschlussinhaber. JEDOCH! 2006 wurden diese dinge nicht lange gespeichert. Somit wäre hier entscheidend ob die Polizei bei der Auswertung der Chatlogs noch zugriff auf die IP-Adressen hatte oder nicht. Wenn ja, auch hier wieder kein falscher "Mechaniker" Beschuldigbar. Wenn IP Adressen nicht mehr vorhanden, dann gäbe es die Möglichkeit.

Jedoch kommen wir da zu problem Nummer 2. Wie wahrscheinlich ist es, dass es in Nieheim genau nur 1 KFZ-Mechaniker gab?
2006 hatte Nieheim rund 6958 Einwohner.
Für 2006 gab es keine Statistik, aber für 2008 (wird sich wohl nicht so stark verändert haben), damals gab es Berufstätige in Nieheim mit Wohnort Nieheim: 2268 (dies exkludiert, selbständige, Beamte und Minijobbler aufgrund sozialversicherungspflicht).
Laut Statistiken sind ca. 1% aller Sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland KFZ-Mechatroniker.
Heute gibt es 6 Werkstätten dort, 2006 haben sicher 2 davon schon existiert gut möglich sogar 3. Eine vierte gibt es schon seit 1957 aber erst seit 2010 als GmbH. Und zwei sind erst nach 2006 entstanden.
Jetzt gehen wir bissle in die Mathematik:
n=2268 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Wohnort)
Anteil Kfz-Mechatroniker p = 1% = 0,01
So kommen wir auf Runde 23 als Ergebnis der Rechnung.
Ca. 23 Mechatroniker würde es laut Statistik in Nieheim geben (aber das ist nur eine rein Statistische Zahl weil es natürlich von Stadt zu Stadt andere Prozentuale gibt, in einer Stadt sind vielleicht 20% aller Leute KFZ-Mechatroniker in einer anderen vielleicht
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit rechnerisch, dass es mindestens mehr als 1 Mechatroniker gab in Nieheim:
Da kommen wir Rechnerisch auf 99,97%.
Ich hasse Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber Simpel ausgedrückt, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering. Dass es nur 1 Mechatroniker in Nieheim damals gab.
Demzufolge: Wenn Sie per Handy Kontakt hatten, wäre es nicht möglich den falschen als Verdächtigen ranzuschieben.
Wenn Sie Persönlich oder über einen Chatroom (und die IP Bereits gelöscht war), Kontakt hatten, ist es schwer für die Polizei einen Mechatroniker unter mehreren zu Beschuldigen. Natürlich alles nur Wahrscheinlichkeiten, es kann natürlich 2006 auch nur den einen Mechaniker dort gegeben haben.
Da die Polizei aber einen ja gefunden haben, konten Sie "diesen" Mechaniker wohl als den Mechaniker mit dem Frauke Kontakt hatte ausmachen (womöglich aufgrund von SMS, Anrufen etc..). Also ist stark davon auszugehen das dieser Mechaniker auch jener Mechaniker war, mit dem Sie Kontakt hatte. Ausser dieser wären tatsächlich der Einzige Mechaniker in dieser Stadt, was wie gesagt relativ unwahrscheinlich ist.

Zur zweiten Theorie, i dont know. „Das Gespräch läuft gut, lass uns eine kleine Fahrt machen – ich habe kürzlich jemanden aus Nieheim kennengelernt, willst du sehen, wo das liegt und wie es dort aussieht?“ Also aus 35 Jahren Dating Erfahrung xD, ist mir so ein Satz oder so ähnlich nie untergekommen. Warum sollte Sie mit einem Typen, in eine Stadt fahren wo Sie einen anderen Typen kennengelernt hat? Dann fährt man doch lieber an nen schöneren Ort um sich besser kennenzulernen, Aussichtsplattform, See, sonst irgendwo hin, aber ned zu einem anderen Kennengelernten Typen in eine Fremde Stadt mit einem Fremden Typen zusammen. Mitten in der Nacht. Das ist ja wie ne Einladung zu einer Vergewaltigung oder Mord. Da hätte ich als Frau viel zu viel Angst.
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Trodat5203 »

Hamburger hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 01:06:18
Ich vermute, dass Frauke östlich von Paderborn festgehalten wurde. Wenn der Täter Frauke an einen Ort östlich von Paderborn gebracht hätte (und er diese Gegend nicht verraten, aber auch relativ schnell zu dem Versteck zurückkehren wollte): Welche Gegend hätte sich dann für den Versand der SMS angeboten?
Nach meiner Ansicht wäre der Bereich der Nieheimer Funkzelle (der, wie @HP1 dankenswerterweise darlegte, sehr groß ist und eine Reihe von Orten umfasst) durchaus naheliegend gewesen.
Denkst du, der Täter hat gewusst wie groß dieser Funzellenbereich ist? Woher? Wir wissen das doch auch alle erst seitdem es durch den Fall bekannt gemacht wurde.

Vllt war er wirklich in Nieheim-Entrup mit ihr und dachte deswegen, die "Ortung" sei sehr präzise. Das wäre ein weiterer Grund, warum er sich neben anderen Vorteilen der Gewerbegebiete für diese entschieden haben könnte. Sie lassen keinen Rückschluss auf seinen Wohnort zu oder auf Personen seines Nahfeldes. Es sind "neutrale" Orte. Dieses Vorgehen macht mehr Sinn für einen Täter, der seine Ankerpunkte innerhalb von Paderborn hat. Ein Täter aus einem anderen Ort hätte sie theoretisch von überall telefonieren lassen können.
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von JohnLemon »

Davon ausgehend dass der Täter und Frauke sich kannten und die SMS tatsächlich von ihr persönlich abgesendet wurde, muss es ein Ziel oder eine Verlockung gegeben haben, in den Dunstkreis Nieheim zu fahren. Ein Ziel, das beide kannten, Frauke reizte oder aber die beiden eine ruhige Ecke suchten, weil dann doch noch mehr zwischen beiden gelaufen ist.

Auch möglich das zum nächsten McD gefahren wurde, das wäre zumindest Richtung Nieheim. Dort dann zB KO-Tropfen ins Spiel kamen. Dann sicherlich keine SMS mehr von ihr.

