MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 01:23:48

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:21:06 [...]
Ich könnte jemanden bei mir Zuhause in den Keller sperren und niemand würde das mitbekommen. Ich habe eine angrenzende Garage und durch den Keller könnte ich mein Opfer ins Fahrzeug verbringen und niemand würde es sehen. Einkaufen muss ich sowieso, wem fällt da auf, ob ich noch wen anders mit versorge? Ich hätte auch durchaus Kabelbinder, Seile etc um jemanden zu fesseln und zu knebeln. Was ich nicht hätte, wären entsprechende Substanzen um jemanden zu sedieren.
[...]
Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:21:06 [...]
Ich könnte jemanden bei mir Zuhause in den Keller sperren und niemand würde das mitbekommen. Ich habe eine angrenzende Garage und durch den Keller könnte ich mein Opfer ins Fahrzeug verbringen und niemand würde es sehen. Einkaufen muss ich sowieso, wem fällt da auf, ob ich noch wen anders mit versorge? Ich hätte auch durchaus Kabelbinder, Seile etc um jemanden zu fesseln und zu knebeln. Was ich nicht hätte, wären entsprechende Substanzen um jemanden zu sedieren.
[...]
Wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt, ist auch ein Keller nicht sehr geeignet.
Andere Mieter könnten im Keller Geräusche hören und benutzen die Garage ebenfalls. Wer besitzt mit 25 oder 30 ein eigenes Haus? Und auch im Alter darüber ist es nach meinem Eindruck unter Alleinstehenden (es sei denn, sie sind geschieden oder verwitwet) eher üblich, in einer Wohnung zu leben als sich den Aufwand von Haus und Garten zuzumuten, wenn man als Berufstätiger ohnehin nicht viel davon hat.

Einem Täter, der keine Entführung plante, hätte es nichts genutzt, wenn Kabelbinder und Seile zu Hause in seinem Keller liegen. Er musste Frauke an Ort und Stelle überwältigen.

Er hätte sie, körperliche Stärke vorausgesetzt, zwar niederringen, aber nicht gleichzeitig Auto fahren können. Nach meinem - allerdings unzulänglichen - Wissensstand ist es keineswegs so einfach, jemanden bewusstlos zu schlagen. Ein paar brutale Ohrfeigen reichen in der Regel nicht, und bei einer stärkeren Gewalteinwirkung auf den Schädel hätten sich später davon doch noch wahrscheinlich Spuren finden lassen?

Wenn es dem Täter gelungen wäre, Frauke zu sich nach Hause zu locken, hätte er im Fall einer Wohnung die oben geschilderten Probleme gehabt. Abgesehen von der Gefahr, dass Frauke Wohnungsnachbarn auf sich hätte aufmerksam können, hätte der Täter sie für die Anrufe fünfmal zu seinem Auto und mindestens viermal zurückbringen müssen – und zwar in einem nicht bewusstlosen Zustand, denn sie musste ja telefonieren.

In einem Mehrfamilienhaus hätte er sie auf dem Weg zur Garage also knebeln müssen, und viele solcher Häuser haben keinen direkten Zugang zu einer Garage. Frauke hätte sich, eine Übelkeit oder eine Verletzung vortäuschend, fallen lassen können, etc.
Das Einkaufen wäre wirklich kein Problem gewesen, aber vieles andere schon.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Iven » Montag, 26. Januar 2026, 00:35:42

Gast2 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 23:09:33 Es wird immer sehr viel über den letzten Gesprächsinhalt diskutiert und überlegt, ob dort versteckte Botschaften enthalten sind.

Ich denke, wenn ich an Fraukes Stelle wäre, würde ich mir einen bestimmten Satz zurechtlegen und versuchen, damit zumindest einen Hinweis auf meinen Aufentshaltsort oder Täternamen zu geben, ohne es direkt zu sagen.

Ich meine, Frauke hat eventuell doch einen starken Hinweis gegeben.
"Das geht nicht - ich lebe noch."
Schaut euch diesen Satz mal genau an, er ergibt keinen Sinn, aber ist auch nicht so auffällig, dass der Täter direkt hellhörig wird.

Interessanterweise hat Frauke diesen Satz so ziemlich als erstes bei ihrer Schwester "fallen" gelassen.
Vielleicht hat sie gedacht, sie würde ihn eher als Chris verstehen.

Schaut euch den Satz einfach mal an, nicht unbedingt inhaltlich, aber mir ist da was aufgefallen - was ich aber leider nicht schreiben darf, da ich sonst gegen Regeln verstoßen würde.

Du beziehst Dich eher auf den zweiten Teil des Satzes, oder?
Wenn ja, weiß ich, glaube ich, was Du meinst. Ich hatte mir auch schon mal darüber Gedanken gemacht, war mir aber nicht sicher.
Aber jetzt, wo Du das ansprichst ...

