MORDFALL LIEBS -- Diskussion

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Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von HP1 » Montag, 26. Januar 2026, 08:46:51

Gast2 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 23:09:33 (...)
Ich meine, Frauke hat eventuell doch einen starken Hinweis gegeben.
"Das geht nicht - ich lebe noch."
Schaut euch diesen Satz mal genau an, er ergibt keinen Sinn, aber ist auch nicht so auffällig, dass der Täter direkt hellhörig wird.
(...)
Im Kontext laut Gedächtnisprotokoll antwortet Frauke damit auf Karens Äußerung "...wir räumen auch die Wohnung."

Ich verstehe das so dass Karen damit gemeint hat, man würde sie auch in Ruhe lassen, nicht bedrängen, wenn sie zurückkommt. In der Woche befanden sich permanent Leute (abwechselnd) in der Wohnung, an jenem Abend zu etwas früherer Uhrzeit auch eine größere Anzahl. "Die Wohnung räumen" also im Sinne von "nicht x Anwesende, die dich bedrängen, ausfragen würden". Das passt auch zu der Wahrnehmung des Umfelds, dass in der Woche durchaus nicht sicher war, ob ein Verbrechen vorliegt, dass man dies nur vermutet und vor allem befürchtet hat. Dass Frauke nicht nach Hause kommen will, weil sie irgendeine Scheiße gebaut hat, damals ja auch vertretene Ansicht ihres Bruders Frank.
Klar, in diesem letzten Telefonat ergab sich dann ein anderer Eindruck, aber das heißt nicht, dass Karen das da so schnell erfasst und verarbeitet haben müsste, dass eine spontane Äußerung entsprechend "vielleicht traut sie sich nicht heim" von ihr unsinnig gewesen sein müsste.

Ja, und Frauke war bei dem Telefonat augenscheinlich mental ziemlich derangiert, ihre Antworten teils viel mehr spontan-assoziativ als überlegt sinnhaft.
Ich verstehe ihre Antwort "Das geht nicht - ich lebe noch." so, dass sie bei "die Wohnung räumen" das Bild von "leerräumen, auflösen" der Wohnung hatte, im Zusammenhang mit ihrer da wohl (fast) alles bestimmenden Befürchtung eines Ausgangs, bei dem sie nicht mehr heimkommen würde, wäre ihre Antwort eine nicht unerwartbare assoziative Reaktion. Ihr Bild von "Wohnung räumen" also, man würde die Wohnung leerräumen/auflösen, da sie nicht wiederkommen würde. Wie gesagt, ich gehe da nicht von einer sortierten Frauke aus, die überlegt sinnvoll antwortet, sondern davon, dass sie assoziativ reagiert.
Dass ihre Antwort "keinen Sinn ergibt", sehe ich also nicht so.


Aber als möglicher Hinweis auf einen Ort - spontan denke ich da an Friedhof. Man lebt noch, und deshalb geht es nicht (dass man dort ist). Tatsächlich dann natürlich wohl eher in der Nähe von als direkt auf einem Friedhofsgelände.
Oder (wenn man in Gedanken das "ich" etwas betont): ich lebe noch, anders als...
Oder dass irgendetwas (gar nicht das "Wohnung räumen" gemeint) nicht geht, weil sie noch lebt. In dem Sinne, dass sie wohl sterben muss, damit (im Interesse des Täters) etwas gehen/passieren kann?
Alles nur Ideen, bin nicht so der Fan von geheimen Botschaften in den Telefonaten.


Mal abgesehen von Botschaften, in "ich lebe noch" steckt viel drin.
Zum einen, dass Frauke zu dem Zeitpunkt zumindest ernsthaft befürchtet, bald nicht mehr zu leben, vielleicht auch davon ausgeht.
Vielleicht auch ein "ich habe bisher überlebt". Anzeichen, dass ihr möglicher Tod vielleicht schon früher hätte eintreten können, dies dann aber nicht stattfand, vielleicht von ihr(?) abgewendet werden konnte?
Zum anderen aber auch, ich weiß nicht, ob ich das gut verständlich ausdrücken kann: Wäre Frauke da vollkommen fatalistisch, sich also ihres baldigen Todes zweifellos sicher gewesen - ich weiß nicht, ob sie dann spontan genau dies geäußert hätte. Für mich drückt "ich lebe noch" eher einen zwar bedrohten Zustand aus, der aber auch noch aufrecht erhalten werden kann, als die Gewissheit, dass dieser Zustand demnächst enden würde.
Auch im Zusammenhang meines Verständnisses dieser Äußerung als Reaktion auf das "Wohnung räumen": Wäre sich Frauke in diesem Moment ihres baldigen Todes sicher gewesen, hätte sie nicht spontan auf das "Wohnung räumen" (als Handlung in Folge ihres dauerhaften Verschwinden/Ablebens verstanden) so mit Widerspruch reagiert.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von HP1 » Montag, 26. Januar 2026, 07:42:40

Hamburger hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53 Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Das nicht, natürlich. Aber ich meine, ein vorab planender Täter, insbesondere wenn er so intelligent und "raffiniert" sein soll, der würde doch kein Vorgehen planen, das man hinsichtlich Spuren/Zeugen als riskant einschätzen muss. Genau das was du weiters sagst, Zufall/Glück - genau davon hängt ein intelligenter Plan nicht ab.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von HP1 » Montag, 26. Januar 2026, 07:26:23

Jolu65 hat geschrieben: Montag, 26. Januar 2026, 07:03:45 Warum musste Frauke Liebs letztendlich sterben ?
Diese Frage ist ja verknüpft mit der ihrer Unterbrinungssituation während des Verschwindens. Es gäbe natürlich auch Gelegenheiten ein Opfer auch über längere Zeiträume gefangen zu halten (...)
Deine Gedanken dazu sind gut, gehen an dieser Stelle allerdings von zwei Voraussetzungen aus:
Erstens, dass es überhaupt im Rahmen des Motivs (geplant) vorgesehenes, also primäres Tatziel war, Frauke über einen Zeitraum lebend festzuhalten, und nicht etwa eine Notwendigkeit, die sich ergeben hatte.
Zweitens, wenn es ein primäres Tatziel war, dass dann ein längeres Festhalten (lebendig) ein Zugewinn gewesen wäre. "Mehr ist mehr" gilt nicht immer.
Wenn man plant, jemanden festzuhalten (wozu auch immer), hat man doch möglichst auch eine "Exit-Strategie" am Start, und das nicht unbedingt "irgendwann", sondern mit vorgesehenem zeitlichen Rahmen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Jolu65 » Montag, 26. Januar 2026, 07:03:45