Auch möglich dass es bereits kurz nach Auftreffen von Opfer und Täter zur Eskalation/einem Übergriff kam und man zur beiderseitiger Beruhigung planlos durch die Gegend fuhr. Vielleicht sogar mit einer sichtbaren Verletzung, die es dem Täter unmöglich machte, Frauke gehen zu lassen.

Immer unter der Voraussetzung: Einzeltäter und kein Fremder.

Auch würde mich interessieren, wie Fraukes “Crush” (würde man heute sagen) vom Typ her gewesen wäre. Was zog sie an Männern an? Spezielle Charaktäre? (Typ “Normalo”, Typ “Draufgänger”, etc.)

Selbst rückblickend in ihrer Generation war es schon oft so, dass doch die stark extrovertierten Typen, oft mit “stylischen” Auftritt und teils Hang zu “verbotenen” Dingen, bei vielen Mädels gut angekommen sind. Diese Affäre-Party-Typen, zumindest in der Sturm- und Drangzeit. Das ändert sich bekanntermaßen auf beiden Seiten mit dem Alter.

Frauke war, wie zu entnehmen, gern und viel unterwegs und auf Partys. Das reizte sie nun mal aktuell mehr, wie eine feste/eingefahrene Beziehung zu C., der ja eher gegenteilig unterwegs war.

Was ich abschießend meine: vlt. gab es da den einen Typen, den sie (und viele andere Mädels) einfach nur toll fand. Bewundert hat, ein Typ mit Charisma und hinter der Fassade eine miese kleine Ratte. Und vlt. hat dieser eine Typ diesen Umstand förmlich ausgenutzt. Da steigt man einfach mal so ins Auto, vlt. auch mit dem Ziel, die Nacht doch noch zum Tag zu machen. Und hier ist dann die Situation eskaliert oder aber dieser Typ hatte einen Plan. Letzteres glaube ich nicht.

Bin der Auffassung, unabhängig vom Täterprofil, dass die Situation ausuferte. Spätestens mit der schnellen und medialen Suche nach Frauke ist da beim Täter vor Panik etwas gekippt. Der Täter hat schlichtweg massives Glück gehabt.
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Trodat5203 »

Zane hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:17:05 War es wirklich so, dass Frauke an dem Tag mit Chris und Frau Liebs über einen Typen aus Nieheim sprach? @Iven kannst du das nochmal bestätigen.
Ich kann dir bestätigen, dass Frauke an dem Abend auf dem Weg ins Restaurant ihrer Mutter von einem Schrauber aus Nieheim erzählte und fragte, wo Nieheim denn sei. Die Polizei hat später wie wir wissen, einen Schrauber aus Nieheim ermittelt, diesen wirklich sorgfältig überprüft und als Täter ausgeschlossen. Zu 100% kann man nicht sagen, ob es sich bei der überprüften Person um den handelte über den Frauke sprach, da sie keinen Namen genannt hatte. Es gibt aber Hinweise darauf, dass er es war und die Wahrscheinlichkeit, das sie 2 Schrauber aus Nieheim kennengelernt hat ist doch eher gering.
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Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

Hamburger hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 01:06:18 @DetectiveBartek


Ich stimme in vielem mit Dir überein, habe aber ein paar Einwände.



Wenn Frauke ihm geschrieben hätte (noch dazu so kurz vor ihrem Verschwinden), hätte er zu dem Kreis derjenigen gehört, die die Polizei überprüfte. Ich nehme eher an, dass der Täter Frauke zwar bekannt war, es aber keinen Handykontakt zwischen ihnen gab und er deshalb bisher nicht in den Fokus der Ermittler geriet.



Es ist ein Zufall, der zunächst irritiert, aber nach meiner Ansicht hätte der Täter (ohne Kenntnis von Fraukes früherer Erwähnung Nieheims) einen guten Grund gehabt haben können, in den Bereich der Nieheimer Funkzelle zu fahren. Zur Erklärung muss ich etwas weiter ausholen:

Ich halte es wie Du (aus Gründen, die Du ausgeführt hast) für wahrscheinlich, dass die Tat geplant war.

Der Täter muss Frauke in der Nähe des Pubs oder auf dem weiteren Nachhauseweg begegnet sein, und im Fall einer geplanten Tat wird er sich vermutlich nur so kurz wie möglich mit Frauke gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt haben. Deshalb gehe ich davon aus, dass es ihm ziemlich schnell gelang, Frauke unter einem Vorwand (z. B. mit dem Angebot, sie nach Hause zu fahren) in sein Auto zu locken und er sie dann bei nächster Gelegenheit überwältigte.

Frauke verließ den Pub gegen 23 h, die SMS wurde um 0:49 h aus Nieheim versandt. Angesichts dieser Zeitspanne vermute ich, dass der Täter nicht mit Frauke, sondern nur mit ihrem Handy nach Nieheim fuhr und Frauke vorher an einen vorbereiteten Ort brachte, an dem er sie gefangen halten konnte.

Wenn die Tat geplant war, diente die SMS aus Nieheim der Absicht des Täters, eine falsche Fährte zu legen – also der Vortäuschung, Frauke habe freiwillig Paderborn verlassen.
Ich vermute, dass Frauke östlich von Paderborn festgehalten wurde. Wenn der Täter Frauke an einen Ort östlich von Paderborn gebracht hätte (und er diese Gegend nicht verraten, aber auch relativ schnell zu dem Versteck zurückkehren wollte): Welche Gegend hätte sich dann für den Versand der SMS angeboten?
Nach meiner Ansicht wäre der Bereich der Nieheimer Funkzelle (der, wie @HP1 dankenswerterweise darlegte, sehr groß ist und eine Reihe von Orten umfasst) durchaus naheliegend gewesen.
Wie hätte die Polizei überhaupt feststellen können, ob Frauke vor dem Verlassen des Pubs mit jemandem geschrieben hat? Ohne Zugriff auf ihr Handy – wie hätte die Polizei herausfinden sollen, ob sie selbst am Tag ihres Verschwindens noch Kontakt zu jemandem hatte, den sonst niemand kannte?

