Detective Bartek hat geschrieben: ↑Mittwoch, 21. Januar 2026, 21:12:41
Du hast einen interessanten Standpunkt dargelegt. Zweifellos müssen wir in einem so ungewöhnlichen Fall nach ungewöhnlichen Herangehensweisen an die Ereignisse suchen.
Aber überlegen wir einmal: Warum wollte der Täter sie überhaupt entführen, wenn er vorhatte, sie später ohnehin wieder freizulassen? Er hat sich damit doch nur selbst zusätzliche Probleme geschaffen.
Nehmen wir an, es kam zu einem Streit und anschließend zu Handgreiflichkeiten – das passt wiederum auffallend gut zu den Aussagen von ‚Punkchtmann‘. Warum hätte der Täter sie dann nicht bereits am nächsten Morgen freigelassen? Praktisch hätte man ihn kaum vor Gericht stellen können, es hätte ihm nichts gedroht, und trotzdem entschied er sich, sie eine Woche lang festzuhalten.
Ein weiteres Problem an deiner Darstellung ist folgendes: Wenn der Täter bei ihr keine Angst ausgelöst hat und sie während der Autofahrten eine gewisse Bewegungsfreiheit hatte, warum hat sie dann nicht versucht, aus dem Auto zu fliehen, als sie merkte, dass die Tage vergehen und sie immer noch nicht freigelassen wird?
Wenn beide tatsächlich zusammengearbeitet hätten, um den Täter zu schützen, warum hat sie sich dann nicht zur Flucht entschlossen? Sie musste doch gespürt haben, dass sich alles beunruhigend in die Länge zieht.
Das sind gute Einwände und u.a sind genau diese der Grund, warum ich natürlich auch Restzweifel habe, ob es wirklich so gewesen sein kann, wie ich mir das vorstelle.
Zuerst, ich glaube nicht, dass der Täter seine Tat geplant oder gewollt hatte. Es war natürlich keine Entführung oder so per Definition.
Ich favorisiere die Theorie, dass der Täter gegen 23 Uhr zum Pub fuhr im Glauben dort auf N zu treffen, zufällig traf er dort auf Frauke. Man kennt sich noch nicht, unterhält sich nett, weil man gemeinsame Bekannte hat. Ich glaube, der Täter bot Frauke an, sie zu N nach Schloss Neuhaus bringen zu können als kurzer Überraschungsbesuch quasi, weil er eh zu ihm will (N wusste davon nichts!)
Ich glaube, auf dem Weg dahin muss dann etwas passiert sein. Ich weiß nicht was, aber ich könnte mir vorstellen, dass Frauke infolge einer Auseinandersetzung verletzt und bewusstlos wurde und der Täter panisch die Strecke weiter fuhr Richtung Nieheim oder Umgebung, Frauke dort erst einmal versteckte und versorgte - mit der festen Absicht sie zeitnah wieder gehen zu lassen, wenn es ihr Zustand zuließ, wobei der genaue Zeitpunkt für ihn eher vage blieb -wie gesagt, der gute Wille war stets da.
Es mag blöd klingen, aber ich glaube, dass der Täter Frauke die ersten 48h quasi dort "vergessen" hat. Er hat ihr vielleicht in dem Raum, in dem sie eingesperrt war, Essen und Trinken da gelassen, Decken, Bücher, ein Film laufen lassen. Wir alle wissen, wie schnell so ein Tag vorbei geht, wenn man hier und da Besorgungen macht, wie gut lässt sich Unangenehmes aufschieben, verdrängen, vergessen, vor allem, wenn man vielleicht aufgrund psychischer Probleme eh zu so einem Verhalten neigt.
Erst Donnerstagabend als die Suche über das Radio öffentlich wurde und er erfuhr, dass die Polizei bereits herausgefunden hat, dass die erste SMS aus dem Raum Nieheim verschickt wurde, traf den Täter der Schlag und er merkte, dass das Ganze bereits richtig hohe Wellen schlägt und er hier eine Straftat begeht. Das setzte ihn enorm unter Druck.