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 00:17:58

[/quote]
Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 22:33:11 Was spricht gegen einen Täter, der in der Lage ist in einer brenzligen Situation zu funktionieren und rational zu handeln?

Karen Liebs hat ein Beispiel genannt, was man natürlich nicht konkret übertragen kann, aber ein solches Verhalten beschreibt:
Sie sagte, dass ihre Familie da sehr ruhig und rational handeln würde, wenn z.b. das Haus anfängt zu brennen. dann würden sie erstmal den Hund retten und dann vllt noch wichtige Papiere und erst wenn alles erledigt wäre, dann würden alle komplett ausrasten.

Ich bin der Meinung, auch der Täter könnte sich in dieser Woche so verhalten haben. Rational und kurzfristig nach bestmöglichen Vorgehensweisen schauen und diese umsetzen. Den Tagesablauf planen. [...]
1.

Der Gegenentwurf zu einer geplanten Tat besteht in unserer Diskussion vor allem in der Vorstellung, der Täter habe Fraukes Entführung gar nicht beabsichtigt und sei eher aus Hilflosigkeit in eine ausweglose Lage geraten. "Irgendetwas" sei "aus dem Ruder gelaufen" (etwa ein sexueller Übergriff) und er habe Frauke aus Angst vor den Folgen festgehalten, in panischer Überforderung und mit der Absicht, sie später wieder nach Hause gehen zu lassen.

Wie ist ein solches Verhalten mit dem Bild eines sehr rational und überlegt handelnden Täters vereinbar?

Einem solchen Täter wäre vollkommen klar gewesen, dass er das Ausmaß seines Anfangsverbrechens ständig verschlimmert und die Aussicht, einigermaßen gut aus der Sache herauszukommen, drastisch vermindert.

Ihm wäre bewusst gewesen, dass er nicht nur seine erste Tat nicht ungeschehen machen könnte, sondern dass die Qual der tagelangen Gefangenschaft kaum Fraukes Bereitschaft fördert, sie niemandem zu verraten.
Dass Frauke bei ihrer Rückkehr erst nach Tagen einem ganz anderen Aufklärungsdruck ausgesetzt wäre, als wenn sie noch in der ersten Nacht bedrückt nach Hause gekommen wäre.
Ein solcher Täter, der seine Lage sehr rational reflektiert hätte, hätte früh begriffen, dass mit jeder Stunde und erst recht mit jedem Tag die Hoffnung auf eine gute Lösung für ihn schwindet. Die Anrufe hätten ihm nichts genutzt, weil nach Fraukes Freilassung kein vernünftiger Mensch daran gezweifelt hätte, dass sie zu ihnen gezwungen war.

2. Der Vergleich mit Karens Beispiel passt nach meiner Ansicht nicht. Die meisten von uns werden sich schon mal überlegt haben, wie sie im Fall eines Brandes reagieren, oder von Menschen gelesen haben, die in einer solchen Situation waren.
Bei einem Brand kommt es darauf an, die Nerven zu behalten. Aber wenn das gelingt, ist klar, was zu tun ist: das zu retten, was einem das Wichtigste ist. Man mag irgendwelche Dokumente oder wertvollen Bilder vergessen, aber die Richtung des Handelns ist klar – darüber muss man nicht erst mal noch grübeln.
Und in dieser Lage war ein Täter eben nicht, der völlig unvorbereitet und unbeabsichtigt in ein Verbrechen „hineinschlitterte“.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Gast2 » Sonntag, 25. Januar 2026, 23:09:33

Es wird immer sehr viel über den letzten Gesprächsinhalt diskutiert und überlegt, ob dort versteckte Botschaften enthalten sind.

Ich denke, wenn ich an Fraukes Stelle wäre, würde ich mir einen bestimmten Satz zurechtlegen und versuchen, damit zumindest einen Hinweis auf meinen Aufentshaltsort oder Täternamen zu geben, ohne es direkt zu sagen.

Ich meine, Frauke hat eventuell doch einen starken Hinweis gegeben.
"Das geht nicht - ich lebe noch."
Schaut euch diesen Satz mal genau an, er ergibt keinen Sinn, aber ist auch nicht so auffällig, dass der Täter direkt hellhörig wird.

Interessanterweise hat Frauke diesen Satz so ziemlich als erstes bei ihrer Schwester "fallen" gelassen.
Vielleicht hat sie gedacht, sie würde ihn eher als Chris verstehen.

Schaut euch den Satz einfach mal an, nicht unbedingt inhaltlich, aber mir ist da was aufgefallen - was ich aber leider nicht schreiben darf, da ich sonst gegen Regeln verstoßen würde.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:33:11

Hamburger hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53 Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.



Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.
Was spricht gegen einen Täter, der in der Lage ist in einer brenzligen Situation zu funktionieren und rational zu handeln?