Wussten ihre Freunde von dem Mechaniker aus Nieheim oder hatte sie ihn nur einmal gegenüber ihrer Mutter und Chris erwähnt? Denn falls nicht, zeigt das, dass Frauke trotz ihrer Ehrlichkeit nicht jeden Aspekt ihres Lebens mit der ganzen Welt geteilt hat. Deshalb würde es mich wirklich nicht überraschen, wenn es jemanden gegeben hätte, den sie erst kürzlich kennengelernt hatte, von dem sie nicht überzeugt war, der ihr nicht gefiel und von dem sie vor ihrem Verschwinden niemandem mehr erzählen konnte.

Aber ich sehe, dass wir uns in der grundlegenden Annahme einig sind, dass es sich eher um eine geplante Tat als um eine spontane gehandelt hat. Selbst der Ablageort der Leiche spricht für eine sehr gute Ortskenntnis. In diesem Zusammenhang passen sowohl deine Theorie als auch die von Nutzer HP1 gut dazu, wie der Täter geschickt die Orte der Telefonverbindungen auswählte und wo Frauke möglicherweise festgehalten wurde.
BLInvestigations
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von BLInvestigations »

Zane hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:17:05 Zur zweiten Theorie, i dont know. „Das Gespräch läuft gut, lass uns eine kleine Fahrt machen – ich habe kürzlich jemanden aus Nieheim kennengelernt, willst du sehen, wo das liegt und wie es dort aussieht?“ Also aus 35 Jahren Dating Erfahrung xD, ist mir so ein Satz oder so ähnlich nie untergekommen. Warum sollte Sie mit einem Typen, in eine Stadt fahren wo Sie einen anderen Typen kennengelernt hat? Dann fährt man doch lieber an nen schöneren Ort um sich besser kennenzulernen, Aussichtsplattform, See, sonst irgendwo hin, aber ned zu einem anderen Kennengelernten Typen in eine Fremde Stadt mit einem Fremden Typen zusammen. Mitten in der Nacht. Das ist ja wie ne Einladung zu einer Vergewaltigung oder Mord. Da hätte ich als Frau viel zu viel Angst.
Ich greife mal nur diesen Handlungsstrang bzw Theorie auf. Ich gebe dir recht, bei einem Typ, mit dem man grade eine "gute Zeit" hat, ist das unwahrscheinlich.

Aber angenommen, dein aktueller Crush hat dir einen Korb gegeben und du hast noch Option 2 und bist mit einer guten Freundin unterwegs, dann ergibt das Sinn. Sehr sogar.
Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

Zane hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:17:05 War es wirklich so, dass Frauke an dem Tag mit Chris und Frau Liebs über einen Typen aus Nieheim sprach? @Iven kannst du das nochmal bestätigen.

Ein großes Problem an der ersten Theorie ist für mich aber die Tatsache, dass es zwischen diesem "Mechaniker" und Frauke ja Kontakt gegeben haben muss. Dieser wird ja nicht zufällig immer Persönlich gewesen sein. Die werden ja beide nicht zufällig immer einmal Wöchentlich am selben Ort gewesen sein um sich zu Unterhalten. Somit hätten Sie irgendeine Kommunikationsplattform gebraucht. 2 Variante:

1. Gängig Austausch der Handynummern. Damit hätte man auch 2006 schon den Anschlussinhaber ermitteln können, somit wäre kein "falscher" Mechaniker verdächtigt worden sein können.
2. Chatplattformen wie z. B. Yooliety wo Frauke aktiv war. Vielleicht hatte Sie ihn über eine Chatplattform kennengelernt, dort sind meist IP Daten hinterlegt und somit auch Anschlussinhaber. JEDOCH! 2006 wurden diese dinge nicht lange gespeichert. Somit wäre hier entscheidend ob die Polizei bei der Auswertung der Chatlogs noch zugriff auf die IP-Adressen hatte oder nicht. Wenn ja, auch hier wieder kein falscher "Mechaniker" Beschuldigbar. Wenn IP Adressen nicht mehr vorhanden, dann gäbe es die Möglichkeit.

Jedoch kommen wir da zu problem Nummer 2. Wie wahrscheinlich ist es, dass es in Nieheim genau nur 1 KFZ-Mechaniker gab?
2006 hatte Nieheim rund 6958 Einwohner.
Für 2006 gab es keine Statistik, aber für 2008 (wird sich wohl nicht so stark verändert haben), damals gab es Berufstätige in Nieheim mit Wohnort Nieheim: 2268 (dies exkludiert, selbständige, Beamte und Minijobbler aufgrund sozialversicherungspflicht).
Laut Statistiken sind ca. 1% aller Sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland KFZ-Mechatroniker.
Heute gibt es 6 Werkstätten dort, 2006 haben sicher 2 davon schon existiert gut möglich sogar 3. Eine vierte gibt es schon seit 1957 aber erst seit 2010 als GmbH. Und zwei sind erst nach 2006 entstanden.
Jetzt gehen wir bissle in die Mathematik:
n=2268 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Wohnort)
Anteil Kfz-Mechatroniker p = 1% = 0,01
So kommen wir auf Runde 23 als Ergebnis der Rechnung.
Ca. 23 Mechatroniker würde es laut Statistik in Nieheim geben (aber das ist nur eine rein Statistische Zahl weil es natürlich von Stadt zu Stadt andere Prozentuale gibt, in einer Stadt sind vielleicht 20% aller Leute KFZ-Mechatroniker in einer anderen vielleicht
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit rechnerisch, dass es mindestens mehr als 1 Mechatroniker gab in Nieheim:
Da kommen wir Rechnerisch auf 99,97%.
Ich hasse Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber Simpel ausgedrückt, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering. Dass es nur 1 Mechatroniker in Nieheim damals gab.
Demzufolge: Wenn Sie per Handy Kontakt hatten, wäre es nicht möglich den falschen als Verdächtigen ranzuschieben.
Wenn Sie Persönlich oder über einen Chatroom (und die IP Bereits gelöscht war), Kontakt hatten, ist es schwer für die Polizei einen Mechatroniker unter mehreren zu Beschuldigen. Natürlich alles nur Wahrscheinlichkeiten, es kann natürlich 2006 auch nur den einen Mechaniker dort gegeben haben.
Da die Polizei aber einen ja gefunden haben, konten Sie "diesen" Mechaniker wohl als den Mechaniker mit dem Frauke Kontakt hatte ausmachen (womöglich aufgrund von SMS, Anrufen etc..). Also ist stark davon auszugehen das dieser Mechaniker auch jener Mechaniker war, mit dem Sie Kontakt hatte. Ausser dieser wären tatsächlich der Einzige Mechaniker in dieser Stadt, was wie gesagt relativ unwahrscheinlich ist.

