von HP1 » Dienstag, 27. Januar 2026, 12:33:45
Hamburger hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Januar 2026, 04:16:00
@HP1
Ich hinke in der Antwort auf Deine Beiträge leider sehr hinterher.
Geht mir auch so, ich antworte hier nur noch selektiv atm. Liegt zum Teil auch daran, dass nicht alle als angemeldete User posten und deswegen deren Beiträge erst freigeschaltet werden müssen - die tauchen dann irgendwann später mitten im Thread auf, mal schnell mal erst nach einiger Zeit. Wär einfacher, wenn sich jeder einfach mit ner Wegwerfmail registrieren würde
Hamburger hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Januar 2026, 04:16:00
Ich kann mir beim besten Willen keine Entführung vorstellen, die überhaupt keine Spuren des Täters hinterlässt.
Eine intelligente Person (und ich halte hier nicht etwa überdurchschnittliche Intelligenz für erforderlich), die eine Tat plant, würde nach meiner Ansicht versuchen, so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen. Oder. z. B. von vorhandenen Spuren ablenken und falsche Spuren legen – was der Täter nach meiner Ansicht mit der 1. SMS aus Nieheim auch beabsichtigte (und was ihm dann auch gelungen wäre).
Absolut keine Spuren ist ja quasi technisch schon nicht möglich.
Wenn halt nichts sichtbar wird, woraus sich konkrete Verdachtspersonen oder ein eindeutiger Hergang, zumindest ein eindeutiges Motiv erschließen und bestätigen lässt, dann ist das so. Da gibts so einige Fälle, braucht man nur hier im Forum ein bisschen schauen. Birgit Ameis, Yolanda Klug, Katrin Konert, Scarlett Salice. Oder nimmt man mal Tristan Brübach, da war die Auffindesituation ähnlich einzigartig (jedenfalls fast) wie Fraukes Telefonate, aber um einiges extremer, sprechen eigentlich überlaut eine eindeutige Sprache - und dennoch ist man hinsichtlich Tatperson und genauem Hergang im grunde planlos, beim Motiv im Grunde auch. Theoretisch denkbar hätte ein Täter ihn auch verstümmelt haben können, nur um in Sachen Motiv eine falsche Spur zu legen, oder nicht?
Aber zurück zu Frauke.
Am nahe liegendsten wäre es, eine Tat mit möglichst zuverlässiger Vermeidung zielführender(!) Spuren gut zu planen und durchzuführen. Hier aktive Tathandlungen zum Legen falscher Spuren einplanen und das Gelingen (zumindest in Sachen Risiko) davon abhängig zu machen, würde ich für deutlich unwahrscheinlicher halten - und wenn, dann gerade eher für das Handeln eines improvisierenden Täters passend finden, der
reagiert, Lösungen für nicht planend vorgesehene und vorbereitete Situationen finden
muss.
Risikobereitschaft eines vorab planenden Täters und eines improvisierenden Spontantäters sind systematisch bedingt zwei Paar Schuhe, im Zweifel muss der planende Täter gar nicht hier und jetzt in die Tat einsteigen, wenn irgendwas an den Rahmenbedingungen nicht passt oder die Planung stellenweise "dünn" ist.
Hamburger hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Januar 2026, 04:16:00
Wenn der Täter Frauke nur flüchtig gekannt hätte, aber unbedingt sie und keine andere entführen wollte, wäre ein Zusammentreffen in der Öffentlichkeit nicht zu vermeiden gewesen. (Deshalb die Risikominderung durch die 1. SMS aus Nieheim.)
Was spricht dagegen, dass der Täter einfach auf eine passende Gelegenheit wartete? Gerade ein Täter, der die Tat geplant hatte, der also nicht nur über verlässliche „Rahmenbedingungen“, sondern vor allem über die skrupellose Entschlossenheit und Kaltblütigkeit verfügte, die eine solche Tat erfordert, hätte sich da nach meiner Meinung durchaus etwas Flexibilität leisten können.
Ich stimme Dir zu, dass ein planender Täter, der nicht dumm ist, versucht hätte, in seinem Handeln so wenig „sichtbar“ wie möglich zu sein, aber das „keep it simple“ bedeutet doch nicht, gedankenlos vorzugehen.
