von Gast » Donnerstag, 05. November 2026, 22:16:11
Gast hat geschrieben: ↑Donnerstag, 05. November 2026, 19:34:16
Super auf den Punkt gebracht. Das möchte ich betonen, dass es genau das ist, was doch auffällt. Niemand ihrer Gesprächspartner berichtete, sie habe einfach aufgelegt, das Gespräch wurde zu keiner Zeit abrupt beendet. Und es war überhaupt nicht so, dass sie nur einen sturen Satz sagte und sofort auflegte. Sie hatte enorme Freiheiten bei diesen Telefonaten. Der Täter hat sie scheinbar einfach telefonieren lassen, sogar Anrufe annehmen lassen.
Im letzten Telefonat klingt die Nacherzählung viel eher ja geradezu so, als habe C das Gespräch final beendet und nicht Frauke, was ja vollkommen grotesk wirkt.
Interessanterweise gilt das genau nicht für den ersten Anruf. Ich kopiere hier mal die entsprechende Passage aus der Stern-Doku von 2015 rein:
Donnerstag, 22. Juni 2006, 22.25 Uhr,
Gedächtnisprotokoll von Mitbewohner Chris: "Hallo
Christos, ich wollte sagen, dass es mir gut geht und dass
ich bald nach Hause komme. Sage Mama und Papa und
den anderen Bescheid.
Mitbewohner Chris: Christos? Das sagte sie nur zu mir,
wenn sie sauer war. Wenn ich genau zuhören sollte. Das
war wie ein Text, den sie langsam und monoton
vorgetragen hat. Total benommen, wie auf Drogen, gar
nicht sie selbst. Ich glaube, sie war in einem Raum, aber
sicher bin ich mir nicht. Sie legte direkt wieder auf. Ich
konnte keine Frage stellen. Ich war so erleichtert, dass sie
sich gemeldet hatte. Ein Lebenszeichen.
Es klang wie ein langsam und monoton vorgetragener Text, also auch monologisch. Eine Äußerung der Begrüßung von Chris ist anzunehmen, im Protokoll aber nicht wieder gegeben - da ging es vorrangig darum, was Frauke gesagt hatte.
Am Ende legt sie direkt wieder auf.
Der Passus "Ich wollte sagen, dass..." ist dabei absolut plakativ dafür, dass jemand vorher genau überlegt oder aber vorgegeben bekommen hat, was man denn "sagen wollte", und dass es da nicht um ein Gespräch, sondern ein Statement gehen soll.
Inhaltlich beschränkt auf genau das, was einem etwa als Abwehrreaktion einfallen würde auf die am Donnerstag tagsüber öffentlichen Suchmaßnahmen mit Flyern, Radio, regionaler Tageszeitung, sichtbar involvierter Polizei, Veröffentlichung der Ortsmarke "Nieheim" und dem als mutmaßliche Entführung kommunizierten Verschwinden. Mir gehts gut, ich komme bald nach Hause, sag den andern Bescheid (...dass ich bald nach Hause komme, dass alles OK ist). Keine Erklärung, keine Klapperstorchgeschichten, das Gegenüber gar nicht dazu kommen lassen nachzufragen, direkt wieder auflegen.
Da hat wer (Täter, aber ggf. auch eine kooperative Frauke selbst) mMn offensichtlich darauf reagiert, dass ihr Verschwinden an just demselben Tag von Null auf Hundert als mutmaßliche Entführung öffentlich präsent geworden war.
Der Anruf kam von Dreihausen, einem kleinen Gewerbe-/Wohngebiet direkt an der A33 (Ausfahrt PB-Sennelager) nordwestlich von Paderborn. Recht genau entgegengesetzt dem Raum Nieheim östlich von Paderborn, ebenfalls etwas außerhalb und die Lage direkt an der Autobahnausfahrt legt eine möglichst zügige und "anonyme" Anfahrt vielleicht "von einer ganz anderen Ecke" nahe.
Natürlich mögen das manche als genau so vom Täter als Hoax geplante Konstellation interpretieren wollen, aber wenn man mal etwas Abstand vom Bild eines brainfucked Dr. Evil Mastermind nimmt, liegt die Deutung als etwas zu plakativ umgesetzter Gegenpol zur Ortsmarke Nieheim doch nahe. Muss nicht heißen, dass Raum Nieheim etwas über Täter oder Festhalteort verraten müsste, aber einfach als Reaktion auf die vielleicht nicht erwartete schnelle Lokalisierung der SMS könnte das dem Täter als eine gute Idee erschienen sein. Vielleicht gab es ja mögliche Zeugen oder Kameraaufnahmen bei Fahrt/Aufenthalt im "Raum Nieheim"?
