von HE_Gffnkkd » Freitag, 06. November 2026, 13:52:25
Ich möchte die verbleibende Lücke bis zur Urteilsfindung nochmal nutzen, um eine Diskussion zu den Mordmerkmalen anzuregen und nach Meinungen dazu zu fragen.
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage gehen davon aus, dass als Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe in diesem Fall erfüllt sind:
Heckengäu hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 12:28:01
Staatsanwaltschaft sieht zwei Mordmerkmale
Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als Mord aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen.
Heckengäu hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 14:55:36
Auch Nebenklage fordert lebenslange Haft
Auch die Nebenklage sieht die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als erfüllt an. Anwältin Christine Habetha fordert für Gina H. eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
Wir hatten die Mordmerkmale zwar vereinzelt schon mal kurz diskutiert, aber bisher habe ich diesbezüglich noch recht wenig Meinungen gehört, was in diesem Fall zutreffen könnte oder eben nicht.
Ich finde diese Frage allerdings sehr interessant aus folgenden Gründen:
Es wird von sehr vielen Seiten so getan, als sei das Urteil ein "alles oder nichts" Ding, siehe oder viel mehr höre z.B. den Bild Podcast
Der Fall Fabian: Die entscheidenden Indizien.
Unter der Annahme der vollen Schuldfähigkeit, die wohl so gut wie von niemandem bestritten wird (jedenfalls
hier Forum sind wir uns scheinbar wenigstens in diesem Punkt einstimmig einig), wird also oft so getan, als seien nur "Freispruch" oder "Lebenslänglich" als Urteil möglich.
Das ist jedoch faktisch falsch.
Denn wenn das Gericht weder "niedrige Beweggründe" noch "Heimtücke" als Mordmerkmal zweifelsfrei bejahen kann, Gina aber zweifelsfrei als die Täterin sieht, dann wäre (bei voller Schuldfähigkeit) gemäß
§ 212 StGB auch jedes Strafmaß, das zwischen mindestens fünf Jahren und lebenslänglich liegt, ebenso möglich.
Daher möchte ich die beiden Punkte einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.
1. Heimtücke
Die Staatsanwaltschaft und auch die Nebenklage sind sich im Prinzip einig darüber, dass man eigentlich gar nicht weiß, wie die Tötung genau abgelaufen ist, sondern dass man nur über das wahrscheinlichste Szenario mutmaßen kann.
Heckengäu hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 10:53:11
Genauer Ablauf der Tötung bleibt
unklar
Wie genau Fabian getötet wurde, habe sich in der Hauptverhandlung
nicht sicher feststellen lassen, sagt Staatsanwalt Oliver Schley. Der Rechtsmediziner habe als
mögliches Szenario geschildert, dass Fabian von hinten mit einem Arm „umfasst und gewürgt“ worden sei. Dies wäre für Gina H. „anatomisch auch leistbar gewesen“, so Schley.
Sronson hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 14:13:12
„Wir haben kein Tatwerkzeug. Wir können auch die letzten Minuten im Leben des Kindes nur
mutmaßlich rekonstruieren“, sagt Habetha. „Aber wir können eine andere Tätervariante verbindlich ausschließen.“
Das ist aber für die Beurteilung der Frage, ob die Tötung heimtückisch war oder nicht, sehr problematisch. Denn bei Heimtücke geht es im Kern unter anderem um die Frage, ob und falls ja, wann Fabian sich darüber im Klaren war, dass er attackiert wird und in Lebensgefahr schwebt.
Der Gerichtsmediziner skizzierte zwar auch die Möglichkeit eines Szenarios, bei dem Fabian von hinten attackiert wird und der Täter seinen Körper dabei als Widerlage benutzt, tat dies aber nur auf explizite Nachfrage des Gerichtes und hält ein Szenario, bei dem das Opfer auf dem Boden lag, eher für wahrscheinlich:
Sronson hat geschrieben: ↑Donnerstag, 04. Juni 2026, 11:20:59
Richter Schütt möchte wissen, wie Fabian und die Person, die ihn getötet hat, zum Zeitpunkt der Tat zueinanderstanden. Das lasse sich nicht klar sagen, so der Rechtsmediziner.
Aufgrund der massiven Verletzungen sieht er es als wahrscheinlich an, dass Fabian am Boden gelegen haben könnte. "Andernfalls wäre ein enormer Impuls nötig", so Manharts Erklärung. Es sei aber auch möglich, dass der Täter, die Täterin hinter dem Jungen stand und so mehr Kraft aufwenden konnte.
