von Catch22 » Dienstag, 09. Juni 2026, 22:01:21
Inzwischen fand ich Gelegenheit, auch die kostenpflichtigen Folgen des Podcasts der „Zeit“ (siehe
hier) anzuhören.
In Folge 4 wird zitiert aus der Begutachtung durch den Hamburger Rechtsmediziner
Klaus Püschel. RAin Rick stellte im ersten Rechtsgang am 08.02.2024 einen Beweisantrag, Püschel als weiteren Sachverständigen hinzuzuziehen. Zugleich präsentierte sie dem Gericht Püschels Ersteinschätzung.
Brüsk abgelehnt wurde von der Aßbichlerschen Kammer der Beweisantrag (welcher der Gründe aus §
244 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1–5, Abs. 4 StPO vom Gericht bemüht wurde, blieb unklar). Und vom Nebenklagevertreter Holderle wurde RAin Rick mit einer absurden Strafanzeige überzogen, weil die Verteidigerin das Obduktionsgutachten der Münchener LMU dem Hamburger Rechtsmediziner als Arbeitsgrundlage überlassen hatte (§
203 StGB; das Recht des Angeklagten auf Verteidigung überwiegt jedoch die schutzwürdigen Interessen der Toten).
Püschels Expertise hätte das Luftschloss vom Meuchelmörder in sich zusammenstürzen lassen. (Die Sechskantschrauben am Schütz der Oberprienmühle waren der Verteidigung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.)
Hier das Zitat Püschels, das Aßbichler und Holderle auf die Palme brachte – und auch die oft diskutierten „Schwimmbewegungen“ erklären sich im Kontext wie von selbst:
Das Wolkenkuckucksheim der Staatsanwaltschaft und Aßbichlers Kammer offenbart der in Folge 5 zitierte, inzwischen legendäre E-Mail-Verkehr von StA Wolfgang Fiedler mit der Vorsitzenden „Jacqu“ Aßbichler vom 03.01.2024 – erstmals in epischer Breite:
Folge 6 schließlich beleuchtet Details aus der zweiten Hauptverhandlung in Laufen. Los geht‘s mit einer Rechtsmediziner-Tombola voller Nieten und der Charakterisierung der neuen Vorsitzenden Heike Will. Im Kleid zuckersüßer Liebenswürdigkeit stellt sie bohrende Fragen, vor denen es kein Entrinnen gibt. Als erste in ihre Fänge geraten die Rosenheim Cops. Der Mitschrieb aus der Hauptverhandlung stützt Sabine Rückerts Erinnerung.
Die Gutachter Soyka und Steller hatten dem JVA-Zeugen Adrian M., einem „Sabbelkopp und Märchenerzähler“, attestiert, dass in dessen Aussage kein Körnchen Wahrheit steckt. Die Krone setzt dem Ganzen der Staatsanwalt auf:
Vorgelesen werden zwei Presseerklärungen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können: Voller Vorwürfe zogen sich die Nebenkläger zurück – mit einer vor Larmoyanz triefenden Presseerklärung Holderles (siehe auch
hier, im 2. Spoiler). Die Verteidiger konterten mit einer eigenen Presseerklärung und erinnerten Holderle an dessen Pflichten als Rechtsanwalt und Nebenklagevertreter (siehe auch
hier, im 5. Spoiler). Hannas Eltern erwarten, was ein Strafprozess nicht leisten kann, und ihr Rechtsbeistand erklärt es ihnen nicht.
Sabine Rückert schildert, welchen Qualen Sebastian in der U-Haft ausgesetzt war, wie er gepiesackt und gemobbt wurde, dass er laut weiterer Zeugen aus der JVA die Tat stets bestritten hatte. Ebenso erfahren wir, wie sich im Laufe der Zeit Sebastians Freunde gegen ihn wandten, sich zu seinen Feinden erklärten.
Geradewegs ein Komplott abgesprochener Falschaussagen offenbart sich im Dreigestirn von Verena, Lea und deren Mutter Angela R. Mit plump vorgetäuschten Gedächtnislücken will sich die Damen-Combo vor Strafverfolgung schützen – bis Absprachen in Handy-Chats das Lügengebäude zum Einsturz bringen. Lea verlässt den Saal „laut heulend wie ein Schlosshund“.