Die „ominöse“ SMS aus Nieheim hätte ja gerade die Funktion gehabt, die Spuren, die der Täter unvermeidlich hinterlassen musste, dem Fokus der Polizei zu entziehen.
Und wenn der Täter ohne Frauke und nur mit ihrem Handy nach Nieheim gefahren wäre, wäre das ein völlig ungefährliches (aber auch sehr effektives) Manöver gewesen. Und der Erfolg (d. h. die Annahme der Polizei, Frauke habe diese SMS freiwillig versandt) hätte ja gerade darin bestanden, dass hier kein „besonderes Vorgehen“ des Täters erkannt worden wäre.
Die Nieheim SMS vom Täter zur Ablenkung von PB überzeugt mich nicht.
1. Eine nächtliche "komme später"-SMS ist kaum geeignet, den Zeitpunkt hinauszuzögern, ab dem sie ernsthaft vermisst wird.
2. Dass es bereits am Donnerstag ernsthafte Suchbemühungen geben würde, war erwartbar. Aber auch, dass da gleich die Ortsmarke der SMS ermittelt würde? Konnte man so davon ausgehen, dass das "gleich" passiert, dass die SMS rechtzeitig eine räumliche Ablenkungswirkung haben könnte? Die Idee an sich ist ja nachvollziehbar, aber das verlässliche Funktionieren in meinen Augen (also aus Perspektive Planung im Vorfeld bzw. zum Zeitpunkt des Versands) doch fraglich, die Aktion da jedenfalls eher "ein Schuss ins Blaue" als eine Aktion, von der man in Sachen Gelingen der Tat
irgendetwas abhängig machen wollte.
Wie gesagt, bei einem Spontantäter unter Druck auf der Suche nach
irgendwelchen tatsächlich oder vermeintlich notwendigen Lösungen wäre es erwartbar, so ein "Schuss ins Blaue", eine Aktion, die nur vielleicht ihre Wirkung zeigt. Aber im Rahmen einer vorab Tatplanung?
3. Ok, die Ortsmarke Nieheim ist gesetzt. Nur, Frauke, allein und ohne Fahrzeug, muss ja irgendwie in der Nacht nach Nieheim gelangt sein, entweder private Mitfahrt oder Taxi (ÖPNV fährt da nix mehr um die Zeit). Wenn sie vermisst wird, würde doch selbstverständlich genauso in PB entlang ihres Heimwegs nach Spuren/Zeugen gesucht werden, Leute gefragt, Plakate aufgehängt, etwaige Kameras gesichert werden um herauszufinden, wie sie nach Nieheim gelangt wäre - denn da wären doch jedenfalls Antworten zu vermuten, wo sie dort hinwollte, mit oder bei wem sie dort ist usw.
Auch wenn man annimmt sie sei irgendwo im Raum Nieheim, wäre das der genauso oder gar vielversprechendere Ansatz, als irgendwie "in Nieheim zu suchen". In dem Sinne, als "Ablenkung vom Ort des Zusammentreffens PB" in meinen Augen ohne erwartbare einschlägige Wirkung.
Und zuletzt, ich komm wieder drauf zurück:
Wenn Frauke irgendwann nach 23 Uhr (warum das mutmaßlich eher relativ zeitnah und nahe des Pubs gewesen wäre, ist eine andere Geschichte, auch technisch begründet) Anlass gehabt hätte, Chris Bescheid zu geben, dass es etwas später würde, dann wäre aufgrund der technischen Rahmenbedingungen (Akku) genau der Abgang erst um 0.49 nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Einzige Voraussetzung: Das Handy wurde etwas aufgeladen und im Bereich der FZ N-E eingeschaltet. Und das fand ja nachweislich statt.
Manche mögen da den Bedarf einer technisch begründeten Erklärung irgendwie als "kompliziert und deshalb irgendwie unwahrscheinlich" empfinden, tatsächlich ist es aber eben genau das Gegenteil.