Die Staatsanwaltschaft argumentiert hingegen, dass das Szenario, bei dem Fabian von hinten umfasst wurde, am wahrscheinlichsten ist, weil am Leichnam „keine Abwehrspuren oder andere Anhaltspunkte für ein Kampfgeschehen“ festgestellt wurden:
Sronson hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 10:42:08
„Die genauen Umstände, die wie Tötung erfolgt ist, konnten im Rahmen der Hauptverhandlung nicht festgestellt werden“, sagt Schley.
Da aber der Leichnam „keine Abwehrspuren oder andere Anhaltspunkte für ein Kampfgeschehen“ aufgewiesen habe, sei der Angriff auf Fabian „plötzlich und für diesen unvorhersehbar“ erfolgt.
„Am wahrscheinlichsten“ sei es laut Schley, dass der „stehende oder gehende Fabian von hinten umfasst und gewürgt wurde, während mit der anderen Hand schnell und wiederholt auf den Oberkörper eingestochen wurde“.
Ein solches Szenario spräche natürlich sehr stark für Heimtücke.
Jedoch stellt sich die Frage, wie überzeugend das Argument der Staatsanwaltschaft hier ist, wenn wir von einem teilweise stark verbrannten Leichnam ausgehen müssen, bei dem man durchaus erwarten kann, das Abwehrspuren aufgrund des Zustandes der Leiche unter Umständen gar nicht mehr feststellbar waren.
Gast8888 hat geschrieben: ↑Donnerstag, 04. Juni 2026, 10:56:29
Keine Abwehrspuren feststellbar
Der Gerichtsmediziner erklärt, es habe keinen Anhalt für Abwehrhandlungen gegeben.
Allerdings seien die Oberarme so stark verkohlt gewesen, dass sie nicht mehr auf entsprechende Merkmale untersucht werden konnten. Auch an der erhaltenen rechten Hand seien keine Abwehrspuren festgestellt worden.
Mein persönliche Meinung:
Heimtücke ist zwar sehr wahrscheinlich, lässt sich aber nicht zweifelsfrei bejahen.
In dubio pro reo müsste in diesem Punkt meiner Meinung nach zu Gunsten von Gina entschieden und Heimtücke verneint werden.
Allerdings vermute ich, das Gericht wird der Auffassung der Staatsanwaltschaft folgen und unter anderem aus dem Fehlen von Abwehrspuren die Heimtücke herleiten.
2. Niedrige Beweggründe
Wie auch immer die Staatsanwaltschaft oder Nebenklage die niedrigen Beweggründe in Worte fassen und ausdrücken mag, im Wesentlichen laufen alle genannten Gründe darauf hinaus, dass Gina Fabian als großen Störfaktor für ein weiteres Leben, in der sie nach ihrer Vorstellung mit Mathias ein entspannte Beziehung führen kann, betrachtet hat, und/oder Mathias für die letzte Trennung bestrafen wollte:
Sronson hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 12:02:52
„Fabian wurde zum Sinnbild für die gescheiterte und zugleich ersehnte Beziehung“
Nun geht Oliver Schley auf das Motiv ein. [...]
Matthias R.s Vaterschaft sei
aufgrund von Gina H.s Eifersucht ein „unlösbarer Streitpunkt“ in der Beziehung gewesen.
Die Angeklagte habe erkannt,
dass Matthias R. sich immer wieder von ihr abwandte – und deshalb den Entschluss gefasst, Fabian zu töten. „Fabian wurde zum Sinnbild für die gescheiterte und zugleich ersehnte Beziehung“, sagt Schley.
Heckengäu hat geschrieben: ↑Donnerstag, 29. Oktober 2026, 14:31:41
„Fabian musste nichts tun, um störend zu sein“
Gina H. habe Fabian zunehmend nicht mehr als Kind, sondern
als Problem und möglichen Rivalen wahrgenommen, sagt Habetha. „Fabian war kein Beziehungskonkurrent auf Augenhöhe.“ Es habe genügt, „dass er existierte und von seinem Vater geliebt wurde“.
[...]
„Fabian war kein Problem“
„Fabian war kein Problem, das Erwachsene lösen mussten“, sagt Christine Habetha. Er sei auch kein
Hindernis „auf dem Weg zu einem erträumten Leben zu zweit“ gewesen.
Dass solche Motive nach allgemeiner Auffassung auf sittlich tiefster Stufen stehen und daher besonders verachtenswert wären, brauchen wir nicht zu diskutieren, oder?
Bleibt also die Frage, wie können diese Beweggründe unter der Annahme, das Gina die Täterin ist, zweifelsfrei belegt werden.