Zur zweiten Theorie, i dont know. „Das Gespräch läuft gut, lass uns eine kleine Fahrt machen – ich habe kürzlich jemanden aus Nieheim kennengelernt, willst du sehen, wo das liegt und wie es dort aussieht?“ Also aus 35 Jahren Dating Erfahrung xD, ist mir so ein Satz oder so ähnlich nie untergekommen. Warum sollte Sie mit einem Typen, in eine Stadt fahren wo Sie einen anderen Typen kennengelernt hat? Dann fährt man doch lieber an nen schöneren Ort um sich besser kennenzulernen, Aussichtsplattform, See, sonst irgendwo hin, aber ned zu einem anderen Kennengelernten Typen in eine Fremde Stadt mit einem Fremden Typen zusammen. Mitten in der Nacht. Das ist ja wie ne Einladung zu einer Vergewaltigung oder Mord. Da hätte ich als Frau viel zu viel Angst.
Was den telefonischen Kontakt betrifft, habe ich – wie bereits erwähnt – erhebliche Zweifel, denn Fraukes Handy wurde nie wiedergefunden. Wenn sie per SMS mit einer anderen Nummer in Kontakt stand, stellt sich die Frage, wie dies überhaupt hätte nachverfolgt werden sollen.

Deine Argumentation in Bezug auf den Mechaniker aus Nieheim kann ich nachvollziehen.

Man müsste zunächst einmal genau betrachten, wie die Polizei ihn überprüft hat, denn bei allem Respekt: Die Art und Weise, wie die Ermittlungen zu Beginn geführt wurden, war äußerst fragwürdig. Ebenso unklar ist, worin sein angeblich wasserdichtes Alibi bestand.

Aber selbst wenn wir annehmen, dass er es nicht war, halte ich es für durchaus möglich, dass der Täter bewusst eine Nebelkerze gezündet hat – in Form des Wissens, dass Frauke bereits Kontakt zu einem Mechaniker aus Nieheim hatte. Möglicherweise gab er selbst an, in Nieheim Autos zu reparieren, um im Ernstfall den Verdacht sofort auf eine andere Person zu lenken.

Es könnte aber auch noch anders gewesen sein: Der Täter kannte den Mechaniker aus Nieheim und erfuhr über ihn von der Existenz Fraukes. Anschließend sprach er sie als „Bekannter des Mechanikers“ an, wodurch der Kontakt zustande kam. Frauke war sehr kontaktfreudig und mochte neue Bekanntschaften. Und da offenbar nur wenige aus ihrem Freundes- und Familienkreis von dem Mechaniker aus Nieheim wussten, halte ich es für umso wahrscheinlicher, dass sie erst recht nichts von einem weiteren neuen Bekannten wussten, den Frauke erst später kennengelernt hatte.
Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

Trodat5203 hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:46:40 Denkst du, der Täter hat gewusst wie groß dieser Funzellenbereich ist? Woher? Wir wissen das doch auch alle erst seitdem es durch den Fall bekannt gemacht wurde.

Vllt war er wirklich in Nieheim-Entrup mit ihr und dachte deswegen, die "Ortung" sei sehr präzise. Das wäre ein weiterer Grund, warum er sich neben anderen Vorteilen der Gewerbegebiete für diese entschieden haben könnte. Sie lassen keinen Rückschluss auf seinen Wohnort zu oder auf Personen seines Nahfeldes. Es sind "neutrale" Orte. Dieses Vorgehen macht mehr Sinn für einen Täter, der seine Ankerpunkte innerhalb von Paderborn hat. Ein Täter aus einem anderen Ort hätte sie theoretisch von überall telefonieren lassen können.
Ein solches Denken des Täters würde jedoch darauf hindeuten, dass er seine Tat eher geplant hat und wusste, was er tut. Ich bezweifle, dass ein aufgewühlter 20-Jähriger, der Frauke – nehmen wir an – gerade überwältigt hat und mit ihr weit in außerstädtische Gebiete flieht, dabei einen klaren Plan gehabt hätte. Schon gar nicht, wenn nichts im Voraus geplant war und alles ausschließlich unter Adrenalin geschah.
Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

JohnLemon hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:49:44 Davon ausgehend dass der Täter und Frauke sich kannten und die SMS tatsächlich von ihr persönlich abgesendet wurde, muss es ein Ziel oder eine Verlockung gegeben haben, in den Dunstkreis Nieheim zu fahren. Ein Ziel, das beide kannten, Frauke reizte oder aber die beiden eine ruhige Ecke suchten, weil dann doch noch mehr zwischen beiden gelaufen ist.

Auch möglich das zum nächsten McD gefahren wurde, das wäre zumindest Richtung Nieheim. Dort dann zB KO-Tropfen ins Spiel kamen. Dann sicherlich keine SMS mehr von ihr.

Auch möglich dass es bereits kurz nach Auftreffen von Opfer und Täter zur Eskalation/einem Übergriff kam und man zur beiderseitiger Beruhigung planlos durch die Gegend fuhr. Vielleicht sogar mit einer sichtbaren Verletzung, die es dem Täter unmöglich machte, Frauke gehen zu lassen.

Immer unter der Voraussetzung: Einzeltäter und kein Fremder.

Auch würde mich interessieren, wie Fraukes “Crush” (würde man heute sagen) vom Typ her gewesen wäre. Was zog sie an Männern an? Spezielle Charaktäre? (Typ “Normalo”, Typ “Draufgänger”, etc.)

Selbst rückblickend in ihrer Generation war es schon oft so, dass doch die stark extrovertierten Typen, oft mit “stylischen” Auftritt und teils Hang zu “verbotenen” Dingen, bei vielen Mädels gut angekommen sind. Diese Affäre-Party-Typen, zumindest in der Sturm- und Drangzeit. Das ändert sich bekanntermaßen auf beiden Seiten mit dem Alter.

