PROFILING - DIE FALLANALYSE

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talida
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Ungelesener Beitrag von talida »

Hier kann alles Wissenswerte über Profiling/Fallanalysen diskutiert werden.
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talida
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Re: PROFILING die FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von talida »

Zu den bekanntesten deutschen Profilern zählen Axel Petermann und Alexander Horn.

Einige interessante Artikel dazu:

Axel Petermann
Eine Leiche wird gefunden.
Verletzungen am Körper weisen darauf hin, dass die Frau vermutlich erwürgt wurde.
Ihr Körper ist verstümmelt.
Während der Obduktion finden Rechtsmediziner Spuren eines Schlafmittels.

http://www.planet-wissen.de/gesellschaf ... ur100.html

Profiler Alexander Horn Der Mann, der den "Maskenmann" erkannte


Alexander Horn hat den „Maskenmann“ ermittelt und als erster den rechtsextremen Hintergrund der NSU-Morde erkannt.

Als brillianter Spürhund will der erfahrene Profiler dennoch nicht gelten. von

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ ... 74870.html
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talida
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Re: PROFILING die FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von talida »

Protokoll einer Fallanalyse

Protokoll einer Fallanalyse des Landeskriminalamtes Mainz
Untersucht wird der Raubmord an einer Rentnerin


http://www.kriminalpolizei.de/ausgaben/ ... alyse.html
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U.s.1 883
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von U.s.1 883 »

«Was ist die Matrix?»

Alice im digitalen Wunderland - Oder: «Was ist die Matrix?»17 Niklas Luhmann schreibt in «Die Gesellschaft der Gesellschaft», dass der Begriff der Postmoderne kontrovers sei, da er sich weder eindeutig von dem der Moderne abgrenzen lasse noch mit einer klaren Definition zu belegen sei (vgl. Luhmann 1998, 1143ff.). Eine gesellschaftliche Selbstbeschreibung über Postmoderne ließe sich eventuell damit rechtfertigen, dass das «Ende der Großen Erzählungen» erreicht sei. Mit dieser Aussage bezieht sich Luhmann auf Lyotard, der sich unter anderem mit der Frage beschäftigt hat, inwieweit die «großen Erzählungen» in Philosophie, Geschichte etc. politische und gesellschaftliche «Realität» konstituieren - sprich legitimieren, weshalb er diese Narrationen auch als «legitimierende Erzählungen» bezeichnet (Lyotard in: Engelmann 1999, 49-53).18 Angesichts heutiger spätkapitalistischer Entwicklungen wie der Globalisierung und einer international zu beobachtenden restriktiven Inneren Sicherheitspolitik scheint Luhmanns Feststellung eines Endes dieser Macht legitimierenden Erzählungen vorschnell gewesen zu sein bzw. zu kurz zu greifen.

Was ist Postmoderne? Diese Frage kann im Rahmen unseres kleinen Streifzuges nicht geklärt werden (andere haben dies auf mehreren Hundert Seiten nicht vermocht), aber wir können einen Augenblick verharren und uns einigen Aspekten widmen, die dem Kern des Postmodernen vielleicht doch sehr nahe kommen.

Der Begriff der Postmoderne lässt sich am ehesten mit einer Matrix vergleichen - mit einem Koordinatennetz, das in verschiedene Figuren und Gestalten transformiert werden kann. Das heißt, wir visualisieren ein mehrdimensionales Projektiönsraster, das mit unterschiedlichen Vorstellungen des Postmodernen versehen und gleichzeitig im Raum von diversen Perspektiven aus beobachtet werden kann. Diese Mehidimensionalität von Raum und Zeit ist möglicherweise das entscheidende Merkmal postmoderner Kultur.


Die Auflösung des Raum-Zeit-Kontinuums ist primär eine Folgeerscheinung der sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts rasant entwickelnden Multimedialität. Dies gilt insbesondere für elektronische Bildschirmmedien wie Fernsehen, Video und Computer sowie für die Kinematographie, die eine Allgegenwart an sprachlichen und visuellen Informationen mit sich bringen. Vermittelt werden diese über digitalisierte Zeichen, die nahezu beliebig wiederholt, kombiniert, verändert und in unterschiedliche Kontexte überstellt werden können, ohne dass eine (gleichzeitige) Anwesenheit von Produzent und Rezipient nötig ist.

