PÄDOKRIMINALITÄT

ÖFFENTLICHE DISKUSSION
Yanell
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Pädokriminelle Priester wurden geschont, pädokriminelle Laien verurteilt

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Katholische Kirche
:
Milde im Umgang mit geweihten Männern
10. Februar 2022, 11:19 UhrLesezeit: 3 min
Katholische Kirche: Innensicht des Bamberger DomsDetailansicht öffnen
Noch immer sind viele Fragen im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche ungeklärt: Innenansicht des Bamberger Doms. (Foto: Nicolas Armer/dpa)
Die Missbrauchsgutachten aus München und Köln zeigen, wie Bistumsverantwortliche gegen Beschuldigte mit zweierlei Maß vorgingen: Priester wurden in der Regel geschont, Laien häufig konsequent bestraft. Warum?

Von Annette Zoch


Konsequent und kompromisslos gingen die Verantwortlichen in der Erzdiözese München und Freising gegen Missbrauchstäter vor - wenn es sich nicht um Priester handelte. Das ist ein weiterer, bislang wenig beleuchteter Befund des Münchner Missbrauchsgutachtens. Das Gutachten sah mögliche Hinweise auf Fälle sexualisierter Übergriffe bei 182 Klerikern, genauer gesagt 173 Priestern und neun Diakonen, sowie bei 53 Laien - also Lehrern, Erziehern sowie Pastoral- oder Gemeindereferenten. Dort wurde hingeschaut. Die Täter wurden häufig hart bestraft bis hin zur Kündigung.

Die Gutachter benennen in ihrer Untersuchung 59 Sachverhalte, die insgesamt 53 verdächtige Laien und 62 mutmaßliche Geschädigte betreffen. In keinem einzigen dieser Fälle konnten sie ein relevantes Fehlverhalten der Leitungsverantwortlichen feststellen. Folgerung der Gutachter: Den Laien gegenüber sei stets mit dienst- oder arbeitsrechtlichen Mitteln reagiert worden beziehungsweise seien diese Schritte zumindest sorgfältig und nachvollziehbar geprüft worden.

Leben und Gesellschaft in München Lehren aus der "Bilanz des Schreckens"
Missbrauch im Münchner Erzbistum

Lehren aus der "Bilanz des Schreckens"
Entsetzt blicken nicht nur Katholiken auf das, was Gutachter über den Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche herausgefunden haben: Wie gehen Verantwortliche mit den Vorwürfen um? Was fordern Betroffene? Ist die Aufarbeitung jetzt zu Ende? Die wichtigsten Antworten.  
Von Bernd Kastner, Nicolas Richter und Annette Zoch
Bei 16 von 53 beschuldigten Laienmitarbeitern wurde das Dienst- oder Arbeitsverhältnis im Zusammenhang mit der Tat oder mit Verdachtsmomenten beendet. Zum Vergleich: Bei 173 beschuldigten Priestern kam es nur in vier Fällen zu einer vergleichbaren Sanktionierung, nämlich zur Entlassung aus dem Klerikerstand.

Nicht alle Fälle bei der Staatsanwaltschaft gemeldet
In den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz wurde von 2010 an eine Meldepflicht an die Staatsanwaltschaft eingeführt. Hier sehen die Gutachter beim Umgang mit Laienmitarbeitern das einzige Versäumnis: Nicht alle Fälle seien an die Staatsanwaltschaft gemeldet worden. Dem Gutachten zufolge wurden von 2010 bis 2019 sechzehn verdächtige Personen der Erzdiözese bekannt, aber nur fünf Fälle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. In neun Fällen unterblieb die Meldung, in zwei Fällen hatte die Staatsanwaltschaft bereits unabhängig von der Meldung Kenntnis erlangt.


Auch im Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger für das Erzbistum Köln sind Laien als Beschuldigte identifiziert, insgesamt 66 Personen gegenüber 127 Klerikern. Auch hier gingen die Vorgesetzten streng vor: "Anders als bei Klerikern wurden Laien in Diensten des Erzbistums Köln häufig aus dem Arbeitsverhältnis entfernt, sobald Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen sie aufkamen", schreiben die Kölner Gutachter. In keinem der Aktenvorgänge, die ein Fehlverhalten eines Laien zum Gegenstand hatten, sei ein Pflichtenverstoß zu verzeichnen - genauso wie in München: "Hinsichtlich dieser Personengruppe beobachteten die Gutachter regelmäßig konsequente und zügige Reaktionen wie etwa die Kündigung des betreffenden Arbeitnehmers", so die Kölner Anwälte.

Das Berufsbild des Pastoral- oder Gemeindereferenten ist noch vergleichsweise jung, es existiert erst seit Anfang der 70er-Jahre. Das Gros der Tatvorwürfe gegen Laien, nämlich 24, betreffe die Jahre zwischen 2015 bis 2019, sagt Gutachter Martin Pusch von der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Bereits von 2010 an sei ein deutlicher Anstieg der Meldungen zu verzeichnen gewesen, aber auch Taten in den 80er-, 90er- und 2000er-Jahren seien rasch verfolgt worden. "Bei Laien war die Bereitschaft, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen, insbesondere auch in Gestalt der Beendigung des Anstellungsverhältnisses, deutlich ausgeprägter", sagt Pusch.

"Vogelwilde" Priester unter Kontrolle
Die Kölner Gutachter weisen darauf hin, dass das Verhältnis von Klerikern zu ihrem Arbeitgeber durch besondere Treue- und Fürsorgepflichten gekennzeichnet sei, ähnlich wie zwischen Beamten und dem Staat, und eine einfache arbeitsrechtliche Kündigung ausschließe. Die kirchliche Höchststrafe für einen Priester ist die Rückversetzung in den Laienstand. Dass dies in der Vergangenheit oft nicht vorkam, wurde - wie im Fall des pädophilen Priesters Peter H. - unter anderem damit begründet, dass der Priester sonst "vogelwild" sei und man ihn nicht mehr unter Kontrolle habe. Bei entlassenen Religionslehrern und Pastoralreferenten schien es diese Bedenken aber nicht gegeben zu haben.



Woher kommt also diese Milde mit geweihten Männern? Ein Kernproblem ist das Priesterbild, schreiben schon 2013 die Mitglieder der australischen Royal Commission, eines unabhängigen Gremiums, das Missbrauch in Australien untersucht hatte: Die kirchliche Lehre, dass ein Priester im Moment der Weihe eine Seinsveränderung erlebe, sei ein gefährlicher Bestandteil des Klerikalismus - der Haltung, einen Unterschied zu machen zwischen Geweihten und Nichtgeweihten.

Auch die MHG-Studie von 2018 benennt Klerikalismus als einen zentralen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch: "Die Dogmatik eines klerikalen Amtsverständnisses erhebt das Priesterideal über eine Schuldzuweisung oder ein Schuldeingeständnis", heißt es in der Studie. "Dies kann dazu führen, dass die Kirchenraison im Zweifelsfall selbst gegen besseres Wissen durchgehalten wird. Priester, die sexualisierte Gewalt ausüben oder sexuellen Missbrauch begehen, werden von klerikal agierenden Kirchenoberen in erster Linie als Gefährdung der Institution und des klerikalen Systems wahrgenommen und nicht als Gefährdung von Gemeindemitgliedern oder anderen potenziellen Betroffenen." Dies münde in Geheimhaltung und Vertuschung.

Taten von Laien hingegen müssen auf Basis dieser systemimmanenten Logik nicht vertuscht werden, weil sie ja nicht richtig dazugehören, weil sie außerhalb des Priesterstandes stehen. Die Münchner Gutachter schreiben, es dränge sich die Erkenntnis auf, "dass bei identischen, jedenfalls aber vergleichbaren Verfehlungen, namentlich sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, mit zweierlei Maß gemessen und auch entsprechend sanktioniert wurde".
https://www.sueddeutsche.de/politik/mis ... -1.5525472
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Gauweiler "Altherren-Verein Katholische Kirche"

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https://www.die-tagespost.de/politik/pe ... art-225507
09.02.2022, 09 Uhr
Meldung
Als „Ausnahmeerscheinung“ hat der CSU-Politiker Peter Gauweiler den emeritierten Papst Benedikt XVI. bezeichnet. Angesichts der anhaltenden medialen Kritik an Benedikt wegen seines Verhaltens im Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verteidigt der Protestant Gauweiler den emeritierten Papst in einem Gastbeitrag für die Tagespost. Joseph Ratzinger sei unter den lebenden Deutschen der bedeutendste.

Brückenbauer – zwischen Menschen, Völkern und Religionen
Der langjährige stellvertretende CSU-Vorsitzende schreibt, auch in persönlichen Begegnungen habe er Benedikt als jemanden kennengelernt, „dem das Wohl der Menschen nicht nur am Herzen liegt, sondern Beruf und Berufung zugleich ist“. Der emeritierte Papst sei „Brückenbauer – zwischen Menschen, Völkern und Religionen“. Gauweiler nennt Benedikt zudem einen „weißen Revolutionär, den seine Gegner hassen, um nicht an sich selbst zu verzweifeln“.

Den Tendenzen im „fortschrittlichen Bereich“ der Gesellschaft in den 1970er Jahren, insbesondere unter Grünen und Linksliberalen, Straffreiheit für pädophile Handlungen zu fordern, sei Joseph Ratzinger nach seiner Berufung in die römische Kurie im Jahr 1982 entgegengetreten.

Kritik am Münchner Gutachten
Zudem übt der 72-jährige Gauweiler Kritik am Münchner Missbrauchsgutachten, das Mitte Januar von der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) vorgestellt worden war. Ohne Gegenprüfung durch Dritte und trotz eingestandenem „lückenhaften Aktenmaterial“, aber mit kirchenamtlicher Billigung habe die Kanzlei ein „Konvolut von über 1.800 Seiten“ geboten, das als finale Bestätigung dessen aufgegriffen worden sei, was man schon lange vermutet habe: „dass nämlich der Altherren-Verein katholische Kirche schrecklichste Straftaten bewusst und ohne Rücksicht auf Verluste vertuscht hat, um die eigenen Reihen und die Institution Kirche zu schützen“.

Gauweiler bemängelt zudem, von der Kanzlei seien „Anklagen und Urteile aus einer Hand“ geliefert worden. „Das hätte eine rechtsstaatlich verfasste Körperschaft als Mandantin niemals gestatten dürfen und war ein Missbrauch des Missbrauchs.“ DT/mlu
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Kentler und Willy Brandt - Pädokriminalität

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https://www.newyorker.com/magazine/2021 ... pedophiles
The German Experiment That Placed Foster Children with Pedophiles
With the approval of the government, a renowned sexologist ran a dangerous program. How could this happen?
By Rachel Aviv

July 19, 2021
Child
“I didn’t think what was happening was good, but I thought it was normal,” one of the foster children recalled.Illustration by Gérard DuBois


In 2017, a German man who goes by the name Marco came across an article in a Berlin newspaper with a photograph of a professor he recognized from childhood. The first thing he noticed was the man’s lips. They were thin, almost nonexistent, a trait that Marco had always found repellent. He was surprised to read that the professor, Helmut Kentler, had been one of the most influential sexologists in Germany. The article described a new research report that had investigated what was called the “Kentler experiment.” Beginning in the late sixties, Kentler had placed neglected children in foster homes run by pedophiles. The experiment was authorized and financially supported by the Berlin Senate. In a report submitted to the Senate, in 1988, Kentler had described it as a “complete success.”

Marco had grown up in foster care, and his foster father had frequently taken him to Kentler’s home. Now he was thirty-four, with a one-year-old daughter, and her meals and naps structured his days. After he read the article, he said, “I just pushed it aside. I didn’t react emotionally. I did what I do every day: nothing, really. I sat around in front of the computer.”

Marco looks like a movie star—he is tanned, with a firm jaw, thick dark hair, and a long, symmetrical face. As an adult, he has cried only once. “If someone were to die in front of me, I would of course want to help them, but it wouldn’t affect me emotionally,” he told me. “I have a wall, and emotions just hit against it.” He lived with his girlfriend, a hairdresser, but they never discussed his childhood. He was unemployed. Once, he tried to work as a mailman, but after a few days he quit, because whenever a stranger made an expression that reminded him of his foster father, an engineer named Fritz Henkel, he had the sensation that he was not actually alive, that his heart had stopped beating, and that the color had drained from the world. When he tried to speak, it felt as if his voice didn’t belong to him.

Several months after reading the article, Marco looked up the number for Teresa Nentwig, a young political scientist at the University of Göttingen Institute for Democracy Research, who had written the report on Kentler. He felt both curious and ashamed. When she answered the phone, he identified himself as “an affected person.” He told her that his foster father had spoken with Kentler on the phone every week. In ways that Marco had never understood, Kentler, a psychologist and a professor of social education at the University of Hannover, had seemed deeply invested in his upbringing.

Nentwig had assumed that Kentler’s experiment ended in the nineteen-seventies. But Marco told her he had lived in his foster home until 2003, when he was twenty-one. “I was totally shocked,” she said. She remembers Marco saying several times, “You are the first person I’ve told—this is the first time I’ve told my story.” As a child, he’d taken it for granted that the way he was treated was normal. “Such things happen,” he told himself. “The world is like this: it’s eat and be eaten.” But now, he said, “I realized the state has been watching.”

A few weeks later, Marco phoned one of his foster brothers, whom he calls Sven. They had lived together in Henkel’s home for thirteen years. He liked Sven, but felt little connection to him. They had never had a real conversation. He told Sven he’d learned that they had been part of an experiment. But Sven seemed unable to process the information. “After all those years, we had gotten out of the habit of thinking,” Marco said.

As a young boy, Marco liked to pretend he was one of the Templars, an order of knights that protected pilgrims to the Holy Land. He was a lively child who occasionally wandered around his Berlin neighborhood unsupervised. At five, in 1988, he crossed the street alone and was hit by a car. He was not seriously injured, but the accident attracted the attention of the Schöneberg youth-welfare office, which is run by the Berlin state government. Caseworkers at the office observed that Marco’s mother seemed “unable to give him the necessary emotional attention.” She worked at a sausage stand, and was struggling to manage parenthood on her own. Marco’s father, a Palestinian refugee, had divorced her. She sent Marco and his older brother to day care in dirty clothes, and left them there for eleven hours. Caseworkers recommended that Marco be placed in a foster home with a “family-like atmosphere.” One described him as an attractive boy who was wild but “very easy to influence.”

Marco was assigned to live with Henkel, a forty-seven-year-old single man who supplemented his income as a foster father by repairing jukeboxes and other electronics. Marco was Henkel’s eighth foster son in sixteen years. When Henkel began fostering children, in 1973, a teacher noticed that he was “always looking for contact with boys.” Six years later, a caseworker observed that Henkel appeared to be in a “homosexual relationship” with one of his foster sons. When a public prosecutor launched an investigation, Helmut Kentler, who called himself Henkel’s “permanent adviser,” intervened on Henkel’s behalf—a pattern that repeats throughout more than eight hundred pages of case files about Henkel’s home. Kentler was a well-known scholar, the author of several books on sex education and parenting, and he was often quoted in Germany’s leading newspapers and on its TV programs. The newspaper Die Zeit had described him as the “nation’s chief authority on questions of sexual education.” On university letterhead, Kentler issued what he called an “expert opinion,” explaining that he had come to know Henkel through a “research project.” He commended Henkel on his parenting skills and disparaged a psychologist who invaded the privacy of his home, making “wild interpretations.” Sometimes, Kentler wrote, an airplane is not a phallic symbol—it is simply a plane. The criminal investigation was suspended.

Marco was impressed by Henkel’s apartment. It had five bedrooms and was on the third floor of an old building on one of the main shopping streets of Friedenau, an upscale neighborhood popular among politicians and writers. Two other foster sons lived there, a sixteen-year-old and a twenty-four-year-old, neither of whom was particularly friendly to Marco. But he was delighted to discover an armoire in the hallway that held a cage with two rabbits that he could play with and feed. In a report to the youth-welfare office, Henkel noted that Marco was “excited about almost everything that was offered to him.”

Every few months, Henkel drove nearly two hundred miles with his foster children to see Kentler in Hannover, where he taught. The visits were an opportunity for Kentler to observe the children: to “hear what they say about their past; their dreams and fears; to know their wishes and hopes, to see how they each develop, how they feel,” Henkel wrote. In a photograph taken during one of their visits, Kentler wears a white button-up shirt with a pen in the pocket, and Marco sits at a dining-room table beside him, looking bored and dazed


Marco had been living with Henkel for a year and a half when Sven moved in. The police had found him in a subway station in Berlin, sick with hepatitis. He was seven years old, begging for money, and he said that he had come from Romania. Noting that Sven had “likely never experienced a positive parent-child relationship,” the youth-welfare office searched for a foster home in Berlin. “Mr. Henkel seems to be ideally suited to this difficult task,” doctors from a clinic at the Free University of Berlin wrote.

The two boys took on different roles in their new family. Sven was the good son, docile and loving. Marco was more defiant, but at night, when Henkel came into his room asking to cuddle, or waited for him while he brushed his teeth before bed, he had to comply. “I just accepted it out of loyalty, because I didn’t know anything else,” Marco told me. “I didn’t think what was happening was good, but I thought it was normal. I thought of it a little bit like food. People have different tastes in food, the way some people have different tastes in sexuality.” If Sven’s bedroom door was open and he wasn’t there, Marco knew what was happening, but the two boys never talked about what Henkel did to them. “It was an absolutely taboo subject,” Marco said.

One night, Marco took a knife from the kitchen and slept with it under his pillow. When Henkel approached his bed and discovered the blade, he withdrew quickly, called Helmut Kentler, then handed the phone to Marco. “There’s a devil behind my wall,” Marco tried to explain. Kentler had a calming, grandfatherly presence. He assured Marco that there was no such thing as devils, and Marco agreed to surrender the knife.

Marco’s mother and brother were allowed to visit roughly once a month, but Henkel often cancelled the visits at the last minute, or cut them short, saying that they were disruptive. Afterward, Marco would sometimes urinate in his bed or lose focus in school, writing numbers and letters backward. “It was as if he wanted to say: there is no point in anything,” Henkel wrote. Kentler warned the youth-welfare office that Marco’s “educational successes are ruined by a few hours of being with his mother.” Marco’s father was not allowed to see him at all, because Henkel reported that Marco said that his dad had beaten him. Marco was so terrified of his father, Henkel said, that he suffered from “fearful fantasies when he noticed people of Arab appearance on the street.”

