von HP1 » Montag, 26. Januar 2026, 06:42:26
Detective Bartek hat geschrieben: ↑Sonntag, 25. Januar 2026, 10:58:55
Ich kann deinem letzten Satz nicht zustimmen. Es ist ein Fehler, den Täter einfach als einen gewöhnlichen Idioten darzustellen.
Du wirfst ihm vor, die Planung sei katastrophal und völlig falsch durchdacht gewesen – aber die Tatsache ist, dass der Fall nach 20 Jahren noch immer ungelöst ist. Er bleibt eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte, gerade wegen des außergewöhnlichen Modus Operandi des Täters, und wir versuchen immer noch, ihn zu entlarven und sein Vorgehen zu rekonstruieren.
Für mich spricht das eher für seine Raffinesse und nicht für seine Unfähigkeit.
(Reaktion auf meinen letzten Satz: "Jemanden der so "plant", den könntest du doch nicht mal guten Gewissens zum Einkaufen schicken, meine ich.")
Nein, ich habe den Täter nicht als "gewöhnlichen Idioten" hingestellt. Der Satz ist im Kontext des übrigen wie auch meiner vorigen Beiträge als Konjunktiv zu lesen:
Ich gehe (aus verschiedenen Gründen)
nicht von einer vorab geplanten Tat aus.
Ein Grund dafür ist, dass ich bei einer geplanten Tat (eines nicht gewöhnlichen Idioten...) erstens keine so provisorische Herangehensweise beim Tateinstieg erwarten würde und zweitens keinen Verlauf erwarten würde, bei dem die Notwendigkeit von wiederholten Kontaktaufnahmen sich ergeben oder gar vorab geplant gewesen sein könnten.
In diesem Sinne wäre mein letzter Satz allein gestellt zitiert so zu lesen: Einen Täter, der so geplant
hätte, usw.
Es ist in meinen Augen ein Irrtum, von einem ungelösten Fall mit ungewöhnlichen, irritierenden/mysteriösen Details auf einen Täter mit besonders gut geplantem, durchdachten und raffinierten Vorgehen zu schließen. Nicht im Sinne von "im Gegenteil", sondern nur, dass das eine rein optionale Erklärung ist.
Gerade einem intelligenten planenden Täter wäre klar, dass "keep it simple" das Erfolgsrezept ist, dass dagegen jedes aus irgendeinem raffinierten Hirnfick geborene Detail im Zweifel erstens nicht so laufen muss wie gedacht und zweitens unterm Strich geeignet ist, mehr zu offenbaren als nötig.
Dass sie weg ist und nach ihr gesucht bzw. ihr Verschwinden aufzuklären versucht werden wird ist klar. Da ist jedes sichtbare Detail von Nachteil, und zwar insbesondere all das, was vom Allgemeinen abweichend auf ein wie auch immer gelagertes "besonderes" Vorgehen hinweist.
Wie gesagt, eine "gut" geplante Entführung findet in einer kontrolliert maximal risikofreien Situation (Zeit, Ort) statt und danach ist das Opfer weg, spurlos verschwunden, das wars. Kein beobachtbares Zusammentreffen oder gar Abgriff in der Öffentlichkeit mit (wenn überhaupt) nur kurzfristig planbarem Ort+Zeit. Keine ominösen Ablenkungs-SMS in der Nacht. Keine notwendigen wiederholten Opfer-Anrufe, "weil sie unerwartet früh vermisst wurde". Keine Ablage, die zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglicherweise sehr kurzfristig gefunden werden konnte, Stichwort Spuren und Zeugen.
Trodat5203 hat geschrieben: ↑Sonntag, 25. Januar 2026, 14:23:58
Genau das frage ich mich auch. Ich sehe keinen Vorteil für ihn. Grundsätzlich bedeuten mehr Menschen auch immer ein höheres Risiko gestört, gesehen und verraten zu werden.
Den einzigen für den Täter möglicherweise vorteilhaften Punkt erkenne ich darin, dass "Fußball schauen gehen" ein gutes Cover gewesen sein könnte, um sich allabendlich für andere Aktivitäten auf den Weg zu machen. Allabendliches Wegfahren und spät wieder heimkommen wäre in der Zeit Nachbarn wohl nicht als auffällig aufgefallen mit dieser Begründung, selbst in einem Haushalt mit weiteren Personen hätte man sich mit "ich geh zum public viewing" wohl gut abseilen können.