Warum musste Frauke Liebs letztendlich sterben ?
Diese Frage ist ja verknüpft mit der ihrer Unterbrinungssituation während des Verschwindens. Es gäbe natürlich auch Gelegenheiten ein Opfer auch über längere Zeiträume gefangen zu halten, jedoch nimmt die Gefahr des Entdeckrwerdens mit der Zeit zu. Ein Täter- oder eher wie ich glaube eine Täterin- hat ein soziales Leben. Deshalb muss sich ein solche Person für jeden ihrer Schritte in der Tatabfolge ein "soziales" Alibi verschaffen. Bei sehr kontaktarmen Personen ist das gut durchzuhalten, aber nicht bei Menschen "die mitten im Leben stehen".
Es ist demnach für mich gut vorstellbar, dass die Tat nur in einer gewissen Zeit verübbar gewesen ist; nämlich in der Zeit, in der die Tatperson oder die Tatpersonen über ein Versteck für FL verfügen konnte bzw. konnten und/oder der soziale Druck sehr gering war.

Wer käme da in Frage ?
Ehepartner, wo ein Teil für längere Zeit abwesend sind, beispielsweise bei Kur oder Reha, bei Auslandseinsätzen der Bw, bei Dienstreisen o.ä.
Jugentliche oder jüngere Erwachsene, deren Eltern ein längere Reise unternahmen
Personen einer Hausverwaltung oder einer Maklerfirma, die wissen konnten, dass Eigentümer nicht auftauchen werden.

Wie gelangte Frauke Liebs in die Gewalt eines Entführers ?
Geht man davon aus, dass Paderborn während der WM auch am späten Abend nicht menschenleer war, muss ein Entführer FL ohne stärkere Gewalteunwirkung überwältigt haben oder, so glaube ich sie kannte die Person. Trotzdem muss letztendlich eine Überwältigung stattgefunden haben. Das kann z.B. auch mit einer Injektion passiert sein.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von JohnLemon » Montag, 26. Januar 2026, 06:43:34

caro hat geschrieben: Montag, 26. Januar 2026, 04:04:37 Man hat hier eben diesen aussergewöhnlichen Kriminalfall.
Und die Frage ist, ob nicht die aussergewöhnlichen Umstände, die kurz vorher passiert sind, dabei eine Rolle spielen könnten.

Als Aussenstehender sehe ich blos diese zwei höchst ungewöhnlichen, kurz aufeinanderfolgenden Ereignisse.
Hier eine Verbindung herzustellen, oder das Eine als Folge auf das Andere zu sehen, ist der Versuch diese extreme Unwahrscheinlichkeit zu erklären.

Zuerst gibt es den Selbstmord. Dies ist der Auslöser für die Bekanntschaft von Frauke mit Nils (und seinem Freundeskreis?). Kurze Zeit später verschwindet Frauke und wird ermordet.

Hat sich Frauke, ohne es zu ahnen, hier in einem Minenfeld bewegt? Das vielleicht auch nicht allen anderen Beteiligten so bewusst gewesen ist?

Wir sprechen ja von Nils als den neuen Bekannten.
Andersrum betrachtet war für Nils und seinen Bekannten- bzw. Freundeskreis Frauke die neue Bekannte.
Und vielleicht gab jemanden (als ein Beispiel) der die neue Bekannte, also Frauke, überhaupt nicht leiden konnte.
Zwei Gründe/Motive wären denkbar: Neid/Eifersucht und Wut.
Und der Selbstmord von T., unter dessen Zeichen die Bekanntschaft überhaupt zustande kam, könnte als zusätzlicher, verstärkender Trigger bei jemanden gewirkt haben.
Natürlich wäre der Zusammenhang denkbar. Quasi ein Racheakt, da bei irgendwem der Eindruck entstand, dass mit den Gefühlen des „gebeutelten“ Niels gespielt wird/wurde.

Niemand weiss wie das Picknicken wenige Tage zuvor verlaufen ist. Durchaus möglich dass Frauke ihm gesagt hat, das mehr als Freundschaft nicht drin ist.

Anders herum war Niels womöglich in Frauke verschossen, jemand Drittes hat es auch so aufgenommen und will dieser Konstellation zwischenfunken, um Niels einen auszuwischen, aufgrund der Konstellation mit T. (vlt, hat Jemand aus T. seinem Kreis die Schuld für seinen Suizid bei N. ausgemacht).

Warum denn dann die Anrufe an Chris? Passt alles nicht wirklich.

Eine Racheakt aufgrund von nicht erwiderter Zuneigung/Liebe stellt für mich allerdings ein doch sehr denkbares, grundsätzliches Szenario dar. Wer auch immer derart getriggert wurde..

Niels wurde aufgrund der Alibis (..) ausgeschlossen, dennoch sollte das Umfeld genauestens geprüft werden, sofern nicht getan

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von HP1 » Montag, 26. Januar 2026, 06:42:26

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 10:58:55 Ich kann deinem letzten Satz nicht zustimmen. Es ist ein Fehler, den Täter einfach als einen gewöhnlichen Idioten darzustellen.
Du wirfst ihm vor, die Planung sei katastrophal und völlig falsch durchdacht gewesen – aber die Tatsache ist, dass der Fall nach 20 Jahren noch immer ungelöst ist. Er bleibt eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte, gerade wegen des außergewöhnlichen Modus Operandi des Täters, und wir versuchen immer noch, ihn zu entlarven und sein Vorgehen zu rekonstruieren.
Für mich spricht das eher für seine Raffinesse und nicht für seine Unfähigkeit.
(Reaktion auf meinen letzten Satz: "Jemanden der so "plant", den könntest du doch nicht mal guten Gewissens zum Einkaufen schicken, meine ich.")