Zurück in den November 2022. Schon damals wusste die Polizei, dass Verenas Aussage nicht stimmen konnte – ein Umstand der m. E. in dem bevorstehenden Amtshaftungsprozess eine zentrale Rolle spielen dürfte:
Zu technischen Aspekten wie etwa zur Auswertung von Hannas Handy findet Sabine Rückert nur schwer Zugang. Der Hörer erfährt darüber nichts Neues.
Nachdem alle Verdachtsmomente gegen Sebastian ausgeräumt waren, spielten auch Rechtsmedizin und Hydromechanik keine Rolle mehr. „Mit Glanz und Gloria“ wurde Sebastian freigesprochen.
Aber „in dieser Gegend leben
► all die Polizisten, die Mist gebaut haben,
► die Staatsanwälte, die einen Unschuldigen verfolgt haben,
► die Richter, die einen Unschuldigen verurteilt haben,
► die Eltern der Toten,
► die Freunde der Toten,
► der Nebenklagevertreter Holderle,
die alle nach Kräften mitgeholfen haben, Sebastian verdächtig zu machen“ (Folge 6, ca. Min. 1:05:10 bis 1:05:35).
Eine spannende Frage (Folge 6, ca. Min. 35:19 bis 38:57): Krimiformate wie „Tatort“ hätten den Sonntags-Gottesdienst abgelöst. Die Welt sei wieder heil, wenn es einen Schuldigen gebe. Lässt sich damit erklären, dass viele Menschen in der Region vor den Kopf gestoßen sind, wenn der Angeklagte plötzlich unschuldig ist? Gilt seine Schuld deshalb bei vielen nach wie vor und wider besseres Wissen als unverrückbare Tatsache?
Sebastian hat Aschau verlassen und wohnt jetzt woanders, weil er sich diesem Druck nicht mehr aussetzen will. Auch er muss heilen. Das kann er nicht, wenn jeder zweite die Straßenseite wechselt, wenn er ihm begegnet (Folge 6, ca. Min. 1:06:58 bis 1:07:28).
Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter in Richtung eines Gewaltverbrechens – diesmal gegen Unbekannt – und behauptet, Fehler aufgearbeitet zu haben (siehe auch
hier und
hier). „Wir haben alles richtig gemacht. Da merkt man wieder, man ist in Bayern. Und ich möchte nicht wissen, was dieses Verfahren den bayerischen Steuerzahler gekostet hat …“, resümiert Sabine Rückert (Folge 6, ab ca. Min. 1:12:11).
fassbinder hat geschrieben: ↑Donnerstag, 28. Mai 2026, 20:00:00
… es lohnt sich ein Probeabo abzuschließen. …
Bntzrnm hat geschrieben: ↑Sonntag, 31. Mai 2026, 14:06:42
… aus dem hörenswerten Podcast. …
Mit Fakten, Zusammenhängen und Hintergründen überzeugt der Podcast der „Zeit“ – ein informativer Überblick von den Anfängen bis zum vorläufigen Ende des Eiskeller-Falls. Weit über die hier im Thread transkribierten Passagen hinaus sorgen Sabine Rückert und Andreas Sentker für Spannung und Kurzweil. Dieser Podcast ist ein Gewinn! Auch für angestammte OVB-Leser, die ihr Dasein mit einem sinnstiftenden Inhalt bereichern wollen.
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Zwei Randnotizen
Inzwischen fand ich Gelegenheit, auch die kostenpflichtigen Folgen des Podcasts der „Zeit“ (siehe [url=viewtopic.php?p=339680#p339680]hier[/url]) anzuhören.
In Folge 4 wird zitiert aus der Begutachtung durch den Hamburger Rechtsmediziner [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_P%C3%BCschel]Klaus Püschel[/url]. RAin Rick stellte im ersten Rechtsgang am 08.02.2024 einen Beweisantrag, Püschel als weiteren Sachverständigen hinzuzuziehen. Zugleich präsentierte sie dem Gericht Püschels Ersteinschätzung.