Marco’s teachers recommended that he see a child therapist, who was supposed to meet with him for two hours a week. But the therapist said that Henkel was holding Marco “prisoner”—Henkel always sat close by, in an adjacent room. Marco remembers that, once, after a session began without Henkel’s realizing it, he barged into the room and hit the therapist in the face. When a school psychologist referred Sven for counselling, too, Henkel would not allow him to take any psychological tests, according to records. “Not with me!” he shouted. “If you all want to make a ‘case’ out of [Sven], then do it without me.” (Sven seemed upset by the outburst, asking Henkel, “Does that mean you want to give me away?”)

In a letter, Kentler advised the youth-welfare office that, if a psychological assessment had to be done, he would perform it. “Insights beyond my findings are not to be expected,” he wrote. He acknowledged that Henkel could appear “harsh and hurtful,” but “I ask you to consider that a man who deals with such seriously damaged children is not a ‘simple person,’ ” he wrote, in another letter. “What Mr. Henkel needs from the authorities is trust and protection.”

When Marco was nine, his mother petitioned a district judge in Berlin to allow her to spend more time with him. Marco’s father told the youth-welfare office that he could not understand why Marco was growing up in a “strange family,” deprived of an Arabic education. He also “made massive accusations against the foster father’s behavior,” a caseworker wrote. But Marco’s mother had signed an agreement stating that she would “always be guided by the best interests of my child,” and that determination was made by the youth-welfare office.

A hearing was held in March, 1992, a month before Marco turned ten. The judge asked to speak privately with Marco, but Henkel stood directly outside the room and said, “If you are being threatened, call out!” Marco sounded as if he had been coached. He told the judge that his foster father, whom he called Papa, loved him, and his birth family did not. When the judge asked if he still wanted his mother to visit, he responded, “Not often.” He said that once a year would be better, and insisted that “Papa should be there.” He explained that he was afraid of his biological father, and now that he was with Papa he was no longer scared. “Only sometimes at night,” he added.

After the hearing, Kentler sent a letter to the judge, saying, “For the best interests of the child, I consider it absolutely essential that contact with the family of origin—including the mother—be completely suspended for the next two years.” Kentler also emphasized that Marco needed distance from the men in his family, because they set a bad example. He said that Marco’s mood changed when he spoke about his father. Though Kentler had never met Marco’s dad, he characterized him as authoritarian, abusive, and macho. He also disapproved of Marco’s fifteen-year-old brother, who was six feet four and weighed two hundred and twenty-five pounds. The boy “gives the (false) impression of strength and superiority,” Kentler wrote, and was already molding himself in his father’s image; he was “addicted to being the big man.”

Kentler’s career was framed by his belief in the damage wrought by dominant fathers. An early memory was of walking in the forest on a spring day and running to keep up with his father. “I had only one wish: that he should take my hand and hold it in his,” Kentler wrote in a parenting magazine in 1983. But his father, a lieutenant in the First World War, believed in a “rod and baton pedagogy,” as Kentler put it. Kentler’s parents followed the teachings of Daniel Gottlob Moritz Schreber, a best-selling German authority on child care who has been described as a “spiritual precursor of Nazism.” Schreber outlined principles of child rearing that would create a stronger race of men, ridding them of cowardice, laziness, and unwanted displays of vulnerability and desire. “Suppress everything in the child,” Schreber wrote, in 1858. “Emotions must be suffocated in their seed right away.” When Kentler misbehaved, his father threatened to buy a contraption invented by Schreber to promote children’s posture and compliance: shoulder bands to prevent slouching; a belt that held their chest in place while they slept; an iron bar pressed to their collarbone, so they’d sit up straight at the table. If Kentler talked out of turn, his father slammed his fist on the table and shouted, “When the father talks, the children must be silent!”

Kentler was ten during Kristallnacht, in 1938, when Nazi Storm Troopers raided Jewish temples, stores, and houses. Kentler’s family was living in Düsseldorf, and Kentler was awakened by the noise of shattering glass. He came out of his bedroom and saw his father in a nightdress, holding the phone. “In his loud, dominant voice, my father called for a police deployment because someone had broken into our building,” Kentler wrote in “Borrowed Fathers, Children Need Fathers,” a 1989 book about parenthood. “It was a longer conversation, during which my father became ever quieter, and ultimately he timidly hung up the receiver, stood there like he had collapsed and quietly said to my mother, who had been standing next to him for some time: ‘They’re going after the Jews!’ ”

Soon, the doorbell rang. A Jewish family—a mother, father, and three children—who lived in the apartment below stood at the door. Their apartment had been destroyed, and they asked if they could spend the night with the Kentlers. “No, that will really not be possible here,” Kentler’s father said. He shut the door. Kentler glimpsed his father’s nightshirt climbing just above his knee, revealing his soft naked legs. “My whole father suddenly seemed laughable to me,” he wrote.

Shortly afterward, Kentler’s father was called back to active duty. He rose to the rank of colonel, and moved his family to Berlin, where he worked at the High Command of the army of Nazi Germany. “My father’s authority was never based on his own accomplishment, but on the large institutions in which he snuck into, that rubbed off on him,” Kentler wrote. He was seventeen when the Nazis were defeated and his father came home, “a broken man,” Kentler wrote. “I never again obeyed him and I felt terribly alone.”

The postwar years in West Germany were marked by an intense preoccupation with sexual propriety, as if decorum could solve the nation’s moral crisis and cleanse it of guilt. “One’s own offspring did penance for Auschwitz,” the German poet Olav Münzberg wrote, “with ethics and morality forcefully jammed into them.” Women’s reproductive rights were severely restricted, and the policing of homosexual encounters, a hallmark of Nazism, persisted; in the two decades after the war, roughly a hundred thousand men were prosecuted for this crime. Kentler was attracted to men and felt as if he “always had one leg in prison,” because of the risks involved in consummating his desires. He found solace in the book “Corydon,” by André Gide, a series of Socratic dialogues about the naturalness of queer love. “This book took away my fear of being a failure and of being rejected, of being a negative biological variant,” he wrote in a 1985 essay called “Our Homosexuality.” But nothing could be done to remedy his relationship with his parents. “They no longer loved me,” he wrote.

In 1960, Kentler got a degree in psychology, a field that allowed him to be “an engineer in the realm of the . . . manipulatable soul,” he said at a lecture. He became involved in the student movement, and at a meeting of the Republican Club, a group established by left-wing intellectuals, he publicly identified himself as gay for the first time. Not long afterward, he wrote, he decided to turn “my passions into a profession (which is also good for the passions: they are controlled).” He earned a doctorate in social education from the University of Hannover, publishing his dissertation, a guidebook called “Parents Learn Sex Education,” in 1975. He was inspired by the Marxist psychoanalyst Wilhelm Reich, who had argued that the free flow of sexual energy was essential to building a new kind of society. Kentler’s dissertation urged parents to teach their children that they should never be ashamed of their desires. “Once the first feelings of shame exist, they multiply easily and expand into all areas of life,” he wrote.

Like many of his contemporaries, Kentler came to believe that sexual repression was key to understanding the Fascist consciousness. In 1977, the sociologist Klaus Theweleit published “Male Fantasies,” a two-volume book that drew on the diaries of German paramilitary fighters and concluded that their inhibited drives—along with a fear of anything gooey, gushing, or smelly—had been channelled into a new outlet: destruction. When Kentler read “Male Fantasies,” he could see Schreber, the child-care author whose principles his parents had followed, “at work everywhere,” he wrote. Kentler argued that ideas like Schreber’s (he had been so widely read that one book went through forty editions) had poisoned three generations of Germans, creating “authoritarian personalities who have to identify with a ‘great man’ around them to feel great themselves.” Kentler’s goal was to develop a child-rearing philosophy for a new kind of German man. Sexual liberation, he wrote, was the best way to “prevent another Auschwitz.”

The trials of twenty-two former Auschwitz officers had revealed a common personality type: ordinary, conservative, sexually inhibited, and preoccupied with bourgeois morality. “I do think that in a society that was more free about sexuality, Auschwitz could not have happened,” the German legal scholar Herbert Jäger said. Sexual emancipation was integral to student movements throughout Western Europe, but the pleas were more pitched in Germany, where the memory of genocide had become inextricably—if not entirely accurately—linked with sexual primness. In “Sex After Fascism,” the historian Dagmar Herzog describes how, in Germany, conflicts over sexual mores became “an important site for managing the memory of Nazism.” But, she adds, it was also a way “to redirect moral debate away from the problem of complicity in mass murder and toward a narrowed conception of morality as solely concerned with sex.”

Suddenly, it seemed as if all relationship structures could—and must—be reconfigured, if there was any hope of producing a generation less damaged than the previous one. In the late sixties, educators in more than thirty German cities and towns began establishing experimental day-care centers, where children were encouraged to be naked and to explore one another’s bodies. “There is no question that they were trying (in a desperate sort of neo-Rousseauian authoritarian antiauthoritarianism) to remake German/human nature,” Herzog writes. Kentler inserted himself into a movement that was urgently working to undo the sexual legacy of Fascism but struggling to differentiate among various taboos. In 1976, the magazine Das Blatt argued that forbidden sexual desire, such as that for children, was the “revolutionary event that turns our everyday life on its head, that lets feelings break out and that shatters the basis of our thinking.” A few years later, Germany’s newly established Green Party, which brought together antiwar protesters, environmental activists, and veterans of the student movement, tried to address the “oppression of children’s sexuality.” Members of the Party advocated abolishing the age of consent for sex between children and adults.

In this climate—a psychoanalyst described it as one of “denial and manic ‘self-reparation’ ”—Kentler was a star. He was asked to lead the department of social education at the Pedagogical Center, an international research institute in Berlin whose planning committee included Willy Brandt, who became the Chancellor of Germany (and won the Nobel Peace Prize), and James B. Conant, the first U.S. Ambassador to West Germany and a president of Harvard. Funded and supervised by the Berlin Senate, the center was established, in 1965, to make Berlin an international leader in reforming educational practices. Kentler worked on the problem of runaways, heroin addicts, and young prostitutes, many of whom gathered in the archways of the Zoo Station, the main transportation hub in West Berlin. The milieu was memorialized in “Christiane F.,” an iconic drug movie of the eighties, about teen-agers, prematurely aware of the emptiness of modern society, self-destructing, set to a soundtrack by David Bowie.

Kentler befriended a thirteen-year-old named Ulrich, whom he described as “one of the most sought-after prostitutes in the station scene.” When Kentler asked Ulrich where he wanted to stay at night, Ulrich told him about a man he called Mother Winter, who fed boys from the Zoo Station and did their laundry. In exchange, they slept with him. “I said to myself: if the prostitutes call this man ‘mother,’ he can’t be bad,” Kentler wrote. Later, he noted that “Ulrich’s advantage was that he was handsome and that he enjoyed sex; so he could give something back to pedophile men who looked after him.”

Kentler formalized Ulrich’s arrangement. “I managed to get the Senate officer responsible to approve it,” he wrote in “Borrowed Fathers, Children Need Fathers.” Kentler found several other pedophiles who lived nearby, and he helped them set up foster homes, too. At the time, the Berlin Senate, which governs the city—one of sixteen states in the country—was eager to find new solutions to the “life problems of our society,” in order to “confirm and maintain Berlin’s reputation as an outpost of freedom and humanity,” Kentler wrote.

In 1981, Kentler was invited to the German parliament to speak about why homosexuality should be decriminalized—it didn’t happen for thirteen more years—but he strayed, unprompted, into a discussion of his experiment. “We looked after and advised these relationships very intensively,” he said. He held consultations with the foster fathers and their sons, many of whom had been so neglected that they had never learned to read or write. “These people only put up with these feeble-minded boys because they were in love with them,” he told the lawmakers. His summary did not seem to provoke concerns. Perhaps the politicians were receptive because the project seemed to be the opposite of the Nazis’ reproductive experiments, with their rigid emphasis on propagating certain kinds of families, or perhaps they were unconcerned because, in their opinion, the boys were already lost. In the sixties and seventies, the political élite were suddenly taking an interest in the lower class, but their capacity for identification was apparently limited.

If there were ever files in the city’s archives documenting how Kentler’s project came to be approved—or how, exactly, he located the men who served as foster fathers—they have been lost or destroyed. When Kentler publicly discussed his experiment, he offered details about only three foster homes. But, in a 2020 report commissioned by the Berlin Senate, scholars at the University of Hildesheim concluded that “the Senate also ran foster homes or shared flats for young Berliners with pedophile men in other parts of West Germany.” The fifty-eight-page report was preliminary and vague; the authors said there were about a thousand unsorted files in the basement of a government building that they had been unable to read. No names were revealed, but the authors wrote that “these foster homes were run by sometimes powerful men who lived alone and who were given this power by academia, research institutions and other pedagogical environments that accepted, supported or even lived out pedophile stances.” The report concluded that some “senate actors” had been “part of this network,” while others had merely tolerated the foster homes “because ‘icons’ of educational reform policies supported such arrangements.”

Marco remembers Kentler and his foster father talking for hours on the phone about politics. The intensity of their conversations surprised him, because Henkel was laconic at home, rarely speaking in full sentences. Marco and Sven didn’t talk to each other, either. Marco spent all of his free time in his room, on an Amiga computer, playing SimCity and Mega-Lo-Mania. Both boys kept their doors closed. Once, when the neighbors played loud music, breaking the silence in their apartment, Henkel told the boys that he wanted to drill holes in two microwave ovens and then aim the radioactive waves toward each other, at just the right angle, to give the neighbors a heart attack.

Marco’s mother lost her plea for more access to her son. She was still allowed visits every few weeks at the youth-welfare office, but the meetings went increasingly badly. During the first visit after the court hearing, Marco told his mother that he didn’t want to see her, because she didn’t get along with his foster father. “While he was saying this, he did not make eye contact with his mother,” a social worker wrote. At the next visit, three weeks later, he refused to accept his mother’s gift—pens and a pad of paper—or to answer her questions. He repeatedly asked to leave, until his mother reluctantly agreed. She was “visibly shaken and cried,” the social worker wrote. “She no longer knows what to do.” The next day, Henkel called the youth-welfare office and said that he would support Marco “in demonstrating his rejection of his mother.”

A year and a half later, Marco’s father informed the youth-welfare office that he was moving to Syria and wanted to say goodbye to his son. There is no record of anyone responding. Marco’s opinion of his parents became overlaid with the insults he’d heard from Henkel and Kentler. He imagined his mother as a lazy woman who spent her days eating sausages, his father as a violent patriarch. It wasn’t until two decades later that he grasped that his parents had fought to have a relationship with him.

Some nights, when Marco was eating dinner with Sven and Henkel, he would have the sensation that he was among strangers. “Who are you people?” he asked once. Henkel responded, “It’s me—your father.”

When Marco was eleven years old, a new foster son, Marcel Kramer, moved in. Kramer was a small boy with dimples, crooked teeth, and a sweet, open smile. He was half a year younger than Marco and had spastic quadriplegia, a congenital condition that left him unable to walk, talk, or eat on his own. Marco and Sven became Kramer’s caretakers, feeding him strawberry-flavored milk with a spoon and removing mucus from his lungs with a suction hose. When they went to Henkel’s house in Brandenburg, west of Berlin, Marco pushed Kramer for hours on a tire swing. Kramer was the first person in years for whom Marco had felt love.

At school, Marco had no close relationships. Henkel encouraged him to misbehave, rewarding him with computer games if he spat, talked out of turn, or overturned chairs. He skipped class and rarely did his homework. He ended up switching schools seven times, which, he now believes, was Henkel’s plan.

For years, Marco tolerated Henkel, but, as he began going through puberty, he said, “I started to hate him.” He spent an hour each day lifting weights, so that he would be strong enough to defend himself. One night, when Henkel tried to fondle him, Marco hit his hand. Henkel seemed startled but didn’t say anything. He just walked away.

Henkel stopped trying to sexually molest Marco, but he became punitive. At night, he locked the door to the kitchen so that Marco couldn’t eat. (“His greed when eating was noticeable,” Henkel once wrote.) He also hit Marco. “Go on, let off some steam,” Marco sometimes said, taunting Henkel. “He said he wasn’t hitting me—he was hitting the devil inside of me,” Marco told me.

When Marco turned eighteen, he was legally free to leave Henkel’s home, but it didn’t occur to him to move out. “It’s very hard to describe, but I was never raised to think critically about anything,” he said. “I had an empty mind.”

One day, Kramer developed the flu. In the course of forty-eight hours, his breathing became increasingly labored. For years, Marco had checked on Kramer several times each night, to make sure that he was breathing. Now he was so worried that he lay in bed beside him. Henkel had always resisted calling doctors for the boys. By the time he gave in, Kramer could not be resuscitated. “It happened in front of my eyes,” Marco said. “I was looking into his eyes when he died.”

The foster-care files contain only a brief note documenting Kramer’s death. “Call from Mr. Henkel, who says that Marcel died unexpectedly last night,” an employee at the youth-welfare office wrote, in September, 2001. “Previously there were no signs of an infection.” A subsequent note says that Henkel, who was sixty, was looking to take in another child.

After Teresa Nentwig’s report on Kentler, in 2016, she planned to write her habilitation thesis, a requirement for a career in academia, on Kentler’s life and work. But there were many setbacks. Relevant files in the city archives of Berlin were missing, unsorted, or sealed. Friends and colleagues of Kentler, who had died in 2008, told Nentwig that they didn’t want to talk. “Some said that Kentler is a very good man and he has done only things which are good,” Nentwig told me.