Weder die Staatsanwaltschaft noch die Nebenklage geben so richtig eine Antwort darauf, aber anscheinend soll das im Wesentlichen durch die zahlreichen Sprach(nachrichten), die Gina verschickt hat, belegt werden.
Am Ende des Tages muss man hier bei der Motivfrage versuchen, in den Kopf von Gina zu schauen, was immer schwierig ist.
Daher gibt es durchaus kritische Stimmen, die zu der Einschätzung kommen, dass man eventuell nicht genug Material hat, um niedrige Beweggründe zweifelsfrei festzustellen, höre z.B. die Aussage des Strafverteidigers Sayil Bayraktar aus dem Podcast
Der Fall Fabian aus Güstrow -Teil 7: Ist Gina schuldig oder unschuldig? Alle Indizien vor dem Urteil.
Meine persönliche Meinung:
Niedrige Beweggründe lassen sich aus der Kommunikation von Gina sehr gut ableiten. Dafür haben wir unzählige Beispiele gehört.
Insbesondere kann man unter der Annahme, dass Gina Fabian getötet hat, kein Motiv erkennen, dass nichts mit der On-Off-Beziehung zwischen Gina und Mathias zu tun hat.
Ich gehe deshalb davon aus, dass auch das Gericht niedrige Beweggründe bejahen wird.
[Alle farblichem Hervorhebungen in den Zitaten von mir]
Your turn, was meint ihr?
Heimtücke, ja oder nein?
Niedrige Beweggründe, ja oder nein?
[size=125]Ich möchte die verbleibende Lücke bis zur Urteilsfindung nochmal nutzen, um eine Diskussion zu den Mordmerkmalen anzuregen und nach Meinungen dazu zu fragen.[/size]
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage gehen davon aus, dass als Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe in diesem Fall erfüllt sind:
[quote=Heckengäu post_id=368251 time=1793273281 user_id=9149]
Staatsanwaltschaft sieht zwei Mordmerkmale
Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als Mord aus Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen.
[/quote]
[quote=Heckengäu post_id=368309 time=1793282136 user_id=9149]
Auch Nebenklage fordert lebenslange Haft
Auch die Nebenklage sieht die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als erfüllt an. Anwältin Christine Habetha fordert für Gina H. eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
[/quote]
Wir hatten die Mordmerkmale zwar vereinzelt schon mal kurz diskutiert, aber bisher habe ich diesbezüglich noch recht wenig Meinungen gehört, was in diesem Fall zutreffen könnte oder eben nicht.
Ich finde diese Frage allerdings sehr interessant aus folgenden Gründen:
Es wird von sehr vielen Seiten so getan, als sei das Urteil ein "alles oder nichts" Ding, siehe oder viel mehr höre z.B. den Bild Podcast [url=https://www.youtube.com/watch?v=LpVflNAmItY&t=1757s]Der Fall Fabian: Die entscheidenden Indizien[/url].
Unter der Annahme der vollen Schuldfähigkeit, die wohl so gut wie von niemandem bestritten wird (jedenfalls [url=https://www.het-forum.de/viewtopic.php?t=8808]hier Forum[/url] sind wir uns scheinbar wenigstens in diesem Punkt einstimmig einig), wird also oft so getan, als seien nur "Freispruch" oder "Lebenslänglich" als Urteil möglich.
Das ist jedoch faktisch falsch.
Denn wenn das Gericht weder "niedrige Beweggründe" noch "Heimtücke" als Mordmerkmal zweifelsfrei bejahen kann, Gina aber zweifelsfrei als die Täterin sieht, dann wäre (bei voller Schuldfähigkeit) gemäß [url=https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__212.html]§ 212 StGB[/url] auch jedes Strafmaß, das zwischen mindestens fünf Jahren und lebenslänglich liegt, ebenso möglich.
Daher möchte ich die beiden Punkte einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.
[b][size=150]1. Heimtücke[/size][/b]
Die Staatsanwaltschaft und auch die Nebenklage sind sich im Prinzip einig darüber, dass man eigentlich gar nicht weiß, wie die Tötung genau abgelaufen ist, sondern dass man nur über das wahrscheinlichste Szenario mutmaßen kann.
[quote=Heckengäu post_id=368196 time=1793267591 user_id=9149]
[bgcolor=#008800]Genauer[/bgcolor] Ablauf der Tötung bleibt [bgcolor=#008800]unklar[/bgcolor]
[bgcolor=#008800]Wie genau[/bgcolor] Fabian getötet wurde, habe sich in der Hauptverhandlung [bgcolor=#008800]nicht sicher[/bgcolor] feststellen lassen, sagt Staatsanwalt Oliver Schley. Der Rechtsmediziner habe als [bgcolor=#008800]mögliches[/bgcolor] Szenario geschildert, dass Fabian von hinten mit einem Arm „umfasst und gewürgt“ worden sei. Dies wäre für Gina H. „anatomisch auch leistbar gewesen“, so Schley.