Ein Beispiel hierfür ist die digitale Bearbeitung einzelner Bilder oder Bildsequenzen (wie etwa in dem Film «Forrest Gump», in dem der Schauspieler Tom Hanks in historische Filmaufnahmen eingefügt wurde). Mittlerweile ist es möglich, rein virtuelle - computergenerierte - Erzählungen zu erschaffen, wie die beiden jüngsten Filmbeispiele «Shrek» oder «Final Fantasy» zeigen.

Im eingeschränkten Sinne ist auch Literatur reproduzierbar und multireferenziell, da sie ebenfalls mittels eines repräsentativen Zeichenkodes, nämlich dem der Schrift, bewerkstelligt wird. Das Besondere an den elektronischen und digitalen Medien ist jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Informationsverbreitung - zwei Faktoren, die mit einer sich ständig potenzierenden Präsenz medialer Darstellungen einhergehen. Sobald eine fiktionale oder nichtfiktionale Erzählung in die Massenmedien eintritt, hat sie sich aufgrund der Fülle ihrer medialen Präsentationen schon wieder selbst überholt und verblasst.19

Dieser Bedeutungsverlust ist jeder medialen Erzählung immanent - sei es die Meldung über eine Naturkatastrophe oder ein politisches Ereignis, die Selbstinszenierung einer einzelnen Person oder ein spezifisches Erzählthema wie Serienmord. Ein Kreislauf entsteht: Der Beginn der einen Geschichte markiert zugleich ihr Ende und ist der Anfang einer ähnlichen oder neuen Geschichte. Die Massenmedien bestehen aus einer unübersichtlichen Vielzahl dieser Kreisläufe, denn es werden stets mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt - die sowohl aufeinander als auch auf vorhergehende Erzählungen verweisen.20

Erzähltraditionen -im Sinne von wiederkehrenden Figuren, Motiven und Themen - gibt es zwar seit Jahrhunderten, aber Multimedialität und Digitalität fördern die Vernetzung der Geschichten untereinander sowie ihre Abrufbarkeit im alltäglichen und massenmedialen Gebrauch, All dies hat zur Konsequenz, dass Narrationen einer ständigen Erneuerung bedürfen. Auf dem Sektor individueller Selbstdarstellungen wird dieser Prozess als «Re-Modeüng» bezeichnet (vgl, etwa den Imagewandel von Madonna, Metallica oder U2 -Bcssing u.a. 1999,127ff,).

Im Bereich fiktionaler Erzählungen hat diese Entwicklung in vielen Genres dazu geführt, dass sich die narrativen Regeln geändert haben, um Authentizität und Sichtbarkeit des Erzählten zu wahren — und sicherzustellen, dass die Narrationen sich nicht im Zuge ihrer permanenten Reproduktion selbst als Konstrukte entlarven. So werden verstärkt Stilmittel wie Fragmentierung, Selbst-/Metareferenzia-lität (Ironie, Selbstbespiegelung etc.), Brechung der Erzählperspektive oder Aufhebung der chronologischen Handlungsabfolge verwendet (Bsp.: «Pulp Fiction», «Bram Stoker's Dracuia» u.a.). Diese sind nicht neu, aber sie treten gehäuft auf und sind nicht länger nur der Avantgarde vorbehalten, sondern längst in den Mainstream übergegangen. AJI dies ist verschiedentlich thematisiert und als «postmodern» deklariert worden, doch die mit der Entgrenzung des Raum-Zeit-Gefüges einhergehenden Verschiebungen in der Konstruktion und Wahrnehmung der durch Medien repräsentierten Welt markieren den eigentlichen Zugang zu einer postmodernen Denkweise.21

Und dieser Prozess bedeutet in erster Linie eine Überlagerung unzähliger repräsentierender, abstrakter Zeichenebenen - ein Konglomerat aus scheinbar unendlich vielen Rollen-, Kommunikations-, Inszenierungs- und Identifizierungsmustern, die letztlich alles ermöglichen-nur keine Individualität. Sobald ich eines oder mehrere von ihnen auswähle, um mir eine Identität zu schaffen, löse ich mich bereits wieder in der Masse derer auf, die ebenfalls auf sie rekurrieren. Es folgt der sich ständig wiederholende Eintritt des Individuums in das Zeichen (z.B. durch Gebrauch spezifisch kodierter Musik- und Kleidungsstile). Potentielle Folgen sind Desorientierung, das Festhalten an einer schönen Scheinwelt von Pseudoidentitäten, die Kapitulation in der Menge oder die Ausblendung von Zeichenebenen und eine Reduzierung der Kommunikation. Die Postmoderne ist das Ende der Subkultur (Punk u.a.). Ein möglicher Zufluchtsort sind Szenarien extremer Gewalt am eigenen oder fremden Körper.22

