UTE WERNER 10.08.1988 Mittwoch / sexueller missbrauch, erstochen
Folge #1 bis in die träume der ermittler
https://open.spotify.com/episode/2V6Qvek9SbiYn7zEWbcCSZ
- mittwoch 10. august 1988 morgens los zur ausbildungsstelle (bus)
- 18:00 arbeitsschluss
- am 10.08. ca 18:20 arbeitskollegen bringen sie zum rosenplatz (letzte sichtung)
- abends gemeinsames essen mit oma geplant 19:00
- donnerstag 11. august vermisstenmeldung durch oma
- 22. august 1988, 12 tage nach verschwinden wird sie gefunden
- "spaziergänger" findet die leiche
- fundort: spaziergänger im waldstück am harderberg, wald grenzt an maisfeld nahe franziskushospital, paar meter abseits der b68.
- b68 verbindet arbeitsplatz mit wohnort von ute.
- noch am selben abend wurde ute vergewaltigt und mit mehreren messerstichen getötet
- 1,69 groß schlank
- dunkelblonde schulterlange leicht gelockte haare
- rosafarbenes sweatshirt
- weißes tshirt
- weiße leinenhose, weiße schuhe
- rote handtasche (nicht auffindbar)
- lebt mit oma in bad rothenfelde (kurort landkreis osnabrück)
- ihr auto ist kaputt, fährt mit bus zur arbeit
- abends rückfahrt mit bus (bus normal, trampen häufig)
- kollegen bringen sie oft von bremer straße (ausbildungsplatz) zum neumarkt oder rosenplatz
- ausbildungsstelle 25 km entfernt osnabrück stadtteil schinkel
[bremer straße vermutl]
- ausbildung bandagistin, heute orthopädietechnikerin
- trampen idr von ibacher str über hilter nach bad rothenfelde
-
fundort: kleiner unbefestigter feldweg, kaum erkennbar die einfahrt
- unklar ob täter ortskenntnisse hatte, lt ermittlern
- fundort = tatort, also wald nahe b68
- warum hat der leichenfund so lange gedauert? stelle gut einsehbar
- spazierwege zum krankenhaus führen da lang
- opfer lag nicht in einem dickicht
- 50 schritte von (geheim), der fundort durfte nicht fotografiert werden
- ermittler glaubt nicht, dass da 12 tage kein mensch lang gelaufen ist
- verwesungsprozess weit fortgeschritten, heiss im august, schlechte umstände für spurensuche auch in der umgebung
1 woche nach auffinden meldet sich zeugin
- märz 1988 vorfall berichtet
- zeugin fährt per anhalter
- wird vom fahrer vergewaltigt
- nähe franziskushospital b68, also ungefähr dort wo utes leiche gefunden wurde
- frau sagt,
auto war präpariert, so dass sie nicht flüchten konnte
[wohl dass beifahrertür sich nicht öffnen ließ]
beide tatorte (vergewaltigung zeugin + mord ute werner) lt ermittler:
- liegt HINTER franziskushospital (zeugin märz 1988)
- in gehweite, wenige 100 meter
- ablauf, modus operandi, passt auch ungefähr, vergleichbar
- opfer eben sexualstraftat und wurde aus fahrzeug befördert
- keine so schlimme folge
- aber auch einsatz messer, bedroht
- oliver hussmann (schreibweise?) (damaliger arbeitskollege) sagt: "mennewisch" chef wollte nicht, dass sie suchen - wegen angst vorm fund
- "monika" eine freundin äußert sich (nicht ihr richtiger name)
- roter golf, war ein hinweis, aber zeuge hatte sich im tag vertan
31:45
nahlah saimeh forensische psychiaterin zu anhaltermorden
wenn wir über morde sprechen und nicht über totschlag, sprechen wir über eine bestimmte Delikt Kategorie und da muss man natürlich sehr unterschiedliche Motive auch nochmal untersuchen und unterschiedliche täter-opfer Beziehungen.
und was vom risikoprofil her immer ein statistisch höheres risiko hat, ist eine völlig zufällige opferwahl.
also wenn sie mit jemanden sonst überhaupt nichts zu tun haben und sie kennen den gar nicht und sie bringen den einfach um, muss man sich schon fragen warum sie das tun.
die wahrscheinlichkeit, dass sie das tun weil sie vom töten in irgendeiner weise fasziniert sind, ist relativ hoch.
Folge #2 im kopf des täters
https://open.spotify.com/episode/2opwhoSmv0GEflVam9vZyo
..zeugin steigt ins auto..