[/quote]
[quote=Sronson post_id=368294 time=1793279592 user_id=9913]
„Wir haben kein Tatwerkzeug. Wir können auch die letzten Minuten im Leben des Kindes nur [bgcolor=#008800]mutmaßlich[/bgcolor] rekonstruieren“, sagt Habetha. „Aber wir können eine andere Tätervariante verbindlich ausschließen.“
[/quote]
Das ist aber für die Beurteilung der Frage, ob die Tötung heimtückisch war oder nicht, sehr problematisch. Denn bei Heimtücke geht es im Kern unter anderem um die Frage, ob und falls ja, wann Fabian sich darüber im Klaren war, dass er attackiert wird und in Lebensgefahr schwebt.
Der Gerichtsmediziner skizzierte zwar auch die Möglichkeit eines Szenarios, bei dem Fabian von hinten attackiert wird und der Täter seinen Körper dabei als Widerlage benutzt, tat dies aber nur auf explizite Nachfrage des Gerichtes und hält ein Szenario, bei dem das Opfer auf dem Boden lag, eher für wahrscheinlich:
[quote=Sronson post_id=342845 time=1780564859 user_id=9913]
Richter Schütt möchte wissen, wie Fabian und die Person, die ihn getötet hat, zum Zeitpunkt der Tat zueinanderstanden. Das lasse sich nicht klar sagen, so der Rechtsmediziner. [bgcolor=#008800]Aufgrund der massiven Verletzungen sieht er es als wahrscheinlich an, dass Fabian am Boden gelegen haben könnte.[/bgcolor] "Andernfalls wäre ein enormer Impuls nötig", so Manharts Erklärung. Es sei aber auch möglich, dass der Täter, die Täterin hinter dem Jungen stand und so mehr Kraft aufwenden konnte.
[/quote]
Die Staatsanwaltschaft argumentiert hingegen, dass das Szenario, bei dem Fabian von hinten umfasst wurde, am wahrscheinlichsten ist, weil am Leichnam „keine Abwehrspuren oder andere Anhaltspunkte für ein Kampfgeschehen“ festgestellt wurden:
[quote=Sronson post_id=368183 time=1793266928 user_id=9913]
„Die genauen Umstände, die wie Tötung erfolgt ist, konnten im Rahmen der Hauptverhandlung nicht festgestellt werden“, sagt Schley. [bgcolor=#008800]Da aber der Leichnam „keine Abwehrspuren oder andere Anhaltspunkte für ein Kampfgeschehen“ aufgewiesen habe, sei der Angriff auf Fabian „plötzlich und für diesen unvorhersehbar“ erfolgt.[/bgcolor]
„Am wahrscheinlichsten“ sei es laut Schley, dass der „stehende oder gehende Fabian von hinten umfasst und gewürgt wurde, während mit der anderen Hand schnell und wiederholt auf den Oberkörper eingestochen wurde“.
[/quote]
Ein solches Szenario spräche natürlich sehr stark für Heimtücke.
Jedoch stellt sich die Frage, wie überzeugend das Argument der Staatsanwaltschaft hier ist, wenn wir von einem teilweise stark verbrannten Leichnam ausgehen müssen, bei dem man durchaus erwarten kann, das Abwehrspuren aufgrund des Zustandes der Leiche unter Umständen gar nicht mehr feststellbar waren.
[quote=Gast8888 post_id=342825 time=1780563389 user_id=11528]
Keine Abwehrspuren feststellbar
Der Gerichtsmediziner erklärt, es habe keinen Anhalt für Abwehrhandlungen gegeben. [bgcolor=#008800]Allerdings seien die Oberarme so stark verkohlt gewesen, dass sie nicht mehr auf entsprechende Merkmale untersucht werden konnten.[/bgcolor] Auch an der erhaltenen rechten Hand seien keine Abwehrspuren festgestellt worden.
[/quote]
[u]Mein persönliche Meinung:[/u]
Heimtücke ist zwar sehr wahrscheinlich, lässt sich aber nicht zweifelsfrei bejahen.
In dubio pro reo müsste in diesem Punkt meiner Meinung nach zu Gunsten von Gina entschieden und Heimtücke verneint werden.
Allerdings vermute ich, das Gericht wird der Auffassung der Staatsanwaltschaft folgen und unter anderem aus dem Fehlen von Abwehrspuren die Heimtücke herleiten.