Brüsk abgelehnt wurde von der Aßbichlerschen Kammer der Beweisantrag (welcher der Gründe aus § [url=https://dejure.org/gesetze/StPO/244.html]244[/url] Abs. 3 Satz 3 Nr. 1–5, Abs. 4 StPO vom Gericht bemüht wurde, blieb unklar). Und vom Nebenklagevertreter Holderle wurde RAin Rick mit einer absurden Strafanzeige überzogen, weil die Verteidigerin das Obduktionsgutachten der Münchener LMU dem Hamburger Rechtsmediziner als Arbeitsgrundlage überlassen hatte (§ [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/203.html]203[/url] StGB; das Recht des Angeklagten auf Verteidigung überwiegt jedoch die schutzwürdigen Interessen der Toten).
Püschels Expertise hätte das Luftschloss vom Meuchelmörder in sich zusammenstürzen lassen. (Die Sechskantschrauben am Schütz der Oberprienmühle waren der Verteidigung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.)
Hier das Zitat Püschels, das Aßbichler und Holderle auf die Palme brachte – und auch die oft diskutierten „Schwimmbewegungen“ erklären sich im Kontext wie von selbst:
[spoiler2=Spoiler – hier klicken!]
[b]Püschels Einschätzung:[/b]
[quote]
Zunächst ist klarzustellen, dass diverse, unter Umständen auch sehr ausgedehnte Muskelblutungen am Rücken, im Schulterbereich und am Hals von ertrunkenen Personen auch ohne sonstige stumpfe, äußere Gewalteinwirkung hervorgerufen werden können. Derartige Blutungen entstehen durch agonale Kämpfe während des Ertrinkungsvorgangs sowie durch Überanstrengung, Hyperkontraktion der für Schwimmbewegungen und zum Atmen benötigten Muskulatur. Hinzuweisen ist darauf, dass ein Leichnam in Fließgewässern in der Regel in Bauchlage und mit dem Kopf voran treibt. Wenn der Körper an Hindernisse anstößt, ist also vor allem der vorangehende Kopf und die Schulteregion betroffen, unter Umständen auch die Hüfte, wenn der Körper schräg anstößt. Gerade in diesen Regionen finden sich im hier betrachteten Fall die stärksten Verletzungen der Toten. Die am Körper von Frau Hanna W. beschriebenen Verletzungen entsprechen in ihrem Gesamtmuster einem Verletzungsbild, wie man es bei einem langen Treiben – hier 12 Kilometer – in einem reißenden Fluss mit einem felsigen Untergrund erwartet. Dies gilt speziell für die Körperverletzungen.
Im Hinblick auf das Entkleiden des Körpers ist es gängiges rechtsmedizinisches Lehrbuchwissen, dass speziell die Oberbekleidung beim Treiben des Körpers im Wasser durch Strömung und Hindernisse im Wasser abgestreift werden kann. Dabei können beispielsweise auch Schmuckstücke [von] Effekten abgestreift werden, zum Beispiel Uhr, Kette, Ring, sonstiger Schmuck. Zu betonen ist, dass Personen, die ins Wasser geraten sind, vollgesogene, schwere Kleidung, die beim Schwimmen bzw. Überwasserhalten hinderlich sind, abzustreifen, auszuziehen versuchen. Dies erklärt ohne Weiteres sofort, dass die abzulegenden Kleidungsstücke unterschiedlich ausgezogen werden.