Nentwig gives the impression of being a methodical and undramatic scholar, the type who never misses a deadline. In the summer of 2020, when we first spoke, she told me, “I have no future in the university, because it is very hard to have success with this sort of subject. I am criticizing the academic world.” I assumed that, as ambitious people tend to do, she was motivating herself with a fear of worst-case scenarios. But the next time I spoke with her, this spring, she had taken a job with a regional State Office for the Protection of the Constitution, a German intelligence agency that monitors anti-democratic threats. Her university contract had not been renewed, and she blamed the premature end of her academic career in part on her decision to research Kentler. “I’m a political scientist,” she said, “and people were always asking, ‘What is political about this topic?’ ”

Nentwig and her former university are now splitting the cost, some six thousand euros, for a German academic press to publish what would have been her thesis. In the book, which comes out in September, she reveals that Kentler, the single father of three adopted sons and several foster children, appeared to be conducting his own, informal version of the experiment that the Berlin Senate had authorized. Karin Désirat, the co-author of a book called “Sex—Lust and Life,” told Nentwig that two of Kentler’s foster sons had come to her for therapy and divulged that Kentler had sexually abused them. Désirat “owed a lot to Kentler,” she said—he had helped her get her first teaching position—and she did not want to get involved. She referred the boys to another therapist. The boys preferred to keep their abuse private, she said, because they “didn’t want to lose the positives of Kentler’s care—that they had enough to eat and that they were taken care of and things like that.” Kentler’s experiment seemed to rest on the idea that some children are fundamentally second class, their outlook so compromised that any kind of love is a gift, a proposition that his colleagues apparently accepted, too. (Désirat said that she eventually broke off contact with Kentler, concluding that his behavior had been “creepy.”)

Gunter Schmidt, a former president of the International Academy of Sex Research, which attracts the field’s leading researchers, was friends with Kentler for more than twenty years. “I honestly had respect for it,” he told Nentwig of the experiment. “Because I thought, These are really young people who are in the worst situation. They probably have a long history at home, they had miserable childhoods and someone is looking after them. And if Kentler is there it’ll be fine.” He added, “And the Berlin Senate is also there.” When Kentler was fifty-seven, he wrote Schmidt a letter explaining why he was aging happily, rather than becoming lonely and resigned: he and his twenty-six-year-old son were “part of a very fulfilling love story” that had lasted thirteen years and still felt fresh. To understand his state of mind, Kentler wrote, his friend should know his secret.

For much of his career, Kentler spoke of pedophiles as benefactors. They offered neglected children “a possibility of therapy,” he told Der Spiegel, in 1980. When the Berlin Senate commissioned him to prepare an expert report on the subject of “Homosexuals as caregivers and educators,” in 1988, he explained that there was no need to worry that children would be harmed by sexual contact with caretakers, as long as the interaction was not “forced.” The consequences can be “very positive, especially when the sexual relationship can be characterized as mutual love,” he wrote.

But in 1991 he seemed to rethink his opinion, after his youngest adopted son, the one he praised in the letter to Schmidt, committed suicide. Then he read the paper “Confusion of the Tongues Between Adults and the Child (The Language of Tenderness and of Passion),” by Sándor Ferenczi, a Hungarian psychoanalyst and a student of Freud. The paper describes how sexualized relationships between adults and children are always asymmetrical, exploitative, and destructive. Ferenczi warns that to give children “more love or love of a different kind” than they seek “will have just as pathogenic consequences as denying them love.” Children’s “personalities are not sufficiently consolidated in order to be able to protest,” he writes. They will “subordinate themselves like automata.” They become oblivious of their own needs and “identify themselves with the aggressor.”

In an interview with a German historian in 1992, Kentler spoke of his grief for his adopted son and said, “Unfortunately I only read the Ferenczi essay after his death.” He did not confess to abusing his son; instead, he said that the boy had been sexually abused by his birth mother. “He hung himself because of that,” he told the historian. “I’ve experienced it in the biggest way, in a very close way, and certainly I’m partly to blame.” He regretted that, until the Ferenczi paper, he had not read anything about the emotional aftermath of sexual abuse and had not known how to help his son process the trauma. He didn’t understand that a child recovering from sexual abuse feels split, as Ferenczi describes it: he is “innocent and culpable at the same time—and his confidence in the testimony of his own senses is broken.” “I was too stupid,” Kentler said.

By the late nineties, Kentler had stopped seeing Henkel’s foster sons, or involving himself in their upbringing. In what was likely his last recorded public statement about pedophilia, in an interview in 1999, he referred to it as a “sexual disorder,” and alluded to the impossibility of an adult and a child sharing an understanding of sexual contact. The problem, he said, is that the adult will always have “the monopoly on definition.”

When I first began corresponding with Marco, in the summer of 2020, our communication was mediated by a man named Christoph Schweer, who referred to himself as Marco’s “friend.” Initially, I assumed that he was Marco’s lawyer. Then I looked him up online and saw that he had received a Ph.D. in philosophy, publishing a dissertation called “Homesickness, Heroes, Cheerfulness: Nietzsche’s Path to Becoming a Superhero.” He worked for the Alternative for Germany (AfD), Germany’s right-wing party, as an adviser for education and cultural policy. The Party was recently investigated by Germany’s domestic-intelligence agency for undermining democracy by, among other things, minimizing the crimes of the Nazis. The Party’s co-leader has called the Nazi era “just a speck of bird poop in more than 1,000 years of successful German history.”

Last August, Marco, Schweer, and Thomas Rogers, a Berlin journalist, who also works as a translator, met at a hotel attached to Berlin’s international airport, the only place we could come up with that would be sufficiently private. I spoke with them via Zoom. Marco and Schweer sat in chairs beside the bed, and they did not appear to have a particularly familiar rapport. Marco wore a flowery button-up Hawaiian shirt and had not shaved in a few days. Schweer, dressed for the office, had a prim, businesslike manner. Like an agent helping his celebrity client, he seemed a bit bored by our conversation but occasionally chimed in, prompting Marco to share memorable details.

“When you first saw him you thought, What a crooked mouth he has,” Schweer offered, referring to Henkel.

“He had no lips,” Marco clarified. He explained that Kentler, too, had this trait. Schweer demonstrated by pressing his mouth together, so that only a sliver of his bottom and upper lip were visible.

“Do you know people who have no lips?” Marco said. “They are always egotistical and mean—I noticed that.”

Schweer first contacted Marco in early 2018, after reading an article in Der Spiegel about Kentler’s experiment, in which Marco said that he’d been let down by the Berlin Senate. After the publication of Nentwig’s report, Marco wrote to the Senate asking for more information about what had happened to him, but he felt that the Senate was insufficiently responsive.

Schweer had “offered help from the AfD,” Marco told me. “I immediately said, ‘Not for political purposes, only because I want help.’ ”

From the perspective of an AfD politician, Marco’s life story was expedient, a tale about the ways in which the German left had got sexual politics wrong. At meetings of the German parliament, members of the AfD (which won more than twelve per cent of the vote in the last national election, becoming Germany’s third-largest party) rallied around the Kentler case as a way of forcing left-wing politicians to address history that did not reflect well on their parties, but also as a barely disguised vehicle for impugning homosexuality. An advocacy group affiliated with the AfD held “Stop Kentler’s sex education” rallies, to protest the way that sexuality is currently taught in German schools. “Kentler’s criminal pedophile spirit lives on unbroken in today’s sex education,” a brochure printed by the organization explained.

History seemed to be looping back on itself. Right-wing politicians were calling for a return to the kind of “terribly dangerous upbringing” against which Kentler had rebelled. In its party manifesto, the AfD states that it is committed to the “traditional family as a guiding principle,” an idea that it associates with the maintenance of Germany’s cultural identity and power. To counteract the influx of immigrants to Germany, “the only mid- and longterm solution,” the AfD program says, “is to attain a higher birth rate by the native population.”

At a hearing in February, 2018, an AfD representative, Thorsten Weiß, complained that the Senate had not taken responsibility for Kentler’s crimes. “This is a case of political importance, which also requires political action,” he said. “The Senate is double-crossing the victims, and that is a scandal.”

At another hearing, seven months later, Weiß criticized the Senate for being slow to gather more information about Kentler’s experiment. “We will not allow government-sponsored pederasty to be swept under the rug,” he said.

Two politicians from the Green Party, which has championed the rights of sexual minorities, accused the AfD of manipulating the victims. “What the AfD is trying to do, to instrumentalize this crime for its own purposes, is unacceptable,” a representative said.

Schweer, the AfD adviser, tried to find a lawyer who could advocate for Marco in a civil lawsuit. “I stand up for a friend, the victim of the so-called Kentler experiment,” he wrote in an e-mail to a large Berlin law firm. Marco had already filed a criminal complaint, but the investigation was limited because Henkel had died in 2015. The lead caseworker, who retired after working for the office for more than forty years, exercised his right to remain silent when the police contacted him. The public prosecutor, Norbert Winkler, concluded that Henkel engaged in “serious sexual assaults including regular anal intercourse,” but he could not find evidence that anyone at the office was complicit. The dilemma, he told me, was that whenever suspicions arose the employees at the office “relied on the claims from Mr. Kentler, who was at the time a very renowned person.”

Marco and Sven tried to file civil lawsuits against the state of Berlin and the Tempelhof-Schöneberg district, the location of the youth-welfare office, for breach of official duties. But, under civil law, too much time had passed. The AfD asked an expert to analyze whether the statute of limitations had to apply to this case. Berlin’s education senator, Sandra Scheeres, a member of the Social Democratic Party, wanted to see if Marco and Sven would accept a compensation package rather than pursue a lawsuit that seemed doomed. She believed that the AfD was giving them bad advice, unnecessarily prolonging their attempt to get money. She told me, “I found it quite strange how the AfD worked with the victims—how close their relationship was, and that they gave legal advice to them. Of course, it is O.K. if the AfD draws attention to injustices, but what happened here was uncommon. I’ve never experienced something like it.” (Weiß, the AfD representative, told me, “I would have been surprised if she had said anything nice about us.” He believes there is still a pedophile network in Germany, and that those connected to it “use their political influence to make sure that the network remains under the radar.”)

Marco went to visit one of Henkel’s foster sons from the “first generation,” as he put it, to see if he wanted to join his and Sven’s legal efforts. The son, whom I’ll call Samir, lived in Henkel’s house in Brandenburg, where the boys had spent summer vacations. The house, which had only one room, was made from beige bricks and seemed to have been assembled too casually—uneven globs of mortar filled each crack. In photographs from the nineties, the place is a mess: a plastic bag and half-eaten bread lie on the table; outside the house, an old toaster oven, with a badminton birdie lying next to it, rests on a decaying dresser.

Samir, who is fifty-seven and half Algerian, had not had contact with his birth family for more than forty years. He had changed his last name to Henkel, and taken on a new German first name as well. His half sister, who lives in Algeria, told me that she and her sister had tried many times to get in touch with him, to no avail. He was the foster son whose interactions with Henkel sparked a criminal investigation in 1979, when he was fifteen. At the time, a psychologist had given Samir a personality test, and Samir had drawn himself as a fruit tree in winter that “lacks all contact to the nourishing earth.” The psychologist interviewed Henkel, too, and observed that he struggled to hold back his “enormous aggressive impulses” and, through his foster sons, tried to “make up for something that he missed in his own past.”

Marco drove to Henkel’s old property and walked toward the house. Five-foot hedges now surrounded it. The windows were covered with blankets. Marco said, “I wanted to offer him the opportunity to clear things up like I had with Sven, but when I saw that—no, no, no.” Another foster brother, the first to move into Henkel’s home, lived a few miles away, but Marco decided there was no use visiting him, either. He walked back to his car and drove home.

Winkler, the prosecutor, had sent investigators to Samir’s home, and he described it as a “garbage heap.” There was no running water or electricity. There was barely even clear space to walk. Yet one corner of the house was tidy and purposeful. It had been turned into a kind of altar. An urn with Henkel’s ashes was surrounded by fresh flowers.

Henkel had run his foster home for thirty years. When he finally shut it down, in 2003—he hadn’t been assigned a new foster child—Marco was twenty-one. He had nowhere to live. He spent three nights sleeping on benches in the park. With the help of a charity that assists homeless youths, he eventually moved into a subsidized apartment. He sometimes stole from grocery stores. “I didn’t know how the world functioned,” he told me. “I didn’t even know that you need to pay for the electricity that comes out of a socket.” He woke up several times in the middle of the night, a habit from his time caring for Marcel Kramer. But, instead of going into his foster brother’s room, he checked his own body to see, he said, “if everything is still where it should be and that I still exist.” He spent so much time by himself that he had trouble constructing sentences.

Sven lived alone in a small apartment in Berlin, too, but, unlike Marco, he stayed in touch with Henkel. “I always thought I owed the man something,” he told Der Spiegel, in 2017. Marco and Sven lived as they had as adolescents: they spent the day on the computer or watching TV, rarely speaking to anyone. Sven, who has experienced periods of severe depression since he was a child, still lives in what he called a “fortress of solitude,” and he did not want to talk about his past. “I don’t have any more strength,” he told me. “But I can assure you that everything my brother told you about our time in the foster home is one to one—the truth.”

Marco had also existed in a kind of hibernation. But, after five years, he felt as if he were becoming a “monster,” he said. “It didn’t go quite toward criminal actions, but there was a destructiveness, a lack of empathy.” When he was twenty-six, he was on a train in Berlin and noticed three men staring at him. Without making a conscious decision, Marco found himself beating them up. “I should have said, ‘Hey, what are you looking at?’ ” he said. “But, instead, I immediately fought them. I noticed I actually wanted to kill them.” One of the men ended up in the emergency room. Marco realized how much his behavior resembled that of his foster father. “It was a Henkel reaction,” he said. “I was a product. I was turning into the thing he had made.”

Around that time, he was walking on the street when a female photographer complimented his looks and asked if he’d like to do what Marco called “hobby modelling.” He agreed and sat for a series of photographs, adopting a variety of poses: in some pictures, he looks like a chiselled lawyer off to work; in others, he is windswept and preppy. The photographs never led to jobs, but he began hanging out with the photographer and her friends. He compared the experience to being a foreigner in an exotic country and finally meeting people who are willing to teach him the language. “I learned normal ways of interacting,” he said.

The modelling work inspired him to get a haircut, and, at the hair salon, a glamorous woman with a sprightly, cheerful presence, whom I’ll call Emma, trimmed his hair. Marco tends to credit his appearance for the pivotal events of his life: he believes his looks were the reason that Henkel chose him—many of Henkel’s sons had dark hair and eyes—and, twenty years later, the explanation for his first serious relationship. “I was pretty, and she didn’t leave,” he told me, of Emma. He added, only partly joking, “Some women are just really into asshole types, and I was one of those asshole types.”

At first, he was resistant to a relationship, but gradually he found Emma’s devotion persuasive. More than once, she slept outside his apartment door. “I noticed that she really loves me, and that in life there’s probably only one person who comes along who will really fight for you,” he said. He tried to blunt his antisocial impulses by remembering that they were not innate but had been conditioned by his upbringing. “I reprogrammed myself, so to speak,” he said. “I tried to re-raise myself.”

When I visited Marco, in May, he and Emma had just moved from Berlin to a new development on the city’s outskirts that he asked me not to name or describe, because he didn’t want his neighbors to know about his past. He now has two children, and they were playing with Emma in their large back yard. Inside, Marco listened to meditative lounge music and drank water from the largest coffee mug I’ve ever seen. I had the sense that with a different childhood Marco might have aged into a fairly jolly middle-aged man. He was playful and earnest and spoke poetically about his view of the afterlife. He shared his children’s developmental milestones with nuance and pride. In a gust of hospitality, he asked if I wanted Emma to cut my hair, before apologizing profusely and saying that my hair looked just fine.

A few days before my visit, the Berlin Senate had announced that it would commission scholars at the University of Hildesheim, who had published the preliminary report in 2020, to do a follow-up report about pedophile-run foster homes in other parts of Germany. Sandra Scheeres, the senator for education, had apologized to Marco and Sven, and the Senate offered them more than fifty thousand euros—in Germany, where compensation for damages is much lower than it is in the United States, this was seen as a significant amount.

Christoph Schweer, the AfD adviser, had urged Marco and Sven to keep fighting, but Marco couldn’t understand why. “We have gotten our wishes, so there’s no point in further irritating or tyrannizing the Senate,” he told me. But Schweer kept pushing him, Marco said. (Schweer denies this.) “Then I slowly got suspicious. I asked myself, What else should I want? That’s when I got the feeling that the AfD just wants to use me, to play me up. And I said, ‘I don’t want to be a political tool. I don’t want to get pulled into an election campaign.’ ” He dropped his lawsuit and accepted the Senate’s offer. His only remaining goal is that, in the upcoming report, all the names of people involved in carrying out Kentler’s experiment be revealed. (Schweer said that he had been supporting Marco as a “private person,” not on behalf of the AfD. He also told me, “I have new ideas, but for [Marco] it’s over.”)

Marco and Emma were getting married at the end of the month, and he didn’t want to think about his past. “I just wanted to end the whole thing, to have this chapter closed,” he said. He planned to take Emma’s last name. He hadn’t spoken with his birth parents or his brother since he was ten, and now he would become nearly untraceable. He had tried to Google his brother once, but he considered the idea of a reunion to be a waste of emotional resources that he could devote to his children. “It wouldn’t bring me anything, anyway,” he said. “The period of being shaped by my mother is over.”

At the end of my visit, Marco’s wedding ring arrived in the mail. Emma shrieked with joy, but Marco held the ring in his hand dispassionately and joked that he had to marry eventually, so he might as well do it now. He disguised his obvious tenderness toward her with a show of indifference that Emma apparently knew not to take seriously. “These are just the deficits that I have,” he said, referring to the lack of emotion. “I’ll get through it. It doesn’t matter.”

Three weeks later, on the eve of his wedding, he e-mailed me. “In an hour around 10 a.m. we will drive to the registry office,” he wrote. “Symbolically, a new life begins.”

After leaving Henkel’s home, Marco had contact with him only two times. The first time, when Marco was in his mid-twenties, Henkel suddenly called. He appeared to have developed some sort of dementia. He asked if Marco had remembered to feed their rabbits.

The next time was in 2015, when Emma was pregnant with their first child. Marco drove to a clinic in Brandenburg where he’d heard that Henkel was in hospice, dying of cancer. Marco opened the door to Henkel’s room. He saw Henkel lying in bed, groaning in pain. He had a long, wizard-like beard and looked to Marco as if he were possessed. Marco gazed at him for less than five seconds, long enough to confirm that he was actually dying. Then he turned around, closed the door, and walked out of the hospital.

After Marco got home, the radio in his kitchen was playing, but he didn’t remember having turned it on. A singer repeated the phrase “I’m sorry.” He felt as if Henkel were trying to get in touch with him. “I became a little bit crazy,” he told me. “I thought Henkel was a ghost who was following me, haunting me. It was definitely him: he was trying to apologize.”