- hollmann kripo: dies gehörte nun sicherlich zu einem
herausragenden verbrechen, das in osnabrück passiert ist.
- zeugin vergewaltigt nähe franziskushospital, wo wenige monate später vergewaltigt und erstochen mit messer
- zeugin ist abends ende märz 1988 von der arbeit die
johannisstraße runtergegangen
- langsam richtung rosenplatz
- dann hielt ein fahrzeug (kleinwagen) neben ihr, fahrer kurbelt scheibe runter und sprach sie an
- ob er sie nach hause bringen solle, zumal es anfing zu regnen
- sie sagt ja ok, ist zugestiegen
- normalerweise hätte er relativ früh rechts abbiegen müssen um sie nach hause zu bringen
- aber er fährt weiter iburger straße, sie wurde argwöhnisch, man hat nicht mehr viel gesprochen
- das war das mit süddeutscher mundart
- genau da abgebogen, wo auch der täter/die täter mit ute werner abgebogen sind (sein müssten, sein dürften, wahrscheinlichkeit sehr sehr hoch)
- tatort liegt
nicht unmittelbar am tatort von ute werner, sondern hinter dem franziskushospital, aber wirklich in gehweite, sind nur wenige 100 meter, da ist dieser vergewaltigungs-tatort
- vom modus operandi passt da auch so ungefähr
- auch einsatz messer, wurde bedroht
- beide frauen etwa am gleichen ort angesprochen, ein zufall ?
-
phantombild wird nach angaben der zeugin angefertigt
- sehr ausgesprägte geheimratsecken
- kräftig, nicht dick
- blond, zurückgekämmt
- 185 - 190 groß
- nach 10 tagen (beim fund der leiche) konnten sich die zeugen nicht mehr richtig erinnern
- z.b. zeiten wann sie zuletzt gesehen wurde
- nach 4 monaten wurde soko ute werner aufgelöst
nahlah saimeh forensische psychiaterin
bei den anhalterinnenmorden die ja in den 70er jahren nicht so selten waren, kommen mehrere faktoren zusammen: eine idr sehr junge frau alleine, die irgendwie unterwegs ist, nicht strikt geplant unterwegs ist, sondern das anhaltertum überlässt viele dinge dem zufall, also wird nicht zur konkreten zeit erwartet, also unsicherheitsfaktoren.
das signalisieren sie auch, indem sie an der straße stehen. und einsteigen.
sie signalisieren eine gewisse risikofreudigkeit.
und das auto ist in der kontrolle absoluten kontrolle des fahrers
dann gibts männer die gelegenheiten nutzen und diese frau alleine ist sozusagen eine gelegenheit
dann hohe anonymität, sie sind ja völlig fremd, die frau weiß überhaupt nichts über sie
hochrisikoverhalten seitens der anhalterinnen.
als ich kind war in den 70er jahren war es eine gängige gesellschaftliche grundhaltung, wenn eine anhalterin vergewaltigt wird, ist sie selber schuld. würden wir heute nicht sagen. aber war eine gesellschaftlich andere aufhängung eines unrechtsverständnisses.
in den 70er jahren gab es glaube ich 60-70 tötungsdelikte sexuell motiviert oder assoziiert pro jahr, jetzt liegt seit jahren die quote bei 10 bis maximal 20.
eine massive reduktion und hat zu tun mit der veränderung der annahmen über geschlechter und geschlechterrollen in der gesellschaft. eine geschlechtergerechtere gesellschaft ist eine letztlich gewaltärmere gesellschaft in bezug auf geschlechtsspezifische gewalt.
jede situation in der sie in hoher anonymität völlig fremden leuten begegnen und ihnen eine komplette kontrolle über sich andienen in gewisser weise ist potenziell eine risikoreiche Situationen. gelegenheiten zur Kriminalität zeichnen sich dadurch aus, dass es eben gelegenheiten sind,
das man etwas tut in einer ganz bestimmten situation, was man unter höherer sozialer kontrolle niemals tun würde.
also der gleiche mann der eine anhalterin vergewaltigt, würde irgendwie nicht in der kantine seines betriebs möglicherweise auffällig werden. weil da zuviel soziale kontrolle ist. sondern das macht er dann wenn es praktisch ist.