Ihr umfangreiches Verletzungsmuster ist vollständig durch Treiben des Körpers, bäuchlings mit Kopf und Schulterregion voran, im reißenden Fluss mit felsigem Untergrund und Ufer zu erklären, wobei der Körper vielfach mit spitzen Steinen und rauem, hartem Untergrund kollidierte. Das gilt insbesondere für die diversen Kopfplatzwunden (5) sowie für zahlreiche weitere Abschürfungen und Kratzer am Kopf. Dies gilt weiterhin auch für die knöchernen Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule und beider Schulterblätter. Es gibt keine richtungsweisenden Hinweise auf sonstige Gewalteinwirkung, etwa stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf oberhalb der sogenannten Hutkrempenlinie mittels eines unbekannten Werkzeugs, wie zum Beispiel einem Hammer, oder auf strangulierte Gewalt am Hals. Auch der Verlust der Oberbekleidung, wie hier festgestellt, ist ohne Weiteres durch Treiben im Wasser entlang von Hindernissen sowie letztendlich aktive Selbstrettungsversuche mit Abstreifen von Kleidung zu erklären.
[size=85]Podcast der „Zeit“ vom 26.05.2026, Folge 4 („Ein böser Zeuge“), ca. Min. 50:22 bis 53:20[/size]
[size=85]„Die Zeit“: https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-05/mordprozess-gestaendnis-zeuge-eiskeller-verbrechen-podcast[/size]
[size=85]Spotify: https://open.spotify.com/episode/0cPcZfhyBz7TX24aRqt0Ba[/size]
[size=85]Apple: https://podcasts.apple.com/us/podcast/sie-brauchten-einen-m%C3%B6rder-4-6-ein-b%C3%B6ser-zeuge/id1374777077?i=1000769643962[/size]
[/quote]
[/spoiler2]
Das Wolkenkuckucksheim der Staatsanwaltschaft und Aßbichlers Kammer offenbart der in Folge 5 zitierte, inzwischen legendäre E-Mail-Verkehr von StA Wolfgang Fiedler mit der Vorsitzenden „Jacqu“ Aßbichler vom 03.01.2024 – erstmals in epischer Breite:
[spoiler2=Spoiler – hier klicken!]
[b]StA Wolfgang Fiedler an Vorsitzende „Jacqu“ Aßbichler:[/b]
[quote]
Hi Jacqu,
der Kollege Jeserer und ich sind gestern noch länger zusammengesessen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir in unserem Plädoyer den gleichen Sachverhalt wie Ihr zugrundelegen.
Der Angeklagte geht mitten in der Nacht zum Laufen, um seinen angestauten Ärger (Berichtsheft, Ärger mit Mutter, Probleme mit Vater) [abzureagieren] und läuft bewusst nahe des Eiskellers vorbei in der Hoffnung, einige leicht bekleidete Frauen zu sehen. Die Pornos, die er sich die Tage zuvor angeschaut hat, zeigen ja auch seine „Drucksituation“. Ecke Burgweg/Kampenwandstraße sieht er die Hanna und geht sie von hinten aus sexuellem Interesse an. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem er ihr unter anderem die Jacke auszieht und sie zu Boden bringt, wobei sie auf dem Bauch liegt. Dort fixiert er sie so brutal, dass die beiden Schulterdächer brechen und es zu dieser massiven Einblutung im Rückenbereich kommt. Der Angeklagte sieht sich nicht mehr aus und schlägt ihr mit einem stumpfen Gegenstand mehrfach gegen den Kopf und merkt anschließend, als Hanna bewusstlos ist, was er angerichtet hat, und muss das Opfer „entsorgen“ (aus Angst oder weil er gestört wird) und wirft sie in den Bärbach, wo sie ertrinkt.
Wenn man bei dem ersten Akt nur einen Körperverletzungsvorsatz annimmt [§§ [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/223.html]223[/url], [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/224.html]224[/url] StGB] (was naheliegend ist, da seine Ziele noch andere waren), dann müsste man unserer Ansicht nach die Verdeckungsabsicht [Mordmerkmal, § [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/211.html]211[/url] Abs. 2, 3. Fallgruppe StGB] bei der anschließenden Tötung annehmen. Der Kollege hat einige Fundstellen dazu herausgearbeitet. Wir haben überlegt, ob wir alternativ – wenn schon beim ersten Akt Tötungsvorsatz angenommen wird – auf Heimtückemord plädieren [Mordmerkmal, § [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/211.html]211[/url] Abs. 2, 2. Fallgruppe StGB]. Das überlegen wir noch.
