Donnerstag 06. November 2025 um 10:31 Uhr
Wer hat Fabian getötet?
Im Ort kursieren dunkle Gerüchte
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Fast vier Wochen ist es her, dass ein Unbekannter den achtjährigen Fabian getötet und die Leiche angezündet hat. Wer ist der Täter? Besuch in einer Kleinstadt, das glaubt, die Antwort zu kennen.

Der kleine Fabian gemeinsam mit Mutter Dorina: In Güstrow ist die Angst seit dem gewaltsamen Tod des Achtjährigen spürbar. (Quelle: SchwarckMedia)
Der Schock sitzt tief in Güstrow. Das wird schon im Taxi klar. "Wir lassen unsere Kinder nicht mehr alleine auf die Straße", sagt der Fahrer am Bahnhof. "So etwas Schlimmes kann man sich gar nicht vorstellen." Seitdem der achtjährige Fabian gewaltsam getötet, seine Leiche angezündet und an einem Tümpel bei Klein Upahl abgelegt worden ist, treibt die 30.000-Einwohner-Stadt eine Frage um: Wer hat das getan? Auch fast vier Wochen nach der Gewalttat am 10. Oktober haben die Ermittler noch keinen Verdächtigen festgenommen. Die Angst im Ort ist auch deshalb noch immer groß.
Fabian aus Güstrow: Stilles Gedenken in der Kirche
Am Güstrower Marktplatz ist an diesem Mittwoch unter der Woche nicht viel los. Draußen an der St. Marien-Kirche haben Menschen Kerzen und Blumen für den getöteten Achtjährigen niedergelegt. Ein laut vorbeifahrender Radlader stört das friedliche Andenken an Fabian – ganz in der Nähe ist eine größere Baustelle.
Blumen, Kerzen und Fotos in der St. Marien-Kirche in Güstrow: Fabians Mutter will, dass sein Foto nicht gepixelt wird. (Quelle: t-online)
In der Kirche ist von dem Baulärm nichts zu hören. Ein Organist spielt. Eine Girlande aus gemalten Kerzen zieht sich durch die komplette Kirche. Schulkameraden, Freunde und Bekannte haben sie gebastelt und anlässlich eines Trauergottesdienstes aufgehängt. "Komm zum guten Gott", steht auf einem Plakat, das in einem Meer aus Blumen, Kuscheltieren und Kerzen steht. Angehörige und Freunde haben Fotos von Fabian abgelegt. Auf einem sieht man den Jungen glücklich in der Küche, beherzt knetet er einen Teig.
Fall Fabian: Warum ließ er sein Handy zurück?
Am Morgen, als Fabian verschwand, ging es ihm nicht gut. Die Mutter schickte ihn deshalb nicht in die Schule und ließ ihn zu Hause. Als sie nachmittags von der Arbeit zurückkam, war Fabian weg. Sein Handy hatte er liegen lassen. Das soll die Mutter gleich beunruhigt haben, sei er doch sonst nie ohne sein Handy aus dem Haus gegangen. Tagelang wurde nach dem Jungen gesucht, bis man schließlich seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Updahl fand, rund 15 Kilometer von der Wohnung entfernt, in der er und seine Mutter lebten. Die Ermittler sind sich sicher, dass Fabian noch am Tag, als er verschwand, getötet wurde.

Der kleine Fabian: In Güstrow ist die Angst seit dem gewaltsamen Tod des Achtjährigen spürbar. (Quelle: SchwarckMedia)
Doch was genau an dem Vormittag geschah, ist bislang unklar. Ein Facebook-Video, das den Jungen an einer Bushaltestelle zeigen soll, entpuppte sich als nicht authentisch. Als das Video aufgenommen wurde, dürfte Fabian nach Auffassung der Ermittler schon tot gewesen sein.
Fabian getötet: Gemüsehändler erinnert sich
Klar ist: Anders als sonst tauchte Fabian an diesem Tag auch nicht beim Obst- und Gemüsehandel "Öz Akan" in der historischen Altstadt auf. Dorthin ging er fast täglich, holte Obst und Gemüse, bekam von den Mitarbeitern manchmal eine Capri-Sonne geschenkt.