17 In Anlehnung an den Science-Fiction-Film «The Matrix» von den Brüdern WachowsJd (1999), in dem es um eine virtuelle Scheinwelt geht, mit Hilfe derer das Bewusstsein der Menschen durch die Maschinen manipuliert wird. Der Film ist angereichert mit zahlreichen Verweisen und Zitaren - u.a. auf die Erzählung «Alice
im Wunderland».


18 Der Begriff «Narration» steht in diesem Beitrag synonym fur «Erzählung» und impliziert die mittels sprachlicher oder anderer Zeichen bewerkstelligte Darstellung eines realen oder fiktionalen Handlungs-gefüges (Ereignisses) nach bestimmten narrativcn Regeln (Perspekrivierung, Strukturierung, Verknüpfung und zeitliche Zuordnung einzelner Handlungselemente etc.). Ursprünglich ist der Terminus verknüpft mit der Narrativik, der Erzählforschung, die hier nicht näher berücksichtigt werden soll.


19 Im Fall von BSE verlor sich beispielsweise der Nachrichtenweit in der Masse von Meldungen und Berichten über neu erkrankte Tiere, vernichtete Viehbestände und behördliche Inkompetenz. Die mit diesem Phänomen einhergehenden Probleme im landwirtschaftlichen Bereich blieben indes bestehen. Sie entzogen sich lediglich dem Blick der massenmedial orientierten Öffentlichkeit.

20 Die Nachricht vom Verschwinden eines Kindes ist z.B. oft gekoppelt an das Delikt der Kindstötung, an frühere, «vergleichbare» Fälle und an stereotype Konzepte wie das des «Triebtäters» oder «Kinderschänders».


21 Aus diesem Grund ist die Erlangung von «Medienkompetenz» heutzutage ein wichtiger Aspekt der Sozialisation. Dieser Begriff ist dehnbar und diffus, meint aber im Wesentlichen das Erlemen des Umgangs
mit massenmedialen Erzählstrategien und Strukturen.
22 Zur Postmoderne: Luhmann 1998; Engelmann 1999; Rost/Sandbothe 1998;Stratron 1990.
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Widasedumi
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Wow, U.s.1 883, einen tollen Beitrag hast du hier reingestellt, wofür ich danke:
U.s.1 883 hat geschrieben:
Dienstag, 24. November 2020, 17:10:47
«Was ist die Matrix?»
Ich muss ihn mir in Ruhe zu Gemüte führen, denn von dem Soziologen Niklas Luhmann weiß ich ein wenig, aber nicht allzu viel. Er hatte mal mit dem Soziologen Jürgen Habermas einen gesellschaftspolitischen Streitdiskus, auf hohem Niveau. Habe mir auch das Buch dazu gekauft, aber nur mal reingelesen, dann hatte ich wegen des hohen Niveaus, bedingt durch sehr abstrakte Theorien, keine Motivation mehr zum Lesen.

Aber diesen Beitrag werde ich versuchen zu erschließen, ob er für die Fallanalyse erfolgreich ist.

Ich bin nur hierher gekommen, weil der Nachbarthread nicht zugänglich ist. "WARUM UND WANN WERDEN MENSCHEN GRAUSAM?
INTERNE DISKUSSION". Hier gibt es nur einen Beitrag, der von 2018 ist. Aber ich und vermutlich andere auch kommen da nicht rein.
Es ist ein interessantes Thema, zu dem sicher viele User etwas schreiben könnten.


So hat es wenigstens den Zweck gehabt, dass ich mal wieder auf Niklas Luhmann gestoßen bin.