Henkel died the next day. Marco entered a state of grief so fluid and expansive that, for the first time, he cried over the death of his foster brother Marcel Kramer. He had lain in bed with Kramer for an hour after he died, holding a kind of vigil; then he cut off one of Kramer’s curls, so that he’d have something to remember him by. But he had never properly mourned him. Suddenly, “the blockage disappeared,” he said. He realized why he hadn’t left Henkel’s home when he turned eighteen. “I was bound to the family by Marcel Kramer,” he said. “I would have never left him behind.”

A few weeks after Henkel’s death, the sense of being haunted began to recede. “The freedom came slowly,” Marco told me. “It was like a hunger that grows stronger and stronger. I don’t know how to say it, but it was the first time that I figured out that I am living a life with a billion different possibilities. I could have been anything. My inner voice became stronger, my intuition that I don’t have to live my life the way he taught me, that I can keep going.” ♦
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Ich wollte den vorstehenden englischen Artikel von @Yanell ins Deutsche übersetzen. Beim Übersetzen hatte ich den Eindruck, dass der "Professor" Helmut Kentler, ein Mann der unsagbar viele Kinder missbrauchte um angeblich Forschung zu betreiben, in diesem Artikel möglicherweise positiv und schön geredet wird. Dieses Fragezeichen, bzw. meine Zweifel, war ausschlaggebend, dass ich die Übersetzung unterließ. So möge sich jeder selbst diesen Artikel übersetzen, wenn er mag. Vielleicht habe ich auch einen falschen Eindruck von diesem unendlich langen Artikel bekommen. Nichtsdestotrotz: Helmut Kentler ist für mich eine Reizfigur, die Kinder "sexuell befreien" wollte, dazu jedoch fürchterlichste Untersuchungen vornahm und Kinder damit quälte.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Widasedumi hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 05:39:39 ...Vielleicht habe ich auch einen falschen Eindruck von diesem unendlich langen Artikel bekommen. ...
Ja, Sie haben einen falschen Eindruck bekommen. Wie so oft denken Sie zu einfach strukturiert und können sich Vernetzungen schwer vorstellen.


Denn Kentler und die Strukturen werden in diesem Artikel gut aufgedeckt. Auch dass die AfD sich das Thema auf die Fahne geschrieben hat, wird als nicht akzeptierbar dargestellt, weil aber das Problem die bestehenden Strukturen sind, kann es nur von außen aufgedeckt werden. In diesem Fall bekommen wir Hilfe durch ausländische JournalistInnen
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 11:49:12 Ja, Sie haben einen falschen Eindruck bekommen. Wie so oft denken Sie zu einfach strukturiert und können sich Vernetzungen schwer vorstellen.
@Yanell

Ich hätte mich bedankt für deine nachträgliche Einordnung Kentlers aufgrund meines Beitrages. Da du dir aber angemaßt hast, mein Denken als "einfach strukturiert" zu denunzieren, lass ich den Dank bleiben, denn diese herabwürdigende Bemerkungen weist auf die Arroganz des Autors zurück.

Es zeugt außerdem nicht von einer differenziert strukturierten Denkfähigkeit, einfach einen ca. 60 000 Zeichen langen englischen Text aus einem englischen Magazin hier hereinzuklatschen, ohne in ein paar Sätzen zu schreiben, worum es geht. Ein differenziert denkender Mensch wäre in der Lage gewesen, sich die Seite der Rezipienten in einem deutschsprachigen Forum zu überlegen, und ihnen die Informationsaufnahme etwas zu erleichtern.

Stattdessen fiel dir nichts anderes als eine Denunzierung meines Denkens ein. Welch eine Anmaßung ! Welch eine Überheblichkeit !
Widasedumi
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Hier der mit Google übersetzte Text aus dem Post von Yanell » 14.02.2022, 19:17, auf zwei Beiträge verteilt,
weil in einem Beitrag die Zeichenmenge die 60 000 überschritt.
Das deutsche Experiment, das Pflegekinder mit Pädophilen
zusammenbrachte Mit Zustimmung der Regierung führte ein renommierter Sexologe ein gefährliches Programm durch. Wie konnte das passieren?
Von Rachel Aviv

19. Juli 2021
Kind
„Ich fand das, was passierte, nicht gut, aber ich fand es normal“, erinnerte sich eines der Pflegekinder. Illustration von Gérard DuBois


2017 stieß ein Deutscher namens Marco auf einen Artikel in einer Berliner Zeitung mit einem Foto eines Professors, den er aus seiner Kindheit kannte. Das erste, was ihm auffiel, waren die Lippen des Mannes. Sie waren dünn, fast nicht vorhanden, eine Eigenschaft, die Marco schon immer abstoßend gefunden hatte. Er war überrascht zu lesen, dass der Professor Helmut Kentler einer der einflussreichsten Sexologen Deutschlands gewesen sei. Der Artikel beschrieb einen neuen Forschungsbericht, der das sogenannte „Kentler-Experiment“ untersucht hatte. Seit Ende der sechziger Jahre hatte Kentler vernachlässigte Kinder in Pflegefamilien untergebracht, die von Pädophilen geführt wurden. Das Experiment wurde vom Berliner Senat genehmigt und finanziell unterstützt. In einem Bericht, der 1988 dem Senat vorgelegt wurde, hatte Kentler es als „vollen Erfolg“ bezeichnet.

Marco war in Pflegefamilien aufgewachsen, und sein Pflegevater hatte ihn häufig zu Kentler nach Hause gebracht. Jetzt war er vierunddreißig, Vater einer einjährigen Tochter, und ihre Mahlzeiten und Nickerchen bestimmten seine Tage. Nachdem er den Artikel gelesen hatte, sagte er: „Ich habe ihn einfach beiseite geschoben. Ich habe emotional nicht reagiert. Ich habe getan, was ich jeden Tag tue: eigentlich nichts. Ich saß vor dem Computer herum.“

Marco sieht aus wie ein Filmstar – er ist gebräunt, hat ein festes Kinn, dichtes dunkles Haar und ein langes, symmetrisches Gesicht. Als Erwachsener hat er nur einmal geweint. „Wenn jemand vor meinen Augen sterben würde, würde ich ihm natürlich helfen wollen, aber es würde mich emotional nicht berühren“, sagte er mir. „Ich habe eine Wand, und die Emotionen schlagen einfach dagegen.“ Er lebte mit seiner Freundin zusammen, einer Friseurin, aber sie sprachen nie über seine Kindheit. Er war arbeitslos. Einmal versuchte er, als Postbote zu arbeiten, gab aber nach ein paar Tagen auf, denn immer wenn ein Fremder einen Gesichtsausdruck machte, der ihn an seinen Pflegevater, einen Ingenieur namens Fritz Henkel, erinnerte, hatte er das Gefühl, nicht wirklich am Leben zu sein, dass sein Herz aufgehört hatte zu schlagen und dass die Farbe aus der Welt gewichen war. Als er versuchte zu sprechen, fühlte es sich an, als ob seine Stimme nicht ihm gehörte.

Mehrere Monate nachdem er den Artikel gelesen hatte, suchte Marco die Nummer von Teresa Nentwig, einer jungen Politikwissenschaftlerin am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen, die den Bericht über Kentler geschrieben hatte. Er war sowohl neugierig als auch beschämt. Als sie ans Telefon ging, gab er sich als „betroffene Person“ zu erkennen. Er erzählte ihr, dass sein Pflegevater jede Woche mit Kentler telefoniert habe. Auf eine Weise, die Marco nie verstanden hatte, schien Kentler, ein Psychologe und Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hannover, sehr an seiner Erziehung beteiligt zu sein.

Nentwig hatte angenommen, dass Kentlers Experiment in den siebziger Jahren endete. Aber Marco erzählte ihr, dass er bis 2003, als er einundzwanzig war, in seiner Pflegefamilie gelebt hatte. „Ich war total geschockt“, sagte sie. Sie erinnert sich, dass Marco mehrmals sagte: „Du bist die erste Person, der ich es erzählt habe – das ist das erste Mal, dass ich meine Geschichte erzähle.“ Als Kind hatte er es für selbstverständlich gehalten, dass die Art und Weise, wie er behandelt wurde, normal war. „Solche Dinge passieren“, sagte er sich. „Die Welt ist so: Fressen und gefressen werden.“ Aber jetzt sagte er: „Mir wurde klar, dass der Staat zugesehen hat.“

Ein paar Wochen später ruft Marco einen seiner Pflegebrüder an, den er Sven nennt. Sie hatten dreizehn Jahre lang zusammen in Henkels Haus gelebt. Er mochte Sven, fühlte sich ihm aber wenig verbunden. Sie hatten noch nie ein richtiges Gespräch geführt. Er sagte Sven, er habe erfahren, dass sie Teil eines Experiments gewesen seien. Doch Sven schien die Informationen nicht verarbeiten zu können. „Nach all den Jahren hatten wir uns das Denken abgewöhnt“, sagte Marco.

Als kleiner Junge gab Marco gerne vor, einer der Templer zu sein, ein Ritterorden, der Pilger ins Heilige Land beschützte. Er war ein lebhaftes Kind, das gelegentlich unbeaufsichtigt durch seine Berliner Nachbarschaft streifte. 1988 überquerte er mit fünf Jahren allein die Straße und wurde von einem Auto angefahren. Er wurde nicht schwer verletzt, aber der Unfall erregte die Aufmerksamkeit des Jugendamts Schöneberg, das von der Berliner Landesregierung betrieben wird. Sachbearbeiter im Büro stellten fest, dass Marcos Mutter „nicht in der Lage zu sein schien, ihm die notwendige emotionale Aufmerksamkeit zu schenken“. Sie arbeitete an einem Wurststand und hatte Mühe, ihre Elternschaft alleine zu bewältigen. Marcos Vater, ein palästinensischer Flüchtling, hatte sich von ihr scheiden lassen. Sie schickte Marco und seinen älteren Bruder in schmutziger Kleidung in den Kindergarten und ließ sie dort für elf Stunden. Sachbearbeiter empfahlen, Marco in einer Pflegefamilie mit „familiärer Atmosphäre“ unterzubringen. Einer beschrieb ihn als attraktiven Jungen, der wild, aber „sehr leicht zu beeinflussen“ sei.

Marco wurde bei Henkel eingeteilt, einem 47-jährigen alleinstehenden Mann, der sein Einkommen als Pflegevater durch die Reparatur von Musikboxen und anderer Elektronik aufbesserte. Marco war Henkels achter Pflegesohn in sechzehn Jahren. Als Henkel 1973 mit der Pflege von Kindern begann, bemerkte ein Lehrer, dass er „immer den Kontakt zu Jungen suchte“. Sechs Jahre später stellte ein Sachbearbeiter fest, dass Henkel offenbar in einer „homosexuellen Beziehung“ zu einem seiner Pflegesöhne stand. Als eine Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleitete, schaltete sich Helmut Kentler, der sich selbst „ständiger Berater“ von Henkel nannte, für Henkel ein – ein Muster, das sich in mehr als achthundert Seiten Fallakten über das Haus von Henkel wiederholt. Kentler war ein bekannter Gelehrter, Autor mehrerer Bücher über Sexualerziehung und Elternschaft, und er wurde oft in Deutschlands führenden Zeitungen und Fernsehprogrammen zitiert. Die Zeitung „Die Zeit“ hatte ihn als „die oberste Autorität der Nation in Fragen der Sexualaufklärung“ bezeichnet. Auf dem Briefkopf der Universität gab Kentler ein, wie er es nannte, „Gutachten“ ab, in dem er erklärte, Henkel durch ein „Forschungsprojekt“ kennengelernt zu haben. Er lobte Henkel für seine elterlichen Fähigkeiten und verunglimpfte einen Psychologen, der in die Privatsphäre seines Hauses eindrang und „wilde Interpretationen“ machte. Manchmal, schrieb Kentler, ist ein Flugzeug kein phallisches Symbol – es ist einfach ein Flugzeug. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden eingestellt.

Marco war beeindruckt von Henkels Wohnung. Es hatte fünf Schlafzimmer und lag im dritten Stock eines alten Gebäudes in einer der Haupteinkaufsstraßen von Friedenau, einem gehobenen Viertel, das bei Politikern und Schriftstellern beliebt ist. Dort lebten noch zwei weitere Pflegesöhne, ein sechzehnjähriger und ein vierundzwanzigjähriger, die beide nicht besonders freundlich zu Marco waren. Aber er war erfreut, im Flur einen Schrank zu entdecken, in dem sich ein Käfig mit zwei Kaninchen befand, mit denen er spielen und die er füttern konnte. In einem Bericht an das Jugendamt notiert Henkel, Marco sei „auf fast alles gespannt, was ihm geboten wird“.

Alle paar Monate fuhr Henkel mit seinen Pflegekindern fast 300 Kilometer zu Kentler nach Hannover, wo er lehrte. Die Besuche waren für Kentler eine Gelegenheit, die Kinder zu beobachten: „zu hören, was sie über ihre Vergangenheit sagen; ihre Träume und Ängste; ihre Wünsche und Hoffnungen zu kennen, zu sehen, wie sie sich entwickeln, wie sie sich fühlen“, schrieb Henkel. Auf einem Foto, das bei einem ihrer Besuche aufgenommen wurde, trägt Kentler ein weißes Hemd mit Knöpfen und einem Stift in der Tasche, und Marco sitzt neben ihm an einem Esszimmertisch und sieht gelangweilt und benommen aus


Marco lebte seit anderthalb Jahren bei Henkel, als Sven einzog. Die Polizei hatte ihn hepatitiskrank in einer U-Bahn-Station in Berlin gefunden. Er war sieben Jahre alt, bettelte um Geld und sagte, er sei aus Rumänien gekommen. Mit der Feststellung, dass Sven „wahrscheinlich noch nie eine positive Eltern-Kind-Beziehung erlebt“ habe, suchte das Jugendamt nach einer Pflegestelle in Berlin. "Herr. Henkel scheint für diese schwierige Aufgabe bestens geeignet zu sein“, schreiben Mediziner einer Klinik der Freien Universität Berlin.

Die beiden Jungen nahmen in ihrer neuen Familie unterschiedliche Rollen ein. Sven war der gute Sohn, fügsam und liebevoll. Marco war trotziger, aber wenn Henkel nachts in sein Zimmer kam und um Kuscheln bat oder auf ihn wartete, während er sich vor dem Zubettgehen die Zähne putzte, musste er sich fügen. „Ich habe es nur aus Loyalität akzeptiert, weil ich nichts anderes kannte“, sagte mir Marco. „Ich fand das, was passierte, nicht gut, aber ich fand es normal. Ich habe es mir ein bisschen wie Essen vorgestellt. Menschen haben unterschiedliche Vorlieben beim Essen, so wie manche Menschen unterschiedliche Vorlieben in der Sexualität haben.“ Wenn Svens Schlafzimmertür offen stand und er nicht da war, wusste Marco, was los war, aber die beiden Jungen sprachen nie darüber, was Henkel ihnen angetan hatte. „Das war ein absolutes Tabuthema“, sagte Marco.

Eines Nachts nahm Marco ein Messer aus der Küche und schlief damit unter seinem Kopfkissen. Als Henkel sich seinem Bett näherte und die Klinge entdeckte, zog er sich schnell zurück, rief Helmut Kentler an und übergab das Telefon dann Marco. „Hinter meiner Mauer steckt ein Teufel“, versuchte Marco zu erklären. Kentler hatte eine beruhigende, großväterliche Präsenz. Er versicherte Marco, dass es keine Teufel gebe, und Marco stimmte zu, das Messer abzugeben.

Mutter und Bruder von Marco durften ungefähr einmal im Monat zu Besuch kommen, aber Henkel sagte die Besuche oft in letzter Minute ab oder brach sie ab, weil sie störten. Danach urinierte Marco manchmal in sein Bett oder verlor in der Schule die Konzentration und schrieb Zahlen und Buchstaben rückwärts. „Es war, als wollte er sagen: Es hat keinen Sinn“, schrieb Henkel. Kentler warnte das Jugendamt, dass Marcos „Bildungserfolge durch ein paar Stunden bei seiner Mutter ruiniert werden“. Marcos Vater durfte ihn überhaupt nicht sehen, weil Henkel berichtete, Marco habe gesagt, sein Vater habe ihn geschlagen. Marco habe solche Angst vor seinem Vater, sagte Henkel, dass er „unter Angstphantasien litt, wenn er Menschen mit arabischem Aussehen auf der Straße bemerkte“.

Marcos Lehrer empfahlen ihm, einen Kindertherapeuten aufzusuchen, der sich zwei Stunden pro Woche mit ihm treffen sollte. Aber der Therapeut sagte, dass Henkel Marco „gefangen“ hielt – Henkel saß immer in der Nähe, in einem Nebenraum. Marco erinnert sich, dass er einmal, nachdem eine Sitzung begonnen hatte, ohne dass Henkel es merkte, in den Raum geplatzt war und dem Therapeuten ins Gesicht geschlagen hatte. Als ein Schulpsychologe Sven ebenfalls zur Beratung überwies, erlaubte Henkel ihm laut Aufzeichnungen keine psychologischen Tests. "Nicht mit mir!" er schrie. „Wenn ihr alle einen ‚Fall‘ aus [Sven] machen wollt, dann macht es ohne mich.“ (Sven wirkte verärgert über den Ausbruch und fragte Henkel: „Heißt das, Sie wollen mich verraten?“)

Kentler teilte dem Jugendamt in einem Schreiben mit, dass er, falls ein psychologisches Gutachten erforderlich sei, dieses durchführen werde. „Erkenntnisse, die über meine Erkenntnisse hinausgehen, sind nicht zu erwarten“, schrieb er. Er räumte ein, dass Henkel „harsch und verletzend“ wirken könne, aber „ich bitte Sie zu bedenken, dass ein Mann, der mit so schwer geschädigten Kindern umgeht, kein ‚einfacher Mensch' ist“, schrieb er in einem anderen Brief. „Was Herr Henkel von den Behörden braucht, ist Vertrauen und Schutz.“

Als Marco neun Jahre alt war, beantragte seine Mutter beim Bezirksrichter in Berlin, ihr zu erlauben, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Marcos Vater sagte dem Jugendamt, er könne nicht verstehen, warum Marco in einer „fremden Familie“ aufwächst, ohne arabische Bildung. Er erhob auch „massive Vorwürfe gegen das Verhalten des Pflegevaters“, schrieb ein Sachbearbeiter. Aber Marcos Mutter hatte eine Vereinbarung unterschrieben, dass sie sich „immer am Wohl meines Kindes orientieren“ würde, und das habe das Jugendamt so festgelegt.