Sie klang benommen, wie auf Drogen, gar nicht sie selbst.
Da spielen viele Aspekte mit rein. Frauke, die dem Vernehmen nach sonst lebhaft und selbstbewusst kommunizierte (allgemein und mit Chris), sagt hier nur einen Text auf, der bestenfalls halb wahr ist und vermeidet ein Gespräch. Der Elefant ist und bleibt im Raum, dass sie weg ist und keine Erklärung dafür gegeben ist. Ohne das genaue Geschehen zu kennen ist trotzdem klar, dass Frauke zu dem Zeitpunkt knapp zwei Tage hinter sich hat, die man als belastend, psychisch/emotional fordernd/überfordernd und gut möglich als ziemlich schlaflos annehmen kann. All das würde mMn schon für eine sehr gedämpfte, bedrückte Stimmung Fraukes beim Anruf ausreichen, der Chris vielleicht als "wie benommen" vokrkäme im Vergleich zu der lebhaften Frauke, die er sonst kennt.
Ob darüber hinaus tatsächlich Drogen/Medis/Alkohol im Spiel waren, ist offen. Wäre natürlich ohne Weiteres möglich, aber ich wäre vorsichtig, Chris´ Vergleich 1:1 als starken Hinweis darauf werten zu wollen, nur um dann in Richtung Arzt etcpp. spekulieren zu können. Spontaner Gedanke: Insbesondere stark verkatert
nach erheblichem Substanzeneinfluss wäre so ein Eindruck ebenfalls naheliegend bei gleichzeitig ausreichender Sortiertheit, so einen Anruf zuverlässig wie vorgesehen führen zu können.
Im Weiteren (Doku) äußern sich Karen und Ingrid Liebs:
Schwester Karen: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass
sie sich noch meldet. Ich hatte das Schlimmste
befürchtet, auch wenn ich mich nicht getraut habe, das
vor den anderen auszusprechen.
Mutter Liebs: Dass sie Chris anrief, war logisch. Sie
vertraute ihm. Und sie wusste, dass ich damals nicht
immer mein Handy in der Tasche hatte. Ihr Vater nutzte
das Handy damals gar nicht. Nach dem Anruf haben wir
in der WG gewartet. Gewartet und gewartet. Auf dem
Handy konnten wir sie nicht erreichen.
Karens Äußerung bezieht sich auf die Zeit
vor Fraukes Anruf. Klar, sie ist spätabends auf dem Heimweg spurlos verschwunden, es gibt noch eine kurze SMS an Chris, dass sie später kommt, dann zwei Tage nichts mehr.
Was Karens geäußerte Befürchtung an dieser Stelle
nicht ist: Eine Überzeugung, die auch nach dem Anruf dann durchgehend und bei allen Beteiligten gegeben war.
Von Ingrid Liebs möchte ich das "Dass sie Chris anrief, war logisch" hervorheben. Sie begründet es damit, dass Chris eine vertraute Person war, zwischen den zeilen mag man lesen, dass er ihr vielleicht auch zumindest im gewöhnlichen/alltäglichen Rahmen näher stand (buchstäblich...) als etwa ihre Eltern.
Und wie auch weiter oben schon geschrieben, wenn eine erwachsene Frau Bescheid sagt, dass sie selbstbestimmt ein paar Tage weg ist (oder diesen Eindruck vermitteln will), dann sagt sie da Bescheid, wo sie wohnt. Und gerade wenn der Eindruck von Freiwilligkeit und Harmlosigkeit weiter kolportiert werden soll fängt man nicht an, noch alle möglichen anderen Leute zu "informieren" - mit ein bisschen Überlegung
gerade dann nicht wenn man annehemn kann, dass die sich Sorgen machen. Klingt vielleicht erstmal paradox, aber es geht ums Auftreten, nicht darum, jeden Einzelnen tatsächlich zu überzeugen - das wäre eh nicht möglich, wenn man keine wirklich gute und glaubwürdige Erklärung parat hat. Da ist ein Mitbewohner mit der Info, sie habe angerufen und gesagt, sie komme bald heim, doch viel realistischer.
So weit, die folgenden Kontaktaufnahmen sind natürlich nicht weniger interessant. Gerade auch deshalb, weil sie keine einfache Fortsetzung des ersten Anrufs sind - inhaltlich größtenteils schon, aber der Rahmen scheint anders, es kommen Details hinzu.