Nein, ich habe den Täter nicht als "gewöhnlichen Idioten" hingestellt. Der Satz ist im Kontext des übrigen wie auch meiner vorigen Beiträge als Konjunktiv zu lesen:
Ich gehe (aus verschiedenen Gründen) nicht von einer vorab geplanten Tat aus. Ein Grund dafür ist, dass ich bei einer geplanten Tat (eines nicht gewöhnlichen Idioten...) erstens keine so provisorische Herangehensweise beim Tateinstieg erwarten würde und zweitens keinen Verlauf erwarten würde, bei dem die Notwendigkeit von wiederholten Kontaktaufnahmen sich ergeben oder gar vorab geplant gewesen sein könnten.
In diesem Sinne wäre mein letzter Satz allein gestellt zitiert so zu lesen: Einen Täter, der so geplant hätte, usw.

Es ist in meinen Augen ein Irrtum, von einem ungelösten Fall mit ungewöhnlichen, irritierenden/mysteriösen Details auf einen Täter mit besonders gut geplantem, durchdachten und raffinierten Vorgehen zu schließen. Nicht im Sinne von "im Gegenteil", sondern nur, dass das eine rein optionale Erklärung ist.
Gerade einem intelligenten planenden Täter wäre klar, dass "keep it simple" das Erfolgsrezept ist, dass dagegen jedes aus irgendeinem raffinierten Hirnfick geborene Detail im Zweifel erstens nicht so laufen muss wie gedacht und zweitens unterm Strich geeignet ist, mehr zu offenbaren als nötig.
Dass sie weg ist und nach ihr gesucht bzw. ihr Verschwinden aufzuklären versucht werden wird ist klar. Da ist jedes sichtbare Detail von Nachteil, und zwar insbesondere all das, was vom Allgemeinen abweichend auf ein wie auch immer gelagertes "besonderes" Vorgehen hinweist.
Wie gesagt, eine "gut" geplante Entführung findet in einer kontrolliert maximal risikofreien Situation (Zeit, Ort) statt und danach ist das Opfer weg, spurlos verschwunden, das wars. Kein beobachtbares Zusammentreffen oder gar Abgriff in der Öffentlichkeit mit (wenn überhaupt) nur kurzfristig planbarem Ort+Zeit. Keine ominösen Ablenkungs-SMS in der Nacht. Keine notwendigen wiederholten Opfer-Anrufe, "weil sie unerwartet früh vermisst wurde". Keine Ablage, die zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglicherweise sehr kurzfristig gefunden werden konnte, Stichwort Spuren und Zeugen.
Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:23:58 Genau das frage ich mich auch. Ich sehe keinen Vorteil für ihn. Grundsätzlich bedeuten mehr Menschen auch immer ein höheres Risiko gestört, gesehen und verraten zu werden.
Den einzigen für den Täter möglicherweise vorteilhaften Punkt erkenne ich darin, dass "Fußball schauen gehen" ein gutes Cover gewesen sein könnte, um sich allabendlich für andere Aktivitäten auf den Weg zu machen. Allabendliches Wegfahren und spät wieder heimkommen wäre in der Zeit Nachbarn wohl nicht als auffällig aufgefallen mit dieser Begründung, selbst in einem Haushalt mit weiteren Personen hätte man sich mit "ich geh zum public viewing" wohl gut abseilen können.
Das halt auch nur einschlägig, wenn seine Situation da auch tatsächlich einer solchen Tarnung bedurft hätte.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von caro » Montag, 26. Januar 2026, 04:04:37

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 17:27:55 Da stimme ich dir zu. Was ich unter anderem damit sagen will: auch ein vorher völliges Unschuldslamm könnte in einer persönlichen Ausnahmesituation durch Emotionen wie Wut, Verzweiflung, Trauer, Depression mit einem dünnen Nervenkostüm eben auch schnell die Nerven verlieren und dazu braucht es dann nicht unbedingt viel, außer einem sehr persönlichen Trigger. Das bedeutet aber eben nicht, dass derjenige direkt tötet. Dies ist ja im Fall von Frauke auch nicht so geschehen. Viel eher bin ich der Meinung, hat der Täter durch wachsenden Druck in einem eigens aufgebauten Schneeballeffekt, die Tötung letztlich als einzigen Ausweg für sich gesehen.
Man hat hier eben diesen aussergewöhnlichen Kriminalfall.
Und die Frage ist, ob nicht die aussergewöhnlichen Umstände, die kurz vorher passiert sind, dabei eine Rolle spielen könnten.

Als Aussenstehender sehe ich blos diese zwei höchst ungewöhnlichen, kurz aufeinanderfolgenden Ereignisse.
Hier eine Verbindung herzustellen, oder das Eine als Folge auf das Andere zu sehen, ist der Versuch diese extreme Unwahrscheinlichkeit zu erklären.

Zuerst gibt es den Selbstmord. Dies ist der Auslöser für die Bekanntschaft von Frauke mit Nils (und seinem Freundeskreis?). Kurze Zeit später verschwindet Frauke und wird ermordet.

Hat sich Frauke, ohne es zu ahnen, hier in einem Minenfeld bewegt? Das vielleicht auch nicht allen anderen Beteiligten so bewusst gewesen ist?

Wir sprechen ja von Nils als den neuen Bekannten.
Andersrum betrachtet war für Nils und seinen Bekannten- bzw. Freundeskreis Frauke die neue Bekannte.
Und vielleicht gab jemanden (als ein Beispiel) der die neue Bekannte, also Frauke, überhaupt nicht leiden konnte.
Zwei Gründe/Motive wären denkbar: Neid/Eifersucht und Wut.
Und der Selbstmord von T., unter dessen Zeichen die Bekanntschaft überhaupt zustande kam, könnte als zusätzlicher, verstärkender Trigger bei jemanden gewirkt haben.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 03:07:54

caro hat geschrieben: Montag, 26. Januar 2026, 01:37:04 [...]
Ich schliesse einen gewissen Plan keineswegs aus, nur ist die Frage, bis wohin und wie weit dieser reichte.
Um bei dem Beispiel sexueller Übergriff zu bleiben:
In diesem Szenario wäre es z.B. denkbar, dass der Täter mit der Hoffnung auf ein ONS mit Frauke an einem ruhigen, eventl. abgeschiedenen, ( von Niemanden die Zweisamkeit störenden) Ort gefahren ist. Dafür hatte er einen geeigneten Ort/Räumlichkeit zur Verfügung.
Erst dort ist die Sache aus dem Ruder gelaufen und etwas ist vorgefallen, dass nicht beabsichtigt war.
Ablehnung, ein Streit, Handgreiflichkeit. Eine Verletzung bei Frauke, mit der er sie unmöglich gehen lassen konnte.
Und ebenfalls erst im Nachhinein, hat sich dieser Ort ebenfalls als geeignet erwiesen, Frauke für noch längere Zeit dort festzuhalten.
Ich habe mich auch mit dieser Möglichkeit beschäftigt, scheitere aber immer an folgenden Punkten (führe jetzt nicht alle auf):