Eine Anhörung fand im März 1992 statt, einen Monat bevor Marco zehn Jahre alt wurde. Der Richter bat um ein privates Gespräch mit Marco, aber Henkel stand direkt vor dem Raum und sagte: „Wenn Sie bedroht werden, rufen Sie!“ Marco klang wie gecoacht. Er sagte dem Richter, dass sein Pflegevater, den er Papa nannte, ihn liebte und seine leibliche Familie nicht. Als der Richter ihn fragte, ob er immer noch einen Besuch seiner Mutter wünsche, antwortete er: „Nicht oft.“ Er sagte, einmal im Jahr wäre besser und bestand darauf, dass „Papa da sein sollte“. Er erklärte, dass er Angst vor seinem leiblichen Vater habe, und jetzt, wo er bei Papa sei, habe er keine Angst mehr. „Nur manchmal nachts“, fügte er hinzu.

Nach der Anhörung schickte Kentler einen Brief an den Richter, in dem er sagte: „Zum Wohl des Kindes halte ich es für absolut notwendig, dass der Kontakt zur Herkunftsfamilie – einschließlich der Mutter – für die nächsten zwei Jahre vollständig ausgesetzt wird.“ Kentler betonte auch, dass Marco Distanz zu den Männern in seiner Familie brauche, weil sie mit schlechtem Beispiel vorangingen. Er sagte, dass sich Marcos Stimmung geändert habe, als er über seinen Vater sprach. Obwohl Kentler Marcos Vater nie getroffen hatte, charakterisierte er ihn als autoritär, missbräuchlich und machohaft. Er missbilligte auch Marcos fünfzehnjährigen Bruder, der zwei Meter groß war und zweihundertfünfundzwanzig Pfund wog. Der Junge „macht den (falschen) Eindruck von Stärke und Überlegenheit“, schrieb Kentler, und formte sich bereits nach dem Bild seines Vaters; er war „süchtig danach, der große Mann zu sein“.

Kentlers Karriere war geprägt von seinem Glauben an den Schaden, den dominante Väter anrichten. Eine frühe Erinnerung war, an einem Frühlingstag im Wald spazieren zu gehen und zu rennen, um mit seinem Vater Schritt zu halten. „Ich hatte nur einen Wunsch: dass er meine Hand nehme und in seine halte“, schrieb Kentler 1983 in einer Elternzeitschrift. “, wie Kentler es ausdrückte. Kentlers Eltern folgten den Lehren von Daniel Gottlob Moritz Schreber, einem deutschen Bestsellerautor für Kinderbetreuung, der als „spiritueller Vorläufer des Nationalsozialismus“ beschrieben wurde. Schreber skizzierte Prinzipien der Kindererziehung, die eine stärkere Männerrasse schaffen und sie von Feigheit, Faulheit und unerwünschten Zurschaustellungen von Verletzlichkeit und Begierde befreien würden. „Unterdrücke alles im Kind“, schrieb Schreber 1858. „Emotionen müssen sofort in ihrem Samen erstickt werden.“ Als Kentler sich schlecht benahm, drohte sein Vater, eine von Schreber erfundene Vorrichtung zu kaufen, um die Körperhaltung und Compliance von Kindern zu fördern: Schulterbänder, um ein Herabhängen zu verhindern; ein Gürtel, der ihre Brust festhielt, während sie schliefen; eine Eisenstange, die an ihr Schlüsselbein gedrückt wurde, damit sie aufrecht am Tisch sitzen konnten. Wenn Kentler unangebracht redete, schlug sein Vater mit der Faust auf den Tisch und rief: „Wenn der Vater redet, müssen die Kinder schweigen!“

Kentler war während der Kristallnacht 1938 zehn Jahre alt, als Nazi-Sturmtruppen jüdische Tempel, Geschäfte und Häuser überfielen. Kentlers Familie lebte in Düsseldorf, und Kentler wurde durch das Geräusch von zersplitterndem Glas geweckt. Er kam aus seinem Schlafzimmer und sah seinen Vater im Nachthemd mit dem Telefon in der Hand. „Mein Vater forderte mit seiner lauten, dominanten Stimme einen Polizeieinsatz, weil jemand in unser Gebäude eingebrochen war“, schrieb Kentler 1989 in „Borrowed Fathers, Children Need Fathers“, einem Buch über Elternschaft. „Es war ein längeres Gespräch, in dem mein Vater immer stiller wurde und schließlich schüchtern den Hörer auflegte, wie zusammengebrochen dastand und leise zu meiner Mutter sagte, die schon länger neben ihm stand: ‚Die „Gehen den Juden nach!“ ”

Kurz darauf klingelte es an der Haustür. Vor der Tür stand eine jüdische Familie – Mutter, Vater und drei Kinder –, die in der unteren Wohnung wohnte. Ihre Wohnung war zerstört worden, und sie fragten, ob sie bei den Kentlers übernachten könnten. „Nein, das wird hier wirklich nicht möglich sein“, sagte Kentlers Vater. Er schloss die Tür. Kentler sah, wie das Nachthemd seines Vaters knapp über sein Knie kletterte und seine weichen, nackten Beine entblößte. „Mein ganzer Vater erschien mir plötzlich lächerlich“, schrieb er.

Kurz darauf wurde Kentlers Vater in den aktiven Dienst zurückgerufen. Er stieg in den Rang eines Obersten auf und zog mit seiner Familie nach Berlin, wo er beim Oberkommando der Armee von Nazi-Deutschland arbeitete. „Die Autorität meines Vaters basierte nie auf seiner eigenen Leistung, sondern auf den großen Institutionen, in die er sich einschlich, die auf ihn abfärbten“, schrieb Kentler. Er war siebzehn, als die Nazis besiegt wurden und sein Vater nach Hause kam, „ein gebrochener Mann“, schrieb Kentler. „Ich habe ihm nie wieder gehorcht und fühlte mich furchtbar allein.“

Die Nachkriegsjahre in Westdeutschland waren geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit sexuellem Anstand, als könne Anstand die moralische Krise der Nation lösen und von Schuldgefühlen reinigen. „Die eigenen Nachkommen haben für Auschwitz Buße getan“, schrieb der deutsche Dichter Olav Münzberg, „wobei ihnen Ethik und Moral gewaltsam eingezwängt wurden.“ Die Fortpflanzungsrechte von Frauen wurden stark eingeschränkt, und die Überwachung homosexueller Begegnungen, ein Markenzeichen des Nationalsozialismus, bestand fort; In den zwei Jahrzehnten nach dem Krieg wurden etwa hunderttausend Männer wegen dieses Verbrechens angeklagt. Kentler fühlte sich von Männern angezogen und hatte das Gefühl, „immer ein Bein im Gefängnis zu haben“, wegen der Risiken, die mit der Erfüllung seiner Wünsche verbunden waren. Trost fand er in dem Buch „Corydon“ von André Gide, einer Reihe sokratischer Dialoge über die Natürlichkeit queerer Liebe. „Dieses Buch hat mir die Angst genommen, ein Versager zu sein und abgelehnt zu werden, eine negative biologische Variante zu sein“, schrieb er 1985 in einem Aufsatz mit dem Titel „Unsere Homosexualität“. Aber nichts konnte getan werden, um seine Beziehung zu seinen Eltern zu verbessern. „Sie liebten mich nicht mehr“, schrieb er.

1960 erwarb Kentler einen Abschluss in Psychologie, einem Fachgebiet, das es ihm ermöglichte, „ein Ingenieur im Bereich der . . . manipulierbare Seele“, sagte er bei einem Vortrag. Er engagierte sich in der Studentenbewegung und bei einem Treffen des Republican Club, einer von linken Intellektuellen gegründeten Gruppe, gab er sich erstmals öffentlich als schwul zu. Nicht lange danach, schrieb er, beschloss er, „meine Leidenschaften zum Beruf zu machen (was auch gut für die Leidenschaften ist: sie werden kontrolliert)“. Er promovierte in Sozialpädagogik an der Universität Hannover und veröffentlichte 1975 seine Dissertation, einen Ratgeber mit dem Titel „Eltern lernen Sexualaufklärung“. war wesentlich für den Aufbau einer neuen Art von Gesellschaft. Kentlers Dissertation forderte Eltern auf, ihren Kindern beizubringen, dass sie sich ihrer Wünsche niemals schämen sollten. „Wenn die ersten Schamgefühle erst einmal da sind, vermehren sie sich leicht und breiten sich in alle Lebensbereiche aus“, schrieb er.

Wie viele seiner Zeitgenossen kam Kentler zu der Überzeugung, dass sexuelle Unterdrückung der Schlüssel zum Verständnis des faschistischen Bewusstseins sei. 1977 veröffentlichte der Soziologe Klaus Theweleit „Männerfantasien“, ein zweibändiges Buch, das sich auf die Tagebücher deutscher paramilitärischer Kämpfer stützte und zu dem Schluss kam, dass ihre gehemmten Triebe – zusammen mit der Angst vor allem Klebrigen, Schwallenden oder Gestank – kanalisiert worden waren in ein neues Ventil: Zerstörung. Als Kentler „Männerfantasien“ las, konnte er Schreber, den Kinderpflegeautor, dessen Prinzipien seine Eltern gefolgt waren, „überall am Werk“ sehen, schrieb er. Kentler argumentierte, dass Ideen wie die von Schreber (er wurde so viel gelesen, dass ein Buch vierzig Auflagen erlebte) drei Generationen von Deutschen vergiftet und „autoritäre Persönlichkeiten geschaffen haben, die sich mit einem ‚großen Mann‘ um sie herum identifizieren müssen, um sich selbst großartig zu fühlen. „ Kentlers Ziel war es, eine Erziehungsphilosophie für einen neuen deutschen Mann zu entwickeln. Sexuelle Befreiung, schrieb er, sei der beste Weg, „ein weiteres Auschwitz zu verhindern“.

Die Prozesse gegen zweiundzwanzig ehemalige Auschwitz-Offiziere hatten einen gemeinsamen Persönlichkeitstyp offenbart: gewöhnlich, konservativ, sexuell gehemmt und mit bürgerlicher Moral beschäftigt. „Ich denke, dass Auschwitz in einer Gesellschaft, die freier in Bezug auf Sexualität war, nicht hätte passieren können“, sagte der deutsche Rechtswissenschaftler Herbert Jäger. Sexuelle Emanzipation war ein wesentlicher Bestandteil der Studentenbewegungen in ganz Westeuropa, aber die Appelle waren in Deutschland lauter, wo die Erinnerung an den Völkermord untrennbar – wenn auch nicht ganz richtig – mit sexueller Rechtschaffenheit verbunden war. In „Sex nach dem Faschismus“ beschreibt die Historikerin Dagmar Herzog, wie Konflikte um sexuelle Sitten in Deutschland zu „einem wichtigen Ort der Verwaltung der Erinnerung an den Nationalsozialismus“ wurden. Aber, fügt sie hinzu,

Plötzlich schien es, als ob alle Beziehungsstrukturen neu konfiguriert werden könnten – und müssten – wenn es überhaupt Hoffnung gäbe, eine Generation hervorzubringen, die weniger geschädigt ist als die vorherige. In den späten sechziger Jahren begannen Erzieherinnen und Erzieher in mehr als dreißig deutschen Städten, experimentelle Kindertagesstätten einzurichten, in denen Kinder ermutigt wurden, nackt zu sein und den Körper des anderen zu erforschen. „Es steht außer Frage, dass sie (in einer verzweifelten Art von neo-rousseauianischem autoritären Antiautoritarismus) versuchten, die deutsch-menschliche Natur neu zu gestalten“, schreibt Herzog. Kentler mischte sich in eine Bewegung ein, die dringend daran arbeitete, das sexuelle Erbe des Faschismus rückgängig zu machen, aber darum kämpfte, zwischen verschiedenen Tabus zu unterscheiden. 1976 argumentierte die Zeitschrift Das Blatt, dass verbotenes sexuelles Verlangen, wie das für Kinder, sei das „revolutionäre Ereignis, das unseren Alltag auf den Kopf stellt, das Gefühle aufbrechen lässt und das die Grundlagen unseres Denkens erschüttert“. Einige Jahre später versuchten die neu gegründeten Grünen in Deutschland, die Antikriegsdemonstranten, Umweltaktivisten und Veteranen der Studentenbewegung zusammenbrachten, gegen die „Unterdrückung der Sexualität von Kindern“ vorzugehen. Mitglieder der Partei befürworteten die Abschaffung des Einwilligungsalters für Sex zwischen Kindern und Erwachsenen.

In diesem Klima – ein Psychoanalytiker beschrieb es als eines der „Verleugnung und manischen ‚Selbstwiedergutmachung‘“ – war Kentler ein Star. Er wurde gebeten, die Abteilung für Sozialpädagogik am Pädagogischen Zentrum zu leiten, einem internationalen Forschungsinstitut in Berlin, in dessen Planungsausschuss Willy Brandt, der Bundeskanzler wurde (und den Friedensnobelpreis erhielt), und James B. Conant, der erster US-Botschafter in Westdeutschland und Präsident von Harvard. Das vom Berliner Senat finanzierte und beaufsichtigte Zentrum wurde 1965 gegründet, um Berlin zu einem internationalen Vorreiter bei der Reform der Bildungspraxis zu machen. Kentler befasste sich mit dem Problem von Ausreißern, Heroinsüchtigen und jungen Prostituierten, von denen sich viele in den Torbögen des Bahnhofs Zoo, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Westberlins, versammelten. Dem Milieu wurde in „Christiane F.,

Kentler freundete sich mit einem Dreizehnjährigen namens Ulrich an, den er als „eine der gefragtesten Prostituierten in der Bahnhofsszene“ bezeichnete. Als Kentler Ulrich fragte, wo er über Nacht bleiben wolle, erzählte Ulrich ihm von einem Mann, den er Mutter Winter nannte, der Jungen vom Bahnhof Zoo fütterte und ihre Wäsche wusch. Im Gegenzug schliefen sie mit ihm. „Ich sagte mir: Wenn die Prostituierten diesen Mann ‚Mutter‘ nennen, kann er nicht schlecht sein“, schrieb Kentler. Später bemerkte er, dass „Ulrichs Vorteil darin bestand, dass er gut aussah und Sex genoss; damit er pädophilen Männern, die sich um ihn kümmerten, etwas zurückgeben konnte.“

Kentler formalisierte Ulrichs Arrangement. „Ich habe es geschafft, den zuständigen Senatsbeamten dazu zu bringen, es zu genehmigen“, schrieb er in „Geborgte Väter, Kinder brauchen Väter“. Kentler fand mehrere andere Pädophile, die in der Nähe lebten, und er half ihnen auch beim Aufbau von Pflegeheimen. Der Berliner Senat, der die Stadt – eines von sechzehn Bundesländern – regiert, war damals bestrebt, neue Lösungen für die „Lebensprobleme unserer Gesellschaft“ zu finden, um „den Ruf Berlins als Außenposten zu festigen und aufrechtzuerhalten Freiheit und Menschlichkeit“, schrieb Kentler.

1981 wurde Kentler in den Deutschen Bundestag eingeladen, um darüber zu sprechen, warum Homosexualität entkriminalisiert werden sollte – es geschah dreizehn weitere Jahre lang nicht –, aber er verirrte sich unaufgefordert in eine Diskussion über sein Experiment. „Wir haben diese Beziehungen sehr intensiv betreut und beraten“, sagte er. Er hielt Rücksprache mit den Pflegevätern und ihren Söhnen, von denen viele so vernachlässigt worden waren, dass sie weder lesen noch schreiben gelernt hatten. „Diese Leute haben diese schwachsinnigen Jungs nur ertragen, weil sie in sie verliebt waren“, sagte er den Gesetzgebern. Seine Zusammenfassung schien keine Bedenken hervorzurufen. Vielleicht waren die Politiker empfänglich, weil das Projekt das Gegenteil der NS-Reproduktionsexperimente mit ihrer starren Betonung der Fortpflanzung bestimmter Familienformen zu sein schien, oder vielleicht waren sie unbesorgt, weil ihrer Meinung nach die Jungen waren bereits verloren. In den sechziger und siebziger Jahren interessierte sich plötzlich die politische Elite für die Unterschicht, aber ihre Identifikationsfähigkeit war offenbar begrenzt.

Wenn es jemals Akten in den Archiven der Stadt gab, die dokumentierten, wie Kentlers Projekt genehmigt wurde – oder wie genau er die Männer ausfindig machte, die als Pflegeväter dienten –, sind sie verloren gegangen oder zerstört worden. Als Kentler sein Experiment öffentlich diskutierte, bot er Details zu nur drei Pflegeheimen an. Doch in einem vom Berliner Senat in Auftrag gegebenen Gutachten aus dem Jahr 2020 kamen Wissenschaftler der Universität Hildesheim zu dem Schluss, dass „der Senat auch in anderen Teilen der Bundesrepublik Deutschland Pflegeheime oder Wohngemeinschaften für junge Berliner mit pädophilen Männern unterhielt“. Der achtundfünfzigseitige Bericht war vorläufig und vage; Die Autoren sagten, dass sich im Keller eines Regierungsgebäudes etwa tausend unsortierte Akten befanden, die sie nicht lesen konnten. Es wurden keine Namen bekannt gegeben, aber die Autoren schrieben, dass „diese Pflegeheime von manchmal mächtigen Männern geführt wurden, die allein lebten und denen diese Macht von der Wissenschaft, Forschungseinrichtungen und anderen pädagogischen Umgebungen verliehen wurde, die pädophile Haltungen akzeptierten, unterstützten oder sogar lebten.“ Der Bericht kam zu dem Schluss, dass einige „Senatsakteure“ „Teil dieses Netzwerks“ gewesen seien, während andere die Pflegeheime lediglich geduldet hätten, „weil ‚Ikonen‘ der Bildungsreformpolitik solche Arrangements unterstützten“.

Marco erinnert sich, dass Kentler und sein Pflegevater stundenlang über Politik telefoniert haben. Die Intensität ihrer Gespräche überraschte ihn, denn Henkel war zu Hause lakonisch und sprach selten in ganzen Sätzen. Auch Marco und Sven sprachen nicht miteinander. Marco verbrachte seine gesamte Freizeit in seinem Zimmer an einem Amiga-Computer und spielte SimCity und Mega-Lo-Mania. Beide Jungen hielten ihre Türen geschlossen. Einmal, als die Nachbarn laute Musik spielten und die Stille in ihrer Wohnung brachen, sagte Henkel den Jungen, er wolle Löcher in zwei Mikrowellenherde bohren und dann die radioaktiven Wellen genau im richtigen Winkel aufeinander richten, um die Nachbarn zu treffen ein Herzinfarkt.