Warum also stattdessen eine aus eher fragwürdigen als überzeugend sinnhaften Begründungen motivierte SMS eines sagen wir mal originell planenden Täters für wahrscheinlicher halten? Erschließt sich mir nicht, außer man will per se die Möglichkeit eines zwanglosen Zusammentreffens (notwendig für eine früher in PB verfasste SMS) wegdrücken. Und genau so funktionierts halt nicht.
Hamburger hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Januar 2026, 04:16:00
Ich halte es für äußerst wahrscheinlich, dass ein Täter, der eine solche Tat plant, sich eingehend mit der Frage beschäftigt, wie er der Polizei entgehen kann. Und in Fraukes Fall müsste ihm mit großer Wahrscheinlichkeit klar gewesen, dass der kritische Punkt in seiner Begegnung mit Frauke liegt.
Die Idee mit der SMS aus Nieheim mag dem Täter nicht sofort eingefallen sein, aber ich glaube, dass die Sache ihm einiges Grübeln wert war.
Wenn einer von uns eine Reise durch die Normandie oder Schweden plant, investieren wir in die Vorbereitung eine Menge Zeit: Auswahl der Orte, die man besuchen will, Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, nach Flügen, Bahnverbindungen etc. Das ist ordentlicher Aufwand, und hier geht es nur um einen Urlaub und nicht etwa um die gesamte Existenz. Und du findest es unwahrscheinlich, dass der Täter sich intensiver mit den Möglichkeiten einer Risikovermeidung beschäftigt hat?
Hmja, das Kapitalverbrechen unterscheidet sich von der Urlaubsreise halt dadurch, dass nichts schiefgehen
darf. Deswegen hate ich eine geplante Tat, die in irgendeiner Weise von der zweifelhaften Wirkung zusätzlicher Maßnahmen abgehangen haben sollte, für unwahrscheinlich. Und wären sie überhaupt nicht nötig gewesen - das Grundprinzip des Tathandelns ist doch Unsichtbarkeit, Unauffälligkeit, nicht in Erscheinung treten. Da halte ich unnötige zusätzliche und explizit sichtbare Handlungen nach dem Motto "kann ja nicht schaden" für völlig kontraintuitiv.
Hamburger hat geschrieben: ↑Dienstag, 27. Januar 2026, 04:16:00
Ich glaube, dass es seine ursprüngliche Absicht war, nach der 1. SMS nicht mehr in Erscheinung zu treten. Aber die polizeilichen Ermittlungen begannen ungewöhnlich früh, und das hat nach meiner Vermutung den Täter in eine unvorhergesehene Bedrängnis gebracht.
Nach meiner Auffassung war das mit den Anrufen verbundene Risiko für den Täter weitaus geringer als das Risiko, dem er durch sie entgehen zu können glaubte.
"Aber die polizeilichen Ermittlungen begannen ungewöhnlich früh"...
"das mit den Anrufen verbundene Risiko für den Täter weitaus geringer als das Risiko..."
Was wäre denn zu erwarten gewesen? Dass eine verschwundene junge Frau eine Woche lang nicht vermisst wird? Vielleicht, weil sie in der Nacht noch "komme später" gesimst hat?
Wäre mir schon denkbar, dass der Täter mit etwas (eher geringfügig) späterem Einsetzen der öffentlich sichtbaren Suchbemühungen gerechnet haben könnte, sagen wir mal einen Tag später, maximal zwei.
Nur, da dann zwei Fragen:
1. Was für ein Plan wäre das gewesen, der Gefahr laufen würde, daran zu scheitern? Ein Plan, bei dem er sich im Grunde darauf verlässt, dass frühestens Freitag (Samstag wäre schon eine sehr gewagte Annahme) nach ihr gesucht wird? Ein brauchbarer Plan hätte ja
gerade die Qualität, dass ihm Such-/Ermittlungsbemühungen möglichst nichts anhaben können, das ist doch der Kernpunkt, warum eine Tat überhaupt geplant wird, könnte man sagen.
2. Wieso führt ein einen, maximal zwei Tage früherer Suchbeginn dazu, dass
eine Woche lang nahezu täglich angerufen werden muss? Welche sich nur aus dem etwas früheren Suchbeginn ergebende Entdeckungsgefahr wäre auch darüber hinaus noch unerwartet präsent in einer Weise, damit man mit fortlaufenden Anrufen reagieren muss?