Frauke war, wie zu entnehmen, gern und viel unterwegs und auf Partys. Das reizte sie nun mal aktuell mehr, wie eine feste/eingefahrene Beziehung zu C., der ja eher gegenteilig unterwegs war.

Was ich abschießend meine: vlt. gab es da den einen Typen, den sie (und viele andere Mädels) einfach nur toll fand. Bewundert hat, ein Typ mit Charisma und hinter der Fassade eine miese kleine Ratte. Und vlt. hat dieser eine Typ diesen Umstand förmlich ausgenutzt. Da steigt man einfach mal so ins Auto, vlt. auch mit dem Ziel, die Nacht doch noch zum Tag zu machen. Und hier ist dann die Situation eskaliert oder aber dieser Typ hatte einen Plan. Letzteres glaube ich nicht.

Bin der Auffassung, unabhängig vom Täterprofil, dass die Situation ausuferte. Spätestens mit der schnellen und medialen Suche nach Frauke ist da beim Täter vor Panik etwas gekippt. Der Täter hat schlichtweg massives Glück gehabt.
In vielen Punkten stimme ich dir zu.
Nicht zwingend muss Frauke den SMS aus eigenem Antrieb geschrieben haben. Sie könnte durchaus in das Auto gestiegen und einer Mitfahrt zugestimmt haben – allerdings vergingen zwischen etwa 23:00 Uhr und 0:49 Uhr fast zwei Stunden. Was auch immer in dieser Zeit geschah, der Täter könnte sie bereits überwältigt haben und den SMS anschließend in ihrem Namen verschickt haben.

In der Grundannahme sind wir uns jedoch einig: Es tauchte jemand auf – meiner Meinung nach jemand, der mit der Frage zusammenhing, die sie beim Abendessen gestellt hatte – und überzeugte sie, ihre Pläne zu ändern. Ich glaube, sie traf diese Entscheidung spontan, etwa nach dem Motto: „Niels hat mich versetzt, ich bin zwar müde, aber wenn sich das so interessant anhört, lasse ich mich doch noch darauf ein.“ Und dann stieg sie ein.
Dieser Mann könnte alles geplant gehabt haben, charismatisch gewesen sein und die Situation geschickt ausgespielt haben. Wenn sie ihn vom Sehen kannte – sei es über den Mechaniker aus Nieheim oder über jemand anderen – und er sie auf eine interessante, überzeugende Weise ansprach, halte ich es für durchaus möglich, dass sie mitging. Ich habe früher einmal Freundinnen gefragt, die ebenso charismatisch und spontan sind wie Frauke, ob sie zu einer Mitfahrt oder einem Gespräch in ein Auto steigen würden, wenn sie jemanden zumindest vom Sehen kennen und er es gut anstellt – die Antwort war: ja. Frauke war jung, mochte neue Bekanntschaften und Partys.

In einem Punkt widerspreche ich dir allerdings: dass die Situation außer Kontrolle geraten sei. Wie ich in früheren Beiträgen beschrieben habe, spricht sein Verhalten eher für Planung und dafür, dass er Frauke gezielt ins Visier genommen hatte, als für ein rein spontanes Geschehen. Er wusste zu jedem Zeitpunkt sehr genau, was er tat.
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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BLInvestigations hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 11:01:02 Ich greife mal nur diesen Handlungsstrang bzw Theorie auf. Ich gebe dir recht, bei einem Typ, mit dem man grade eine "gute Zeit" hat, ist das unwahrscheinlich.

Aber angenommen, dein aktueller Crush hat dir einen Korb gegeben und du hast noch Option 2 und bist mit einer guten Freundin unterwegs, dann ergibt das Sinn. Sehr sogar.
Der Nutzer @HP1 schrieb mir, dass es nur wenige Anhaltspunkte dafür gebe, dass Frauke Niels gedrängt habe.

Nach meinem Kenntnisstand zum Fall ist jedoch klar, dass sie versucht hat, ihn zu überreden, sich noch an diesem Abend zu treffen. Ob sie dabei stark oder weniger stark gedrängt hat, ist aus meiner Sicht nicht entscheidend – fest steht, dass sie ihn sehen wollte. Er lehnte ab mit der Begründung, dass er bereits andere Pläne habe. Das ist nach meinem Wissen ein Fakt und keine Spekulation.

Deshalb halte ich es für durchaus möglich, dass eine müde und enttäuschte Frauke sich auf ein anderes Treffen eingelassen hat, wenn sie jemandem begegnete, der auf sie interessant wirkte, ihr etwas Attraktives vorschlug und den sie vielleicht zumindest vom Sehen oder über gemeinsame Bekannte kannte.

Sie war gerade auf dem Heimweg, und plötzlich taucht er auf – voller Energie und Charisma. Da hätte sie sich denken können: „Dann ist der Abend für mich wohl doch noch nicht vorbei. Ich gehe mit ihm noch ein bisschen reden – und Niels soll ruhig bereuen, er weiß ja nicht, was er verpasst.“
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Iven »

Zane hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 07:17:05 War es wirklich so, dass Frauke an dem Tag mit Chris und Frau Liebs über einen Typen aus Nieheim sprach? @Iven kannst du das nochmal bestätigen.

Ja, diese Info ist zu 100 % safe, sie stammt von Ingrid Liebs selbst.
Ergänzung: Das kurze Gespräch fand im Auto auf dem Weg zum Restaurant statt.
Wann wird er kommen, der gesetzliche Feiertag "Tag der Befreiung von linker Ideologie"?
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von HP1 »