1.
Welcher Ort hätte das sein können?
Meine Bedenken mit dem eigenen Zuhause des Täters habe ich eben geschildert.

Was bleibt noch für ein vom Täter geplantes Rendez-vous?

Das Auto - als Festhalteort für eine Woche nach meiner Ansicht vollkommen ungeeignet.

Irgendeine Wiese, ein Waldstück – kein abschließbarer Ort.

Ein Schuppen, eine Jagdhütte – wenn für den Täter zugänglich, dann auch für andere.
Zudem war Sommer, Jugendliche sind abenteuerlustig, eine Menge Leute gingen mit ihren Hunden spazieren, wanderten, fuhren Rad.

Und je entlegener der Ort, um so auffälliger die Autofahrt zu ihm.
Die Alternative, Frauke geknebelt und an den Händen gefesselt mehrere Hundert Meter durch einen Wald laufen zu lassen, wäre auch nicht besser gewesen.

2.
Welchen Sinn hätte es für den Täter gehabt, Frauke eine ganze Woche festzuhalten?
Wenn er gehofft hätte, sie beruhigen und von einer Anzeige abbringen zu können:
Es ist doch sehr anzunehmen, dass Frauke zum Schein darauf eingegangen wäre. Natürlich ist es naheliegend, dass dem Täter aufgegangen wäre, sich darauf nicht verlassen zu können. Aber für diese Erkenntnis soll der Täter eine Woche gebraucht haben? Zumal ihm nicht entgangen sein dürfte, dass Frauke sich in der Gefangenschaft nicht gerade erholte.

3.
Wozu die Anrufe (Plural)?
Frauke war bereits zwei Tage in seiner Gewalt, als sie das erste Mal anrief.
Warum ließ er sie nicht früher frei oder wenigstens bald nach diesem Anruf?

4.
Nach meiner Ansicht spricht das Verhalten des Täters klar für seine Skrupellosigkeit und Nervenstärke. – und gegen die Annahme eines panisch agierenden und überforderten Täters.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 02:37:30

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:41:34 Ich gebe dir Recht, was den Effekt der Menschenmassen angeht. Man geht darin unter, Leute fokussieren sich eher auf das was direkt um sie herum geschieht, weniger auf das was sich ein paar Meter weiter zuträgt. Dieser Effekt dürfte im Fall von Frauke gegriffen haben, ABER ( und das hab ich eben genau so formuliert): es gibt mehr POTENZIELLE Zeugen. Der Täter, der auf Sicherheit bedacht gewesen sein dürfte, hätte sich nicht einfach darauf verlassen. Er hätte die berechtigte Sorge haben müssen, dass jemand ihn oder sein Fahrzeug sehen könnte und dann wäre seine akribische Planung direkt für'n Arsch gewesen. [...]
Aber hätte es für einen Täter, der Frauke entführen wollte, denn eine bessere Option gegeben?
Und auch bei einem zufällig ausgewählten Entführungsopfer hätten sich Zeugen oder auffällige Spuren nicht mit Sicherheit ausschließen lassen.

Es gibt nach meiner Ansicht bei den weitaus meisten Verbrechen keine völlige Sicherheit für den Täter - begangen werden sie trotzdem.

Viele Täter bemühen sich aber, die Gefahr des Gefasstwerdens zu verringern. Und diese Absicht kann man auch Fraukes Entführer unterstellen.

Bei einer geplanten Tat wäre nach meiner Meinung genau das der Sinn der 1. SMS aus Nieheim gewesen:
Die Polizei von Fraukes Nachhauseweg, wo es unweigerlich Spuren von dem Täter geben musste, abzulenken und den Schwerpunkt auf Nieheim zu verlagern, wo Frauke sich, wenn man der SMS glaubte, noch freiwillig aufhielt und das Verbrechen also erst nach diesem Zeitpunkt stattgefunden haben konnte.

Außerdem wurde mit einer vorgeblich freiwilligen Fahrt Fraukes nach Nieheim der Täterkreis eingeschränkt. In diesem Fall war es naheliegend, dass der Täter Frauke vertraut war oder sie zumindest großes Interesse an ihm hatte. Eine für den Täter günstige Schlussfolgerung, wenn beides auf ihn (wie ich annehme) nicht zutraf.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 01:56:22