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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Kein leichtes Thema! Es ist die Frage, woran sich ein Individuum festmachen kann, worin es seinen Halt findet? Was ist Realität und was ist Fiktion? Alles verändert sich sehr schnell. Wo ist ein fester unerschuetterlicher Grund. Dazu muss ich mich auf eine Metaebene begeben und muss mich fragen, woher ich komme, was der Sinn meines Lebens ist und wohin ich einmal gehe? Dann bekomme ich Boden unter die Füße. Leider gibt mir diese Matrix im Artikel keine Antwort dazu. Sie ist eher ein Vorhang, der das Gute, das Wahre und das Schöne verdeckt.

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U.s.1 883
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von U.s.1 883 »

von Widasedumi » Samstag, 20. Februar 2021, 09:22:20
......aber wir können einen Augenblick verharren und uns einigen Aspekten widmen, die dem Kern des Postmodernen vielleicht doch sehr nahe kommen.

Ich persönlich bin ja ein Freund der Ahnung.
Die Illusion der Demokratie lebt von der Vertuschung staatlicher Rechtsbrüche, und leider verliert sich selbst die Standfestigkeit ursprünglich integerer Persönlichkeiten allzu oft in den Sümpfen der Politik.

Widasedumi
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

U.s.1 883 hat geschrieben:
Samstag, 20. Februar 2021, 16:40:14
Ich persönlich bin ja ein Freund der Ahnung.
Ahnung kommt von innen. Intuition kommt auch von innen. Selbstreflexion hat was mit meinem Inneren zu tun. Diese Fähigkeiten entwickelt man, wenn sich ein Individuum zeitweise von den Außeneinflüssen abschotten kann. Schon die Moderne, nicht nur die Postmoderne war eine außengesteuerte Gesellschaft. Man orientierte sich, was andere gut finden. Man orientierte sie immer weniger an dem überzeitlich Guten, Wahren und Schönen. Z.B. Egoismus ist früher eher negativ bewertet gewesen. In der Moderne, wo es um Ellbogen geht, da wird der Egoismus nicht mehr so negativ gesehen. Oder mit der Ästhetik ist es auch so eine Sache. Früher hat man neue, unbeschädigte, saubere Sachen als schön bewertet. In der Moderne sah man Jeans im Verkaufsangebot, die wie getragen aussahen. Heute, ganz besonders in der Postmoderne, kriegt man zerrissene Hosen angeboten. Es ist also eine Umkehrung der Werte von früher: das Gute, das Wahre und das Schöne. Die Inhalte von Werten geraten in ihr Gegenteil: Zerrissenes und Zerstörtes soll schön sein. Wahrheit wird relativiert, indem sie dem Mehrheitsvotum untergeordnet wird. Eine Wahrheit an sich gibt es vielleicht nur noch als Banales, dass das Leben endlich ist. Vielleicht gibt es bald einen Impfstoff, dass auch diese Wahrheit nicht mehr gilt? Und das dritte, das Gute, das gibt es vielleicht noch im Privaten. Aber in der Gesellschaft zählen andere Verhaltensweisen.

Ich persönlich reflektiere solche Veränderungen kritisch. Ich kann keinen Vorteil darin sehen und bewerte daher postmoderne Beeinflussung für mich als Zeitverschwendung. Ich weiß, dass es das gibt, ich kann es einordnen, aber ich unterwerfe mich nicht diesen Strömungen, so weit es geht. Es geht nicht immer. Zum Beispiel habe ich mich lange gegen Handys gesträubt. Ich will nicht ständig erreichbar sein. Als aber alle Telefonzellen abgeschafft waren, habe ich mir auch dieses Medium zugelegt. Doch ich mache nur prepaid, und ich habe keinen Vertrag. Unterwegs brauche ich kein Internet. Da lasse ich mir gerne einiges durch den Kopf gehen. Da bin ich introvertiert im Gegensatz zur Extrovertiertheit, wo man ständig Fremdeinflüssen ausgesetzt ist.

Und wenn ich viel Zeit nutze, um nachzudenken, dann kommen tatsächlich Ahnungen oder man hat Intuitionen. Oft denke ich über Probleme nach. Ich will nicht unbedingt eine Lösung finden, sondern vertiefe mich nur in den Sachverhalt. Wenn meine Gedanken gar nicht mehr aktiv sind, dann kommt auf einmal eine ganz andere Sicht zutage, die oft zu einer Lösung führt.