[quote=Gast post_id=369336 time=1793903656]
Super auf den Punkt gebracht. Das möchte ich betonen, dass es genau das ist, was doch auffällt. Niemand ihrer Gesprächspartner berichtete, sie habe einfach aufgelegt, das Gespräch wurde zu keiner Zeit abrupt beendet. Und es war überhaupt nicht so, dass sie nur einen sturen Satz sagte und sofort auflegte. Sie hatte enorme Freiheiten bei diesen Telefonaten. Der Täter hat sie scheinbar einfach telefonieren lassen, sogar Anrufe annehmen lassen.
Im letzten Telefonat klingt die Nacherzählung viel eher ja geradezu so, als habe C das Gespräch final beendet und nicht Frauke, was ja vollkommen grotesk wirkt.
[/quote]
Interessanterweise gilt das genau nicht für den ersten Anruf. Ich kopiere hier mal die entsprechende Passage aus der Stern-Doku von 2015 rein:
[quote]
Donnerstag, 22. Juni 2006, 22.25 Uhr,
Gedächtnisprotokoll von Mitbewohner Chris: "Hallo
Christos, ich wollte sagen, dass es mir gut geht und dass
ich bald nach Hause komme. Sage Mama und Papa und
den anderen Bescheid.
Mitbewohner Chris: Christos? Das sagte sie nur zu mir,
wenn sie sauer war. Wenn ich genau zuhören sollte. Das
war wie ein Text, den sie langsam und monoton
vorgetragen hat. Total benommen, wie auf Drogen, gar
nicht sie selbst. Ich glaube, sie war in einem Raum, aber
sicher bin ich mir nicht. Sie legte direkt wieder auf. Ich
konnte keine Frage stellen. Ich war so erleichtert, dass sie
sich gemeldet hatte. Ein Lebenszeichen.
[/quote]
Es klang wie ein langsam und monoton vorgetragener Text, also auch monologisch. Eine Äußerung der Begrüßung von Chris ist anzunehmen, im Protokoll aber nicht wieder gegeben - da ging es vorrangig darum, was Frauke gesagt hatte.
Am Ende legt sie direkt wieder auf.
Der Passus "Ich wollte sagen, dass..." ist dabei absolut plakativ dafür, dass jemand vorher genau überlegt oder aber vorgegeben bekommen hat, was man denn "sagen wollte", und dass es da nicht um ein Gespräch, sondern ein Statement gehen soll.
Inhaltlich beschränkt auf genau das, was einem etwa als Abwehrreaktion einfallen würde auf die am Donnerstag tagsüber öffentlichen Suchmaßnahmen mit Flyern, Radio, regionaler Tageszeitung, sichtbar involvierter Polizei, Veröffentlichung der Ortsmarke "Nieheim" und dem als mutmaßliche Entführung kommunizierten Verschwinden. Mir gehts gut, ich komme bald nach Hause, sag den andern Bescheid (...dass ich bald nach Hause komme, dass alles OK ist). Keine Erklärung, keine Klapperstorchgeschichten, das Gegenüber gar nicht dazu kommen lassen nachzufragen, direkt wieder auflegen.
Da hat wer (Täter, aber ggf. auch eine kooperative Frauke selbst) mMn offensichtlich darauf reagiert, dass ihr Verschwinden an just demselben Tag von Null auf Hundert als mutmaßliche Entführung öffentlich präsent geworden war.
Der Anruf kam von Dreihausen, einem kleinen Gewerbe-/Wohngebiet direkt an der A33 (Ausfahrt PB-Sennelager) nordwestlich von Paderborn. Recht genau entgegengesetzt dem Raum Nieheim östlich von Paderborn, ebenfalls etwas außerhalb und die Lage direkt an der Autobahnausfahrt legt eine möglichst zügige und "anonyme" Anfahrt vielleicht "von einer ganz anderen Ecke" nahe.
Natürlich mögen das manche als genau so vom Täter als Hoax geplante Konstellation interpretieren wollen, aber wenn man mal etwas Abstand vom Bild eines brainfucked Dr. Evil Mastermind nimmt, liegt die Deutung als etwas zu plakativ umgesetzter Gegenpol zur Ortsmarke Nieheim doch nahe. Muss nicht heißen, dass Raum Nieheim etwas über Täter oder Festhalteort verraten müsste, aber einfach als Reaktion auf die vielleicht nicht erwartete schnelle Lokalisierung der SMS könnte das dem Täter als eine gute Idee erschienen sein. Vielleicht gab es ja mögliche Zeugen oder Kameraaufnahmen bei Fahrt/Aufenthalt im "Raum Nieheim"?
Sie klang benommen, wie auf Drogen, gar nicht sie selbst.
Da spielen viele Aspekte mit rein. Frauke, die dem Vernehmen nach sonst lebhaft und selbstbewusst kommunizierte (allgemein und mit Chris), sagt hier nur einen Text auf, der bestenfalls halb wahr ist und vermeidet ein Gespräch. Der Elefant ist und bleibt im Raum, dass sie weg ist und keine Erklärung dafür gegeben ist. Ohne das genaue Geschehen zu kennen ist trotzdem klar, dass Frauke zu dem Zeitpunkt knapp zwei Tage hinter sich hat, die man als belastend, psychisch/emotional fordernd/überfordernd und gut möglich als ziemlich schlaflos annehmen kann. All das würde mMn schon für eine sehr gedämpfte, bedrückte Stimmung Fraukes beim Anruf ausreichen, der Chris vielleicht als "wie benommen" vokrkäme im Vergleich zu der lebhaften Frauke, die er sonst kennt.
Ob darüber hinaus tatsächlich Drogen/Medis/Alkohol im Spiel waren, ist offen. Wäre natürlich ohne Weiteres möglich, aber ich wäre vorsichtig, Chris´ Vergleich 1:1 als starken Hinweis darauf werten zu wollen, nur um dann in Richtung Arzt etcpp. spekulieren zu können. Spontaner Gedanke: Insbesondere stark verkatert [i]nach[/i] erheblichem Substanzeneinfluss wäre so ein Eindruck ebenfalls naheliegend bei gleichzeitig ausreichender Sortiertheit, so einen Anruf zuverlässig wie vorgesehen führen zu können.
Im Weiteren (Doku) äußern sich Karen und Ingrid Liebs:
[quote]
Schwester Karen: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass
sie sich noch meldet. Ich hatte das Schlimmste
befürchtet, auch wenn ich mich nicht getraut habe, das
vor den anderen auszusprechen.
Mutter Liebs: Dass sie Chris anrief, war logisch. Sie
vertraute ihm. Und sie wusste, dass ich damals nicht
immer mein Handy in der Tasche hatte. Ihr Vater nutzte
das Handy damals gar nicht. Nach dem Anruf haben wir
in der WG gewartet. Gewartet und gewartet. Auf dem
Handy konnten wir sie nicht erreichen.
[/quote]
Karens Äußerung bezieht sich auf die Zeit [i]vor[/i] Fraukes Anruf. Klar, sie ist spätabends auf dem Heimweg spurlos verschwunden, es gibt noch eine kurze SMS an Chris, dass sie später kommt, dann zwei Tage nichts mehr.
Was Karens geäußerte Befürchtung an dieser Stelle [i]nicht[/i] ist: Eine Überzeugung, die auch nach dem Anruf dann durchgehend und bei allen Beteiligten gegeben war.
Von Ingrid Liebs möchte ich das "Dass sie Chris anrief, war logisch" hervorheben. Sie begründet es damit, dass Chris eine vertraute Person war, zwischen den zeilen mag man lesen, dass er ihr vielleicht auch zumindest im gewöhnlichen/alltäglichen Rahmen näher stand (buchstäblich...) als etwa ihre Eltern.
Und wie auch weiter oben schon geschrieben, wenn eine erwachsene Frau Bescheid sagt, dass sie selbstbestimmt ein paar Tage weg ist (oder diesen Eindruck vermitteln will), dann sagt sie da Bescheid, wo sie wohnt. Und gerade wenn der Eindruck von Freiwilligkeit und Harmlosigkeit weiter kolportiert werden soll fängt man nicht an, noch alle möglichen anderen Leute zu "informieren" - mit ein bisschen Überlegung [i]gerade[/i] dann nicht wenn man annehemn kann, dass die sich Sorgen machen. Klingt vielleicht erstmal paradox, aber es geht ums Auftreten, nicht darum, jeden Einzelnen tatsächlich zu überzeugen - das wäre eh nicht möglich, wenn man keine wirklich gute und glaubwürdige Erklärung parat hat. Da ist ein Mitbewohner mit der Info, sie habe angerufen und gesagt, sie komme bald heim, doch viel realistischer.
So weit, die folgenden Kontaktaufnahmen sind natürlich nicht weniger interessant. Gerade auch deshalb, weil sie keine einfache Fortsetzung des ersten Anrufs sind - inhaltlich größtenteils schon, aber der Rahmen scheint anders, es kommen Details hinzu.