Salih Akan in seinem Obst- und Gemüsehandel in Güstrow: Er hat Fabian als lebenslustigen Jungen in Erinnerung. (Quelle: t-online)
Eigentümer Salih Akan beschreibt den Achtjährigen als lebenslustig, sein quietschendes Fahrrad habe man schon von weitem gehört. Fabian sei ein sensibler, gutgläubiger Junge gewesen, sagt Akan. Und auch er bestätigt: Der Junge wäre nie ohne sein Handy aus dem Haus gegangen, er sei so stolz darauf gewesen.
Seit dem 10. Oktober ist Güstrow nicht mehr die Stadt, die sie war. Eltern sorgen sich um ihre Kinder, viele lassen sie nicht mehr unbeaufsichtigt, erzählt eine Mutter. Sie arbeitet in einem Teeladen, nicht weit entfernt von der Kirche, in der um Fabian getrauert wird. "Ich habe meine Kinder mit einem GPS-Tracker ausgestattet", erzählt sie. Sogar ihren 17-jährigen Sohn habe sie gebeten, sich regelmäßig bei ihr zu melden, wenn er unterwegs ist. Einer ihrer Söhne sei mit Fabian befreundet gewesen. "Das ist ganz furchtbar", sagt sie.

Der kleine Fabian: In Güstrow ist die Angst seit dem gewaltsamen Tod des Achtjährigen spürbar. (Quelle: SchwarckMedia)
Fabian wäre niemals mit einem Fremden mitgegangen
Im Ort kursieren viele Gerüchte. Etliche treibt die Frage um: Ist Fabian am Morgen des 10. Oktober mit jemandem mitgegangen, den er kannte? Der Achtjährige, so berichtete es die Cousine von Fabians Mutter t-online, wäre niemals mit einem Fremden mitgegangen, hätte womöglich nicht einmal alleine das Haus verlassen. Er sei absolut auf seine Mutter fixiert gewesen.
Eine Person rückt im Fall Fabian in den Fokus
Hört man sich in Güstrow um, fällt der Verdacht wiederholt auf eine Person: die Ex-Freundin des Vaters von Fabian. Sie fand die Leiche, rief die Polizei. Mehrere Bewohner von Güstrow beschreiben die Frau als psychisch labil. Von Eifersucht ist die Rede. Doch das sind Gerüchte. Für die Frau gilt die Unschuldsvermutung, in der Lokalzeitung vor Ort, dem "Nordkurier", hatte sie jegliche Vorwürfe zurückgewiesen.
Redaktioneller Hinweis
Seit Fabians Tod machen in Güstrow Gerüchte die Runde. Auch bei den Äußerungen über die Ex-Freundin von Fabians Vater handelt es sich um Vermutungen und Aussagen, die nicht überprüft werden können. Offizielle Beweise oder Indizien, die in diese Richtung gehen, sind bisher nicht bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich nicht zu der Frage, ob sie eine konkrete Person verdächtigen. Der tatsächliche Hintergrund der Tat könnte also auch ein ganz anderer sein.
Ein Güstrower Geschäftsmann, der anonym bleiben will, sieht viele Ungereimtheiten. Dass die Ex-Freundin Fabian beim Spazierengehen gefunden haben will, hält er wie viele andere im Ort für unglaubwürdig. Tatsächlich wohnt die Frau rund zwölf Kilometer entfernt. Der Vater von Fabian soll sich erst kürzlich von der Frau getrennt haben, heißt es. Manche vermuten, sie habe das nicht verkraften können.
Auch Fabians Familie teilt einige der Gerüchte, doch es bleiben Gerüchte. Die Ermittler haben sich – zumindest öffentlich – noch nicht auf einen Verdächtigen festgelegt. Staatsanwalt Harald Nowack sagte auf Anfrage am Mittwoch lediglich: "Die Todesursache ist uns bekannt".
In Güstrow hoffen sie darauf, dass die Polizei den Täter bald findet. Am Donnerstagmorgen steht die Polizei vor dem Haus der Ex-Freundin. Sie durchsuchen ihre Wohnung. Am Nachmittag will sie über neue Erkenntnisse informieren.
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