.. von von Pauline Naethbohm, richtig gut ..
14:25 Uhr
"Ich hatte schon den Eindruck, dass es menschlich war"
Verteidiger Ohm stellt nun seine Fragen zur Auffindesituation der Leiche. Diese hatte der Zeuge in der Dunkelheit erst als schwarze Rohre gedeutet. In einer vorherigen Vernehmung habe der Zeuge aber wohl gesagt: "Ich hatte schon den Eindruck, dass es menschlich war". Wie könne das sein, will Ohm wissen. Der Zeuge kann sich nicht mehr daran erinnern, so etwas gesagt zu haben. Der Zeuge reagiert bei den Fragen der Verteidigung bisweilen gereizt, die latenten Provokationen insbesondere von Verteidiger Löcker fruchten.
14:07 Uhr
Frage nach Fußabdrücken in der Nähe des Fundorts
Nun geht es vom Fußabdrücke. Offenbar, sagt Löcker, konnten dem Zeugen keine Fußabdrücke in Nähe der Leiche zugeordnet werden. "Wie schwer sind Sie? Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber Sie sind ja jetzt kein Leichtgewicht", sagt er zum Zeugen. Damit will er implizieren, dass der Zeuge im nassen Ackerboden einen bedeutenden Fußabdruck hätte hinterlassen müssen. Der Zeuge nennt sein Gewicht. Dann grätscht der Richter rein: Es gebe Fußabdrücke, die niemandem zugeordnet werden konnten – wegen mangelhafter Qualität.
14:00 Uhr
Verteidiger bringt Google-Suche nach Fingerabdrücken ins Spiel
Die Verteidigung übernimmt die Befragung. Verteidiger Löcker spricht den Zeugen auf dessen Aussage an, dass Gina H. beim Auffinden von Fabians Leiche Tränen in den Augen gehabt und sich die Hand vor den Mund gehalten habe. Der Zeuge erinnert sich nicht an die Tränen. "Wie soll ich das denn sehen, wenn es stockdunkel ist?", fragt er kopfschüttelnd.
Nun will Löcker wissen, ob der Zeuge Fabians Leiche tatsächlich berührt habe oder nicht. Er bringt eine Google-Suche des Zeugen ins Spiel. Offenbar hatte der Zeuge wissen wollen, ob man Fingerabdrücke an Brandopfern identifizieren und feststellen könne, ob das Opfer vor oder nach dem Verbrennen berührt wurde. Der Zeuge entgegnet, dass er nicht wisse, ob er die Leiche berührt habe oder etwas anderes.
12:31 Uhr
Gina H. fragte: "Wie lange dauert es, bis Leichenstarre einsetzt?"
Der Richter lässt eine Aufnahme einer Überwachungskamera aus einem Supermarkt abspielen. Diese zeigt Gina H. beim Einkauf am 10. Oktober, gemeinsam mit ihrem Sohn. Sie trägt eine dunkle Reiterhose, eine dunkle Jacke und helle Schuhe. Der Richter will vom Zeugen wissen, ob Gina H. auch bei ihrem Treffen so gekleidet war. "Also eine dunkle Hose hatte sie an", sagt er. An die Farbe der Schuhe könne er sich nicht erinnern.
Dann spielt Schütt eine weitere Sprachnachricht vom 11. Oktober vor. Darin bespricht Gina H. mit dem Zeugen ihr Alibi. Sie erklärt, dass sie nicht wolle, dass der Zeuge "mit reingezogen" werde. Daher werde sie sagen, dass sie am Nachmittag des 10. Oktober, dem Tattag, mit einem anderen Freund unterwegs war. "Worin reingezogen? Was für ein Alibi", fragt Schütt. "Das weiß ich nicht. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht."