Tut mir leid, auch diese Erklärung, die früh einsetzenden Suchbemühungen (wenn man sie denn überhaupt so explizit als "unerwartet früh" ansehen will) als Grund für die Notwendigkeit, eine Woche täglich zu telefonieren, finde ich ausgesprochen dünn.
Ich meine keinesfalls, dass meine "Story" unbedingt zutreffen muss.
Aber ich meine, dass sich da mit der Vorannahme einer sehr ungewöhnlichen Konstellation, Tatmotiv und -anlass, Zielsetzung und Zielrichtung der Festhaltesituation, im Kontext dann auch Täter-Opfer-Beziehung, sehr viele Details weit stimmiger und überzeugender interpretieren und einfügen lassen als beim Versuch, eine "Standard-Entführung" mit ziemlich zusammengeschusterten Begründungen für dieses und jenes plausibel zu erzählen.
Die Details rund um SMS und Anrufe (sowie deren Inhalte, meine damit nicht den Wortlaut der Protokolle) sowie möglicher Tateinstiegs-Szenarien werfen Fragen, Irritationen auf. Meine Hypothese beantwortet diese Fragen recht gut, meine ich, während die "herkömmlichen" Hypothesen mMn schwächere Erklärungen liefern, Folgefragen aufwerfen und manches unbeantwortet lassen.
Ist halt mein Eindruck, und ich kann nur versuchen zu erklären, wieso ich den habe.
Ist ja nicht so, dass das nicht schon in der Vergangenheit hier wiederholt und ausgiebig durchgekaut worden wäre. In der aktuellen Karussellrunde habe ich bislang nichts Neues gehört, aber ich bin natürlich gespannt und neugierig - jederzeit kann jemand eine richtig gute neue Idee auf den Tisch legen

[quote=Hamburger post_id=319847 time=1769483760 user_id=10025]
@HP1
Ich hinke in der Antwort auf Deine Beiträge leider sehr hinterher.
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Geht mir auch so, ich antworte hier nur noch selektiv atm. Liegt zum Teil auch daran, dass nicht alle als angemeldete User posten und deswegen deren Beiträge erst freigeschaltet werden müssen - die tauchen dann irgendwann später mitten im Thread auf, mal schnell mal erst nach einiger Zeit. Wär einfacher, wenn sich jeder einfach mit ner Wegwerfmail registrieren würde ;)
[quote=Hamburger post_id=319847 time=1769483760 user_id=10025]
Ich kann mir beim besten Willen keine Entführung vorstellen, die überhaupt keine Spuren des Täters hinterlässt.
Eine intelligente Person (und ich halte hier nicht etwa überdurchschnittliche Intelligenz für erforderlich), die eine Tat plant, würde nach meiner Ansicht versuchen, so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen. Oder. z. B. von vorhandenen Spuren ablenken und falsche Spuren legen – was der Täter nach meiner Ansicht mit der 1. SMS aus Nieheim auch beabsichtigte (und was ihm dann auch gelungen wäre).
[/quote]
Absolut keine Spuren ist ja quasi technisch schon nicht möglich.
Wenn halt nichts sichtbar wird, woraus sich konkrete Verdachtspersonen oder ein eindeutiger Hergang, zumindest ein eindeutiges Motiv erschließen und bestätigen lässt, dann ist das so. Da gibts so einige Fälle, braucht man nur hier im Forum ein bisschen schauen. Birgit Ameis, Yolanda Klug, Katrin Konert, Scarlett Salice. Oder nimmt man mal Tristan Brübach, da war die Auffindesituation ähnlich einzigartig (jedenfalls fast) wie Fraukes Telefonate, aber um einiges extremer, sprechen eigentlich überlaut eine eindeutige Sprache - und dennoch ist man hinsichtlich Tatperson und genauem Hergang im grunde planlos, beim Motiv im Grunde auch. Theoretisch denkbar hätte ein Täter ihn auch verstümmelt haben können, nur um in Sachen Motiv eine falsche Spur zu legen, oder nicht?