Marcos Mutter verlor ihr Plädoyer für mehr Zugang zu ihrem Sohn. Besuche im Jugendamt durfte sie noch alle paar Wochen machen, aber die Treffen liefen immer schlechter. Beim ersten Besuch nach der Gerichtsverhandlung sagte Marco seiner Mutter, dass er sie nicht sehen wolle, weil sie sich mit seinem Pflegevater nicht verstehe. „Während er das sagte, nahm er keinen Augenkontakt mit seiner Mutter auf“, schrieb ein Sozialarbeiter. Beim nächsten Besuch, drei Wochen später, weigerte er sich, das Geschenk seiner Mutter – Stifte und einen Block – anzunehmen oder ihre Fragen zu beantworten. Er bat wiederholt darum, gehen zu dürfen, bis seine Mutter widerwillig zustimmte. Sie sei „sichtlich erschüttert und habe geweint“, schrieb die Sozialarbeiterin. „Sie weiß nicht mehr, was sie tun soll.“ Am nächsten Tag rief Henkel beim Jugendamt an und sagte, er werde Marco dabei unterstützen, „seine Ablehnung seiner Mutter zu demonstrieren“.

Anderthalb Jahre später teilte Marcos Vater dem Jugendamt mit, dass er nach Syrien ziehe und sich von seinem Sohn verabschieden wolle. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass jemand geantwortet hat. Marcos Meinung über seine Eltern wurde überlagert von den Beleidigungen, die er von Henkel und Kentler gehört hatte. Er stellte sich seine Mutter als faule Frau vor, die ihre Tage damit verbrachte, Würstchen zu essen, seinen Vater als gewalttätigen Patriarchen. Erst zwei Jahrzehnte später begriff er, dass seine Eltern um eine Beziehung mit ihm gekämpft hatten.

An manchen Abenden, wenn Marco mit Sven und Henkel zu Abend aß, hatte er das Gefühl, unter Fremden zu sein. "Wer seit ihr Leute?" fragte er einmal. Henkel antwortete: „Ich bin’s – dein Vater.“

Als Marco elf Jahre alt war, zog ein neuer Pflegesohn ein, Marcel Kramer. Kramer war ein kleiner Junge mit Grübchen, schiefen Zähnen und einem süßen, offenen Lächeln. Er war ein halbes Jahr jünger als Marco und hatte eine spastische Quadriplegie, eine angeborene Erkrankung, die es ihm unmöglich machte, alleine zu gehen, zu sprechen oder zu essen. Marco und Sven wurden Kramers Hausmeister, fütterten ihn mit einem Löffel mit Milch mit Erdbeergeschmack und entfernten mit einem Saugschlauch Schleim aus seiner Lunge. Als sie zu Henkels Haus in Brandenburg, westlich von Berlin, gingen, schubste Marco Kramer stundenlang auf einer Reifenschaukel. Kramer war der erste Mensch seit Jahren, für den Marco Liebe empfunden hatte.

In der Schule hatte Marco keine engen Beziehungen. Henkel ermutigte ihn zu Fehlverhalten und belohnte ihn mit Computerspielen, wenn er spuckte, außer der Reihe sprach oder Stühle umwarf. Er schwänzte den Unterricht und machte selten seine Hausaufgaben. Sieben Mal wechselte er schließlich die Schule, was, wie er heute glaubt, Henkels Plan war.

Jahrelang hat Marco Henkel toleriert, aber als er in die Pubertät kam, sagte er: „Ich fing an, ihn zu hassen.“ Jeden Tag verbrachte er eine Stunde damit, Gewichte zu heben, um stark genug zu sein, sich zu verteidigen. Eines Nachts, als Henkel versuchte, ihn zu streicheln, schlug Marco ihm auf die Hand. Henkel schien erschrocken, sagte aber nichts. Er ging einfach weg.

Henkel hörte auf, Marco sexuell zu belästigen, aber er wurde strafbar. Nachts schloss er die Küchentür ab, damit Marco nicht essen konnte. („Seine Gier beim Essen war spürbar“, schrieb Henkel einmal.) Auch Marco schlug er. „Los, lass Dampf ab“, sagte Marco manchmal und höhnte Henkel. „Er sagte, er würde mich nicht schlagen – er würde den Teufel in mir schlagen“, erzählte mir Marco.

Als Marco 18 Jahre alt wurde, stand es ihm frei, das Haus von Henkel zu verlassen, aber er kam nicht auf die Idee, auszuziehen. „Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber ich wurde nie dazu erzogen, kritisch über irgendetwas nachzudenken“, sagte er. „Ich hatte einen leeren Kopf.“

Eines Tages erkrankte Kramer an der Grippe. Im Laufe von achtundvierzig Stunden wurde sein Atem immer schwerer. Jahrelang hatte Marco jede Nacht mehrmals nach Kramer geguckt, um sicherzugehen, dass er atmete. Jetzt war er so besorgt, dass er neben ihm im Bett lag. Henkel hatte sich immer dagegen gewehrt, Ärzte für die Jungen zu rufen. Als er nachgab, konnte Kramer nicht wiederbelebt werden. „Es ist vor meinen Augen passiert“, sagte Marco. „Ich habe ihm in die Augen gesehen, als er starb.“

Die Pflegeunterlagen enthalten nur eine kurze Notiz, die Kramers Tod dokumentiert. „Anruf von Herrn Henkel, der sagt, dass Marcel gestern Abend unerwartet gestorben ist“, schrieb ein Mitarbeiter des Jugendamts im September 2001. „Zuvor gab es keine Anzeichen einer Infektion.“ Eine spätere Notiz besagt, dass Henkel, der sechzig Jahre alt war, ein weiteres Kind aufnehmen wollte.

Nach Teresa Nentwigs Gutachten über Kentler plante sie 2016 ihre Habilitation über Kentlers Leben und Werk, eine Voraussetzung für eine wissenschaftliche Laufbahn. Aber es gab viele Rückschläge. Relevante Akten im Berliner Stadtarchiv fehlten, waren unsortiert oder versiegelt. Freunde und Kollegen des 2008 verstorbenen Kentler sagten Nentwig, sie wollten nicht reden. „Einige sagten, Kentler sei ein sehr guter Mann und er habe nur Gutes getan“, erzählte mir Nentwig.

Nentwig macht den Eindruck, ein methodischer und undramatischer Gelehrter zu sein, der Typ, der keine Frist versäumt. Als wir uns im Sommer 2020 zum ersten Mal sprachen, sagte sie zu mir: „Ich habe keine Zukunft an der Universität, weil es sehr schwierig ist, in diesem Fach erfolgreich zu sein. Ich kritisiere die akademische Welt.“ Ich nahm an, dass sie sich, wie es ehrgeizige Menschen tun, durch die Angst vor Worst-Case-Szenarien motivierte. Aber als ich das nächste Mal mit ihr sprach, in diesem Frühjahr, hatte sie einen Job bei einem Landesamt für Verfassungsschutz angenommen, einem deutschen Geheimdienst, der antidemokratische Bedrohungen überwacht. Ihr Universitätsvertrag war nicht verlängert worden, und das vorzeitige Ende ihrer akademischen Laufbahn machte sie teilweise mit ihrer Entscheidung, Kentler zu erforschen, verantwortlich. „Ich bin Politikwissenschaftlerin“, sagte sie, „und die Leute haben immer gefragt, „Was ist an diesem Thema politisch?“ ”

Nentwig und ihre ehemalige Universität teilen sich nun die Kosten von etwa sechstausend Euro für die Veröffentlichung ihrer Doktorarbeit in einem deutschen Fachverlag. In dem im September erscheinenden Buch enthüllt sie, dass Kentler, der alleinerziehende Vater von drei Adoptivsöhnen und mehreren Pflegekindern, anscheinend seine eigene, informelle Version des vom Berliner Senat genehmigten Experiments durchführt. Karin Désirat, die Co-Autorin des Buches „Sex – Lust und Leben“, erzählte Nentwig, dass zwei von Kentlers Pflegesöhnen zur Therapie zu ihr gekommen seien und preisgegeben hätten, dass Kentler sie sexuell missbraucht habe. Désirat „hatte Kentler viel zu verdanken“, sagte sie – er hatte ihr geholfen, ihre erste Lehrstelle zu bekommen – und sie wollte sich nicht einmischen. Sie verwies die Jungen an einen anderen Therapeuten. Die Jungs zogen es vor, ihren Missbrauch privat zu halten, sagte sie. weil sie „das Positive von Kentlers Fürsorge nicht verlieren wollten – dass sie genug zu essen hatten und dass man sich um sie kümmerte und solche Dinge.“ Kentlers Experiment schien auf der Idee zu beruhen, dass einige Kinder grundsätzlich zweitklassig sind, ihre Einstellung so beeinträchtigt, dass jede Art von Liebe ein Geschenk ist, eine Annahme, die seine Kollegen anscheinend auch akzeptierten. (Désirat sagte, dass sie schließlich den Kontakt zu Kentler abbrach und zu dem Schluss kam, dass sein Verhalten „gruselig“ gewesen sei.)

Gunter Schmidt, ein ehemaliger Präsident der International Academy of Sex Research, die die führenden Forscher auf diesem Gebiet anzieht, war mehr als zwanzig Jahre mit Kentler befreundet. „Ich hatte ehrlich Respekt davor“, sagte er Nentwig über das Experiment. „Weil ich dachte, das sind wirklich junge Leute, die in der schlimmsten Situation sind. Sie haben wahrscheinlich eine lange Geschichte zu Hause, sie hatten eine elende Kindheit und jemand kümmert sich um sie. Und wenn Kentler dabei ist, ist alles in Ordnung.“ Er fügte hinzu: „Und der Berliner Senat ist auch dabei.“ Als Kentler siebenundfünfzig Jahre alt war, schrieb er Schmidt einen Brief, in dem er erklärte, warum er glücklich alterte, anstatt einsam und resigniert zu werden: Er und sein sechsundzwanzigjähriger Sohn seien „Teil einer sehr erfüllenden Liebesgeschichte“, die andauere dreizehn Jahre und fühlte sich immer noch frisch. Um seinen Geisteszustand zu verstehen, schrieb Kentler:
Fortsetzung folgt
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Teil II des übersetzten (Google) Posts von Yanell » 14.02.2022, 19:17
Während eines Großteils seiner Karriere sprach Kentler von Pädophilen als Wohltätern. Sie boten 1980 vernachlässigten Kindern „eine Therapiemöglichkeit“, sagte er dem Spiegel Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass Kinder durch sexuelle Kontakte mit Betreuern geschädigt werden, solange die Interaktion nicht „erzwungen“ wurde. Die Folgen können „sehr positiv sein, besonders wenn die sexuelle Beziehung als gegenseitige Liebe charakterisiert werden kann“, schrieb er.

Doch 1991 schien er seine Meinung zu überdenken, nachdem sein jüngster Adoptivsohn, den er in dem Brief an Schmidt gelobt hatte, Selbstmord begangen hatte. Dann las er den Aufsatz „Zungenverwirrung zwischen Erwachsenen und Kind (Die Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft)“ von Sándor Ferenczi, einem ungarischen Psychoanalytiker und Freud-Schüler. Das Papier beschreibt, wie sexualisierte Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern immer asymmetrisch, ausbeuterisch und destruktiv sind. Ferenczi warnt davor, Kindern „mehr Liebe oder Liebe anderer Art“ zu geben, als sie erstreben, „wird genauso krankmachende Folgen haben, wie ihnen die Liebe zu verweigern“. Die „Persönlichkeit der Kinder ist nicht ausreichend gefestigt, um protestieren zu können“, schreibt er. Sie werden sich „wie Automaten unterordnen.

In einem Interview mit einem deutschen Historiker sprach Kentler 1992 über seine Trauer um seinen Adoptivsohn und sagte: „Leider habe ich den Ferenczi-Aufsatz erst nach seinem Tod gelesen.“ Er gestand nicht, seinen Sohn missbraucht zu haben; Stattdessen sagte er, dass der Junge von seiner leiblichen Mutter sexuell missbraucht worden sei. „Deshalb hat er sich erhängt“, sagte er dem Historiker. “Ich habe es auf die größte Art und Weise erlebt, auf sehr nahe Weise, und sicherlich bin ich teilweise schuld.” Er bedauerte, dass er bis zum Ferenczi-Papier nichts über die emotionalen Folgen des sexuellen Missbrauchs gelesen und nicht gewusst habe, wie er seinem Sohn helfen könnte, das Trauma zu verarbeiten. Er verstand nicht, dass sich ein Kind, das sich von sexuellem Missbrauch erholt, gespalten fühlt, wie Ferenczi es beschreibt: Er ist „unschuldig und schuldhaft zugleich – und sein Vertrauen in die Aussage seiner eigenen Sinne ist gebrochen.“ „Ich war zu dumm,

In den späten neunziger Jahren hatte Kentler aufgehört, Henkels Pflegesöhne zu sehen oder sich an ihrer Erziehung zu beteiligen. In seiner wahrscheinlich letzten aufgezeichneten öffentlichen Erklärung über Pädophilie in einem Interview im Jahr 1999 bezeichnete er sie als „sexuelle Störung“ und spielte auf die Unmöglichkeit an, dass ein Erwachsener und ein Kind ein gemeinsames Verständnis von sexuellem Kontakt haben. Das Problem, sagte er, sei, dass der Erwachsene immer „das Definitionsmonopol“ haben werde.

Als ich im Sommer 2020 anfing, mit Marco zu korrespondieren, wurde unsere Kommunikation von einem Mann namens Christoph Schweer vermittelt, der sich selbst als Marcos „Freund“ bezeichnete. Anfangs nahm ich an, dass er Marcos Anwalt war. Dann habe ich online nach ihm gesucht und gesehen, dass er einen Ph.D. in Philosophie, Veröffentlichung einer Dissertation mit dem Titel „Heimweh, Helden, Fröhlichkeit: Nietzsches Weg zum Superhelden“. Er arbeitete für die Alternative für Deutschland (AfD), Deutschlands rechte Partei, als Referent für Bildungs- und Kulturpolitik. Die Partei wurde kürzlich vom deutschen Inlandsgeheimdienst wegen Untergrabung der Demokratie untersucht, indem sie unter anderem die Verbrechen der Nazis verharmloste. Der Co-Vorsitzende der Partei hat die NS-Zeit als „nur ein Vogelkot in mehr als 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnet.

Letzten August trafen sich Marco, Schweer und Thomas Rogers, ein Berliner Journalist, der auch als Übersetzer arbeitet, in einem Hotel neben dem internationalen Berliner Flughafen, der einzige Ort, der uns einfallen würde, wäre ausreichend privat. Ich habe mit ihnen über Zoom gesprochen. Marco und Schweer saßen auf Stühlen neben dem Bett, und sie schienen kein besonders vertrautes Verhältnis zu haben. Marco trug ein geblümtes Hawaiihemd mit Knöpfen und hatte sich seit ein paar Tagen nicht rasiert. Schweer, gekleidet für das Büro, hatte eine steife, sachliche Art. Wie ein Agent, der seinem prominenten Kunden hilft, schien er von unserem Gespräch ein wenig gelangweilt zu sein, mischte sich aber gelegentlich ein und veranlasste Marco, denkwürdige Details zu teilen.

„Als Sie ihn zum ersten Mal sahen, dachten Sie, was für ein schiefes Maul er hat“, sagte Schweer mit Blick auf Henkel.

„Er hatte keine Lippen“, stellte Marco klar. Er erklärte, dass auch Kentler diese Eigenschaft habe. Schweer demonstrierte, indem er seinen Mund zusammenpresste, sodass nur noch ein Splitter seiner Unter- und Oberlippe zu sehen war.

„Kennst du Leute, die keine Lippen haben?“ sagte Marco. „Sie sind immer egoistisch und gemein – das ist mir aufgefallen.“

Schweer kontaktierte Marco erstmals Anfang 2018, nachdem er im Spiegel einen Artikel über Kentlers Experiment gelesen hatte, in dem Marco sagte, er sei vom Berliner Senat im Stich gelassen worden. Nach der Veröffentlichung von Nentwigs Bericht schrieb Marco an den Senat und bat um weitere Informationen darüber, was mit ihm passiert war, aber er hatte das Gefühl, dass der Senat nicht ausreichend reagierte.

Schweer habe „Hilfe von der AfD angeboten“, sagte mir Marco. „Ich habe sofort gesagt: ‚Nicht aus politischen Gründen, sondern weil ich Hilfe will.' ”

Aus Sicht eines AfD-Politikers war Marcos Lebensgeschichte zielführend, eine Geschichte darüber, wie die deutsche Linke die Sexualpolitik falsch verstanden hatte. Mitglieder der AfD (die bei der letzten Bundestagswahl mit mehr als zwölf Prozent der Stimmen zur drittstärksten Partei Deutschlands aufstieg) mobilisierten sich in Bundestagssitzungen um den Fall Kentler, um linke Politiker dazu zu zwingen die Geschichte ansprechen, die kein gutes Licht auf ihre Parteien geworfen hat, aber auch als kaum verkleidetes Vehikel, um Homosexualität anzufechten. Eine der AfD nahestehende Interessenvertretung veranstaltete Kundgebungen „Stoppt Kentlers Sexualaufklärung“, um gegen den derzeitigen Sexualunterricht an deutschen Schulen zu protestieren. „Kentlers krimineller pädophiler Geist lebt in der heutigen Sexualerziehung ungebrochen weiter“, heißt es in einer von der Organisation gedruckten Broschüre.

Die Geschichte schien sich selbst zu wiederholen. Rechtsextreme Politiker forderten eine Rückkehr zu der Art von „schrecklich gefährlicher Erziehung“, gegen die sich Kentler aufgelehnt hatte. Die AfD bekennt sich in ihrem Parteiprogramm zum „traditionellen Leitbild Familie“, das sie mit dem Erhalt der kulturellen Identität und Macht Deutschlands verbindet. Um dem Zuzug von Migranten nach Deutschland entgegenzuwirken, sei „die einzige mittel- und langfristige Lösung“, so das AfD-Programm, „eine höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung zu erreichen“.