[size=85]Podcast der „Zeit“ vom 26.05.2026, Folge 5 („Das Kartenhaus stürzt ein“), ca. Min. 4:00 bis 5:58[/size]
[size=85]„Die Zeit“: https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-05/absprache-vorsitzende-bundesgerichtshof-eiskeller-verbrechen-podcast[/size]
[size=85]Spotify: https://open.spotify.com/episode/4zKiYduYALfMK4jbNu3Wfg[/size]
[size=85]Apple: https://podcasts.apple.com/us/podcast/sie-brauchten-einen-m%C3%B6rder-5-6-das-kartenhaus-st%C3%BCrzt-ein/id1374777077?i=1000769644301[/size]
[/quote]
[b]Vorsitzende „Jacqu“ Aßbichler an StA Wolfgang Fiedler:[/b]
[quote]
Hallo Wolfgang,
ich denke, dass die Aussage des [JVA-Zeugen Adrian] M. zum Tötungsvorsatz ganz wichtig ist. Der Angeklagte sagte, er habe sie bewusstlos geschlagen, damit sie sich nicht wehren kann, und er habe sie nicht töten wollen […] damit gefährliche Körperverletzung [§ [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/224.html]224[/url] StGB] in Tatmehrheit mit Mord [§ [url=https://dejure.org/gesetze/StGB/211.html]211[/url] StGB] (Verdeckungsabsicht evtl. mit dolus eventualis [Eventualvotsatz, billigende Inkaufnahme des Todes]) […]
[size=85]BGH-Beschluss vom 01.04.2025[/size]
[size=85][url]viewtopic.php?p=293346#p293346[/url] (im Spoiler)[/size]
[size=85]Bild am 20.02.2024[/size]
[size=85][url]viewtopic.php?p=245108#p245108[/url] (im Spoiler)[/size]
[size=85]https://www.bild.de/regional/bayern/regional/hannas-killer-vor-gericht-eiskeller-prozess-koennte-platzen-87225770.bild.html[/size]
[/quote]
[/spoiler2]
Folge 6 schließlich beleuchtet Details aus der zweiten Hauptverhandlung in Laufen. Los geht‘s mit einer Rechtsmediziner-Tombola voller Nieten und der Charakterisierung der neuen Vorsitzenden Heike Will. Im Kleid zuckersüßer Liebenswürdigkeit stellt sie bohrende Fragen, vor denen es kein Entrinnen gibt. Als erste in ihre Fänge geraten die Rosenheim Cops. Der Mitschrieb aus der Hauptverhandlung stützt Sabine Rückerts Erinnerung.
Die Gutachter Soyka und Steller hatten dem JVA-Zeugen Adrian M., einem „Sabbelkopp und Märchenerzähler“, attestiert, dass in dessen Aussage kein Körnchen Wahrheit steckt. Die Krone setzt dem Ganzen der Staatsanwalt auf:
[spoiler2=Spoiler – hier klicken!]
[b]Sabine Rückert:[/b]
[quote]
Interessant war vielleicht noch, dass die Staatsanwaltschaft hinterher sagte, wir hätten gar keinen Sachverständigen gebraucht, das hätten wir ja auch selbst feststellen können, dass der [Zeuge Adrian M.] lügt.
[size=85]Podcast der „Zeit“ vom 26.05.2026, Folge 6 („Das Ende der Lügen“), ca. Min. 34:46 bis 34:55[/size]
[size=85]„Die Zeit“: https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-05/freispruch-luegen-unschuld-polizei-eiskeller-verbrechen-podcast[/size]
[size=85]Spotify: https://open.spotify.com/episode/2JC1xfkMGMlhxMxwEsEra4[/size]
[size=85]Apple: https://podcasts.apple.com/us/podcast/sie-brauchten-einen-m%C3%B6rder-6-6-das-ende-der-l%C3%BCgen/id1374777077?i=1000769644434[/size]
[/quote]
[/spoiler2]
Vorgelesen werden zwei Presseerklärungen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können: Voller Vorwürfe zogen sich die Nebenkläger zurück – mit einer vor Larmoyanz triefenden Presseerklärung Holderles (siehe auch [url=viewtopic.php?p=305281#p305281]hier[/url], im 2. Spoiler). Die Verteidiger konterten mit einer eigenen Presseerklärung und erinnerten Holderle an dessen Pflichten als Rechtsanwalt und Nebenklagevertreter (siehe auch [url=viewtopic.php?p=305281#p305281]hier[/url], im 5. Spoiler). Hannas Eltern erwarten, was ein Strafprozess nicht leisten kann, und ihr Rechtsbeistand erklärt es ihnen nicht.