Detective Bartek hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 11:37:51 Nicht zwingend muss Frauke den SMS aus eigenem Antrieb geschrieben haben. Sie könnte durchaus in das Auto gestiegen und einer Mitfahrt zugestimmt haben – allerdings vergingen zwischen etwa 23:00 Uhr und 0:49 Uhr fast zwei Stunden. Was auch immer in dieser Zeit geschah, der Täter könnte sie bereits überwältigt haben und den SMS anschließend in ihrem Namen verschickt haben.
Die SMS wurde zweifellos 0.49 aus der FZ Nieheim-Entrup verschickt, ja.
Was irritiert ist die Vorstellung, der Täter könnte diesen Text verfasst haben. Der "Insider", laut Chris "frauketypischer" Wortlaut und die Frage, warum der da nur von "später" geschrieben hätte statt "morgen" oder so - wenn er denn da wusste, dass Frauke in der Nacht nicht mehr heimkehren würde.
Auch dass Frauke auf Geheiß (Zwang) des Täters die SMS in diesem Wortlaut verfasst hätte, irritiert. Hätte sie da so zwanglos den "Insider" angebracht, oder wäre ihre Formulierung nicht "formaler" ausgefallen? Und hätte nicht auch da der kontrollierende Täter das "später" in seinem Sinne korrigiert?
Und auch eine Frauke, die diesen Text um 0.49 selbstbestimmt verfasst hätte, irritiert. Zu dem Zeitpunkt würde es nicht später werden, sondern war bereits erheblich später geworden, plus sie war da noch etwa eine halbe Autostunde von zu Hause entfernt. Nicht dass sie den wartenden Chris mit dem Schlüssel keinesfalls hätte freiwillig warten lassen können, das unbenommen. Aber in der Situation passt ein lapidares "komme später" nicht, da wäre doch auf jeden Fall eine ungefähre Zeitangabe oder ein "warte nicht auf mich" zu erwarten.

Es gibt noch die andere Möglichkeit:
Frauke hat die SMS bereits früher, also nach 23 Uhr und dann wohl in PB freiwillig verfasst, aber nicht erfolgreich versandt. Die SMS ging dann 0.49 erfolgreich automatisch raus, als das Handy dort eingeschaltet wurde.

Inhaltlich würde das Sinn machen, weil hier der Wortlaut völlig passend wäre. Frauke weiß in dem Moment, dass es soweit später werden würde, dass sie dem wartenden Chris sinnigerweise Bescheid geben sollte. Man könnte vielleicht sagen, sie hat nicht vor, vor Mitternacht nach Hause zu kommen. Andererseits ihre zeitliche Perspektive auch nicht weit darüber hinaus, da hätte sie wie oben beschrieben wohl eine ungefähre Zeitangabe gemacht - oder aber nach Möglichkeit einfach schnell ihren Schlüssel geholt. Ich würde an der Stelle eine von ihr erwartete Heimkehr nicht nach 1 Uhr vorschlagen.
Das passt mit einem zufälligen oder auch von ihr angestrebten Zusammentreffen zusammen, eine Fahrt nach Nieheim (oder sonstwohin) könnte zwar, muss aber zum Zeitpunkt des Verfassens der SMS nichtmal im Raum gestanden haben.

Technisch ist es interessanterweise so, dass genau diese Variante nahe liegt.
Fraukes Handy war mit ihrem Akku im Pub beim simsen ausgegangen (im aktiven Sendebetrieb also, nicht Standby). Dann kam der zwischenzeitliche Akkutausch mit Bella, Frauke ist dann mit diesem ihrem "leeren" Akku gegangen.
Ich habe reichlich Tests mit ihrem Handymodell und den damalig verwendeten Akkus baugleichen Akkus in unterschiedlichem Gebrauchszustand durchgeführt.
Ergebnis: Das Handy lässt sich immer erneut einschalten, wenn es zuvor beim aktiven Sendebetrieb (höhere Akkulast als bei Standby) ausgegangen war. Es bleibt immer lang genug an, um eine SMS zu verfassen. Durch die steigende Akkulast beim Sendeversuch geht es dann allerdings meistens (etwa 4/5) aus, die SMS wird nicht versandt, bleibt im Arbeitsspeicher für späteren Versand (automatisch, sobald möglich).
Bis hierhin stützen also die damaligen technischen Gegebenheiten genau dieses Szenario: Frauke will irgendwann nach 23 Uhr Chris eine SMS schreiben, schaltet das Handy an, verfasst den Text, und beim versuchten Versand geht das Handy wieder aus, die SMS wird nicht versandt.
Im Weiteren: Wird das Handy danach wieder eingeschaltet, wird erneut der Versand versucht. Natürlich brauchts da dann genug Akkuleistung.
Nachdem das Handy zuvor beim versuchten Versand ausgegangen ist, gelingt das beim zweiten Mal (also hier im Szenario dann 0.49) auch nicht, wenn das Handy nicht zwischenzeitlich geladen wurde. Teilweise lässt sich das Handy an der Stelle auch kein zweites Mal mehr einschalten.
Da könnte man jetzt spontan meinen, die Notwendigkeit des zwischenzeitlichen Aufladens spräche gegen die Version eienr zuvor verfassten SMS. Aber: Das Handy geht hier ja bereits schon beim ersten Sendeversuch aus, der Versand bleibt erfolglos. In den meisten Fällen (4/5) wäre also auch eine erst 0.49 verfasste SMS ohne vorheriges Aufladen da gar nicht erfolgreich rausgegangen.

Es ergibt sich also sinnhaft wie technisch naheliegend folgender mutmaßlicher Ablauf:
Frauke schreibt die SMS an Chris irgendwann nach Verlassen des Pubs, weil sie mit einer Heimkehr grob geschätzt 0-1 Uhr rechnet. Der Versand schlägt fehl, das Handy geht wieder aus.
0.49 befindet sich ihr Handy im Bereich der FZ Nieheim-Entrup und wird dort eingeschaltet. (Das passiert auf jeden Fall, Fakt).
Das Handy wurde zwischenzeitlich geladen. (Das wäre für den erfolgreichen Abgang der SMS so oder so in den meisten Fällen nötig gewesen, egal wann die SMS verfasst wurde.) Das Aufladen könnte stattgefunden haben, um das Handy überhaupt erneut einschalten zu können. Wie gesagt, einmal geht es nach meinen Tests immer, ein zweites Mal nach erfolglos versuchtem SMS-Versand nur manchmal.
Die SMS im Arbeitsspeicher geht 0.49 automatisch raus.

Zum Thema "Aufladen":
- Der Akku dürfte in diesem Szenario nicht zwischenzeitlich entnommen werden. Dessen Restspannung hält den Arbeitsspeicher aufrecht. Entfernt man den Akku, ist eine zu versendende SMS im Arbeitsspeicher weg.
- Nokia war damals absoluter Marktführer (+50%) und hatte für seine damaligen Modelle einen einheitlichen Ladeanschluss. Gut möglich, dass der Täter ein passendes Ladekabel für den Zigarettenanzünder im Auto hatte, ansonsten hätte das Zeitfenster auch bequem gereicht, wenn ein Gebäude aufgesucht und dort das Handy geladen worden wäre.