Karen Liebs hat ein Beispiel genannt, was man natürlich nicht konkret übertragen kann, aber ein solches Verhalten beschreibt:
Sie sagte, dass ihre Familie da sehr ruhig und rational handeln würde, wenn z.b. das Haus anfängt zu brennen. dann würden sie erstmal den Hund retten und dann vllt noch wichtige Papiere und erst wenn alles erledigt wäre, dann würden alle komplett ausrasten.

Ich bin der Meinung, auch der Täter könnte sich in dieser Woche so verhalten haben. Rational und kurzfristig nach bestmöglichen Vorgehensweisen schauen und diese umsetzen. Den Tagesablauf planen. Überlegen, was mache ich morgen?

Das bedeutet auch nicht, dass er nicht zwischendurch verzweifelt gewesen sein dürfte. Aber es gibt praktisch veranlagte Menschen, die einen kühlen Kopf bewahren können, wenn sie selbst in Gefahr sind und tun, was zu tun ist.

Grundsätzlich können wir eben auch nicht beurteilen, wie viel Glück er dabei hatte. Vllt kann er es selbst bis heute nicht fassen, dass das alles so funktioniert hat.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:27:41

Hamburger hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53 Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.



Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.
Wir sind uns einig, was die Planung der Tat durch den Täter betrifft.
Ich habe eine Frage an dich – und auch an die anderen Mitlesenden: Wie erklärst du dir, woher die Überzeugung des Täters kam, dass Frauke während der Telefonate absolut nichts verraten würde?

Ich verstehe, dass er sie möglicherweise mit dem sofortigen Tod bedroht hat, falls sie irgendetwas preisgibt. Trotzdem kann man niemals sicher davon ausgehen, wie sich ein Mensch in einer existenziellen Extremsituation verhält. Manche Menschen sind bereit, sehr riskante oder sogar verzweifelte Dinge zu tun, um ihr eigenes Leben zu retten, wenn sie wissen, dass ihnen der Tod droht.

Frauke hätte alles Mögliche verraten können – selbst Kleinigkeiten wie den Aufenthaltsort, die Straße, auf der sie sich befanden, oder irgendein Detail, das den Täter hätte belasten können. Besonders während des letzten Telefonats hätte sie das tun können, zumal sie dort zu Beginn sogar einräumte, dass sie entführt worden war. Sie wusste, dass der Tod nahe war – warum hat sie dennoch nichts verraten?

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:19:35

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:41:34 Ich gebe dir Recht, was den Effekt der Menschenmassen angeht. Man geht darin unter, Leute fokussieren sich eher auf das was direkt um sie herum geschieht, weniger auf das was sich ein paar Meter weiter zuträgt. Dieser Effekt dürfte im Fall von Frauke gegriffen haben, ABER ( und das hab ich eben genau so formuliert): es gibt mehr POTENZIELLE Zeugen. Der Täter, der auf Sicherheit bedacht gewesen sein dürfte, hätte sich nicht einfach darauf verlassen. Er hätte die berechtigte Sorge haben müssen, dass jemand ihn oder sein Fahrzeug sehen könnte und dann wäre seine akribische Planung direkt für'n Arsch gewesen. Ebenso hätte der Täter die Polizeipräsenz überhaupt nicht absehen können, immerhin war es ja nicht jährlich so, dass hier in diesem Land eine WM stattfand und er diesbezüglich schon hätte Erfahrungen sammeln können. Also bitte nicht das Pferd von hinten aufzäumen! Heute wissen wir, seine (zumindest situative) Planung hat funktioniert. Heute wissen wir, er hatte auch Glück nicht gesehen worden zu sein. Heute wissen wir, die Polizei war wahrscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt als Fahrzeugkontrollen durchzuführen. Heute wissen wir: die Anrufe bewirkten, dass die Ermittlungen zurückgefahren wurden. Auch das Gegenteil hätte passieren können. Aber all das konnte der Täter damals nicht voraussehen. Er hat also entweder in totaler Selbstüberzeugung und Größenwahn gehandelt oder er hat diese Tat opportunistisch begangen und hatte dazu Glück.
Ich frage mich ernsthaft, ob du – wie auch andere, die die Theorie vertreten, der Täter habe Frauke ursprünglich gar nicht töten wollen – wirklich glaubst, das sei ein sehr junger Typ gewesen, vermutlich etwa in Fraukes Alter: ein Junge, der etwas Dummes getan hat, eine Frau entführt und dann völlig überfordert ist.
Denn die Fahndung lief ja extrem früh an: Im Radio kamen Meldungen, und man konnte sogar den Ort eingrenzen, von dem aus sie ihre SMS geschickt hat. Wenn der Täter wirklich panisch gewesen wäre und nichts geplant hätte, wenn das alles „so nicht gedacht“ gewesen wäre – warum verhält er sich dann plötzlich so, als hätte er die Lage im Griff? Statt Frauke irgendwo still zu verstecken und erstmal abzuwarten, packt er sie tagelang ins Auto, fährt mit ihr durch die Stadt, in der sie überall gesucht wird und an jeder Ecke Plakate hängen. Er lässt sie die Familie anrufen und geht dabei das Risiko ein, dass sie in jedem Moment etwas sagt, das ihn auffliegen lässt. Und er fährt sogar am helllichten Tag, am Nachmittag, mit der entführten Frauke irgendwohin.
Passt so ein dreistes, riskantes Vorgehen wirklich zu einem verunsicherten Jungen, der Frauke nicht verletzen will? Für mich klingt das eher nach jemandem, der merkt, dass alles nach Plan läuft, der anfängt, Familie und Polizei zu manipulieren – und der sogar mit ihr durch die Stadt fährt, in der sie entführt wurde. Das wirkt auf mich wie Kühnheit und ein Gefühl totaler Kontrolle, nicht wie ein verzweifelter Versuch, aus der Situation herauszukommen – zumal ihn ein einziger Fehler komplett hätte zu Fall bringen können.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53