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:27:26 [...]
Wenn wir davon ausgehen, dass der Täter die Tat lange geplant hat und die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ganz bewusst als Zeitpunkt für die Entführung ausgewählt wurde, kann man das sehr genau erklären.
Ich stimme dir zu, dass sich an jedem Freitag oder Samstag bei Partys eine günstige Gelegenheit ergeben könnte, aber eine Sommer-Weltmeisterschaft, noch dazu im eigenen Land, ist eine völlig andere Dimension.
Ich habe nie in Deutschland gelebt, 2006 war ich ein Kind, aber als polnischer Staatsbürger habe ich zum Beispiel die EM 2012 in Polen erlebt, und das Niveau des positiven Chaos auf den Straßen, der eingeschläferten Wachsamkeit, des gegenseitigen Vertrauens und dieses „Lebens nur für die Spiele und das Turnier“ war unglaublich. Die Städte, Kleinstädte, Dörfer – alle lebten nur für dieses Turnier, und wenn ich heute mit etwas Abstand darüber nachdenke, wäre das für einen Täter, der seine Tat präzise geplant hat, die ideale Zeit für einen Angriff.
Ich habe den Eindruck, dass die Atmosphäre während der WM 2006 in eurem Land sehr ähnlich war. Ihr müsst mir sagen, ob ich damit richtigliege, aber nach allem, was ich gesehen und gelesen habe, und auch wenn man sich den Fall Frauke anschaut und wie Paderborn auf den Straßen die Spiele gefeiert hat, war die Stimmung genau so, wie ich sie beschreibe. Die Weltmeisterschaft ist außerdem ein logistisches Großereignis, Menschenmassen aus der ganzen Welt reisen an, die Polizei muss im ganzen Land auf vielen Ebenen Sicherheit gewährleisten. Der Täter könnte sehr genau gewusst haben, was das für eine Zeit ist, falls er das so geplant hat [...]
Du hast die Situation in Deutschland sehr zutreffend beschrieben.
Davon hätte nicht nur ein Täter, der Frauke gewaltsam entführte, profitieren können, sondern auch ein Täter, dem es gelang, Frauke freiwillig in sein Auto einsteigen zu lassen.
Die Stimmung war in der Regel sehr gelöst, viele sahen sich die Spiele mit anderen zusammen an (z. B. in Kneipen), während andere, die sich nicht dafür interessierten, oft lieber gar nicht ausgingen. Auch wenn in den Straßen viele unterwegs waren - in einer solchen Atmosphäre gehen die anderen eher in der Masse unter.
Eine aufmerksamere und vielleicht argwöhnische Betrachtung entgegenkommender Menschen ist nach meinem Eindruck an einem normalen Abend mit weniger Passanten wahrscheinlicher.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von caro » Montag, 26. Januar 2026, 01:37:04

Hamburger hat geschrieben: Montag, 26. Januar 2026, 00:17:58
1.

Der Gegenentwurf zu einer geplanten Tat besteht in unserer Diskussion vor allem in der Vorstellung, der Täter habe Fraukes Entführung gar nicht beabsichtigt und sei eher aus Hilflosigkeit in eine ausweglose Lage geraten. "Irgendetwas" sei "aus dem Ruder gelaufen" (etwa ein sexueller Übergriff) und er habe Frauke aus Angst vor den Folgen festgehalten, in panischer Überforderung und mit der Absicht, sie später wieder nach Hause gehen zu lassen.

Hallo Hamburger, gute Einwände.
Ich möchte das kurz umreissen, weil ich auch jemand bin, der nicht glaubt, dass dieses Verbrechen von Anfang bis Ende "durchgeplant" gewesen ist.
Ich schliesse einen gewissen Plan keineswegs aus, nur ist die Frage, bis wohin und wie weit dieser reichte.
Um bei dem Beispiel sexueller Übergriff zu bleiben:
In diesem Szenario wäre es z.B. denkbar, dass der Täter mit der Hoffnung auf ein ONS mit Frauke an einem ruhigen, eventl. abgeschiedenen, ( von Niemanden die Zweisamkeit störenden) Ort gefahren ist. Dafür hatte er einen geeigneten Ort/Räumlichkeit zur Verfügung.
Erst dort ist die Sache aus dem Ruder gelaufen und etwas ist vorgefallen, dass nicht beabsichtigt war.
Ablehnung, ein Streit, Handgreiflichkeit. Eine Verletzung bei Frauke, mit der er sie unmöglich gehen lassen konnte.
Und ebenfalls erst im Nachhinein, hat sich dieser Ort ebenfalls als geeignet erwiesen, Frauke für noch längere Zeit dort festzuhalten.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 01:23:48

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:21:06 [...]
Ich könnte jemanden bei mir Zuhause in den Keller sperren und niemand würde das mitbekommen. Ich habe eine angrenzende Garage und durch den Keller könnte ich mein Opfer ins Fahrzeug verbringen und niemand würde es sehen. Einkaufen muss ich sowieso, wem fällt da auf, ob ich noch wen anders mit versorge? Ich hätte auch durchaus Kabelbinder, Seile etc um jemanden zu fesseln und zu knebeln. Was ich nicht hätte, wären entsprechende Substanzen um jemanden zu sedieren.
[...]
Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 14:21:06 [...]
Ich könnte jemanden bei mir Zuhause in den Keller sperren und niemand würde das mitbekommen. Ich habe eine angrenzende Garage und durch den Keller könnte ich mein Opfer ins Fahrzeug verbringen und niemand würde es sehen. Einkaufen muss ich sowieso, wem fällt da auf, ob ich noch wen anders mit versorge? Ich hätte auch durchaus Kabelbinder, Seile etc um jemanden zu fesseln und zu knebeln. Was ich nicht hätte, wären entsprechende Substanzen um jemanden zu sedieren.
[...]
Wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt, ist auch ein Keller nicht sehr geeignet.
Andere Mieter könnten im Keller Geräusche hören und benutzen die Garage ebenfalls. Wer besitzt mit 25 oder 30 ein eigenes Haus? Und auch im Alter darüber ist es nach meinem Eindruck unter Alleinstehenden (es sei denn, sie sind geschieden oder verwitwet) eher üblich, in einer Wohnung zu leben als sich den Aufwand von Haus und Garten zuzumuten, wenn man als Berufstätiger ohnehin nicht viel davon hat.

Einem Täter, der keine Entführung plante, hätte es nichts genutzt, wenn Kabelbinder und Seile zu Hause in seinem Keller liegen. Er musste Frauke an Ort und Stelle überwältigen.

Er hätte sie, körperliche Stärke vorausgesetzt, zwar niederringen, aber nicht gleichzeitig Auto fahren können. Nach meinem - allerdings unzulänglichen - Wissensstand ist es keineswegs so einfach, jemanden bewusstlos zu schlagen. Ein paar brutale Ohrfeigen reichen in der Regel nicht, und bei einer stärkeren Gewalteinwirkung auf den Schädel hätten sich später davon doch noch wahrscheinlich Spuren finden lassen?

Wenn es dem Täter gelungen wäre, Frauke zu sich nach Hause zu locken, hätte er im Fall einer Wohnung die oben geschilderten Probleme gehabt. Abgesehen von der Gefahr, dass Frauke Wohnungsnachbarn auf sich hätte aufmerksam können, hätte der Täter sie für die Anrufe fünfmal zu seinem Auto und mindestens viermal zurückbringen müssen – und zwar in einem nicht bewusstlosen Zustand, denn sie musste ja telefonieren.

