Gast hat geschrieben: ↑Mittwoch, 21. Januar 2026, 22:10:52
Was du beschreibst stimmt so nicht.
Staatliche Kriminallabore werden von Polizei und Justiz beauftragt und stehen der Privatwirtschaft allenfalls in beratender Funktion und indirekt zur Verfügung. Allen staatlichen Einrichtungen wird pro Haushaltszeitraum ein Budget zugewiesen, das wiederum nicht fix sein muss und anpassbar ist.
Formalrechtlich ist der Herr Waschkies im Fall Liebs der Hauptermittler, alle Akten sind bei der Staatsanwaltschaft Paderborn archiviert und sie ist auch die Instituion, die alle Rechte an den Fallakten per Gesetz innehat. Gehen nun sachdienliche Hinweise bei der Staatsanwaltschaft oder der Polizei ein kann das zu Ermittlungen führen. Zum Ermittlungsumfang können auch Laboruntersuchungen gehören. Ob und in welchem Umfang weiterführende Ermittlungen stattfinden entscheiden die Behörden nach ihrem eigenen Kriterienkatalog.
Die Behörden ermitteln aber mit 100%iger Sicherheit nicht wenn Privatpersonen dies einfordern mit der Begründung, die Behörden ließen die erforderliche Akkuratheit vermissen. Auch wenn die Forderung nach intensiveren und häufigeren Untersuchungen einem hehren Motiv entspringt wird eine Staatsanwaltschaft keine Kompromisse eingehen.
Keiner von uns Lesern weiß wie genau und umfangreich Fraukes kleidung untersucht worden ist, du vermutest einfach mal so einen nur unzureichenden Suchumfang ohne dies genau zu wissen. Selbst wenn Privatermittler an die Staatsanwaltschaft heranträten und sich zur vollen Kostenübernahme einer Neuuntersuchung erklärten gäbe es keinen Deal. Es bleibt nur warten übrig, ist leider so.
Exakt drei Bereiche/Labortypen gibt es:
1. Staatliche Labore: Landeskriminalämter (LKA):
Jedes Bundesland hat ein LKA mit einer Kriminaltechnik-Abteilung, die DNA-Spuren von Tatorten analysiert und mit der nationalen DNA-Analyse-Datei (DAD) abgleicht (z. B. LKA NRW, LKA Brandenburg). Bundeskriminalamt (BKA): Das BKA ist für, nationale und internationale Koordination sowie die zentrale DAD zuständig.
2. Wissenschaftliche Labore (Universitäten): Rechtsmedizinische Institute: Institute an Universitätskliniken (z. B. Heidelberg, Jena, Köln, Ulm, Gießen und Marburg) führen forensische Analysen durch, oft auch für Gerichte und Privatpersonen.
3. Kommerzielle Anbieter: z. B. Eurofins Medigenomix Forensik GmbH: Eines der größten privaten Labore in Deutschland, spezialisiert auf Tatortanalysen, Abstammungsgutachten, etc.
Untersuchungsaufträge an die Privatwirtschaftlichen Labore (kommerzielle Anbieter) konkurrieren mit privatwirtschaftlichen Aufträgen. Da geht es natürlich und in erster Linie um Verträge und damit verbundene Kohle. Privatwirtschaftliche Aufträge können durchaus bevorzugt behandelt werden. Das habe ich gemeint. Dass staatliche Institutionen logischerweise nur maximal bedingt für die Privatwirtschaft aktiv sind, ist selbsterklärend.
Das Hauptbudget wird im Haushalt geregelt, also reines Steuergeld.
Innerhalb des Budget gibt es entsprechende Untertöpfe, die daraus befüllt werden. Dass sich die Behörden und Ermittler nicht einfach maßlos bedienen können, steht außer Frage. Ressourcen und Budgets sind eng verknüpft und endlich. Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden. Das betrifft aber auch zeitliche Ressourcen.
Um den Bogen zu Frauke Liebs zu spannen:
Auch Waschkies und Co. haben nur gewisse Zeitfenster, die sie Fällen zuordnen können. Wer also meint dass Ermittler ggf. aktuell rund um die Uhr sich mit dem Fall rund um Frauke Liebs auseinandersetzen, der irrt. Genau aus diesen Gründen heraus ist die Nach- und Zuarbeit, insbesondere in CC-Fällen, so sehr wichtig und auch oft erfolgreich. Es gibt (leider) ein Menge anderer Fälle, die genauso nach Aufklärung schreien.
Alles weitere und inwiefern mit welcher Intensität Asservate, im Fall von Frauke sind es die Kleidungsstücke,
komplett untersucht wurden, wissen nur die Ermittler. Dass hier in Abständen von mehreren Jahren forensische Untersuchungen vorgenommen werden zeigt offensichtlich das die Kleidungsstücke eben nicht mit jeder Methodik und in Gänze und schon gar nicht mit grenzenlosem Budgeteinsatz/Aufwand und Umfang untersucht wird/wurde. Das ist intern auch nicht zu verkaufen aufgrund Verhältnismäßigkeiten im Gesamtgefüge offener Fälle.
Dass Privatermittler und deren Forderungen an die StA zum Beispiel zur Wiederaufnahme von forensischen Untersuchungen keinerlei Reaktion erhalten werden, sehe ich genauso.
Und dennoch ist meine persönliche Meinung im Fall von Frauke Liebs: Wenn ein Täter über derart langen Zeitraum, womöglich auf engerem Raum, sein Opfer festhält, logistisch „verfrachtet“ (Anruforte) und abschließend (wahrscheinlich leblos) im Wald ablegt, dann muss sich eine Spur finden lassen: das kann ein Haar, ein Körperhaar, eine Hautschuppe, eine Faser (Auto-Innenauskleidung), ein Dreckkrümmel am Schuhwerk, Flüssigkeiten jeglicher Art, etc. etc. pp. sein.
In den Foren wird doch eine Sache klar: der Fall kann in verschiedenste Richtungen gedacht werden. Es gibt so viele Eventualitäten und Vermutungen und letztlich so wenige wirkliche sachdienliche verwertbare Spuren, die dem Täter zugeordnet werden können.
Solange der/die Täter nicht auspacken, solange es nicht DEN einen Zeugen gibt, der das Kartenhaus zum Einsturz bringt, solange drehen wir uns alle nur im Kreis und können weiterhin mutmaßen.
Daher halte ich es für unabdingbar den wirklich letzten verwertbaren Sachen (Fraukes Kleidungsstücke), die in dieser einen Woche alles „miterlebt“ haben, die höchste Aufmerksamkeit zu schenken, um diese eine kleine Spur zum Täter(kreis) zu finden.