HP1 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 03:47:41 [...]
Mal ganz direkt gefragt:
Wenn du planst jemanden zu entführen, wäre das dann dein Plan? Würdest du planen, sie zu entführen unter solchen Voraussetzungen, wo du von vornherein weißt, dass du gut möglich jemandem auf ihrer Heimwegstrecke im entsprechenden Zeitfenster auffallen könntest, vielleicht auch mit ihr beobachtet werden könntest, und zwar von Leuten, die dich und/oder sie kennen? Wäre dann für dich die Idee, mit ihrem Handy von irgendwo noch eine SMS abzusetzen der springende Punkt, damit daraus ein "guter" Plan würde?
Ich sag mal so, wenn ich jemanden geplant entführen würde, dann gäbe es auf jeden Fall keine möglichen Zeugen und definitiv auch keinen Anlass, im Nachhinein mit der Außenwelt einen Kontakt herzustellen, weder Fake-SMS noch Anrufe. Plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden und das wars, ohne bzw. ohne weiterführende Spuren [...]
Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.
Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 10:58:55 Ich kann deinem letzten Satz nicht zustimmen. Es ist ein Fehler, den Täter einfach als einen gewöhnlichen Idioten darzustellen.
Du wirfst ihm vor, die Planung sei katastrophal und völlig falsch durchdacht gewesen – aber die Tatsache ist, dass der Fall nach 20 Jahren noch immer ungelöst ist. Er bleibt eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte, gerade wegen des außergewöhnlichen Modus Operandi des Täters, und wir versuchen immer noch, ihn zu entlarven und sein Vorgehen zu rekonstruieren.
Für mich spricht das eher für seine Raffinesse und nicht für seine Unfähigkeit.
Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:41:34

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 18:01:27 Das ist eine gute Frage. Genau heute hat mir @Miss_Erfolg eine sehr ähnliche Frage gestellt. Ich habe sehr genau erklärt, welche Gründe und Argumente dafür sprechen, dass der Täter gerade diesen Zeitraum für seine Tat gewählt hat. Lies bitte meinen Beitrag von heute, den 25.01.26 um 14:27 Uhr, in der vorherigen Registerkarte 1443. Ich bin gespannt, was du dazu meinst.
Ich gebe dir Recht, was den Effekt der Menschenmassen angeht. Man geht darin unter, Leute fokussieren sich eher auf das was direkt um sie herum geschieht, weniger auf das was sich ein paar Meter weiter zuträgt. Dieser Effekt dürfte im Fall von Frauke gegriffen haben, ABER ( und das hab ich eben genau so formuliert): es gibt mehr POTENZIELLE Zeugen. Der Täter, der auf Sicherheit bedacht gewesen sein dürfte, hätte sich nicht einfach darauf verlassen. Er hätte die berechtigte Sorge haben müssen, dass jemand ihn oder sein Fahrzeug sehen könnte und dann wäre seine akribische Planung direkt für'n Arsch gewesen. Ebenso hätte der Täter die Polizeipräsenz überhaupt nicht absehen können, immerhin war es ja nicht jährlich so, dass hier in diesem Land eine WM stattfand und er diesbezüglich schon hätte Erfahrungen sammeln können. Also bitte nicht das Pferd von hinten aufzäumen! Heute wissen wir, seine (zumindest situative) Planung hat funktioniert. Heute wissen wir, er hatte auch Glück nicht gesehen worden zu sein. Heute wissen wir, die Polizei war wahrscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt als Fahrzeugkontrollen durchzuführen. Heute wissen wir: die Anrufe bewirkten, dass die Ermittlungen zurückgefahren wurden. Auch das Gegenteil hätte passieren können. Aber all das konnte der Täter damals nicht voraussehen. Er hat also entweder in totaler Selbstüberzeugung und Größenwahn gehandelt oder er hat diese Tat opportunistisch begangen und hatte dazu Glück.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:23:12