Die Postmoderne, mit ihrer künstlichen Intelligenz und ihren Robotern kann technische Abläufe damit regeln. Aber das geniale Werk eines Menschen kann man nicht kopieren. Auch die Intuition von Tieren ist ein Wunderwerk. Dieses alles zu bewundern und wertzuschätzen, bevorzuge ich allemale gegenüber den wirren Horrorfilmen der Postmoderne. Sie sind ver-rückt, weil die Werte umgedreht wurden. Wenn ich nur an Lady Gaga denke, oder an den Weihnachtsbaum, der umgekehrt von der Decke hängt. Tut mir leid, das ist nichts für mich.

Aber die Ahnung, dass außengesteuerte Menschen dieses alles gut finden, lässt mich erschauern, denn die Wahrheit ist ja zu einer Sache der Mehrheit geworden. Zum Schluss werden andere mich persönlich für verrückt erklären, weil ich sie für verrückt halte. Ich kaufe doch keine Hose, die einem zerrissenen Lumpen gleicht. Wenn ich das bescheuert finde, dann gelte ich eben als verrückt. Mal schaun, ob Corona die Werte wieder in eine überzeitliche Gültigkeit zurechtrückt, oder ob die Verrücktheit durch Corona noch zunimmt?

Das ist die Frage, die ich in meinem Innern bewege. Die Sinne vieler Menschen wurden durch Corona vom Gefühl der Angst überlagert. In der Angst wird die Lust nach Verrücktem, wie dem umgekehrten Weihnachtsbaum, wahrscheinlich schwächer werden. In der Angst wird der Mensch evtl. auch unkritischer. Man glaubt jedem, der einem die Erlösung von einer Gefahr verspricht. Meine Ahnung hierzu ist leider negativ. Ich bedaure diese Menschen, die aus Angst heraus unkritisch sind. Mit Angst kann man ganze Gesellschaften steuern. Wo die Reise hingehen wird? Hier habe ich leider noch keine Ahnung. Aber meine Intuition ist momentan nicht gerade euphorisch. Damit kehre ich an den Anfang zurück, nämlich zu der menschlichen Eigenschaft der Ahnung, die du liebst.

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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Yanell »

Kommt Ahnung nicht von den Rückbindungen, an die Ahnen, die über die Nabelschnur, bzw. die Mutter, Großmutter usw. geht? Also über die Lebenden und die bereits (lange) Verstorbenen? Frag nur*
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Yanell hat geschrieben:
Sonntag, 21. Februar 2021, 17:26:51
Kommt Ahnung nicht von den Rückbindungen, an die Ahnen, die über die Nabelschnur, bzw. die Mutter, Großmutter usw. geht? Also über die Lebenden und die bereits (lange) Verstorbenen? Frag nur
Vom Wortstamm her könnte dein Gedanke durchaus Sinn machen. Auch in diesem Fall wäre die Eigenschaft "Ahnung" eine persönlichkeitsimmanente Entität, deren Existenz nicht auf externen Beeinflussungsimpulsen beruht, wiewohl aber externe Beeinflussungsimpulse unsere Gefühle triggern. Ich bin aber kein Experte, inwieweit sich Wechselwirkungen zwischen Anlagen und Umwelt nachhaltig niederschlagen. Es gibt in totalitären Staaten in Internierungsanstalten ja eine Art "Gehirnwaschung". Was da gemacht wird und wie es gemacht wird, weiß ich nicht.

Das Phänomen "Ahnung" gibt es. Ob es durch Ideologiestrategien abgetötet werden kann, bezweifle ich. Es spielt auch in der Literatur oft eine Rolle. Dieses Phänomen ist nicht objektivierbar. Somit kann man es auch nicht wissenschaftlich untersuchen. Es gibt auch im Tierreich merkwürdiges Tierverhalten vor Katastrophen wie einem Erdbeben, habe ich mal gelesen. Kurzum, ich denke, dass der Mensch Anlagen mitbekommt, die verhindern, dass man ihn zu einer reinen Verhaltensmaschine degradieren kann.

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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Noch ein Gedanke zum Begriff "Ahnung" in Verbindung zu den Ahnen.