[b][size=150]2. Niedrige Beweggründe[/size][/b]
Wie auch immer die Staatsanwaltschaft oder Nebenklage die niedrigen Beweggründe in Worte fassen und ausdrücken mag, im Wesentlichen laufen alle genannten Gründe darauf hinaus, dass Gina Fabian als großen Störfaktor für ein weiteres Leben, in der sie nach ihrer Vorstellung mit Mathias ein entspannte Beziehung führen kann, betrachtet hat, und/oder Mathias für die letzte Trennung bestrafen wollte:
[quote=Sronson post_id=368230 time=1793271772 user_id=9913]
„Fabian wurde zum Sinnbild für die gescheiterte und zugleich ersehnte Beziehung“
Nun geht Oliver Schley auf das Motiv ein. [...]
Matthias R.s Vaterschaft sei [bgcolor=#008800]aufgrund von Gina H.s Eifersucht ein „unlösbarer Streitpunkt“ in der Beziehung[/bgcolor] gewesen.
Die Angeklagte habe erkannt, [bgcolor=#008800]dass Matthias R. sich immer wieder von ihr abwandte – und deshalb den Entschluss gefasst, Fabian zu töten.[/bgcolor] „Fabian wurde zum Sinnbild für die gescheiterte und zugleich ersehnte Beziehung“, sagt Schley.
[/quote]
[quote=Heckengäu post_id=368305 time=1793280701 user_id=9149]
„Fabian musste nichts tun, um störend zu sein“
Gina H. habe Fabian zunehmend nicht mehr als Kind, sondern [bgcolor=#008800]als Problem und möglichen Rivalen[/bgcolor] wahrgenommen, sagt Habetha. „Fabian war kein Beziehungskonkurrent auf Augenhöhe.“ Es habe genügt, „dass er existierte und von seinem Vater geliebt wurde“.
[...]
„Fabian war kein Problem“
„Fabian war kein Problem, das Erwachsene lösen mussten“, sagt Christine Habetha. Er sei auch kein [bgcolor=#008800]Hindernis „auf dem Weg zu einem erträumten Leben zu zweit“[/bgcolor] gewesen.
[/quote]
Dass solche Motive nach allgemeiner Auffassung auf sittlich tiefster Stufen stehen und daher besonders verachtenswert wären, brauchen wir nicht zu diskutieren, oder?
Bleibt also die Frage, wie können diese Beweggründe unter der Annahme, das Gina die Täterin ist, zweifelsfrei belegt werden.
Weder die Staatsanwaltschaft noch die Nebenklage geben so richtig eine Antwort darauf, aber anscheinend soll das im Wesentlichen durch die zahlreichen Sprach(nachrichten), die Gina verschickt hat, belegt werden.
Am Ende des Tages muss man hier bei der Motivfrage versuchen, in den Kopf von Gina zu schauen, was immer schwierig ist.
Daher gibt es durchaus kritische Stimmen, die zu der Einschätzung kommen, dass man eventuell nicht genug Material hat, um niedrige Beweggründe zweifelsfrei festzustellen, höre z.B. die Aussage des Strafverteidigers Sayil Bayraktar aus dem Podcast [url=https://www.youtube.com/watch?v=ZEb8FKfLFVk&t=5832s]Der Fall Fabian aus Güstrow -Teil 7: Ist Gina schuldig oder unschuldig? Alle Indizien vor dem Urteil[/url].
[u]Meine persönliche Meinung:[/u]
Niedrige Beweggründe lassen sich aus der Kommunikation von Gina sehr gut ableiten. Dafür haben wir unzählige Beispiele gehört.
Insbesondere kann man unter der Annahme, dass Gina Fabian getötet hat, kein Motiv erkennen, dass nichts mit der On-Off-Beziehung zwischen Gina und Mathias zu tun hat.
Ich gehe deshalb davon aus, dass auch das Gericht niedrige Beweggründe bejahen wird.
[Alle farblichem Hervorhebungen in den Zitaten von mir]
[b]Your turn, was meint ihr?
Heimtücke, ja oder nein?
Niedrige Beweggründe, ja oder nein?[/b]
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Wenn es fancy wird, verneint das Gericht beide möglichen Mordmerkmale, aber Gina geht dennoch für 20 - 30 Jahre ins Gefägnis, weil das Gericht nach § 212 Absatz 2 StGB diese Tat als einen besonders schweren Fall des Totschlags mit Festellung der besonderen Schwere der Schuld einstuft.
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Ich hab recherhiert, das ist theoretisch denkbar und würde genauso bestraft werden wie ein Mord mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
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