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 15:06:59 Die Frage ist, warum man überhaupt anrufen sollte? Wenn der Täter Frauke spontan entführt hat und sich dann vor dem, was passiert ist, erschrocken hat – warum hat er überhaupt das Risiko auf sich genommen, Frauke hin- und herzubewegen? Erstens hätte er jederzeit gesehen werden können, zweitens klang Frauke am Telefon sowieso seltsam. Warum ist er also nicht einfach mit ihrem Handy ohne sie herumgereist und hat SMS aus Paderborn geschickt, die erklärten, warum sie nicht da ist und wann sie zurückkommt?
Genau darin liegt ein wichtiger Punkt, der einen ihr bekannten Täter für am wahrscheinlichsten macht. Ein Fremdtäter wäre das Risiko der Fahrten vermutlich überhaupt nicht eingegangen, warum auch? Er hätte sich mit Frauke absetzen können und sie wäre einfach weg gewesen. Zusätzliche digitale Spuren hätte er dann ebenfalls nicht hinterlassen.
Das Scheinbild der Freiwilligkeit die der Täter vermutlich suggerieren wollte wäre nicht dasselbe gewesen durch bloße SMS. Die persönlichen Anrufe waren deutlich effektiver, da sie eben selbst sprach, sogar selbst einen Anruf entgegen nehmen durfte.
Außerdem bekam der Täter live mit, wie die Person am anderen Ende reagierte. Große Sorge? Schon einen Verdacht? Oder noch alles im Rahmen, bloß verwirrt? Völlige Ahnungslosigkeit? Die Wirkung, die die Anrufe erzielen sollten konnte der Täter also auch besser einschätzen.
Und eines darfst du bei den Anruf-Fahrten auch nicht vergessen: er fuhr derweilen eine eben noch lebende Person. Er war bis dato kein Mörder! Er ist ja dann aber nach dem letzten Telefonat sogar mit einer Leiche an Bord gefahren. Diese Fahrt dürfte wohl die risikoreichste gewesen sein. Bei allen anderen Fahrten hätte er ja sogar noch vorgeben können, sie nach Hause fahren zu wollen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:05:41

ghost80 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 18:06:20 Niels Geburtstag war doch am 25.5
Da passt doch was nicht
Nein, offenbar nicht. Thomas soll sich an Niels' Geburtstag suizidiert haben. Und der Todestag von Thomas ist der 23.05.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trelleborg » Sonntag, 25. Januar 2026, 20:40:19

Gedankenverbrecher hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 15:05:25 Deine Ausdrucksweise ist unangemessen und respektlos.
An Fraukes Unterkiefer fehlte ein Schneidezahn mit Wurzel, daraus lässt sich nicht auf einen Faustschlag auf den Mund schliessen, die Gerichtsmediziner haben keine Frakturen feststellen können. Weiss wirklich nicht, weshalb die Anatomieexperten in diesem Forum das nie zur Kenntnis nehmen wollen und stattdessen diese hirnverbrannte Erzählung vom Punktuser ernst nehmen.
Bin beim selben Gedanken!

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von caro » Sonntag, 25. Januar 2026, 18:25:32

Gedankenverbrecher hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:55:03 Frauke hätte in keiner denkbaren Situation Hinweise geben dürfen. Du hast es doch selbst erkannt, sie wurde bedroht und hat während ihrer Festhaltezeit sicherlich psychische Gewalt erfahren. Für wie wahrscheinlich hälst du es, dass sie "gestalterische Freiräume" in Anspruch nehmen konnte?
Nun, gewisse Freiräume gab es ja im letzten und längsten Telefonat.
Worauf ich ein wenig abzielte geht in eine ähnliche Richtung, die der Gast7469 hier mit seinem Beitrag schildert und die beiden Äusserungen von Frauke darin:
Gast7469 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 15:20:35 Nein, dass Frauke einfach weggeschnappt wurde, das schließe ich tatsächlich aus. Gerade beim letzten Anruf merkt man sehr deutlich, dass sie sich für ihre Situation schämt. "Bitte frag mich nicht aus" zu K oder auch "Das weißt du doch, C" weil sie nicht frei sprechen konnte. Jemand der einfach von der Straße weggeschnappt oder in ein Auto gezerrt wurde, würde sich nicht so schämen. Eher jemand, der sich selbst eine Teilschuld an seiner Situation gibt, weil er jemanden falsch einschätzte, zu schnell vertraute.

Nur das in diesem Szenario der Selbstmord als Tatmotiv eine (wie auch immer) gelagerte Rolle gespielt hat.