Aber zurück zu Frauke.
Am nahe liegendsten wäre es, eine Tat mit möglichst zuverlässiger Vermeidung zielführender(!) Spuren gut zu planen und durchzuführen. Hier aktive Tathandlungen zum Legen falscher Spuren einplanen und das Gelingen (zumindest in Sachen Risiko) davon abhängig zu machen, würde ich für deutlich unwahrscheinlicher halten - und wenn, dann gerade eher für das Handeln eines improvisierenden Täters passend finden, der [i]reagiert[/i], Lösungen für nicht planend vorgesehene und vorbereitete Situationen finden [i]muss[/i].
Risikobereitschaft eines vorab planenden Täters und eines improvisierenden Spontantäters sind systematisch bedingt zwei Paar Schuhe, im Zweifel muss der planende Täter gar nicht hier und jetzt in die Tat einsteigen, wenn irgendwas an den Rahmenbedingungen nicht passt oder die Planung stellenweise "dünn" ist.
[quote=Hamburger post_id=319847 time=1769483760 user_id=10025]
Wenn der Täter Frauke nur flüchtig gekannt hätte, aber unbedingt sie und keine andere entführen wollte, wäre ein Zusammentreffen in der Öffentlichkeit nicht zu vermeiden gewesen. (Deshalb die Risikominderung durch die 1. SMS aus Nieheim.)
Was spricht dagegen, dass der Täter einfach auf eine passende Gelegenheit wartete? Gerade ein Täter, der die Tat geplant hatte, der also nicht nur über verlässliche „Rahmenbedingungen“, sondern vor allem über die skrupellose Entschlossenheit und Kaltblütigkeit verfügte, die eine solche Tat erfordert, hätte sich da nach meiner Meinung durchaus etwas Flexibilität leisten können.
Ich stimme Dir zu, dass ein planender Täter, der nicht dumm ist, versucht hätte, in seinem Handeln so wenig „sichtbar“ wie möglich zu sein, aber das „keep it simple“ bedeutet doch nicht, gedankenlos vorzugehen.
Die „ominöse“ SMS aus Nieheim hätte ja gerade die Funktion gehabt, die Spuren, die der Täter unvermeidlich hinterlassen musste, dem Fokus der Polizei zu entziehen.
Und wenn der Täter ohne Frauke und nur mit ihrem Handy nach Nieheim gefahren wäre, wäre das ein völlig ungefährliches (aber auch sehr effektives) Manöver gewesen. Und der Erfolg (d. h. die Annahme der Polizei, Frauke habe diese SMS freiwillig versandt) hätte ja gerade darin bestanden, dass hier kein „besonderes Vorgehen“ des Täters erkannt worden wäre.
[/quote]
Die Nieheim SMS vom Täter zur Ablenkung von PB überzeugt mich nicht.
1. Eine nächtliche "komme später"-SMS ist kaum geeignet, den Zeitpunkt hinauszuzögern, ab dem sie ernsthaft vermisst wird.
2. Dass es bereits am Donnerstag ernsthafte Suchbemühungen geben würde, war erwartbar. Aber auch, dass da gleich die Ortsmarke der SMS ermittelt würde? Konnte man so davon ausgehen, dass das "gleich" passiert, dass die SMS rechtzeitig eine räumliche Ablenkungswirkung haben könnte? Die Idee an sich ist ja nachvollziehbar, aber das verlässliche Funktionieren in meinen Augen (also aus Perspektive Planung im Vorfeld bzw. zum Zeitpunkt des Versands) doch fraglich, die Aktion da jedenfalls eher "ein Schuss ins Blaue" als eine Aktion, von der man in Sachen Gelingen der Tat [i]irgendetwas[/i] abhängig machen wollte.
Wie gesagt, bei einem Spontantäter unter Druck auf der Suche nach [i]irgendwelchen[/i] tatsächlich oder vermeintlich notwendigen Lösungen wäre es erwartbar, so ein "Schuss ins Blaue", eine Aktion, die nur vielleicht ihre Wirkung zeigt. Aber im Rahmen einer vorab Tatplanung?