Am Abend des 11. Oktober, gegen 18 Uhr, habe der Zeuge dann gegooglet: "Wie lange dauert es, bis Leichenstarre einsetzt". "Wieso haben Sie das gegoogelt?", fragt der Richter. Der Zeuge erklärt, dass Gina H. ihn das im Zuge eines Gesprächs über Reitunfälle gefragt habe.
12:20 Uhr Pauline Naethbohm
Zeuge suchte im Internet nach Berichten über mutmaßliche Vergewaltigung
Es geht weiter. Der Richter setzt die Befragung des Zeugen fort. In dem Zuge spielt er Sprachnachrichten vom 19. September vor, die Gina H. an den Zeugen schickte. Jetzt geht es um die finanziellen Verhältnisse der Angeklagten. Darin spricht sie über ihre hohen Tankkosten – ihr Auto hat einen 70-Liter-Tank – und hohe Ausgaben für den Tierarzt.
Wie der Zeuge erzählt, hätten Gina H.s Großeltern und Mathias R. die Angeklagte finanziell unterstützt.
Dann spricht Schütt den Zeugen auf eine Google-Suche an, die dieser am 10. Oktober 2025 kurz nach 22 Uhr tätigte. Die Suchbegriffe: "Vergewaltigung Güstrow 2013" und "Vergewaltigung Güstrow 2014". Warum habe er danach gesucht, will Schütt wissen. Der Zeuge erklärt, dass Gina H. ihm erzählt hatte, in diesen Jahren vergewaltigt worden zu sein. "Ich dachte, man findet etwas dazu im Internet", sagt der Zeuge.
11:32 Uhr
Am Tag nach dem Fund bat Gina H. den Zeugen, auf ihren Sohn einzupassen
Gina H. schüttelt während der Ausführungen manchmal leicht mit dem Kopf. Sie hält den Blick gesenkt, knetet ihr Finger.
Der Fund von Fabians Leiche sei ein "Schockmoment" für den Zeugen gewesen. "Ich habe selber Kinder in dem Alter", sagt er. Der Mann wisse jetzt selbst, dass es "doof" war, sich vom Tümpel zu entfernen und die Polizei nicht zu verständigen.
Der Richter bestätigt das. "Die ganze Welt sucht nach Fabian. Den Grund Ihrer Suche finden Sie – und mit der Information fangen Sie nichts an?, fragt Schütt. "Ja, ich hätte niemals im Leben gedacht, da etwas zu finden", sagt der Zeuge.
Er habe Gina H. schließlich zu Hause abgesetzt. "Das war eine schnelle Verabschiedung", sagte er. Im Anschluss habe er stundenlang ins Leere gestarrt. "Ich habe gegrübelt, was man jetzt macht, was da eigentlich passiert ist", sagt er. Unternommen habe er jedoch nichts. Tags drauf habe er aus den Medien erfahren, dass Fabian gefunden wurde. Gina H. habe dem Zeugen noch mitgeteilt, dass die Polizei bei ihr sei und dass sie ihr Handy abgeben müsse. Sie habe ihn noch gefragt, ob er ihren Sohn von der Schule abholen könne. Gina H.s Sohn habe schließlich bei der Familie des Zeugen geschlafen.
Den Kontakt zu Gina H. habe er nach diesem Tag abgebrochen. Er habe sich benutzt gefühlt und gemerkt, dass Gina H. einen Plan bei der Suche hatte. "Ich möchte meine Familie schützen. Lass mich in Ruhe", habe er ihr gesagt.
11:21 Uhr
Gina H. führte Zeugen zu Fabians Leiche
Mit Gina H. sei er die Böschung am Tümpel langgegangen. Dann sei die Angeklagte an einer Stelle stehengeblieben. "Da ist was", habe sie gesagt und mit ihrer Handy-Taschenlampe geleuchtet. Der Zeuge habe daraufhin etwas Schwarzes gesehen. Erst habe er gedacht, dass es sich um Rohre handle. Er habe sich genähert und die "Rohre" mit dem Mittelfinger berührt.