Es könnte neben den äusseren Widerständen und der Gewaltandrohung des Täters ja noch andere innere Widerstände gegeben haben.
Und ja, auch Scham könnte dabei eine Rolle gespielt haben, es ist ein mächtiges Gefühl.
Wenn z.B. der/die Täter sozusagen Frauke eine Teilschuld für die Situation eingeredet haben, in der sie sich nun befand.
In dem Szenario mit dem Selbstmord als Tatmotiv könnte die Entführung von Frauke z.B. als Bestrafung für ihre verletzenden Äusserungen und Verhalten/Auftreten gedacht gewesen sei.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von ghost80 » Sonntag, 25. Januar 2026, 18:06:20

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 16:02:44 Das kann ich nicht beantworten.
Was gesagt wird ist, dass Thomas K.s Tod scheinbar aus dem Nichts kam. Zumindest seine Freunde hatten nichts geahnt. Einen Abschiedsbrief gab es wohl nicht. Der Zeitpunkt zu dem Thomas verschwand war ungewöhnlich, mitten auf der Geburtstagsfeier von Niels. Ob man die Umstände seines Todes näher untersuchte, kann ich nicht sagen. Sein Todestag war der 23.05.2006, gefunden wurde er erst ein paar Tage später. Seine Beerdigung war am 02.06.2006. Viel Zeit liegt dazwischen also nicht.
Niels Geburtstag war doch am 25.5
Da passt doch was nicht

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 18:01:27

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 17:46:23 OK, für mich stellen sich da aber ein paar Fragen:

Warum hat der Täter die Tat im Sommer geplant, wo es lange hell ist und mehr Menschen länger draussen unterwegs? Warum nicht im Winter?

Warum ausgerechnet zur WM, wo eindeutig mehr in den Straßen los war? Wo es mehr potenzielle Zeugen gab als sonst? Und ggf. auch dadurch bedingt mehr Alkoholkontrollen oder ggf. auch Polizeipräsenz?
Das ist eine gute Frage. Genau heute hat mir @Miss_Erfolg eine sehr ähnliche Frage gestellt. Ich habe sehr genau erklärt, welche Gründe und Argumente dafür sprechen, dass der Täter gerade diesen Zeitraum für seine Tat gewählt hat. Lies bitte meinen Beitrag von heute, den 25.01.26 um 14:27 Uhr, in der vorherigen Registerkarte 1443. Ich bin gespannt, was du dazu meinst.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 17:46:23

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 17:22:42 Meiner Meinung nach hatte die Tat – falls sie geplant war, was ich stark vermute – ein sexuell-dominanzbezogenes Motiv. Aber nicht unbedingt rein sexuell; das könnte auch „nur“ ein Zusatz gewesen sein.
Ein psychisch gestörter Täter, der schon lange davon fantasiert hat, eine Frau zu dominieren, hat seine Entführung bis ins Detail geplant. Er hat sich psychisch, mental und logistisch darauf vorbereitet. Vielleicht waren sogar die Anrufe im Voraus so eingeplant, dass er maximale mentale Befriedigung daraus zieht: Er hat die Frau dominiert und entführt und hat zugleich Macht über ihr gesamtes Umfeld, weil er alle täuscht.
So etwas in der Art. Für ihn wäre das die Erfüllung seiner geheimsten Fetische und Wünsche gewesen, die er in seinem persönlichen Leben nicht ausleben konnte.
Was Fraukes Stimme während der Telefonate angeht, finde ich die Berichte so widersprüchlich, dass man daraus kaum verlässliche Schlüsse ziehen kann. Ich bin besonders überrascht, dass irgendein Psychologe daraus überhaupt etwas ableiten will, obwohl er ihre Stimme nicht einmal hören kann – es gibt ja keine einzige aufgezeichnete Aufnahme.
Frauke war desorientiert, hatte Todesangst, sie war entführt. Am Telefon könnte jeder unterschiedlich klingen und sehr unterschiedlich reagieren – auch abhängig davon, was der Täter gerade mit ihr gemacht hat. Außerdem verstehe ich nicht, warum eine „ausgewaschene“, völlig emotionslose Stimme nicht ebenso auf Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt hinweisen könnte. Das kann man nicht ausschließen. Laut Chris klang ihre Stimme manchmal sehr emotionslos – und das ist eine häufige Reaktion nach Gewalt, auch nach sexualisierter Gewalt.
OK, für mich stellen sich da aber ein paar Fragen:

Warum hat der Täter die Tat im Sommer geplant, wo es lange hell ist und mehr Menschen länger draussen unterwegs? Warum nicht im Winter?

Warum ausgerechnet zur WM, wo eindeutig mehr in den Straßen los war? Wo es mehr potenzielle Zeugen gab als sonst? Und ggf. auch dadurch bedingt mehr Alkoholkontrollen oder ggf. auch Polizeipräsenz?