Sabine Rückert schildert, welchen Qualen Sebastian in der U-Haft ausgesetzt war, wie er gepiesackt und gemobbt wurde, dass er laut weiterer Zeugen aus der JVA die Tat stets bestritten hatte. Ebenso erfahren wir, wie sich im Laufe der Zeit Sebastians Freunde gegen ihn wandten, sich zu seinen Feinden erklärten.
Geradewegs ein Komplott abgesprochener Falschaussagen offenbart sich im Dreigestirn von Verena, Lea und deren Mutter Angela R. Mit plump vorgetäuschten Gedächtnislücken will sich die Damen-Combo vor Strafverfolgung schützen – bis Absprachen in Handy-Chats das Lügengebäude zum Einsturz bringen. Lea verlässt den Saal „laut heulend wie ein Schlosshund“.
Zurück in den November 2022. Schon damals wusste die Polizei, dass Verenas Aussage nicht stimmen konnte – ein Umstand der m. E. in dem bevorstehenden Amtshaftungsprozess eine zentrale Rolle spielen dürfte:
[spoiler2=Spoiler – hier klicken!]
[b]Das einzige Indiz, das den Haftbefehl stützte, war faul und die Polizei wusste das:[/b]
[quote]
Sabine Rückert: Das Interessante war, dass ein Zeuge gehört worden ist zu diesem Thema bei der Polizei, der die Handys ausgewertet hat. Und der hat diese ganzen Kurznachrichten der Verena ausgewertet und hat gesagt, die widerruft ja hier ihre Aussage, gegenüber ihren Freunden und ihren Verwandten in diesen SMSen, und hat dann die Leiter der Soko „Club“ darauf aufmerksam gemacht. Er hat gesagt, er habe sie augenblicklich darauf aufmerksam gemacht, dass sich hier Widersprüche in der Aussage der Verena auftun.
Andreas Sentker: Die Soko wusste das?
Sabine Rückert: Sie wusste das! Sie wusste das. Sie wussten, dass Verena Unfug erzählt hat. Und das wurde auch abgespielt im Saal. Man hat das gehört. Diese Sprachnachrichten, diese verzweifelten, durchgeknallten Sprachnachrichten, die wurden im Saal abgespielt und es hat sich nichts an der Einstellung der Polizei geändert.
Andreas Sentker: Wir erinnern uns, das war die Konstruktion des Täterwissens.
[size=85]Podcast der „Zeit“ vom 26.05.2026, Folge 6 („Das Ende der Lügen“), ca. Min. 49:20 bis 50:15[/size]
[size=85]„Die Zeit“: https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-05/freispruch-luegen-unschuld-polizei-eiskeller-verbrechen-podcast[/size]
[size=85]Spotify: https://open.spotify.com/episode/2JC1xfkMGMlhxMxwEsEra4[/size]
[size=85]Apple: https://podcasts.apple.com/us/podcast/sie-brauchten-einen-m%C3%B6rder-6-6-das-ende-der-l%C3%BCgen/id1374777077?i=1000769644434[/size]
[/quote]
[/spoiler2]
Zu technischen Aspekten wie etwa zur Auswertung von Hannas Handy findet Sabine Rückert nur schwer Zugang. Der Hörer erfährt darüber nichts Neues.
Nachdem alle Verdachtsmomente gegen Sebastian ausgeräumt waren, spielten auch Rechtsmedizin und Hydromechanik keine Rolle mehr. „Mit Glanz und Gloria“ wurde Sebastian freigesprochen.