Bei einer Anhörung im Februar 2018 beklagte ein AfD-Abgeordneter, Thorsten Weiß, dass der Senat die Verantwortung für Kentlers Verbrechen nicht übernommen habe. „Dies ist ein Fall von politischer Bedeutung, der auch politisches Handeln erfordert“, sagte er. „Der Senat betrügt die Opfer, und das ist ein Skandal.“

Bei einer weiteren Anhörung sieben Monate später kritisierte Weiß den Senat dafür, dass er nur langsam mehr Informationen über Kentlers Experiment sammle. „Wir werden nicht zulassen, dass staatlich geförderte Päderastie unter den Teppich gekehrt wird“, sagte er.

Zwei Politiker der Grünen, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten eingesetzt haben, warfen der AfD Manipulation der Opfer vor. „Was die AfD versucht, dieses Verbrechen für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren, ist inakzeptabel“, sagte ein Abgeordneter.

Schweer, der AfD-Berater, versuchte, einen Anwalt zu finden, der Marco in einem Zivilprozess vertreten könnte. „Ich setze mich für einen Freund ein, das Opfer des sogenannten Kentler-Experiments“, schrieb er in einer E-Mail an eine große Berliner Anwaltskanzlei. Marco hatte bereits Strafanzeige erstattet, doch die Ermittlungen waren begrenzt, weil Henkel 2015 verstorben war. Der leitende Sachbearbeiter, der nach über vierzig Jahren für das Büro in den Ruhestand ging, machte von seinem Schweigerecht Gebrauch, als die Polizei ihn kontaktierte. Staatsanwalt Norbert Winkler kam zu dem Schluss, dass Henkel an „schweren sexuellen Übergriffen einschließlich regelmäßigem Analverkehr“ beteiligt war, konnte jedoch keine Beweise dafür finden, dass jemand in der Behörde mitschuldig war. Das Dilemma, sagte er mir, war, dass sich die Mitarbeiter des Büros, wann immer ein Verdacht auftauchte, „auf die Behauptungen von Mr. Kentler verließen,

Marco und Sven versuchten, Zivilklagen gegen das Land Berlin und den Bezirk Tempelhof-Schöneberg, den Sitz des Jugendamtes, wegen Verletzung von Amtspflichten einzureichen. Aber zivilrechtlich war zu viel Zeit vergangen. Die AfD beauftragte einen Sachverständigen mit der Analyse, ob in diesem Fall die Verjährung eintreten musste. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres, Mitglied der SPD, wollte sehen, ob Marco und Sven ein Entschädigungspaket akzeptieren würden, anstatt eine zum Scheitern verurteilte Klage zu führen. Sie glaubte, die AfD berate sie schlecht und zögere ihren Versuch, an Geld zu kommen, unnötig in die Länge. Sie sagte mir: „Ich fand es ziemlich seltsam, wie die AfD mit den Opfern gearbeitet hat – wie eng ihre Beziehung war und dass sie sie rechtlich beraten haben. Natürlich ist es OK, wenn die AfD auf Ungerechtigkeiten aufmerksam macht, aber was hier geschah, war ungewöhnlich. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ (Weiß, der AfD-Abgeordnete, sagte mir: „Ich wäre überrascht gewesen, wenn sie etwas Nettes über uns gesagt hätte.“ Er glaubt, dass es in Deutschland immer noch ein Pädophilen-Netzwerk gibt und dass die daran angeschlossenen „ihren politischen Einfluss nutzen, um zu machen sicher, dass das Netzwerk unter dem Radar bleibt.“)

Marco besuchte einen Pflegesohn von Henkel aus der „ersten Generation“, wie er es ausdrückte, um zu sehen, ob er sich seinen und Svens juristischen Bemühungen anschließen wolle. Der Sohn, den ich Samir nennen werde, lebte in Henkels Haus in Brandenburg, wo die Jungen ihre Sommerferien verbracht hatten. Das Haus, das nur aus einem Raum bestand, bestand aus beigen Ziegeln und schien zu lässig zusammengebaut worden zu sein – ungleichmäßige Mörtelklumpen füllten jede Ritze. Auf Fotografien aus den Neunzigern ist der Ort ein Durcheinander: Auf dem Tisch liegen eine Plastiktüte und halb aufgegessenes Brot; Vor dem Haus steht auf einer verfallenen Kommode ein alter Toaster, daneben liegt ein Badminton-Vögelchen.

Samir, der siebenundfünfzig und halb Algerier ist, hatte seit mehr als vierzig Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner Geburtsfamilie. Er hatte seinen Nachnamen in Henkel geändert und auch einen neuen deutschen Vornamen angenommen. Seine Halbschwester, die in Algerien lebt, erzählte mir, dass sie und ihre Schwester viele Male vergeblich versucht hätten, ihn zu erreichen. Er war der Pflegesohn, dessen Interaktionen mit Henkel 1979, als er fünfzehn war, eine strafrechtliche Untersuchung auslösten. Ein Psychologe hatte Samir damals einem Persönlichkeitstest unterzogen, und Samir hatte sich im Winter als Obstbaum gezeichnet, dem „jeder Kontakt zur nährenden Erde fehlt“. Der Psychologe interviewte auch Henkel und beobachtete, dass er sich mit seinen „enormen aggressiven Impulsen“ abmühte und versuchte, durch seine Pflegesöhne „etwas nachzuholen, was er in seiner eigenen Vergangenheit versäumt hatte“.

Marco fuhr zu Henkels altem Anwesen und ging auf das Haus zu. Fünf Fuß hohe Hecken umgaben ihn jetzt. Die Fenster waren mit Decken bedeckt. Marco sagte: „Ich wollte ihm die Möglichkeit bieten, die Dinge zu klären, wie ich es mit Sven getan hatte, aber als ich das sah – nein, nein, nein.“ Ein anderer Pflegebruder, der als erster in Henkels Haus einzog, lebte ein paar Kilometer entfernt, aber Marco entschied, dass es auch keinen Sinn hatte, ihn zu besuchen. Er ging zurück zu seinem Auto und fuhr nach Hause.

Winkler, der Staatsanwalt, hatte Ermittler zu Samirs Haus geschickt, und er bezeichnete es als „Müllhaufen“. Es gab weder fließendes Wasser noch Strom. Es gab kaum noch freien Platz zum Gehen. Doch eine Ecke des Hauses war aufgeräumt und zweckmäßig. Es war in eine Art Altar verwandelt worden. Eine Urne mit Henkels Asche war von frischen Blumen umgeben.

Henkel hatte seine Pflegestelle dreißig Jahre lang geführt. Als er es 2003 endgültig schloss – ihm war kein neues Pflegekind zugeteilt worden – war Marco einundzwanzig. Er hatte nirgendwo zu leben. Er verbrachte drei Nächte schlafend auf Bänken im Park. Mit Hilfe einer Wohltätigkeitsorganisation, die obdachlose Jugendliche unterstützt, zog er schließlich in eine Sozialwohnung. Manchmal stahl er Lebensmittelgeschäfte. „Ich wusste nicht, wie die Welt funktioniert“, sagte er mir. „Ich wusste gar nicht, dass man den Strom aus der Steckdose bezahlen muss.“ Er wachte mehrmals mitten in der Nacht auf, eine Gewohnheit aus seiner Zeit, als er sich um Marcel Kramer kümmerte. Aber anstatt in das Zimmer seines Pflegebruders zu gehen, überprüfte er seinen eigenen Körper, um zu sehen, sagte er, „ob alles noch da ist, wo es sein sollte, und dass es mich noch gibt.

Auch Sven lebte allein in einer kleinen Wohnung in Berlin, blieb aber im Gegensatz zu Marco mit Henkel in Kontakt. „Ich dachte immer, ich schulde dem Mann etwas“, sagte er 2017 dem Spiegel. Marco und Sven lebten wie als Jugendliche: Sie verbrachten den Tag am Computer oder vor dem Fernseher, sprachen selten mit jemandem. Sven, der seit seiner Kindheit Phasen schwerer Depressionen hatte, lebt immer noch in einer „Festung der Einsamkeit“, wie er es nannte, und er wollte nicht über seine Vergangenheit sprechen. „Ich habe keine Kraft mehr“, sagte er mir. „Aber ich kann Ihnen versichern, dass alles, was mein Bruder Ihnen über unsere Zeit im Pflegeheim erzählt hat, eins zu eins der Wahrheit entspricht.“

Auch Marco hatte in einer Art Winterschlaf gelebt. Aber nach fünf Jahren habe er das Gefühl, ein „Monster“ zu werden, sagte er. "Es ging nicht ganz in Richtung krimineller Handlungen, aber es gab eine Destruktivität, einen Mangel an Empathie." Als er sechsundzwanzig war, saß er in Berlin in einem Zug und bemerkte, dass drei Männer ihn anstarrten. Ohne eine bewusste Entscheidung zu treffen, verprügelte Marco sie. „Ich hätte sagen sollen: ‚Hey, was siehst du dir an?' " er sagte. „Aber stattdessen habe ich sie sofort bekämpft. Mir ist aufgefallen, dass ich sie eigentlich töten wollte.“ Einer der Männer landete in der Notaufnahme. Marco merkte, wie sehr sein Verhalten dem seines Pflegevaters ähnelte. „Es war eine Henkel-Reaktion“, sagte er. „Ich war ein Produkt. Ich verwandelte mich in das Ding, das er gemacht hatte.“

Ungefähr zu dieser Zeit ging er auf der Straße spazieren, als eine Fotografin sein Aussehen beglückwünschte und ihn fragte, ob er Lust hätte, das zu tun, was Marco „Hobbymodeln“ nannte. Er stimmte zu und setzte sich für eine Reihe von Fotos hin, wobei er verschiedene Posen einnahm: Auf einigen Bildern sieht er aus wie ein gemeißelter Anwalt, der zur Arbeit geht; in anderen ist er windgepeitscht und adrett. Die Fotos führten nie zu Jobs, aber er fing an, mit der Fotografin und ihren Freunden abzuhängen. Er verglich die Erfahrung damit, ein Ausländer in einem exotischen Land zu sein und endlich Menschen zu treffen, die bereit sind, ihm die Sprache beizubringen. „Ich habe normale Arten der Interaktion gelernt“, sagte er.

Die Arbeit als Model inspirierte ihn zu einem Haarschnitt, und im Friseursalon schnitt ihm eine glamouröse Frau mit einer lebhaften, fröhlichen Ausstrahlung, die ich Emma nennen werde, die Haare. Marco neigt dazu, seinem Aussehen die entscheidenden Ereignisse seines Lebens zuzuschreiben: Er glaubt, dass sein Aussehen der Grund dafür war, dass Henkel ihn ausgewählt hat – viele von Henkels Söhnen hatten dunkle Haare und Augen – und zwanzig Jahre später die Erklärung für seine erste ernsthafte Beziehung. „Ich war hübsch, und sie ist nicht gegangen“, erzählte er mir über Emma. Er fügte nur teilweise im Scherz hinzu: „Manche Frauen stehen einfach auf Arschlochtypen, und ich war einer dieser Arschlochtypen.“

Anfangs sträubte er sich gegen eine Beziehung, aber nach und nach fand er Emmas Hingabe überzeugend. Mehr als einmal schlief sie vor seiner Wohnungstür. „Ich habe gemerkt, dass sie mich wirklich liebt und dass es im Leben wahrscheinlich nur einen Menschen gibt, der wirklich für dich kämpft“, sagte er. Er versuchte, seine antisozialen Impulse abzustumpfen, indem er sich daran erinnerte, dass sie nicht angeboren, sondern durch seine Erziehung konditioniert waren. „Ich habe mich sozusagen umprogrammiert“, sagte er. „Ich habe versucht, mich wieder aufzurichten.“

Als ich Marco im Mai besuchte, waren er und Emma gerade von Berlin in ein neues Wohngebiet am Stadtrand gezogen, das er mich nicht nennen oder beschreiben wollte, weil er nicht wollte, dass seine Nachbarn von seiner Vergangenheit erfuhren. Er hat jetzt zwei Kinder, und sie spielten mit Emma in ihrem großen Garten hinter dem Haus. Drinnen hörte Marco meditative Lounge-Musik und trank Wasser aus der größten Kaffeetasse, die ich je gesehen habe. Ich hatte das Gefühl, dass Marco mit einer anderen Kindheit vielleicht zu einem ziemlich fröhlichen Mann mittleren Alters herangewachsen wäre. Er war verspielt und ernst und sprach poetisch über seine Sicht auf das Jenseits. Er teilte die Entwicklungsmeilensteine ​​seiner Kinder mit Nuancen und Stolz mit. In einem Hauch von Gastfreundschaft fragte er, ob ich wollte, dass Emma mir die Haare schneidet, bevor er sich überschwänglich entschuldigte und sagte, dass meine Haare gut aussähen.

Wenige Tage vor meinem Besuch hatte der Berliner Senat angekündigt, Wissenschaftler der Universität Hildesheim, die den Vorbericht 2020 veröffentlicht hatten, mit einem Folgebericht über Pädophilenpflegeheime in anderen Teilen Deutschlands zu beauftragen . Sandra Scheeres, Bildungssenatorin, hatte sich bei Marco und Sven entschuldigt, der Senat bot ihnen mehr als fünfzigtausend Euro – in Deutschland, wo der Schadensersatz viel niedriger ist als in den USA, galt das als beachtlich Höhe.

Christoph Schweer, der AfD-Berater, hatte Marco und Sven zum Weiterkämpfen aufgefordert, aber Marco konnte nicht verstehen, warum. „Wir haben unsere Wünsche durchgesetzt, also macht es keinen Sinn, den Senat weiter zu verärgern oder zu tyrannisieren“, sagte er mir. Aber Schweer habe ihn weiter gedrängt, sagte Marco. (Schweer bestreitet dies.) „Dann wurde ich langsam misstrauisch. Ich fragte mich: Was soll ich noch wollen? Da hatte ich das Gefühl, die AfD will mich nur benutzen, um mich hochzuspielen. Und ich sagte: ‚Ich will kein politisches Werkzeug sein. Ich will nicht in einen Wahlkampf hineingezogen werden.' “ Er ließ seine Klage fallen und nahm das Angebot des Senats an. Sein einziges verbleibendes Ziel ist, dass im kommenden Bericht alle Namen der Personen bekannt werden, die an der Durchführung von Kentlers Experiment beteiligt waren. (Schweer sagte, er habe Marco als „Privatperson“ unterstützt, nicht im Namen der AfD. Er sagte mir auch:

Marco und Emma würden Ende des Monats heiraten, und er wollte nicht an seine Vergangenheit denken. „Ich wollte das Ganze einfach beenden, dieses Kapitel abgeschlossen haben“, sagte er. Er plante, Emmas Nachnamen anzunehmen. Er hatte seit seinem zehnten Lebensjahr weder mit seinen leiblichen Eltern noch mit seinem Bruder gesprochen, und jetzt würde er fast unauffindbar werden. Er hatte einmal versucht, seinen Bruder zu googeln, aber er hielt die Idee eines Wiedersehens für eine Verschwendung emotionaler Ressourcen, die er seinen Kindern widmen könnte. »Mir würde es sowieso nichts bringen«, sagte er. „Die Zeit der Prägung durch meine Mutter ist vorbei.“

Am Ende meines Besuchs kam Marcos Ehering mit der Post. Emma kreischte vor Freude, aber Marco hielt den Ring leidenschaftslos in der Hand und scherzte, dass er irgendwann heiraten müsse, also könne er es genauso gut jetzt tun. Er verbarg seine offensichtliche Zärtlichkeit ihr gegenüber mit einer Zurschaustellung von Gleichgültigkeit, die Emma offensichtlich nicht ernst zu nehmen wusste. "Das sind nur die Defizite, die ich habe", sagte er und bezog sich auf den Mangel an Emotionen. „Ich werde es durchstehen. Es spielt keine Rolle.“

Drei Wochen später, am Vorabend seiner Hochzeit, schickte er mir eine E-Mail. „In einer Stunde gegen 10 Uhr fahren wir zum Standesamt“, schrieb er. „Symbolisch beginnt ein neues Leben.“

Nachdem er das Haus von Henkel verlassen hatte, hatte Marco nur zweimal Kontakt mit ihm. Das erste Mal, als Marco Mitte zwanzig war, rief plötzlich Henkel an. Er schien eine Art Demenz entwickelt zu haben. Er fragte, ob Marco daran gedacht habe, ihre Kaninchen zu füttern.

Das nächste Mal war 2015, als Emma mit ihrem ersten Kind schwanger war. Marco fuhr zu einer Klinik in Brandenburg, wo er gehört hatte, dass Henkel im Hospiz an Krebs gestorben sei. Marco öffnete die Tür zu Henkels Zimmer. Er sah Henkel im Bett liegen und vor Schmerzen stöhnen. Er hatte einen langen, zauberhaften Bart und sah Marco an, als wäre er besessen. Marco starrte ihn weniger als fünf Sekunden lang an, lange genug, um zu bestätigen, dass er tatsächlich im Sterben lag. Dann drehte er sich um, schloss die Tür und verließ das Krankenhaus.

Als Marco nach Hause kam, lief das Radio in seiner Küche, aber er konnte sich nicht erinnern, es eingeschaltet zu haben. Ein Sänger wiederholte den Satz „Es tut mir leid“. Er hatte das Gefühl, Henkel versuche, mit ihm in Kontakt zu treten. „Ich wurde ein bisschen verrückt“, erzählte er mir. „Ich dachte, Henkel wäre ein Geist, der mir folgte und mich verfolgte. Er war es definitiv: Er wollte sich entschuldigen.“

Henkel starb am nächsten Tag. Marco verfiel in einen Zustand der Trauer, der so fließend und umfassend war, dass er zum ersten Mal über den Tod seines Pflegebruders Marcel Kramer weinte. Er hatte eine Stunde nach seinem Tod mit Kramer im Bett gelegen und eine Art Nachtwache gehalten; dann schnitt er eine von Kramers Locken ab, damit er sich an ihn erinnerte. Aber er hatte nie richtig um ihn getrauert. Plötzlich „verschwand die Blockade“, sagte er. Mit achtzehn wurde ihm klar, warum er Henkels Haus nicht verlassen hatte. „Ich wurde durch Marcel Kramer an die Familie gebunden“, sagte er. „Ich hätte ihn nie zurückgelassen.“

Wenige Wochen nach Henkels Tod ließ das Gefühl der Verfolgung nach. „Die Freiheit kam langsam“, erzählte mir Marco. „Es war wie ein Hunger, der immer stärker wird. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber es war das erste Mal, dass mir klar wurde, dass ich ein Leben mit einer Milliarde verschiedener Möglichkeiten lebe. Ich hätte alles sein können. Meine innere Stimme wurde stärker, meine Intuition, dass ich mein Leben nicht so leben muss, wie er es mir beigebracht hat, sondern dass ich weitermachen kann.“ ♦
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Wo ist jetzt der Artikel "pro Kentler"?