dann haben sie in der tat durchaus auch das phänomen des verdeckungsmords. es soll ein sexualdelikt geschehen, hegt sexuelle phantasien, die er dann aus reiner gelegenheit, weils einfach praktisch ist, in die tat umsetzt und es kommt dann zu einer eskalation. und er vergegenwärtigt sich dann, dass sie vielleicht das nummernschild gesehen oder was beschreiben könnte und dann gibt es den point of no return, dass die frau getötet wird. weil einfach eine opferzeugin beseitigt werden soll, das ist die eine variante, nicht unbedingt geplant
die andere variante ist, dass taten vorbereitet werden, nämlich dass sie dann im auto schon so ein rape-kit haben (klebeband..).
beim mörder von ute werner bestand damals und besteht auch heute noch der verdacht, dass ute nicht sein einziges opfer war. haben wir es mit einem
serientäter zu tun ?
nahlah saimeh forensische psychiaterin wenn wir über morde sprechen und nicht über totschlag, sprechen wir über eine bestimmte deliktkategorie und da muss man natürlich sehr unterschiedliche Motive auch nochmal untersuchen und unterschiedliche täter-opfer Beziehungen.
und was vom risikoprofil her immer ein statistisch höheres risiko hat, ist eine völlig zufällige opferwahl. also wenn sie mit jemanden sonst überhaupt nichts zu tun haben und sie kennen den gar nicht und sie bringen den einfach um, muss man sich schon fragen warum sie das tun.
die wahrscheinlichkeit dass sie das tun, weil sie vom töten in irgendeiner weise fasziniert sind, ist ja dann relativ hoch.
wenn sie psychisch gesund sind im engeren sinne, dann muss es entweder eine verdeckung sein oder aber sie haben ein interesse am töten und an diesem macht-kick und diesem dominanzerleben. und ich kenne leute die ihnen das auch erzählen, die einfach sagen, ich wollte mal sehen wie das ist wenn einer stirbt und ich wollte mal ausprobieren wie es ist wenn ich töte. ich wollte das töten ausprobieren. diese personen haben in der tat eine schwierige legalprognose; das ist prognostisch ungünstig, da ist die wahrscheinlichkeit, dass es einen zweiten mord gibt über mehr oder minder lange zeit höher.
perfektes verbrechen?
nahlah saimeh forensische psychiaterin wenn sie keinerlei zeugen haben,
wenn man sie eben nicht beobachtet und damit keine potenzielle täterbeschreibung gegeben werden kann.
wenn sie nicht in irgendeiner entsprechenden straftäterdatei erfasst sind,
wenn sie keine gut dechiffrierbare spurenlage hinterlassen
und wenn es eben ein absolutes zufallsopfer ist,
dann ist es schwierig - das sind glaube ich gute voraussetzungen..
Folge #3 mord verjährt nicht
https://open.spotify.com/episode/2AlBQWDFTaNC5zPI47XC7w
nahlah saimeh forensische psychiaterin eine ganz ungewöhnliche geschichte. mann ist in routinekontrolle gekommen, hatte gewisse promillezahl und polizei hat ihn rausgefischt. muss autoschlüssel und wagen stehen lassen. dann mann nach hause und hatte dort noch zweitschlüssel für wagen. hat sich dann überlegt, dass er den wagen da nicht stehen lassen wird. ist zurück und losgefahren. dummerweise kam er genau in dieselbe polizeistreife wieder rein, die paar straßen weiter waren. und polizei hat ihn wieder rausgewunken. hat ihn wiedererkannt. sagt ein polizeibeamter: das hab ich ja überhaupt in meinen 20 jahren polizeiarbeit noch nicht erlebt. und dann sagt der mann: ich erzähl ihnen jetzt mal was, was sie noch nie erlebt haben. und dann hat er sich als mörder zu erkennen gegeben. in einem cold case, der schon über 20 jahre zurücklag.
holtmann: "wir haben
so ziemlich alles am leichenfundort auffinden können, ausser dieser rote umhängetasche"
Folge #4 die heisse spur
https://open.spotify.com/episode/2AlBQWDFTaNC5zPI47XC7w
- roter leinenbeutel
[auch geheimniskrämerei..]