Aber „in dieser Gegend leben
► all die Polizisten, die Mist gebaut haben,
► die Staatsanwälte, die einen Unschuldigen verfolgt haben,
► die Richter, die einen Unschuldigen verurteilt haben,
► die Eltern der Toten,
► die Freunde der Toten,
► der Nebenklagevertreter Holderle,
die alle nach Kräften mitgeholfen haben, Sebastian verdächtig zu machen“ (Folge 6, ca. Min. 1:05:10 bis 1:05:35).
Eine spannende Frage (Folge 6, ca. Min. 35:19 bis 38:57): Krimiformate wie „Tatort“ hätten den Sonntags-Gottesdienst abgelöst. Die Welt sei wieder heil, wenn es einen Schuldigen gebe. Lässt sich damit erklären, dass viele Menschen in der Region vor den Kopf gestoßen sind, wenn der Angeklagte plötzlich unschuldig ist? Gilt seine Schuld deshalb bei vielen nach wie vor und wider besseres Wissen als unverrückbare Tatsache?
Sebastian hat Aschau verlassen und wohnt jetzt woanders, weil er sich diesem Druck nicht mehr aussetzen will. Auch er muss heilen. Das kann er nicht, wenn jeder zweite die Straßenseite wechselt, wenn er ihm begegnet (Folge 6, ca. Min. 1:06:58 bis 1:07:28).
Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter in Richtung eines Gewaltverbrechens – diesmal gegen Unbekannt – und behauptet, Fehler aufgearbeitet zu haben (siehe auch [url=viewtopic.php?p=326064#p326064]hier[/url] und [url=viewtopic.php?p=326409#p326409]hier[/url]). „Wir haben alles richtig gemacht. Da merkt man wieder, man ist in Bayern. Und ich möchte nicht wissen, was dieses Verfahren den bayerischen Steuerzahler gekostet hat …“, resümiert Sabine Rückert (Folge 6, ab ca. Min. 1:12:11).
[quote=fassbinder post_id=340537 time=1779991200 user_id=9840]
… es lohnt sich ein Probeabo abzuschließen. …
[/quote]
[quote=Bntzrnm post_id=341600 time=1780229202 user_id=10923]
… aus dem hörenswerten Podcast. …
[/quote]
Mit Fakten, Zusammenhängen und Hintergründen überzeugt der Podcast der „Zeit“ – ein informativer Überblick von den Anfängen bis zum vorläufigen Ende des Eiskeller-Falls. Weit über die hier im Thread transkribierten Passagen hinaus sorgen Sabine Rückert und Andreas Sentker für Spannung und Kurzweil. Dieser Podcast ist ein Gewinn! Auch für angestammte OVB-Leser, die ihr Dasein mit einem sinnstiftenden Inhalt bereichern wollen. ;-)
[size=85]Probe-Abo (während der ersten 4 Wochen kostenlos, innerhalb dieses Zeitraums jederzeit kündbar):[/size]
[size=85]https://premium.zeit.de/bestellung/1980406?appLinkHandling=true&angebot=https%3A%2F%2Fpremium.zeit.de%2Fbestellung%2F1980406&entry_service=audio&product_id=zede&url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Fserie%2Fverbrechen%23success-registration&wt_zmc=fix.int.zonaudev.diezeit.audio.premium.card_sys_gate_audio_web.link.zede&utm_medium=fix&utm_source=diezeit_zonaudev_int&utm_campaign=audio&utm_content=premium_card_sys_gate_audio_web_link_zede#start[/size]
[size=85]Gratis-Ausgabe von „Zeit Verbrechen“ mit kostenlosem Zugriff auf Podcasts für 8 Wochen (Abo jederzeit monatlich kündbar):[/size]
[size=85]https://abo.zeit.de/zeit_verbrechen/?icode=01w0862k1001angdisint2503&utm_medium=display&utm_source=zon_verbrechenseite&utm_campaign=Standard&utm_content=01w0862k1001angdisint2503&wt_zmc=disint.Ext.zabo.zon_verbrechenseite.Standard.x[/size]
[u]Zwei Randnotizen[/u]
[spoiler2=Spoiler – hier klicken!]