In einem Mehrfamilienhaus hätte er sie auf dem Weg zur Garage also knebeln müssen, und viele solcher Häuser haben keinen direkten Zugang zu einer Garage. Frauke hätte sich, eine Übelkeit oder eine Verletzung vortäuschend, fallen lassen können, etc.
Das Einkaufen wäre wirklich kein Problem gewesen, aber vieles andere schon.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Iven » Montag, 26. Januar 2026, 00:35:42

Gast2 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 23:09:33 Es wird immer sehr viel über den letzten Gesprächsinhalt diskutiert und überlegt, ob dort versteckte Botschaften enthalten sind.

Ich denke, wenn ich an Fraukes Stelle wäre, würde ich mir einen bestimmten Satz zurechtlegen und versuchen, damit zumindest einen Hinweis auf meinen Aufentshaltsort oder Täternamen zu geben, ohne es direkt zu sagen.

Ich meine, Frauke hat eventuell doch einen starken Hinweis gegeben.
"Das geht nicht - ich lebe noch."
Schaut euch diesen Satz mal genau an, er ergibt keinen Sinn, aber ist auch nicht so auffällig, dass der Täter direkt hellhörig wird.

Interessanterweise hat Frauke diesen Satz so ziemlich als erstes bei ihrer Schwester "fallen" gelassen.
Vielleicht hat sie gedacht, sie würde ihn eher als Chris verstehen.

Schaut euch den Satz einfach mal an, nicht unbedingt inhaltlich, aber mir ist da was aufgefallen - was ich aber leider nicht schreiben darf, da ich sonst gegen Regeln verstoßen würde.

Du beziehst Dich eher auf den zweiten Teil des Satzes, oder?
Wenn ja, weiß ich, glaube ich, was Du meinst. Ich hatte mir auch schon mal darüber Gedanken gemacht, war mir aber nicht sicher.
Aber jetzt, wo Du das ansprichst ...

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Montag, 26. Januar 2026, 00:17:58

[/quote]
Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 22:33:11 Was spricht gegen einen Täter, der in der Lage ist in einer brenzligen Situation zu funktionieren und rational zu handeln?

Karen Liebs hat ein Beispiel genannt, was man natürlich nicht konkret übertragen kann, aber ein solches Verhalten beschreibt:
Sie sagte, dass ihre Familie da sehr ruhig und rational handeln würde, wenn z.b. das Haus anfängt zu brennen. dann würden sie erstmal den Hund retten und dann vllt noch wichtige Papiere und erst wenn alles erledigt wäre, dann würden alle komplett ausrasten.

Ich bin der Meinung, auch der Täter könnte sich in dieser Woche so verhalten haben. Rational und kurzfristig nach bestmöglichen Vorgehensweisen schauen und diese umsetzen. Den Tagesablauf planen. [...]
1.

Der Gegenentwurf zu einer geplanten Tat besteht in unserer Diskussion vor allem in der Vorstellung, der Täter habe Fraukes Entführung gar nicht beabsichtigt und sei eher aus Hilflosigkeit in eine ausweglose Lage geraten. "Irgendetwas" sei "aus dem Ruder gelaufen" (etwa ein sexueller Übergriff) und er habe Frauke aus Angst vor den Folgen festgehalten, in panischer Überforderung und mit der Absicht, sie später wieder nach Hause gehen zu lassen.

Wie ist ein solches Verhalten mit dem Bild eines sehr rational und überlegt handelnden Täters vereinbar?

Einem solchen Täter wäre vollkommen klar gewesen, dass er das Ausmaß seines Anfangsverbrechens ständig verschlimmert und die Aussicht, einigermaßen gut aus der Sache herauszukommen, drastisch vermindert.

Ihm wäre bewusst gewesen, dass er nicht nur seine erste Tat nicht ungeschehen machen könnte, sondern dass die Qual der tagelangen Gefangenschaft kaum Fraukes Bereitschaft fördert, sie niemandem zu verraten.
Dass Frauke bei ihrer Rückkehr erst nach Tagen einem ganz anderen Aufklärungsdruck ausgesetzt wäre, als wenn sie noch in der ersten Nacht bedrückt nach Hause gekommen wäre.
Ein solcher Täter, der seine Lage sehr rational reflektiert hätte, hätte früh begriffen, dass mit jeder Stunde und erst recht mit jedem Tag die Hoffnung auf eine gute Lösung für ihn schwindet. Die Anrufe hätten ihm nichts genutzt, weil nach Fraukes Freilassung kein vernünftiger Mensch daran gezweifelt hätte, dass sie zu ihnen gezwungen war.

2. Der Vergleich mit Karens Beispiel passt nach meiner Ansicht nicht. Die meisten von uns werden sich schon mal überlegt haben, wie sie im Fall eines Brandes reagieren, oder von Menschen gelesen haben, die in einer solchen Situation waren.
Bei einem Brand kommt es darauf an, die Nerven zu behalten. Aber wenn das gelingt, ist klar, was zu tun ist: das zu retten, was einem das Wichtigste ist. Man mag irgendwelche Dokumente oder wertvollen Bilder vergessen, aber die Richtung des Handelns ist klar – darüber muss man nicht erst mal noch grübeln.
Und in dieser Lage war ein Täter eben nicht, der völlig unvorbereitet und unbeabsichtigt in ein Verbrechen „hineinschlitterte“.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Gast2 » Sonntag, 25. Januar 2026, 23:09:33

Es wird immer sehr viel über den letzten Gesprächsinhalt diskutiert und überlegt, ob dort versteckte Botschaften enthalten sind.

Ich denke, wenn ich an Fraukes Stelle wäre, würde ich mir einen bestimmten Satz zurechtlegen und versuchen, damit zumindest einen Hinweis auf meinen Aufentshaltsort oder Täternamen zu geben, ohne es direkt zu sagen.

Ich meine, Frauke hat eventuell doch einen starken Hinweis gegeben.
"Das geht nicht - ich lebe noch."
Schaut euch diesen Satz mal genau an, er ergibt keinen Sinn, aber ist auch nicht so auffällig, dass der Täter direkt hellhörig wird.