3. Ok, die Ortsmarke Nieheim ist gesetzt. Nur, Frauke, allein und ohne Fahrzeug, muss ja irgendwie in der Nacht nach Nieheim gelangt sein, entweder private Mitfahrt oder Taxi (ÖPNV fährt da nix mehr um die Zeit). Wenn sie vermisst wird, würde doch selbstverständlich genauso in PB entlang ihres Heimwegs nach Spuren/Zeugen gesucht werden, Leute gefragt, Plakate aufgehängt, etwaige Kameras gesichert werden um herauszufinden, wie sie nach Nieheim gelangt wäre - denn da wären doch jedenfalls Antworten zu vermuten, wo sie dort hinwollte, mit oder bei wem sie dort ist usw.
Auch wenn man annimmt sie sei irgendwo im Raum Nieheim, wäre das der genauso oder gar vielversprechendere Ansatz, als irgendwie "in Nieheim zu suchen". In dem Sinne, als "Ablenkung vom Ort des Zusammentreffens PB" in meinen Augen ohne erwartbare einschlägige Wirkung.
Und zuletzt, ich komm wieder drauf zurück:
[i]Wenn[/i] Frauke irgendwann nach 23 Uhr (warum das mutmaßlich eher relativ zeitnah und nahe des Pubs gewesen wäre, ist eine andere Geschichte, auch technisch begründet) Anlass gehabt hätte, Chris Bescheid zu geben, dass es etwas später würde, dann wäre aufgrund der technischen Rahmenbedingungen (Akku) genau der Abgang erst um 0.49 nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Einzige Voraussetzung: Das Handy wurde etwas aufgeladen und im Bereich der FZ N-E eingeschaltet. Und das fand ja nachweislich statt.
Manche mögen da den Bedarf einer technisch begründeten Erklärung irgendwie als "kompliziert und deshalb irgendwie unwahrscheinlich" empfinden, tatsächlich ist es aber eben genau das Gegenteil.
Warum also stattdessen eine aus eher fragwürdigen als überzeugend sinnhaften Begründungen motivierte SMS eines sagen wir mal originell planenden Täters für wahrscheinlicher halten? Erschließt sich mir nicht, außer man will per se die Möglichkeit eines zwanglosen Zusammentreffens (notwendig für eine früher in PB verfasste SMS) wegdrücken. Und genau so funktionierts halt nicht.
[quote=Hamburger post_id=319847 time=1769483760 user_id=10025]
Ich halte es für äußerst wahrscheinlich, dass ein Täter, der eine solche Tat plant, sich eingehend mit der Frage beschäftigt, wie er der Polizei entgehen kann. Und in Fraukes Fall müsste ihm mit großer Wahrscheinlichkeit klar gewesen, dass der kritische Punkt in seiner Begegnung mit Frauke liegt.
Die Idee mit der SMS aus Nieheim mag dem Täter nicht sofort eingefallen sein, aber ich glaube, dass die Sache ihm einiges Grübeln wert war.
Wenn einer von uns eine Reise durch die Normandie oder Schweden plant, investieren wir in die Vorbereitung eine Menge Zeit: Auswahl der Orte, die man besuchen will, Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, nach Flügen, Bahnverbindungen etc. Das ist ordentlicher Aufwand, und hier geht es nur um einen Urlaub und nicht etwa um die gesamte Existenz. Und du findest es unwahrscheinlich, dass der Täter sich intensiver mit den Möglichkeiten einer Risikovermeidung beschäftigt hat?
[/quote]
Hmja, das Kapitalverbrechen unterscheidet sich von der Urlaubsreise halt dadurch, dass nichts schiefgehen [i]darf[/i]. Deswegen hate ich eine geplante Tat, die in irgendeiner Weise von der zweifelhaften Wirkung zusätzlicher Maßnahmen abgehangen haben sollte, für unwahrscheinlich. Und wären sie überhaupt nicht nötig gewesen - das Grundprinzip des Tathandelns ist doch Unsichtbarkeit, Unauffälligkeit, nicht in Erscheinung treten. Da halte ich unnötige zusätzliche und explizit sichtbare Handlungen nach dem Motto "kann ja nicht schaden" für völlig kontraintuitiv.