[b]RAin Rick und das LG Traunstein – ein Betätigungsfeld mit Zukunft?[/b]
RAin [url=https://www.kanzlei-rick.de/]Rick[/url] verteidigt (neben den RAen [url=https://erhard.law/team/erhard/]Claus Erhard[/url] und [url=https://erhard.law/team/weber/]Juliane Weber[/url], ebenfalls aus München) einen wegen Mordes angeklagten Koch aus Bad Aibling, der im November 2024 seine Ehefrau getötet und in einem Waldstück abgelegt haben soll. Heute begann die Hauptverhandlung vor dem LG Traunstein. Terminiert sind 12 Verhandlungstage bis zum 28.07.2026 (Az. 5 Ks 402 Js 20556/25).
Ermittler: KPI Rosenheim. StA: Wolfgang Fiedler. Rechtsmediziner: Oliver Peschel, LMU München. Rüge der Verteidigung: Die Rosenheim Cops sollen den nun Angeklagten als Zeugen vernommen haben, obwohl dieser polizeiintern bereits verdächtigt worden sei, also Beschuldigter gewesen sei. Fiedler widerspricht. Droht ein Verwertungsverbot? Wie ist die Beweislage? Vieles erscheint wie ein Déjà-vu.
[size=85]„Die Welt“ am 09.06.2026:[/size]
[size=85]https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a26bfa4f1ea924ca06cc736/mordprozess-in-bad-aibling-in-toetungsabsicht-soll-abdulrehim-a-seiner-frau-den-kopf-eingeschlagen-haben.html (Paywall)[/size]
[size=85]https://archive.is/20260609150058/https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a26bfa4f1ea924ca06cc736/mordprozess-in-bad-aibling-in-toetungsabsicht-soll-abdulrehim-a-seiner-frau-den-kopf-eingeschlagen-haben.html (ohne Paywall)[/size]
[size=85]Passauer Neue Presse (PNP) am 09.06.2026:[/size]
[size=85]https://www.pnp.de/lokales/landkreis-traunstein/gattin-in-bad-aibling-ermordet-und-leiche-im-wald-versteckt-21311216 (Paywall)[/size]
[size=85]https://archive.is/20260609181032/https://www.pnp.de/lokales/landkreis-traunstein/gattin-in-bad-aibling-ermordet-und-leiche-im-wald-versteckt-21311216 (ohne Paywall)[/size]
[size=85]Oberbayerisches Volksblatt (OVB) am 30.05.2026:[/size]
[size=85]https://www.ippen.media/netzwerk/lokales/bayern/mord-an-aegypterin-in-bad-aibling-nun-startet-der-prozess-gegen-den-mann-94326735.html (ohne Paywall)[/size]
[size=85]OVB am 10.06.2026:[/size]
[size=85]https://www.ippen.media/netzwerk/lokales/bayern/bad-aibling-mordprozess-nach-versteckter-leiche-im-wald-ehemann-unter-verdacht-nach-ehehoelle-94343492.html (ohne Paywall)[/size]
[size=85]Bild am 10.06.2026:[/size]
[size=85]https://www.bild.de/regional/bayern/frau-im-wald-erschlagen-kassenzettel-soll-ehemann-als-moerder-ueberfuehren-6a282d8c4c6a20a08640804c (ohne Paywall)[/size]
[b]Peinliche Klatsche für StA Traunstein[/b]
StA klagt strafloses Handeln an und arrestiert zu Unrecht Vermögen – Verteidiger [url=https://www.ra-bongers.de/]Bongers[/url] (aus Bonn) klärt auf und bewirkt Einstellung des Verfahrens beim AG Traunstein:
[size=85]OVB am 06.06.2026:[/size]
[size=85]https://www.ippen.media/netzwerk/lokales/bayern/illegales-gluecksspiel-in-trostberg-kurzer-prozess-in-einer-skurrilen-gerichtsverhandlung-94338850.html (ohne Paywall)[/size]
[/spoiler2]