Interessanterweise hat Frauke diesen Satz so ziemlich als erstes bei ihrer Schwester "fallen" gelassen.
Vielleicht hat sie gedacht, sie würde ihn eher als Chris verstehen.

Schaut euch den Satz einfach mal an, nicht unbedingt inhaltlich, aber mir ist da was aufgefallen - was ich aber leider nicht schreiben darf, da ich sonst gegen Regeln verstoßen würde.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:33:11

Hamburger hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53 Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.



Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.
Was spricht gegen einen Täter, der in der Lage ist in einer brenzligen Situation zu funktionieren und rational zu handeln?

Karen Liebs hat ein Beispiel genannt, was man natürlich nicht konkret übertragen kann, aber ein solches Verhalten beschreibt:
Sie sagte, dass ihre Familie da sehr ruhig und rational handeln würde, wenn z.b. das Haus anfängt zu brennen. dann würden sie erstmal den Hund retten und dann vllt noch wichtige Papiere und erst wenn alles erledigt wäre, dann würden alle komplett ausrasten.

Ich bin der Meinung, auch der Täter könnte sich in dieser Woche so verhalten haben. Rational und kurzfristig nach bestmöglichen Vorgehensweisen schauen und diese umsetzen. Den Tagesablauf planen. Überlegen, was mache ich morgen?

Das bedeutet auch nicht, dass er nicht zwischendurch verzweifelt gewesen sein dürfte. Aber es gibt praktisch veranlagte Menschen, die einen kühlen Kopf bewahren können, wenn sie selbst in Gefahr sind und tun, was zu tun ist.

Grundsätzlich können wir eben auch nicht beurteilen, wie viel Glück er dabei hatte. Vllt kann er es selbst bis heute nicht fassen, dass das alles so funktioniert hat.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:27:41

Hamburger hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53 Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.



Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.
Wir sind uns einig, was die Planung der Tat durch den Täter betrifft.
Ich habe eine Frage an dich – und auch an die anderen Mitlesenden: Wie erklärst du dir, woher die Überzeugung des Täters kam, dass Frauke während der Telefonate absolut nichts verraten würde?

Ich verstehe, dass er sie möglicherweise mit dem sofortigen Tod bedroht hat, falls sie irgendetwas preisgibt. Trotzdem kann man niemals sicher davon ausgehen, wie sich ein Mensch in einer existenziellen Extremsituation verhält. Manche Menschen sind bereit, sehr riskante oder sogar verzweifelte Dinge zu tun, um ihr eigenes Leben zu retten, wenn sie wissen, dass ihnen der Tod droht.

Frauke hätte alles Mögliche verraten können – selbst Kleinigkeiten wie den Aufenthaltsort, die Straße, auf der sie sich befanden, oder irgendein Detail, das den Täter hätte belasten können. Besonders während des letzten Telefonats hätte sie das tun können, zumal sie dort zu Beginn sogar einräumte, dass sie entführt worden war. Sie wusste, dass der Tod nahe war – warum hat sie dennoch nichts verraten?

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Detective Bartek » Sonntag, 25. Januar 2026, 22:19:35

Trodat5203 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 21:41:34 Ich gebe dir Recht, was den Effekt der Menschenmassen angeht. Man geht darin unter, Leute fokussieren sich eher auf das was direkt um sie herum geschieht, weniger auf das was sich ein paar Meter weiter zuträgt. Dieser Effekt dürfte im Fall von Frauke gegriffen haben, ABER ( und das hab ich eben genau so formuliert): es gibt mehr POTENZIELLE Zeugen. Der Täter, der auf Sicherheit bedacht gewesen sein dürfte, hätte sich nicht einfach darauf verlassen. Er hätte die berechtigte Sorge haben müssen, dass jemand ihn oder sein Fahrzeug sehen könnte und dann wäre seine akribische Planung direkt für'n Arsch gewesen. Ebenso hätte der Täter die Polizeipräsenz überhaupt nicht absehen können, immerhin war es ja nicht jährlich so, dass hier in diesem Land eine WM stattfand und er diesbezüglich schon hätte Erfahrungen sammeln können. Also bitte nicht das Pferd von hinten aufzäumen! Heute wissen wir, seine (zumindest situative) Planung hat funktioniert. Heute wissen wir, er hatte auch Glück nicht gesehen worden zu sein. Heute wissen wir, die Polizei war wahrscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt als Fahrzeugkontrollen durchzuführen. Heute wissen wir: die Anrufe bewirkten, dass die Ermittlungen zurückgefahren wurden. Auch das Gegenteil hätte passieren können. Aber all das konnte der Täter damals nicht voraussehen. Er hat also entweder in totaler Selbstüberzeugung und Größenwahn gehandelt oder er hat diese Tat opportunistisch begangen und hatte dazu Glück.
Ich frage mich ernsthaft, ob du – wie auch andere, die die Theorie vertreten, der Täter habe Frauke ursprünglich gar nicht töten wollen – wirklich glaubst, das sei ein sehr junger Typ gewesen, vermutlich etwa in Fraukes Alter: ein Junge, der etwas Dummes getan hat, eine Frau entführt und dann völlig überfordert ist.
Denn die Fahndung lief ja extrem früh an: Im Radio kamen Meldungen, und man konnte sogar den Ort eingrenzen, von dem aus sie ihre SMS geschickt hat. Wenn der Täter wirklich panisch gewesen wäre und nichts geplant hätte, wenn das alles „so nicht gedacht“ gewesen wäre – warum verhält er sich dann plötzlich so, als hätte er die Lage im Griff? Statt Frauke irgendwo still zu verstecken und erstmal abzuwarten, packt er sie tagelang ins Auto, fährt mit ihr durch die Stadt, in der sie überall gesucht wird und an jeder Ecke Plakate hängen. Er lässt sie die Familie anrufen und geht dabei das Risiko ein, dass sie in jedem Moment etwas sagt, das ihn auffliegen lässt. Und er fährt sogar am helllichten Tag, am Nachmittag, mit der entführten Frauke irgendwohin.
Passt so ein dreistes, riskantes Vorgehen wirklich zu einem verunsicherten Jungen, der Frauke nicht verletzen will? Für mich klingt das eher nach jemandem, der merkt, dass alles nach Plan läuft, der anfängt, Familie und Polizei zu manipulieren – und der sogar mit ihr durch die Stadt fährt, in der sie entführt wurde. Das wirkt auf mich wie Kühnheit und ein Gefühl totaler Kontrolle, nicht wie ein verzweifelter Versuch, aus der Situation herauszukommen – zumal ihn ein einziger Fehler komplett hätte zu Fall bringen können.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Hamburger » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:54:53