Nicht falsch verstehen, Frauke hatte mit Sicherheit sehr große Angst und sie dürfte auch sehr geschwächt gewesen sein durch Hunger, Durst, Schlafmangel, Bewegungsmangel, Mangel an frischer Luft, mangelnde Hygiene. Und ich glaube auch, dass Frauke gefesselt gewesen sein dürfte, spätestens seit Donnerstagabend.
Der Täter war durchaus sehr gefährlich, mM nach weil er stark dazu neigt, Unangenehmes aufzuschieben, zu verdrängen, zu vergessen. Er ist keiner, der aktiv quält, körperliche Gewalt ausübt, der andere aktiv töten würde. Kurz gesagt, er ist der Typ Mensch, der anderen schadet, in dem er sie "vergisst", vernachlässigt, der einfach aufhört sich zu kümmern, der eher abwarten würde, bis jemand aufgrund von Vernachlässigung von selbst stirbt.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass Frauke fürchtete, sie würde nichts mehr zum Essen und zur Trinken bekommen oder wieder tagelang einsam in einem Raum eingesperrt verharren, wenn sie nicht kooperiert, sondern schreit oder im Fahrzeug randaliert.
Wie gesagt, ich glaube der Täter willigte ein, sie auf jeden Fall freilassen zu wollen, vertröstete sie aber immer wieder. Vielleicht gab er an, Zeit zu brauchen, seine Angelegenheiten regeln zu wollen, für den Fall, dass er verhaftet wird.
Aber ich bin mir sicher, dass er wusste, dass er es nicht schaffen würde, Frauke freizulassen. Ich glaube, dass er ihr das schließlich auch Sonntag nach dem Anruf durch die Blume mitgeteilt hat. Er kann sie nicht gehen lassen, da sie, solange sie lebt, ihn verraten und identifizieren kann.
Frauke hat das dann auch genau so ihrer Schwester und C mitgeteilt.
K: „Wir räumen auch die Wohnung, und keiner fragt dich, was passiert ist. Komm wieder."
Frauke: „Das geht nicht, ich lebe noch!"
Der letzte Anruf am Dienstag war mMn dazu gedacht, herauszufinden, wie viel die Angehörigen wissen. Er ließ Frauke frei reden. Er wusste, dass sie nichts über ihn wusste, ihn nicht verraten konnte und würde. Nach dem Anruf stand für ihn fest- niemand weiß etwas- kein Freilassen also, Frauke muss sterben. Und ich könnte mir vorstellen, während der Täter darüber nachdachte, wie er das anstellen sollte, sie zu töten, hat er sie einfach passiv aggressiv verdursten oder an einem Hitzschlag sterben lassen.
Ich denke, Frauke hatte auch noch am Tag des letzten Anrufs immer noch Hoffnung, aber sie wird begriffen haben, dass sie mit Gesprächen, Gutzureden, Kooperation und mit dem Glauben an das Gute im Menschen, nicht lebend aus der Sache herauskommen wird. Nur noch durch Flucht und Kampf etc. Aber dazu kam es dann wohl nicht mehr.
Und wenn jetzt einer sagt, dass dieses Verhalten eher zu einer Frau passt - ja, ich gehe stark von einem weiblichen Täter aus, wobei ich auch die Mittäterschaft eines männlichen Täters annehme, der eventuell weiter Druck gemacht hat und/ oder die Leiche entsorgt hat.
Den Fall Andrea Lohagen kannte ich noch nicht. Der Täter konnte anscheinend 23 Jahre lang mit seiner Schuld leben, an der Tötung einer 16 jährigen beteiligt gewesen zu sein, aber nicht damit, dass seine Familie und sein Umfeld wissen, dass er ein Mörder ist. Find ich krass.