- man könnte sogar den hersteller nennen, kleines braunes lederemblem drauf
- cp war das? fragt reporter
- gibts bilder von, sagt ermittler
- inhalt nichts besonders auffälliges
- geldbörse gefunden worden? nein
- tascheninhalt fehlt, zeug was üblicherweise so dabei
- bekleidung und das opfer wurden gefunden
warum nimmt täter tasche mit
- einfach im auto verblieben
- spekulationen trophäensammler
wichmann - kein zusammenhang
- göhrde-mörder war vermutlich nicht der mörder von ute
- aber gemeinsamkeiten: dass
täter von ute ein serienmörder war
wenn beide verbrechen (mord ute + vergewaltigung zeugin märz) von ein und demselben mann
- nach dem mord nichts auffälliges passiert
- unwahrscheinlich dass er aufgehört hat
- hat raum osnabrück verlassen eher, woanders straftaten eventuell
für serienmörder im fall ute werner spricht
- aus gespräch mit Nahlah Saimeh: die rein zufällige opferwahl, wie vermutlich ute werner, spricht dafür, dass man es nicht mit einer Einzeltat zu tun hat
hollmann-kripo:
- untersuchung von spurenträgern, die wir noch haben, ist nicht in allen fällen gegeben.
- auch in den 80er jahren noch nicht wusste, was tatsächlich auch im bereich der dna-untersuchung möglich sein wird.
- oftmals fehlen spurenträger die heute noch nachuntersucht werden können
bei ute werner ist das ein bisschen anders, wir haben das.
utes kleidung ist archiviert und können mit neuen methoden auf dna-spuren gesichert
wobei es schwierig ist aufgrund der langen liegezeit des opfers. das macht die spurenlage nicht besser.
[hollmann-kripo weicht aus, ob sie nachuntersucht werden können]
eine spur führt ins ruhrgebiet
hollmann kripo hat geschrieben:wir können noch eine ganze menge machen, also ich habe durchaus die hoffnung dass wir den täter erkennen können, wenn er mal vor uns steht. das könnte ich mir schon vorstellen. wir haben eine interessante spur, die führt uns ins ruhrgebiet so kann man das sagen. ich könnte das auch noch weiter eingrenzen, das will ich gar nicht machen. diese spur ist relativ neu. die ist relativ neu. wir können sie uns nicht erklären. so muss man das im moment formulieren. wir haben keine ahnung: warum führt uns das dahin. das kann alles darein passen, das kann auch der mensch mit süddeutschem dialekt sein, der im zusammenhang auch mit dem ruhrgebiet steht, das kann man im moment noch nicht sagen. das ist alles ein bisschen suspekt.
die b68 in osnabrück die ute vermutlich mit dem mörder entlang fuhr, führte und führt nach NRW.
nrw und auch das ruhrgebiet sind nicht weit weg von osnabrück.
uns fällt ein, wenn der täter sich nicht freiwillig stellt, braucht hollmann einen beweis dass er am tatort war.
das kann eine dna-spur sein, die heute mit neuer technik entdeckt wird.
utes leichnam bei hohen temperaturen im wald. trotzdem wurde
etwas dna gesichert. diese untersuchungen sind auch bis zum heutigen tage noch nicht gänzlich abgeschlossen. wir haben schon untersuchungsergebnisse, aber wir hoffen weiterhin auf positive ergebnisse. positiv heisst durchaus treffer, also auch dna treffer kann man sagen.
hollmann: ..wenn ich ein weiteres dna profil kriege. ..bricht ab.. will nichts verraten
wollten damals von "monika" (freundin) ganz genau wissen,
in welchen lokalen die jungen leute ihre freizeit verbrachten.
die disko bonaparte und das lokal casablanca waren solche anziehungspunkte. ute war stammgast, man kannte sich zumindest vom sehen. vielleicht galt das ja auch für ihren mörder?
oder der täter stellt sich irgendwann freiwillig. kommt auch vor.
nahlah saimeh forensische psychiaterin das sind sehr unterschiedliche und sehr individuelle beweggründe. also das kann sein dass jemand in einer lebenskrise ist, in einer lebenssituation die sich für ihn als sackgasse anfühlt und dass der an dem punkt aufräumen will mit seiner bisherigen lebensgeschichte. und dann eine tötung gesteht die er auch begangen hat. weil er innerlich das gefühlt hat: jetzt geht es einfach nicht mehr weiter, jetzt muss er etwas für sich sortieren und dann gehört ein tötungsdelikt auch dazu.
beweggründe des geltungsbedürnfisses, dass man was gemacht hat und das bedürfnis groß ist, etwas sehr ungewöhnliches irgendwann doch bekannt zu geben. aber das tut man natürlich idr dann, wenn man in einer lebenssituation ist in der man nicht so ganz viel andere dinge vom leben erwartet. und dann sind wir wieder beim ersten punkt also umbruchsituation, sackgasse. also wo man sagt jetzt wirds für mich eng, jetzt hab ich mit bestimmten punkten abgeschlossen, jetzt kann ich auch gestehen.
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