Für die technische Seite brauchts natürlich viel Text, aber im Ergebnis ist es dafür umso eindeutiger - wenn Frauke irgendwann nach 23 Uhr in PB Anlass gehabt hätte, Chris Bescheid geben zu wollen, dann wäre es schon rein technisch genau so abgelaufen.
Das für dieses Szenario nötige Einschalten 0.49 fand ja nachweislich (so oder so) statt, das zwischenzeitliche Aufladen wäre wahrscheinlich so oder so notwendig gewesen.

Unterm Strich erscheint diese Version jedenfalls sinnhafter als eine irgendwie 0.49 verfasste SMS.
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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Detective Bartek hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 11:45:50 Der Nutzer @HP1 schrieb mir, dass es nur wenige Anhaltspunkte dafür gebe, dass Frauke Niels gedrängt habe.

(...)
Nein, das habe ich so nicht geschrieben :!:

Du hattest das so als Tatsachenbehauptung formuliert (zumindest kam es bei mir so an), und ich habe gefragt, ob Niels tatsächlich gedrängt wurde und wenn ja, ob das dann hauptsächlich von Frauke oder aber von Bella ausgegangen sei. Die hatten ja beide zusammen mit ihm gechattet, Bella ist seine beste Freundin und wenn man die Besetzung der Pub-Gruppe (soweit bekannt) anschaut, war Bella da auch irgendwie der "soziale Mittelpunkt". Würde also auch passen, wenn gerade sie versucht hätte, Niels doch noch "ins Boot zu holen".
In dem Zusammenhang, Fraukes Bekanntschaft mit Niels basierte ja auch daruaf, dass Bella ihn zur Disco "mitgeschleppt" hatte, damit er auf andere Gedanken kommt und Frauke auf ihn angesetzt hatte, sich etwas um ihn zu kümmern, aus dem gleichen Motiv heraus. Der zeitliche Abstand ist ja recht gering, würde gut ins Bild passen, wenn gerade auch Bella versucht hätte, ihn noch zum Kommen zu überreden, oder nicht?

Jedenfalls - von wenigen Anhaltspunkten bei Frauke im Sinne von "hat sie wohl gar nicht gemacht" habe ich nicht geredet ;)
Detective Bartek

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Detective Bartek »

Iven hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 12:32:06 Ja, diese Info ist zu 100 % safe, sie stammt von Ingrid Liebs selbst.
Ergänzung: Das kurze Gespräch fand im Auto auf dem Weg zum Restaurant statt.
Und du – wie siehst du nach all den Jahren der Untersuchung dieser Angelegenheit die Tatsache, von der du durch Frau Liebs erfahren hast?
Verbindest du Fraukes Standort um 00:49 Uhr mit Nieheim-Entrup und ihre abendliche Frage an sie, wo Nieheim liegt?
Ich verstehe zwar das Argument, dass dieser Sendemast eine sehr große Reichweite hat, aber trotzdem scheint es ein erstaunlicher Zufall zu sein – der Zeitabstand war so gering.
MrNightsky
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von MrNightsky »

HP1 hat geschrieben: Samstag, 24. Januar 2026, 12:41:44 Die SMS wurde zweifellos 0.49 aus der FZ Nieheim-Entrup verschickt, ja.
Was irritiert ist die Vorstellung, der Täter könnte diesen Text verfasst haben. Der "Insider", laut Chris "frauketypischer" Wortlaut und die Frage, warum der da nur von "später" geschrieben hätte statt "morgen" oder so - wenn er denn da wusste, dass Frauke in der Nacht nicht mehr heimkehren würde.
Auch dass Frauke auf Geheiß (Zwang) des Täters die SMS in diesem Wortlaut verfasst hätte, irritiert. Hätte sie da so zwanglos den "Insider" angebracht, oder wäre ihre Formulierung nicht "formaler" ausgefallen? Und hätte nicht auch da der kontrollierende Täter das "später" in seinem Sinne korrigiert?
Und auch eine Frauke, die diesen Text um 0.49 selbstbestimmt verfasst hätte, irritiert. Zu dem Zeitpunkt würde es nicht später werden, sondern war bereits erheblich später geworden, plus sie war da noch etwa eine halbe Autostunde von zu Hause entfernt. Nicht dass sie den wartenden Chris mit dem Schlüssel keinesfalls hätte freiwillig warten lassen können, das unbenommen. Aber in der Situation passt ein lapidares "komme später" nicht, da wäre doch auf jeden Fall eine ungefähre Zeitangabe oder ein "warte nicht auf mich" zu erwarten.

Es gibt noch die andere Möglichkeit:
Frauke hat die SMS bereits früher, also nach 23 Uhr und dann wohl in PB freiwillig verfasst, aber nicht erfolgreich versandt. Die SMS ging dann 0.49 erfolgreich automatisch raus, als das Handy dort eingeschaltet wurde.

Inhaltlich würde das Sinn machen, weil hier der Wortlaut völlig passend wäre. Frauke weiß in dem Moment, dass es soweit später werden würde, dass sie dem wartenden Chris sinnigerweise Bescheid geben sollte. Man könnte vielleicht sagen, sie hat nicht vor, vor Mitternacht nach Hause zu kommen. Andererseits ihre zeitliche Perspektive auch nicht weit darüber hinaus, da hätte sie wie oben beschrieben wohl eine ungefähre Zeitangabe gemacht - oder aber nach Möglichkeit einfach schnell ihren Schlüssel geholt. Ich würde an der Stelle eine von ihr erwartete Heimkehr nicht nach 1 Uhr vorschlagen.
Das passt mit einem zufälligen oder auch von ihr angestrebten Zusammentreffen zusammen, eine Fahrt nach Nieheim (oder sonstwohin) könnte zwar, muss aber zum Zeitpunkt des Verfassens der SMS nichtmal im Raum gestanden haben.