Tatsächlich war es die verbrannte Leiche von Fabian, wie er später erfährt. "Ich konnte nicht genau sehen, was es ist, wo ich heute noch froh drüber bin". Gina H. habe schließlich gesagt: "Das ist Fabian, das ist er." Der Zeuge habe nur noch weggewollt und sei zurück zum Auto gelaufen. "Das war mir zu spooky."
Der Richter kann es nicht fassen: "Sie suchen nach einem Jungen, finden etwas und wollen dann nur noch weg? Wollten Sie nicht wissen, ob er es wirklich ist?"
Der Zeuge betont, dass es ihm zu gruselig war. "Ich wollte da auch nicht mit reingezogen werden", sagt er. "Das werfe ich mir heute noch vor."
Gina H. habe schließlich die Polizei rufen wollen. "Und was wollen wir denen erzählen, dass wir mitten in der Nacht Fabian gefunden haben?", habe der Zeuge sie gefragt. Im Auto sei Totenstille gewesen.
11:14 Uhr
Bei Regen und in der Dunkelheit führte Gina H. den Zeugen zum Tümpel
Gegen 21.30 seien der Zeuge und die Angeklagte schließlich bei Nieselwetter losgezogen, um nach Fabian an der von Gina H. vorgeschlagenen Stelle dort zu suchen. Mit der Wärmebildkamera hätten sie dann den Acker abgeleuchtet. Der Zeuge hätte ein paar Schafe, Füchse und Rehe entdeckt. Danach habe er weiterfahren wollen. Gina H. habe jedoch vorgeschlagen, den Hang runter zu einem Tümpel zu gehen. Mit der Handy-Taschenlampe hätte sie den Weg geleuchtet, der Zeuge sei ihr hinterhergelaufen. Einen steilen, rutschigen Weg bei Dunkelheit und Regen. Sie sei zielstrebig zum Wasser gegangen – ohne Pause. Der Zeuge habe sich wieder keine Gedanken gemacht. "Im Nachhinein würde ich sagen: Sie wusste genau, wo sie hingeht", sagt er.
Richter Schütt lässt eine Karte von Google Maps über einen Bildschirm zeigen. Auf dem Acker habe es mehrere Tümpel gegeben, erklärt der Zeuge. Er habe mit der Kamera in verschiedene Tümpel leuchten wollen, Gina H. habe das jedoch abgelehnt. "Da wollte sie nicht runtergehen", sagt er. Als der Zeuge mit der Wärmebildkamera an der Böschung vor dem Tümpel stand, den Gina H. auswählte, habe er durch seine Wärmebildkamera geblickt – und nichts Warmes erkannt.
10:52 Uhr
Gina H. wollte mit Zeugen nach Fabian suchen
Am 13. Oktober habe Gina H. dem Zeugen dann vorgeschlagen, nach Fabian zu suchen. In Klein Upahl an einer Stelle, wo sie im Winter mal mit Fabian und ihrem Sohn Schlitten fahren war. Der Zeuge war zuvor noch nie dort gewesen. Auf Nachfrage von Richter Schütt erschien ihm das Gebiet nicht sonderlich rodel-geeignet. Außerdem sei es aufwendig, dorthin zu kommen. "Ich habe es nicht weiter hinterfragt", sagt der Zeuge.
Jetzt hinterfragt der Richter, warum man ausgerechnet dort suchen wolle. "Kommt man mit dem Bus dorthin? Nein. Welchen Anlass soll es denn geben, dass Fabian dorthin kommt?", fragt der Richter. Es gebe keinen, sagt der Zeuge. Er habe sich keine Gedanken gemacht.
Der Zeuge, der auch Jäger ist, habe schließlich seine Wärmebildkamera geschnappt und sei mit Gina H. abends nach Klein Upahl gefahren. "Sie wollte nicht alleine sein", sagt der Zeuge.