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 17:27:55

caro hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 17:13:33 Es ist natürlich die Frage, ob Frauke diese Aussage auch anderen Personen gegenüber gemacht hat, also z.B. im Umfeld der Clique, aber ja, ich denke, dass sie jemanden zur Weissglut hätte bringen können.
Also naheliegend die engsten Angehörigen, Verwandte oder vorstellbar auch Personen, für denen die Clique wie eine Familie gewesen ist.
So eine Aussage macht zum Einen der toten Person Vorwürfe. Und die Hinterbliebenen werden als Opfer abgestempelt.
Für jemanden, der sich selbst mit Vorwürfen und Fragen in so einer Situation quält, ist so eine Aussage von jemanden Fremden äusserst verletzend.

Damit das aber nicht falsch rüber kommt; ich möchte damit weder Frauke noch jemand anderen für etwaige Aussagen wiederum Vorwürfe machen.
Der Umgang mit diesem Thema ist äusserst schwer.
Da stimme ich dir zu. Was ich unter anderem damit sagen will: auch ein vorher völliges Unschuldslamm könnte in einer persönlichen Ausnahmesituation durch Emotionen wie Wut, Verzweiflung, Trauer, Depression mit einem dünnen Nervenkostüm eben auch schnell die Nerven verlieren und dazu braucht es dann nicht unbedingt viel, außer einem sehr persönlichen Trigger. Das bedeutet aber eben nicht, dass derjenige direkt tötet. Dies ist ja im Fall von Frauke auch nicht so geschehen. Viel eher bin ich der Meinung, hat der Täter durch wachsenden Druck in einem eigens aufgebauten Schneeballeffekt, die Tötung letztlich als einzigen Ausweg für sich gesehen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 17:22:42

Gast7469 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 16:26:33 Ich würde gerne mal diejenigen fragen, die an eine geplante Tat glauben, was der Sinn, das Motiv dahinter war? Und wie passt das zu Fraukes Verhalten?

1. Möglichkeit: ein sexuelles oder frauenfeindliches Motiv
Im a. Forum hatte mal ein User vor längerer Zeit einer Freundin, die Psychologin war, die Telefonprotokolle vorgelegt und sie um ihre Einschätzung gebeten. Sie war der Meinung, eine Frau, die vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurde, würde so nicht reden.
Okay, das kann man nicht wissen. Aber stellt euch mal vor, ihr seid vergewaltigt und geschlagen worden und müsstet unter Gewaltandrohung mit euren Angehörigen telefonieren. Also ich wäre da nicht so gefasst und voller Hoffnung und würde sagen: Ich komme nach Hause, frag nicht, ich komme nach Hause.
Genauso wenig würde ich auf Fragen wie Warum bist du denn weg? oder Warum bist du gestern nicht nach Hause gekommen? sagen "Erkläre ich dir später" oder "Kann ich dir erklären." Selbst noch beim letzten Telefonat am Dienstag sagte Frauke diesen Satz!
Das passt nicht. Was gäbe es in diesem Fall da zu erklären?

2. Möglichkeit: der Täter entführte Frauke, weil er sie begehrte, in sie verliebt war und sie rumkriegen wollte.
Würde so einer Frauke dann ihren Mitbewohner und Exfreund anrufen lassen? Und würde Frauke dann echt so unvorsichtig sein und C mit Chrissi ansprechen? Auf die Gefahr hin den Täter zu verärgern oder eifersüchtig zu machen? Oder den Satz sagen "Ich wäre gerne bei euch, ich würde gerne nach Hause."?
Oder der Satz "Du weißt doch, dass ich wegen einem Typen nicht eine Woche wegbleibe. Du kennst mich doch." (auch wenn es ein Protokoll aus dem Gedächtnis ist, der Satz ist so prägnant, ich bin sicher, der wurde genau so gesagt)
Würde man so etwas sagen, wenn neben einem ein Mann sitzt, vor dem man Angst hat und der einen bedroht? Manche denken, der Täter war ein Mann, der in Frauke verliebt war und hoffte, sie würde sich auch in ihn verlieben, wenn sie lang genug bei ihm blieb. Es gibt Männer, die verstehen: ich will mit dir ins Bett, wenn eine Frau sagt: ich finde dich nett. So ein Pinsel hätte doch bei dem Satz Fraukes an ihren Ex "Du weißt doch, dass ich wegen einem Typen nicht eine Woche wegbleibe" glatt gehört: Du weißt doch, dass ich wegen SO einem Typen nicht eine Woche wegbleibe. Du kennst mich doch.
Ich kann mir vorstellen, dass wäre ordentlich gegen seine Männlichkeit und sein Ego gegangen. Naja, wie auch immer. Ich kann mir nicht helfen, aber ich "sehe" hier keinen Mann neben Frauke.

3. Möglichkeit: der Täter wollte Frauke und ihre Angehörigen psychisch quälen vielleicht aus Rachegründen. Dafür finde ich die Anrufe zu wenig beängstigend und dramatisch, Frauke zu gefasst. Wenn dass das Motiv gewesen sein soll, hätte der Täter sich doch was ganz anderes einfallen lassen können.