Technisch ist es interessanterweise so, dass genau diese Variante nahe liegt.
Fraukes Handy war mit ihrem Akku im Pub beim simsen ausgegangen (im aktiven Sendebetrieb also, nicht Standby). Dann kam der zwischenzeitliche Akkutausch mit Bella, Frauke ist dann mit diesem ihrem "leeren" Akku gegangen.
Ich habe reichlich Tests mit ihrem Handymodell und den damalig verwendeten Akkus baugleichen Akkus in unterschiedlichem Gebrauchszustand durchgeführt.
Ergebnis: Das Handy lässt sich immer erneut einschalten, wenn es zuvor beim aktiven Sendebetrieb (höhere Akkulast als bei Standby) ausgegangen war. Es bleibt immer lang genug an, um eine SMS zu verfassen. Durch die steigende Akkulast beim Sendeversuch geht es dann allerdings meistens (etwa 4/5) aus, die SMS wird nicht versandt, bleibt im Arbeitsspeicher für späteren Versand (automatisch, sobald möglich).
Bis hierhin stützen also die damaligen technischen Gegebenheiten genau dieses Szenario: Frauke will irgendwann nach 23 Uhr Chris eine SMS schreiben, schaltet das Handy an, verfasst den Text, und beim versuchten Versand geht das Handy wieder aus, die SMS wird nicht versandt.
Im Weiteren: Wird das Handy danach wieder eingeschaltet, wird erneut der Versand versucht. Natürlich brauchts da dann genug Akkuleistung.
Nachdem das Handy zuvor beim versuchten Versand ausgegangen ist, gelingt das beim zweiten Mal (also hier im Szenario dann 0.49) auch nicht, wenn das Handy nicht zwischenzeitlich geladen wurde. Teilweise lässt sich das Handy an der Stelle auch kein zweites Mal mehr einschalten.
Da könnte man jetzt spontan meinen, die Notwendigkeit des zwischenzeitlichen Aufladens spräche gegen die Version eienr zuvor verfassten SMS. Aber: Das Handy geht hier ja bereits schon beim ersten Sendeversuch aus, der Versand bleibt erfolglos. In den meisten Fällen (4/5) wäre also auch eine erst 0.49 verfasste SMS ohne vorheriges Aufladen da gar nicht erfolgreich rausgegangen.

Es ergibt sich also sinnhaft wie technisch naheliegend folgender mutmaßlicher Ablauf:
Frauke schreibt die SMS an Chris irgendwann nach Verlassen des Pubs, weil sie mit einer Heimkehr grob geschätzt 0-1 Uhr rechnet. Der Versand schlägt fehl, das Handy geht wieder aus.
0.49 befindet sich ihr Handy im Bereich der FZ Nieheim-Entrup und wird dort eingeschaltet. (Das passiert auf jeden Fall, Fakt).
Das Handy wurde zwischenzeitlich geladen. (Das wäre für den erfolgreichen Abgang der SMS so oder so in den meisten Fällen nötig gewesen, egal wann die SMS verfasst wurde.) Das Aufladen könnte stattgefunden haben, um das Handy überhaupt erneut einschalten zu können. Wie gesagt, einmal geht es nach meinen Tests immer, ein zweites Mal nach erfolglos versuchtem SMS-Versand nur manchmal.
Die SMS im Arbeitsspeicher geht 0.49 automatisch raus.

Zum Thema "Aufladen":
- Der Akku dürfte in diesem Szenario nicht zwischenzeitlich entnommen werden. Dessen Restspannung hält den Arbeitsspeicher aufrecht. Entfernt man den Akku, ist eine zu versendende SMS im Arbeitsspeicher weg.
- Nokia war damals absoluter Marktführer (+50%) und hatte für seine damaligen Modelle einen einheitlichen Ladeanschluss. Gut möglich, dass der Täter ein passendes Ladekabel für den Zigarettenanzünder im Auto hatte, ansonsten hätte das Zeitfenster auch bequem gereicht, wenn ein Gebäude aufgesucht und dort das Handy geladen worden wäre.


Für die technische Seite brauchts natürlich viel Text, aber im Ergebnis ist es dafür umso eindeutiger - wenn Frauke irgendwann nach 23 Uhr in PB Anlass gehabt hätte, Chris Bescheid geben zu wollen, dann wäre es schon rein technisch genau so abgelaufen.
Das für dieses Szenario nötige Einschalten 0.49 fand ja nachweislich (so oder so) statt, das zwischenzeitliche Aufladen wäre wahrscheinlich so oder so notwendig gewesen.

Unterm Strich erscheint diese Version jedenfalls sinnhafter als eine irgendwie 0.49 verfasste SMS.

In diesem Szenario mit dem Aufladen gehe ich sogar so weit zu behaupten, dass sie anfänglich freiwillig die Wohnung/das Haus des Täters besucht hat und deswegen Chris Bescheid gegeben hat. Eine Einladung per SMS im Pub, von der sie Isabella nichts erzählt hat, vielleicht? Ein Freund, der reden wollte?
Ist denn etwas darüber bekannt, ob Frauke ein Ladegerät in ihrer Handtasche mit sich trug?
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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

Ungelesener Beitrag von Iven »

MrNightsky hat geschrieben: Freitag, 23. Januar 2026, 22:26:13 Der Anonyme Hinweisgeber hat ja gesagt er ist ein Freund des Waldarbeiters, und sie waren gemeinsam auf Windschadensbegutachtung in dem Waldstück. Was aber, wenn der Hinweisgeber der Freund ist?

@ Wiesenblume
@ MrNightsky

Hier mal ein paar Klarstellungen

Stichwort Waldarbeiter 1: Die mögl. TV aus Asseln waren nie (bis heute nicht) in der Forstwirtschaft tätig.
Stichwort Waldarbeiter 2: Die Zeugen "DerGast" und sein Kumpel waren damals (2006) nicht in der Forstwirtschaft tätig.
Stichwort Freund: Die Zeugen waren nicht mit den TV befreundet, sie kannten sich halt, da sie alle in dem Dorf Asseln wohnten.
Stichwort gemeinsam: Der TV (1) war alleine zur angebl. Windschadensbegutachtung im Waldstück, die Zeugen warteten im Auto.
Wann wird er kommen, der gesetzliche Feiertag "Tag der Befreiung von linker Ideologie"?
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