Wir erhielten von unseren Vorfahren Deutungsmuster zu unserer Umwelt, zu Gefahren, zur Nahrung, zu Menschen, zur Arbeit, zur Politik, zur Erde, zur Welt und zu vielem mehr, besonders im Prozess der Sprachvermittlung. Wir haben also zuerst einmal die Erklärungen der Vorfahren übernommen, auch wenn wir sie mit der Zeit etwas modifiziert haben. Wir erlebten unsere Eltern und Großeltern oder Verwandten, wie sie Situationen einschätzten und wo sie Gefahren witterten. Solche bedeutsamen oder bewährten Erfahrungen gruben sich in unser Gedächtnis ein und sie haben eben etwas mit unseren Ahnen zu tun, weil das zum Teil auch auf eine lange Generationenfolge zurückgehen kann. Wenn uns nun heute vergleichbare Lebenslagen oder Situationen betreffen, dann haben wir Erfahrungen unserer Ahnen hierzu abgespeichert. Auf diese können wir zurückgreifen und verfügen daher über eine Zukunftshypothese in unserer Lage, welche wir in den Begriff "Ahnung" kleiden.

Es muss aber nicht nur uns selbst als Person betreffen. Es können vergleichbare politische Lagen sein, oder es kann sich um das Verhalten anderer Menschen handeln usw.

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U.s.1 883
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

Ungelesener Beitrag von U.s.1 883 »

Keppel konzipiert den Killer; den Produzenten von Leichen, Tatorten und dump sites, als Urheber von Werken, in denen sich der Kern der Persönlichkeit offenbart. Nicht das Äußere des Killers (sein Aussehen, seine Verhaltensweisen) trägt die Zeichen für die Abweichung, sondern die sorgfältig arrangierten Leichen und die inszenierten Tatorte. Solange der Killer abwesend ist (und dies ist er, solange er Killer ist), fesseln seine Hinterlassenschaften sowie die Orte, an denen er tätig war, den Blick des „Ermittlers“, der hier die Zeichen entdeckt, die den Abwesenden repräsentieren. Der „Ermittler“ ordnet diese Zeichen und <entdeckt> den Typus des «organisiertem Killers, und wenn er die Zeichen nicht zu ordnen vermag, hat er dessen Gegenteil - den «desorganisiertem Killer Immer schreibt er die Spuren, die er entdeckt, einer Ent-Äußerung, dem Manifest-Werden von Persönlichkeit und Phantasie im Handeln und seinen Ergebnissen zu. Der Signature - Killer ist ein Künstler, dessen Werke nur der erfahrene „Ermittler“ (mit seinen Erfahrungen und Initiations-Erlebnisse) als <Wahrheit> entschlüsseln kann.

aus:

Ermittlungstaktische Methoden
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Re: PROFILING - DIE FALLANALYSE

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Die Kurznachricht

kleiner Abriss

Forensische Linguistik
Anwendung quantitativer Methoden der Sprachstatistik und philolog.-hermeneut. Interpretationsverfahren in der Kriminalistik v.a. zur Identifizierung von Sprechern durch Stimmanalysen ( Forensische Phonetik) bzw. zum Nachweis von Autorschaften bei geschriebenen Texten z.B. bei Erpresserschreiben, Bekennerbriefen nach Attentaten, anonymen Verleumdungen u. dgl.; Graphometrie. In der kriminaltechn. Abteilung des Bundeskriminalamts wird seit Ende der 70e Jahre ein computerlesbares Corpus (Kriminaltechnisches Informationssystem Texte, Abk. KISTE) solcher Texte erstellt. Die Analysen sollen Aufschluß geben über regionale und soziale Herkunft eines Verfassers, seine Schulbildung, seine berufl. Orientierung u.ä. Sie werden sowohl bei der Fahndung als auch bei der Beweisführung vor Gericht verwendet. Es ist umstritten, ob solche Analysen tatsächl. einen »sprachl. Fingerabdruck« oder einen »philolog. Steckbrief« hervorbringen können; insbesondere Stilanalysen als Beweismittel werden vielfach als ungenau, impressionist. und – im Hinblick auf die Konsequenzen – gefährlich abgelehnt. In Deutschland wird f.L. zu einem beträchtl. Teil von privaten Instituten betrieben.

Lit. H. Kniffka (Hg.), Texte zu Theorie und Praxis forens. Ling. Tübingen 1990. – G. Grewendorf (Hg.), Rechtskultur als Sprachkultur. Zur forens. Funktion der Sprachanalyse. Ffm. 1992. G
[Lexikon Sprache: Forensische Linguistik. Metzler Lexikon Sprache, S. 3049
(vgl. MLSpr, S. 212 ff.) (c) J.B. Metzler Verlag ]

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