HP1 hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 03:47:41 [...]
Mal ganz direkt gefragt:
Wenn du planst jemanden zu entführen, wäre das dann dein Plan? Würdest du planen, sie zu entführen unter solchen Voraussetzungen, wo du von vornherein weißt, dass du gut möglich jemandem auf ihrer Heimwegstrecke im entsprechenden Zeitfenster auffallen könntest, vielleicht auch mit ihr beobachtet werden könntest, und zwar von Leuten, die dich und/oder sie kennen? Wäre dann für dich die Idee, mit ihrem Handy von irgendwo noch eine SMS abzusetzen der springende Punkt, damit daraus ein "guter" Plan würde?
Ich sag mal so, wenn ich jemanden geplant entführen würde, dann gäbe es auf jeden Fall keine möglichen Zeugen und definitiv auch keinen Anlass, im Nachhinein mit der Außenwelt einen Kontakt herzustellen, weder Fake-SMS noch Anrufe. Plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden und das wars, ohne bzw. ohne weiterführende Spuren [...]
Ich glaube nicht, dass man jemanden entführen kann mit der völligen Gewissheit, keine Spuren zu hinterlassen.
Selbst wenn Täter und Entführungsopfer im tiefsten Wald zufällig aufeinandertreffen, gibt es Spuren der beiden, bis sie zu diesem Ort gelangen, und Spuren, wenn sie ihn wieder verlassen. In einer einsamen Gegend, wo die Wahrscheinlichkeit von Zeugen sehr gering ist, ist aufgrund dieser Einsamkeit die Sicherung der Spuren von Opfer und Täter um so wahrscheinlicher (Fuß-, Reifenspuren etc.).

Man kann kein perfektes Verbrechen planen, weil die Wirklichkeit immer unberechenbar bleibt. Dieses Risiko, gefasst zu werden, hält aber viele Verbrecher nicht ab - offenbar ist das Motiv für das Verbrechen stärker als das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit.
Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 10:58:55 Ich kann deinem letzten Satz nicht zustimmen. Es ist ein Fehler, den Täter einfach als einen gewöhnlichen Idioten darzustellen.
Du wirfst ihm vor, die Planung sei katastrophal und völlig falsch durchdacht gewesen – aber die Tatsache ist, dass der Fall nach 20 Jahren noch immer ungelöst ist. Er bleibt eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte, gerade wegen des außergewöhnlichen Modus Operandi des Täters, und wir versuchen immer noch, ihn zu entlarven und sein Vorgehen zu rekonstruieren.
Für mich spricht das eher für seine Raffinesse und nicht für seine Unfähigkeit.
Ich glaube, dass der Täter auch sehr viel Glück hatte, aber wie Du bin ich der Ansicht, dass die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst wurde, weitaus eher für ein überlegtes Handeln und eine geplante Tat spricht.
Die Planung der Tat bedeutet eben nicht, dass alles so ablief, wie der Täter geplant hatte - das war nach meiner Vermutung keineswegs der Fall. Aber bei einem Täter, der diese Entführung plante, kann man von großer Skrupellosigkeit und Nervenstärke ausgehen.
Ich halte es wie @DetectiveBartek für sehr unwahrscheinlich, dass ein Täter, der "irgendwie" in diese Situation "hineinrutschte", all diese Herausforderungen einer spontan zu organisierenden Gefangenschaft, den Druck der polizeilichen Ermittlung, die Anrufe etc. hätte bewältigen können, ohne auffällige Spuren zu hinterlassen.

Re: MORDFALL LIEBS -- Diskussion

von Trodat5203 » Sonntag, 25. Januar 2026, 21:41:34

Detective Bartek hat geschrieben: Sonntag, 25. Januar 2026, 18:01:27 Das ist eine gute Frage. Genau heute hat mir @Miss_Erfolg eine sehr ähnliche Frage gestellt. Ich habe sehr genau erklärt, welche Gründe und Argumente dafür sprechen, dass der Täter gerade diesen Zeitraum für seine Tat gewählt hat. Lies bitte meinen Beitrag von heute, den 25.01.26 um 14:27 Uhr, in der vorherigen Registerkarte 1443. Ich bin gespannt, was du dazu meinst.
Ich gebe dir Recht, was den Effekt der Menschenmassen angeht. Man geht darin unter, Leute fokussieren sich eher auf das was direkt um sie herum geschieht, weniger auf das was sich ein paar Meter weiter zuträgt. Dieser Effekt dürfte im Fall von Frauke gegriffen haben, ABER ( und das hab ich eben genau so formuliert): es gibt mehr POTENZIELLE Zeugen. Der Täter, der auf Sicherheit bedacht gewesen sein dürfte, hätte sich nicht einfach darauf verlassen. Er hätte die berechtigte Sorge haben müssen, dass jemand ihn oder sein Fahrzeug sehen könnte und dann wäre seine akribische Planung direkt für'n Arsch gewesen. Ebenso hätte der Täter die Polizeipräsenz überhaupt nicht absehen können, immerhin war es ja nicht jährlich so, dass hier in diesem Land eine WM stattfand und er diesbezüglich schon hätte Erfahrungen sammeln können. Also bitte nicht das Pferd von hinten aufzäumen! Heute wissen wir, seine (zumindest situative) Planung hat funktioniert. Heute wissen wir, er hatte auch Glück nicht gesehen worden zu sein. Heute wissen wir, die Polizei war wahrscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt als Fahrzeugkontrollen durchzuführen. Heute wissen wir: die Anrufe bewirkten, dass die Ermittlungen zurückgefahren wurden. Auch das Gegenteil hätte passieren können. Aber all das konnte der Täter damals nicht voraussehen. Er hat also entweder in totaler Selbstüberzeugung und Größenwahn gehandelt oder er hat diese Tat opportunistisch begangen und hatte dazu Glück.

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