Der Artikel zeigt das Trauma eines real existierenden Überlebenden auf - den Tod, den Marco betrauert ist der seines Pflegebruders - nicht der seines vergewaltigenden Pflegevaters! Den Weg aus einem unbewussten Traumas in die Realität eines Überlebenden wird beschrieben, und die Zusammenhänge wie die damalige Zeit Pädokriminalität überhaupt ermöglichte.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 13:09:04 Wo ist jetzt der Artikel "pro Kentler"?

Der Artikel zeigt das Trauma eines real existierenden Überlebenden auf - den Tod, den Marco betrauert ist der seines Pflegebruders - nicht der seines vergewaltigenden Pflegevaters! Den Weg aus einem unbewussten Traumas in die Realität eines Überlebenden wird beschrieben, und die Zusammenhänge wie die damalige Zeit Pädokriminalität überhaupt ermöglichte.
Was soll das bedeuten "pro Kentler"? Für den braucht es kein PRO. Wikipedia gibt Auskunft über ihn.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Widasedumi hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 13:23:17 Was soll das bedeuten "pro Kentler"? Für den braucht es kein PRO. Wikipedia gibt Auskunft über ihn.
I am so sorry, but you are very confused about your own statements and are making many mistakes instead to be clear. Therefore I start to puzzle over if you could be are a victim in a survivor-modus.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 14:27:12 I am so sorry, but you are very confused about your own statements and are making many mistakes instead to be clear. Therefore I start to puzzle over if you could be are a victim in a survivor-modus.
Yanell hat geschrieben: Dienstag, 15. Februar 2022, 14:27:12 Es tut mir so leid, aber Sie sind sehr verwirrt über Ihre eigenen Aussagen und machen stattdessen viele Fehler, um das klarzustellen. Daher fange ich an zu rätseln, ob du Opfer in einem Survivor-Modus sein könntest.
Dann rätsele mal schön weiter! Und tschüss!
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Emily Maitlis - Widersprüche zwischen Interview und dem Statement Prinz Andrews

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EMILY MAITLIS
BBC-Journalistin: Die Widersprüche zwischen Prinz Andrews Interview und seinem Statement
Prinz Andrew
Emily Maitlis und Prinz Andrew während des legendären BBC-Interviews
© Mark Harrison / Picture Alliance
17.02.2022, 16:58 Uhr
Bei ihrem Interview mit Prinz Andrew wirkte der Royal nervös und schlecht beraten. Jetzt verrät Journalistin Emily Maitlis, wie sie die Einigung zwischen ihm und Virginia Giuffre einschätzt.
Es war ein Interview wie ein Autounfall. Als Prinz Andrew sich im November 2019 den Fragen von BBC-Journalistin Emily Maitlis stellte, sahen nicht nur Royal-Fans zu, wie sich der Sohn von Queen Elizabeth II. um Kopf und Kragen redete.

Prinz Andrew im Jahr 2014
EPSTEIN-SEX-SKANDAL
Es gibt keinen Prozess gegen Prinz Andrew, aber dennoch ein Schuldeingeständnis. Ein Triumph für die Opfer
Prinz Andrew: Die Einigung ist widersprüchlich zu Interviewaussagen
Damals fragte Maitlis Andrew nach seinem Treffen mit Virginia Giuffre (damals Roberts) aus. Andrew kam ins Schlingern, sagte, das Treffen habe "nicht stattgefunden". Dann erklärte er, dass die Berichte, er habe in einem Nachtclub beim Tanzen stark geschwitzt, gar nicht stimmen könnten. Seit seinem Einsatz im Falkland-Krieg sei er nämlich nicht mehr fähig, zu schwitzen. Nach seiner außergerichtlichen Einigung mit Virginia Giuffre blickt Maitlis in einem Bericht für die BBC zurück auf das legendäre Gespräch – und weist auf die Widersprüchlichkeiten hin.

"Im Mittelpunkt der Einigung steht die größte Frage von allen: Warum zahlt ein Prinz, der mir sagte, er könne sich nicht daran erinnern, diese Frau jemals getroffen zu haben, ihr jetzt eine Summe von über 10 Millionen Pfund?", fragt sie sich. "Ich erinnere mich genau, dass ich ihn direkt auf Virginia Giuffres Anschuldigungen angesprochen habe: 'Sie sagt, sie habe Sie 2001 getroffen, mit Ihnen zu Abend gegessen, mit Ihnen getanzt, Sie hätten ihr im Nachtclub Tramp Drinks spendiert, und dann habe sie in einem Haus in Belgravia Sex mit Ihnen gehabt.' Und ich habe jetzt die Antwort des Prinzen vor mir liegen. Nur drei Worte: 'Es ist nicht passiert.'", schreibt sie.

Journalistin ist enttäuscht
Für sie gebe es drei Möglichkeiten: Entweder der Prinz habe damals ihr gegenüber gelogen. Oder die Anklage Giuffres habe seine Erinnerung jetzt wachgerüttelt, "oder er hält an seiner Unschuld fest, ist aber der Meinung, dass das Gewicht der juristischen und öffentlichen Meinung gegen ihn jetzt die einfachere Option ist, sich zu einigen, auch wenn er keine Verantwortung übernimmt", erklärt Maitlis.

Aus journalistischer Sicht sei sie enttäuscht, dass der Fall nicht vor dem Zivilgericht ausgetragen würde. Denn dann hätten einige der Fragen womöglich geklärt werden können.

Quelle: BBC
https://www.stern.de/lifestyle/leute/pr ... 35186.html
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Der nächste mutmaßliche Pädokriminelle erhängt in Zelle aufgefunden

Ungelesener Beitrag von Yanell »

https://www.stern.de/panorama/epstein-b ... 41248.html
MUTMASSLICHER MÄDCHENHÄNDLER
Epstein-Vertrauter Jean-Luc Brunel erhängt in Gefängniszelle aufgefunden
Jean Luc Brunel kuschelt mit Ghislaine Maxwell.
Jean Luc Brunel kuschelt mit Ghislaine Maxwell.
© Police Handout / Commons
kramper-gernot
von Gernot Kramper
19.02.2022, 14:21 Uhr
Der Agent Jean-Luc Brunel soll jahrelang als Model-Zuhälter für den Pädo-Milliardär Epstein gearbeitet haben. Unter anderem soll er Epstein drei 12-jährige Schwestern als "Geburtstagsgeschenk" zugeführt haben. Nun ist er tot in seiner Zelle gefunden worden, so wie Epstein.
Der ehemalige französische Modelagent Jean-Luc Brunel wurde in der Nacht von Freitag, den 18. Februar, auf Samstag, den 19. Februar, erhängt in seiner Zelle im Pariser Gefängnis La Santé aufgefunden. Das hat die Pariser Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Es wird eine Untersuchung zur Ermittlung der Todesursache eingeleitet.

Jean-Luc Brunel wurde von mehreren ehemaligen Models beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Im Juni 2021 wurde er wegen "Vergewaltigung von Minderjährigen" angeklagt. Schon im Dezember 2020 wurde er wegen "Vergewaltigung einer Minderjährigen " und "sexueller Belästigung" in Bezug auf zwei weitere Frauen angeklagt. Seit dem Juni saß er in Untersuchungshaft. Der Tod beendet das Verfahren gegen ihn. Brunel wird die Geheimnisse über Epstein und seinen Mädchenhändlerring mit ins Grab nehmen.

Jean-Luc Brunel: Enger Freund von Epstein
Der 76-Jährige wurde verdächtigt, dem US-Milliardär Jeffrey Epstein, der im August 2019 ebenfalls tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, jahrelang als Model-Zuhälter geholfen zu haben. Brunel begann seine Karriere als Scout und hat mit Prominenten wie Jerry Hall, Sharon Stone und Monica Bellucci gearbeitet. Jean-Luc Brunel startete 1978 die renommierte Agentur Karin Models und ging dann in die USA, um dort die MC2 Model Management zu gründen. Sein Name tauchte bereits in den ersten Ermittlungen gegen Epstein in den Jahren 2007, 2008 auf. Die Polizei in Florida fand damals belastende Hinweise gegen ihn. 2008 besuchte er Epstein mehrmals im Gefängnis.

Virginia Giuffre, eine der Hauptklägerinnen in der Epstein-Affäre, die gerade einen finanziellen Vergleich mit Prinz Andrew geschlossen hat, behauptete, dass sie von Brunel zu sexuellen Handlungen gezwungen wurde. Giuffre sagte, Brunel habe dem Pädophilen und anderen Männern junge Models für Sex vermittelt. Sie behauptet auch, dass sie zum Sex mit Brunel in Epsteins Haus gezwungen wurde. Weiterhin sagte sie, dass Brunel ein Fotoshooting mit sieben russischen Mädchen arrangierte, bei dem Prinz Andrew zusah.

Brunel soll Epstein Models und "exotische Teenies" zugeführt haben. Ihm wurden unter anderem die Vergewaltigungen von 12-jährigen Drillingen vorgeworfen. Er soll die drei Schwestern nach Amerika geflogen haben, damit sie von Epstein als "Geburtstagsgeschenk" missbraucht werden konnten. In einer eidesstattlichen Erklärung aus dem Jahr 2015 hatte Giuffre ausgesagt, Epstein habe damit geprahlt, er habe "mit über 1000 von Brunels Mädchen geschlafen".

Brunel war im Dezember 2020 am Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle festgenommen worden, als er einen Flug nach Dakar antreten wollte. Er selbst hatte stets seine Unschuld beteuert.

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Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.
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bis zu 40% der Mitglieder katholischer Orden in Australien in Pädokriminalität verstrickt

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Bis zu 40 Prozent der Mitglieder katholischer Orden in Australien sowie sieben Prozent der Priester des Landes sollen in Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch zwischen 1950 und 2009 verwickelt gewesen sein.
Das geht aus am Montag veröffentlichten Daten der nationalen Missbrauchskommission hervor. Unter den katholischen Orden wurden demnach mehr als 20 Prozent der Maristen-Schulbrüder, Salesianer und Christlichen Brüder des Missbrauchs beschuldigt.
Mit 40,4 Prozent fielen vor allem die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott negativ auf.
Das Durchschnittsalter der Opfer lag den Angaben zufolge bei etwa elf Jahren. Mit 90 Prozent seien Jungen die mit Abstand größte Opfergruppe. Mehr als 4.440 Personen gaben laut der Kommission an, zwischen 1980 und 2015 von Priestern, Ordensleuten und Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen sexuell missbraucht worden zu sein.
„Kinder wurden ignoriert
oder bestraft“.
In den meisten Fällen seien die Anschuldigungen folgenlos geblieben, sagte Gail Furness, leitende Rechtsanwältin der Kommission laut australischen Medienberichten. „Kinder wurden ignoriert oder – schlimmer noch – bestraft. Vorwürfe wurden nicht untersucht. Die Gemeinden oder Gemeinschaften, in die Beschuldigte versetzt wurden, wussten nichts von deren Vergangenheit“, so Furness.
Erzbischof von Sydney: „Grauenvoll“
Anthony Fisher, Erzbischof von Sydney, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme schockiert über die neuen Erkenntnisse: „Was die Kommission bisher herausgefunden hat, ist grauenvoll.“ Er und die Kirche bedauerten die Verfehlungen der Vergangenheit, die so viele Opfer hinterlassen hätten. Er wisse, dass viele Priester und Gläubige das Gleiche fühlten: „Wir Katholiken schämen uns.“ Er wies jedoch darauf hin, dass es im Missbrauchsbericht um Anschuldigungen und angebliche Täter gehe. Es werde nicht zwischen unbestätigten Vorwürfen und rechtlich geklärten Vorgängen unterschieden.
Beweismaterial für Missbrauch durch Kardinal Pell
Unterdessen gab es am Montag in Melbourne eine neue Entwicklung mit Blick auf die Vorwürfe gegen Kurienkardinal George Pell. Die Polizei übergab nach übereinstimmenden Berichten der zuständigen Staatsanwaltschaft Beweismaterial, das belege, dass Pell zwischen 1978 und 2001 als Priester in Ballarat und später als Erzbischof von Melbourne mehrere Jungen sexuell missbraucht habe. Die Staatsanwaltschaft solle prüfen, ob das Material für eine Anklage ausreiche, hieß es.
Die 2013 von der australischen Regierung eingesetzte Missbrauchskommission begann am Montag in Sydney mit ihrer letzten Anhörung zum Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal. Drei Wochen lang sollen Beweise und Daten aus den Anhörungen der vergangenen Jahre über das Verhalten von katholischen Diözesen, Orden und Institutionen bewertet werden. Auch die Aussagen von Opfern und Zeugen sollen thematisiert werden. Im Zentrum wird zudem die Frage stehen, wie die Kirche in Zukunft den sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern will. Dazu hat die Kommission zahlreiche Bischöfe, Kirchenrechtsexperten und andere Vertreter vorgeladen.
https://www.kirche-und-leben.de/artikel ... issbraucht?
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

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Es ist unfassbar, dass der Missbrauch den oberen Ebenen nicht bekannt war. Da ist im System was falsch. In diesem System kann kein vernünftiger Christ länger Mitglied sein und es auch noch mitfinanzieren. Die Sprache des Austritt ist die einzige Sprache, die noch etwas bewirken kann. Sie ist längst überfällig. Jeder Christ kann selbst Gottes Wort lesen. Es braucht keine Priester, die eine Verbindung zu Gott herstellen.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Widasedumi hat geschrieben: Montag, 21. Februar 2022, 03:46:20 Es ist unfassbar, dass der Missbrauch den oberen Ebenen nicht bekannt war. Da ist im System was falsch. In diesem System kann kein vernünftiger Christ länger Mitglied sein und es auch noch mitfinanzieren. Die Sprache des Austritt ist die einzige Sprache, die noch etwas bewirken kann. Sie ist längst überfällig. Jeder Christ kann selbst Gottes Wort lesen. Es braucht keine Priester, die eine Verbindung zu Gott herstellen.
alle männlich indokrinierten Religionen gehören auf den Prüfstand. Jeder Mann muss sich hinterfragen, wie oft er "aus Versehen pädokriminelle Filme" gesehen hat, und nicht angezeigt hat, so dass diese Strukturen aufgedeckt werden können.

Das Patriarchat hat die betroffenen Mädchen und Jungen zu psychiatrischen Fällen erklärt, obwohl die Täter die tatsächlichen Psychopathen sind.

Freud behauptete, dass kleine Mädchen vom Missbrauch durch den Vater träumen - dabei berichteten ihm die dann erwachsenen Frauen doch über eine erlebte Vergewaltigung in der Kindheit.

Es ist nicht das Östrogen was angeblich in der Forschung störend ist, sondern das Testosteron ist zerstörend.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Montag, 21. Februar 2022, 11:19:46 alle männlich indokrinierten Religionen gehören auf den Prüfstand.
Ich würde jegliche Pornographie und omnipräsente Sexualisierung in Medien und Öffentlichkeit usw. untersagen. Sie verletzt die Würde des Menschen. Es ist eine schreckliche Seuche. Das Problem ist die mangelhafte Ethik und Moral. Die Abschaffung der Sittengesetze. Die freie Verfügbarkeit von Schund und Dreck. Auch wenn die Seuche nicht völlig ausrottbar ist, so wäre sie doch verboten, unethisch, unmoralisch. Und jeder, der sie dennoch konsumiert, sollte wissen, dass das verpönt und gesetzeswidrig ist. Auch wenn er sich nicht erwischen lässt. Es wäre dennoch ein großer Unterschied zwischen illegal und legal. Dann dürften auch die Köpfe der Kinder in den Schulen mit dieser Thematik nicht überfrachtet werden. Sexualkunde im biologischen Bereich sehr wohl, aber keine Pornographie.

Wenn der Bereich völlig tabu und auch in den Schulen kein Thema wäre, dann wären die Kinder viel besser gewappnet und würden Anzüglichkeiten sofort zurückweisen, auch von Priestern. Die Grenzen wären klarer und nicht fließend. Es ist wirklich eine Sauerei, was abgeht. Solche Drecksäue! Man sollte Kinder ermutigen, bei geringster Berührung oder offener Hose, oder wie sich diese "Vögel" outen, ihnen ins Gesicht zu schreien: "Du bist eine Dr...s..!" Dann sollte das Kind, wenn es ein Handy hat, den "Vogel" fotografieren und dann das Weite suchen. Und zuhause darüber berichten.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Montag, 21. Februar 2022, 11:19:46 Es ist nicht das Östrogen was angeblich in der Forschung störend ist, sondern das Testosteron ist zerstörend.
Das Testosteron sollten diese "Vögel" in körperliche Arbeit umsetzen. In der Gemeinde die Straßen kehren. Reparaturen durchführen. Müllentsorgung! Transport- und Umzugshilfeleistung, Gemeindegrundstücke pflegen. Bäume schneiden. Leitungen verlegen. Rohrbrüche reparieren. Wälder putzen. Dann wären sie ausgelastet. Die sollten in Armut leben und ihre Nahrung durch sozialnützliche Arbeit verdienen. Zum Beispiel Holz machen und es bedürftigen Leuten zum Heizen schenken. Oder Landwirtschaft, und den Überschuss an Arme verschenken. Sie sollten wirklich karg und auf Sparflamme gesetzt werden. Nix mit großen staatlichen Gehältern. So arm leben, wie Jesus, den sie ja glaubhaft verkünden wollen. Das Glaubhafteste ist, den Weg vorzuleben. Dann sammelt sich vielleicht weniger überschüssiges Testosteron an.
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Re: PÄDOKRIMINALITÄT

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben: Montag, 21. Februar 2022, 11:19:46 alle männlich indokrinierten Religionen gehören auf den Prüfstand.
Vor Weibern, z.B. diesen Brust-Lust-Altar-hüpf-Femen, habe ich genauso wenig Achtung.
Der dreieinige Gott ist heilig. Ihn kann jeder Mensch im Gebet anrufen. Er hilft.
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