Das halt auch nur einschlägig, wenn seine Situation da auch tatsächlich einer solchen Tarnung bedurft hätte.
[quote="Detective Bartek" post_id=319441 time=1769335135]
Ich kann deinem letzten Satz nicht zustimmen. Es ist ein Fehler, den Täter einfach als einen gewöhnlichen Idioten darzustellen.
Du wirfst ihm vor, die Planung sei katastrophal und völlig falsch durchdacht gewesen – aber die Tatsache ist, dass der Fall nach 20 Jahren noch immer ungelöst ist. Er bleibt eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte, gerade wegen des außergewöhnlichen Modus Operandi des Täters, und wir versuchen immer noch, ihn zu entlarven und sein Vorgehen zu rekonstruieren.
Für mich spricht das eher für seine Raffinesse und nicht für seine Unfähigkeit.
[/quote]
(Reaktion auf meinen letzten Satz: "Jemanden der so "plant", den könntest du doch nicht mal guten Gewissens zum Einkaufen schicken, meine ich.")
Nein, ich habe den Täter nicht als "gewöhnlichen Idioten" hingestellt. Der Satz ist im Kontext des übrigen wie auch meiner vorigen Beiträge als Konjunktiv zu lesen:
Ich gehe (aus verschiedenen Gründen) [i]nicht[/i] von einer vorab geplanten Tat aus. [i]Ein[/i] Grund dafür ist, dass ich bei einer geplanten Tat (eines nicht gewöhnlichen Idioten...) erstens keine so provisorische Herangehensweise beim Tateinstieg erwarten würde und zweitens keinen Verlauf erwarten würde, bei dem die Notwendigkeit von wiederholten Kontaktaufnahmen sich ergeben oder gar vorab geplant gewesen sein könnten.
In diesem Sinne wäre mein letzter Satz allein gestellt zitiert so zu lesen: Einen Täter, der so geplant [i]hätte[/i], usw.
Es ist in meinen Augen ein Irrtum, von einem ungelösten Fall mit ungewöhnlichen, irritierenden/mysteriösen Details auf einen Täter mit besonders gut geplantem, durchdachten und raffinierten Vorgehen zu schließen. Nicht im Sinne von "im Gegenteil", sondern nur, dass das eine rein optionale Erklärung ist.
Gerade einem intelligenten planenden Täter wäre klar, dass "keep it simple" das Erfolgsrezept ist, dass dagegen jedes aus irgendeinem raffinierten Hirnfick geborene Detail im Zweifel erstens nicht so laufen muss wie gedacht und zweitens unterm Strich geeignet ist, mehr zu offenbaren als nötig.
Dass sie weg ist und nach ihr gesucht bzw. ihr Verschwinden aufzuklären versucht werden wird ist klar. Da ist jedes sichtbare Detail von Nachteil, und zwar insbesondere all das, was vom Allgemeinen abweichend auf ein wie auch immer gelagertes "besonderes" Vorgehen hinweist.
Wie gesagt, eine "gut" geplante Entführung findet in einer kontrolliert maximal risikofreien Situation (Zeit, Ort) statt und danach ist das Opfer weg, spurlos verschwunden, das wars. Kein beobachtbares Zusammentreffen oder gar Abgriff in der Öffentlichkeit mit (wenn überhaupt) nur kurzfristig planbarem Ort+Zeit. Keine ominösen Ablenkungs-SMS in der Nacht. Keine notwendigen wiederholten Opfer-Anrufe, "weil sie unerwartet früh vermisst wurde". Keine Ablage, die zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglicherweise sehr kurzfristig gefunden werden konnte, Stichwort Spuren und Zeugen.
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Genau das frage ich mich auch. Ich sehe keinen Vorteil für ihn. Grundsätzlich bedeuten mehr Menschen auch immer ein höheres Risiko gestört, gesehen und verraten zu werden.
[/quote]
Den einzigen für den Täter möglicherweise vorteilhaften Punkt erkenne ich darin, dass "Fußball schauen gehen" ein gutes Cover gewesen sein könnte, um sich allabendlich für andere Aktivitäten auf den Weg zu machen. Allabendliches Wegfahren und spät wieder heimkommen wäre in der Zeit Nachbarn wohl nicht als auffällig aufgefallen mit dieser Begründung, selbst in einem Haushalt mit weiteren Personen hätte man sich mit "ich geh zum public viewing" wohl gut abseilen können.
Das halt auch nur einschlägig, wenn seine Situation da auch tatsächlich einer solchen Tarnung bedurft hätte.