4. Möglichkeit: der Täter hat alles geplant und vorbereitet und Frauke erfolgreich entführt und mitten im Tatgeschehen fällt ihm auf: O das wird mir doch etwas zu heikel, das gibt mir doch nicht so den Kick wie gedacht.
Er will alles beenden, Frauke freilassen, fürchtet aber die Konsequenzen und bringt sie lieber um. Aber würde jemand, der genug kriminelle Energie hat, ein Verbrechen zu planen vorzubereiten und durchzuführen, echt dann Schiss bekommen und einen Rückzieher machen? Eher nicht, oder?
Meiner Meinung nach hatte die Tat – falls sie geplant war, was ich stark vermute – ein sexuell-dominanzbezogenes Motiv. Aber nicht unbedingt rein sexuell; das könnte auch „nur“ ein Zusatz gewesen sein.
Ein psychisch gestörter Täter, der schon lange davon fantasiert hat, eine Frau zu dominieren, hat seine Entführung bis ins Detail geplant. Er hat sich psychisch, mental und logistisch darauf vorbereitet. Vielleicht waren sogar die Anrufe im Voraus so eingeplant, dass er maximale mentale Befriedigung daraus zieht: Er hat die Frau dominiert und entführt und hat zugleich Macht über ihr gesamtes Umfeld, weil er alle täuscht.
So etwas in der Art. Für ihn wäre das die Erfüllung seiner geheimsten Fetische und Wünsche gewesen, die er in seinem persönlichen Leben nicht ausleben konnte.
Was Fraukes Stimme während der Telefonate angeht, finde ich die Berichte so widersprüchlich, dass man daraus kaum verlässliche Schlüsse ziehen kann. Ich bin besonders überrascht, dass irgendein Psychologe daraus überhaupt etwas ableiten will, obwohl er ihre Stimme nicht einmal hören kann – es gibt ja keine einzige aufgezeichnete Aufnahme.
Frauke war desorientiert, hatte Todesangst, sie war entführt. Am Telefon könnte jeder unterschiedlich klingen und sehr unterschiedlich reagieren – auch abhängig davon, was der Täter gerade mit ihr gemacht hat. Außerdem verstehe ich nicht, warum eine „ausgewaschene“, völlig emotionslose Stimme nicht ebenso auf Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt hinweisen könnte. Das kann man nicht ausschließen. Laut Chris klang ihre Stimme manchmal sehr emotionslos – und das ist eine häufige Reaktion nach Gewalt, auch nach sexualisierter Gewalt.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von JohnLemon » Sonntag, 25. Januar 2026, 17:16:20

Gedankenverbrecher hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 15:12:53 Ich erinnere mich daran, daß Frau Liebs es als eine Möglichkeit skizziert hat den Täter sei die Situation entglitten, sie kann es aber selbst nicht mit Gewissheit sagen. Der Rest deines Kommentares stellt deine individuelle Sichtweise dar. Wie Frauke ums Leben kam ist bis heute unbekannt (Unfall, Überlastung, Fahrlässigkeit oder Vorsatz )
Sämtliche bis fast ausnahmslos jede Skizzierung beruht auf Vermutungen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von caro » Sonntag, 25. Januar 2026, 17:13:33

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 15:14:51 Genau. Ich fasse Mal zusammen und antworte gleichzeitig auf die von HP1 gestellte Frage:


1.Frauke zeigt am Abend ihres Verschwindens absolute Empathie für die Eltern von Thomas K.
Gleichzeitig versteht sie nicht, wie man überhaupt so etwas tun kann. Anderen so etwas antun kann. Sie lastet dem Thomas K. also eine Schuld für das Leid der anderen an. Als ob er vorsätzlich andere hätte verletzen wollen.
Könnte eine solche Aussagen jemanden verärgern?
Es ist natürlich die Frage, ob Frauke diese Aussage auch anderen Personen gegenüber gemacht hat, also z.B. im Umfeld der Clique, aber ja, ich denke, dass sie jemanden zur Weissglut hätte bringen können.
Also naheliegend die engsten Angehörigen, Verwandte oder vorstellbar auch Personen, für denen die Clique wie eine Familie gewesen ist.
So eine Aussage macht zum Einen der toten Person Vorwürfe. Und die Hinterbliebenen werden als Opfer abgestempelt.
Für jemanden, der sich selbst mit Vorwürfen und Fragen in so einer Situation quält, ist so eine Aussage von jemanden Fremden äusserst verletzend.

Damit das aber nicht falsch rüber kommt; ich möchte damit weder Frauke noch jemand anderen für etwaige Aussagen wiederum Vorwürfe machen.
Der Umgang mit diesem Thema ist äusserst schwer.

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