[quote=Hamburger post_id=319847 time=1769483760 user_id=10025]
Ich glaube, dass es seine ursprüngliche Absicht war, nach der 1. SMS nicht mehr in Erscheinung zu treten. Aber die polizeilichen Ermittlungen begannen ungewöhnlich früh, und das hat nach meiner Vermutung den Täter in eine unvorhergesehene Bedrängnis gebracht.
Nach meiner Auffassung war das mit den Anrufen verbundene Risiko für den Täter weitaus geringer als das Risiko, dem er durch sie entgehen zu können glaubte.
[/quote]
[i]"Aber die polizeilichen Ermittlungen begannen ungewöhnlich früh"[/i]...
[i]"das mit den Anrufen verbundene Risiko für den Täter weitaus geringer als das Risiko..."[/i]
Was wäre denn zu erwarten gewesen? Dass eine verschwundene junge Frau eine Woche lang nicht vermisst wird? Vielleicht, weil sie in der Nacht noch "komme später" gesimst hat?
Wäre mir schon denkbar, dass der Täter mit etwas (eher geringfügig) späterem Einsetzen der öffentlich sichtbaren Suchbemühungen gerechnet haben könnte, sagen wir mal einen Tag später, maximal zwei.
Nur, da dann zwei Fragen:
1. Was für ein Plan wäre das gewesen, der Gefahr laufen würde, daran zu scheitern? Ein Plan, bei dem er sich im Grunde darauf verlässt, dass frühestens Freitag (Samstag wäre schon eine sehr gewagte Annahme) nach ihr gesucht wird? Ein brauchbarer Plan hätte ja [i]gerade[/i] die Qualität, dass ihm Such-/Ermittlungsbemühungen möglichst nichts anhaben können, das ist doch der Kernpunkt, warum eine Tat überhaupt geplant wird, könnte man sagen.
2. Wieso führt ein einen, maximal zwei Tage früherer Suchbeginn dazu, dass [i]eine Woche lang[/i] nahezu täglich angerufen werden muss? Welche sich nur aus dem etwas früheren Suchbeginn ergebende Entdeckungsgefahr wäre auch darüber hinaus noch unerwartet präsent in einer Weise, damit man mit fortlaufenden Anrufen reagieren muss?
Tut mir leid, auch diese Erklärung, die früh einsetzenden Suchbemühungen (wenn man sie denn überhaupt so explizit als "unerwartet früh" ansehen will) als Grund für die Notwendigkeit, eine Woche täglich zu telefonieren, finde ich ausgesprochen dünn.
Ich meine keinesfalls, dass meine "Story" unbedingt zutreffen muss.
Aber ich meine, dass sich da mit der Vorannahme einer sehr ungewöhnlichen Konstellation, Tatmotiv und -anlass, Zielsetzung und Zielrichtung der Festhaltesituation, im Kontext dann auch Täter-Opfer-Beziehung, sehr viele Details weit stimmiger und überzeugender interpretieren und einfügen lassen als beim Versuch, eine "Standard-Entführung" mit ziemlich zusammengeschusterten Begründungen für dieses und jenes plausibel zu erzählen.
Die Details rund um SMS und Anrufe (sowie deren Inhalte, meine damit nicht den Wortlaut der Protokolle) sowie möglicher Tateinstiegs-Szenarien werfen Fragen, Irritationen auf. Meine Hypothese beantwortet diese Fragen recht gut, meine ich, während die "herkömmlichen" Hypothesen mMn schwächere Erklärungen liefern, Folgefragen aufwerfen und manches unbeantwortet lassen.
Ist halt mein Eindruck, und ich kann nur versuchen zu erklären, wieso ich den habe.
Ist ja nicht so, dass das nicht schon in der Vergangenheit hier wiederholt und ausgiebig durchgekaut worden wäre. In der aktuellen Karussellrunde habe ich bislang nichts Neues gehört, aber ich bin natürlich gespannt und neugierig - jederzeit kann jemand eine richtig gute neue Idee auf den Tisch legen :idea: